Ich kann´s auch schon nicht mehr hören, aber es ist zum KOTZEN: Glyphosat und die Mauschelbande

Man hat es angeblich immer wieder festgestellt und es uns immer wieder einzutrichtern versucht: Glyphosat ist angeblich ganz wunderbar, unschädlich, unbedenklich, einfach unverzichtbar. Wie „wunderbar, unbedenklich und unverzichtbar“ es ist, das habe ich in den letzten Jahren mehrmals versucht in einigen Beiträgen zu „belegen“:

Glauben Sie wirklich noch, dass man „uns“ die Wahrheit erzählt? Von Giftmischern? Die auch noch Milliarden damit verdienen?

EFSA und die Geheimstudien

Seit neuestem rauscht es im digitalen Blätterwald, dass die EU-Lebensmittelbehörde (EFSA) über  Studien verfügt, die sich wohl etwas intensiver mit Glyphosat auseinandergesetzt hatten. Diese Studien sind nie veröffentlicht worden, und – was umso bedenklicher ist – sollen auch nie das Licht der Öffentlichkeit erblicken.

Solche Praktiken sind ja eigentlich nicht neu. Ich hatte bereits einige Male darüber informiert, wie zum Beispiel hier:

Jetzt aber ist es eine Regierungsbehörde, die sich ein böses Beispiel an den Praktiken der Pharmaindustrie genommen hat. Die Begründung, warum Erkenntnisse über eine Substanz geheim gehalten werden, die praktisch jeden in Europa erreicht und beeinflusst, lautet lapidar, dass eine Veröffentlichung die „Geschäfts- und Finanzinteressen der Hersteller“ gefährden würde.[1]

Aber es kommt noch besser: Laut „Spiegel“-online hat die Bundesregierung kräftig mitgeholfen, die Glyphosat-Studien geheim zu halten.[2] In dem Beitrag vom Dezember 2017 berichtet der „Spiegel“, dass die EFSA Glyphosat als vollkommen unbedenklich erklärt hat, aber dennoch die dazu erarbeiteten Studien nicht zu veröffentlichen gedenkt. Was man zu diesem Zeitpunkt lediglich wusste, war, dass die Studien vom Hersteller Monsanto selbst verfasst worden waren. Oder mit anderen Worten: Hier durfte der Hersteller eine Selbstbeweihräucherung in Form von Studien zelebrieren, wovon nur die Selbstbeweihräucherung, nicht aber die Studien an die Öffentlichkeit weitergereicht wurden.

Und es ist mehr als wahrscheinlich, dass die Verhinderung der Veröffentlichung dieser Studien deshalb unternommen wurde, weil eine Veröffentlichung den Selbstbeweihräucherungscharakter der Studien offenlegen und damit die Grundlage für die Zulassung auf äußerst wackeligem Fundament stehen würde. Denn ohne Zulassung kein Verkauf, kein Geschäft – und damit eine Beschneidung von „Geschäfts- und Finanzinteressen“.

Zu diesem Zeitpunkt gab es 4 Grüne Europa-Abgeordnete, die auf eine Herausgabe der Studien beim Europäischen Gerichtshof geklagt hatten. Der Europäische Gerichtshof ließ die Hersteller (Monsanto und Cheminova) als sogenannte „Streithelfer“ im Verfahren zu. Als solche durften sie ihre Version einbringen, warum ihre Studien von der EFSA unter Verschluss gehalten werden sollten. Wie es aussieht, gab es hier die Benennung von Zeugen, die als Unterstützer der EFSA benannt wurden. Und einer dieser Zeugen ist: die deutsche Bundesregierung! Ach was?

Auf Befragung, warum die Bundesregierung diese Geheimhaltung unterstützt, gab das Bundeslandwirtschaftsministerium eine äußerst „erhellende“ Erklärung: „Über die Hintergründe für einzelne prozessuale Schritte gibt die Bundesregierung grundsätzlich keine Auskunft.“ Ja, ist klar! UNd warum Sie das nicht tut ist mir noch klarer.

Zuvor hatte der Minister Christian Schmidt von der CSU im EU-Ministerrat zu einer Verlängerung der Glyphosat-Zulassung zugestimmt und sie damit erst ermöglicht, obwohl eine ausdrückliche Weisung bestand, sich beim Votum zu enthalten.

Die 4 Grünen, die die Klage angestrengt hatten, argumentierten, dass es sich bei den Studien um umweltrelevante Themen handele, bei denen das öffentliche Interesse höher einzuschätzen sei als private Geschäftsinteressen. Und einer der 4 Grünen Abgeordneten, Sven Giegold, brachte das Verhalten der Bundesregierung auf den Punkt: „Die Bundesregierung stellt den Schutz von Lobbyinteressen über den Schutz von Gesundheit und Umwelt.

Game over!? Europäischer Gerichtshof entscheidet, dass geheime Studien herausgegeben werden müssen…

Jetzt steht es also fest! Der Europäische Gerichtshof hat entschieden, dass die EFSA die geheim gehaltenen Studien herausgeben muss. Die Richter begründeten ihre Entscheidung damit, dass das öffentliche Interesse in diesem Fall über das industriell-private Interesse einzuordnen ist. Deshalb reiche es nicht aus, einfach nur Studienergebnisse zu veröffentlichen. Vielmehr habe die Öffentlichkeit das Recht, die Details der Studien zu erfahren und damit den Erkenntnisprozess innerhalb der Studien nachzuvollziehen. Bei der Urteilsbegründung ist auch interessant, dass das Gericht die Emissionen durch Glyphosat in die Umwelt als „real“ betrachtet. Dies hat zur Folge, dass Glyphosat-Rückstände praktisch überall zu finden sind, in Pflanzen, im Wasser und auch in Lebensmitteln. Von daher habe die Öffentlichkeit ein Recht, Informationen über die Langzeitwirkung dieser Emissionen zu erhalten.

Mit anderen Worten: Der Europäische Gerichtshof hat im Wesentlichen den Eingaben der 4 Grünen Abgeordneten entsprochen. Man darf also gespannt sein, wann die Veröffentlichung erfolgt und was die Studien offen legen werden.

Da die Preußen bekannterweise so schnell nicht schießen, gibt es hier auch den obligatorischen Wermutstropfen. Der besteht in diesem Fall darin, dass die EFSA ein Einspruchsrecht hat und innerhalb von 2 Monaten gegen das Urteil Einspruch erheben darf. Ich gehe einmal davon aus, dass die EFSA, unterstützt von Monsanto und seinem Partner, der Bundesregierung und anderen industriefreundlichen Institutionen, dieses Einspruchsrecht wahrnehmen wird und die Veröffentlichung zumindest vorläufig verhindert.

Glyphosat und Krebs – der Streit um des Kaisers Bart

Bei den Grünen und deren Unterstützern freut man sich natürlich über dieses Urteil – zu Recht wie ich meine. Denn es ist keine demokratische Gepflogenheit, Dinge, die im öffentlichen Interesse stehen beziehungsweise jeden einzelnen betreffen beziehungsweise schädigen könnten, zu verheimlichen. Und auch die Einschätzung, dass für die EFSA Geschäftsinteressen über die Gesundheit und Umwelt Vorrang genießen, kann ich nur voll und ganz teilen. Daher ist es erschütternd zu sehen, dass Regierungsbehörden anscheinend bereits so korrupt sind, dass sie bedenkenlos Umwelt und Gesundheit der Bevölkerung an die Industrie verkaufen. Die Geheimhaltung der Studien lässt für mich keine andere Interpretation zu! Denn wenn die Offenlegung der Studien mit einer Geschäftsschädigung verbunden ist, dann ist dies ein fast direktes Eingeständnis, dass die Ergebnisse der Studien geschäftsschädigend sind.

Welche „geschäftsschädigenden“ Ergebnisse dies sind, wird sich noch zeigen müssen. Im Moment liegt der Fokus der Diskussion auf der Frage, ob Glyphosat Krebs erzeugt oder nicht.

Der „Spiegel“ zitiert in seinem weiter oben angegebenen Beitrag eine Reihe von Institutionen, die davon ausgehen, dass Glyphosat in Bezug auf Krebs vollkommen bedenkenlos ist. Das sind dann so Institutionen wie das BfR, die EFSA natürlich, die amerikanische EPA, und noch andere Behörden aus Australien, Japan, Neuseeland, sowie eine Agentur (JMPR – Joint Meeting on Pesticide Residues) der WHO und die Europäische Chemikalienagentur!

Mit anderen Worten: Wenn so viele sagen, dass Glyphosat unbedenklich ist, dann muss das auch stimmen. Vor 500 Jahren hatten auch so viele Autoritäten behauptet, die Erde sei eine Scheibe und stehe im Zentrum des Weltalls. Dann muss damals die Erde wirklich eine Scheibe gewesen sein und hat sich im Laufe der letzten 500 Jahre zu einer Kugel verformt.

Die andere Frage ist, wenn die EFSA sich bereits korrumpieren lässt, wer garantiert uns, dass die anderen Organisationen und Institutionen nicht ähnlich korrupt sind, wenn es um die Bewahrung von Geschäftsinteressen der Industrie geht?

Und da kommt die Diskussion um das krebserzeugende Potenzial von Glyphosat gerade recht. Denn es gibt Argumente dafür und dagegen, die man dann nach Herzenslust und hoffentlich noch sehr lange thematisieren und diskutieren darf. Denn eine solche Diskussion ist geschäftsfördernd. Warum? Weil man über Glyphosat spricht, was ein guter Werbeeffekt ist. Und weil die Diskussion alleine nicht verhindert, dass Glyphosat weiterhin in dem Umfang eingesetzt wird, der das Geschäft mit dem Herbizid aufrecht erhält.

Eine andere Diskussion dagegen, die sich mit anderen Gesundheitsstörungen durch Glyphosat auseinandersetzt, ist da potenziell schädlicher. Eine australische Arbeit[3] aus dem Jahr 2016 zum Beispiel spricht davon, dass Glyphosat und sein Haupt-Metabolit AMPA ein toxisches Potenzial besitzen, da beide in der Lage sind, sich in der Nahrungskette anzureichern und damit sukzessive die Konzentrationen zu erhöhen. Arbeiten zur akuten Toxizität sind nicht in der Lage/nicht geeignet, diese Phänomene zu erfassen und zu beurteilen. Wie es aussieht sind aber gerade diese Arbeiten die Grundlage für die Zulassung und damit den intensiven und extensiven Einsatz der Substanz.

Eine Arbeit[4] aus den USA aus dem Jahr 2018 gibt zu bedenken, dass Glyphosat und sein Metabolit die Ökologie von Mikroorganismen in Boden und Gewässern nachhaltig stört, was wiederum indirekt einen negativen Einfluss auf die Pflanzenwelt ausübt. Diese Verschiebung in der Ökologie der Mikroorganismen in der Umwelt scheint ein treibender Faktor zu sein, der die Proliferation von pflanzlichen und tierischen (damit auch menschlichen) Krankheitserregern unterstützt.

Damit ist es auch denkbar, dass ein direkter Einfluss auf die Gesundheit des Menschen gegeben ist. Denn mit dem Verzehr von mit Glyphosat verseuchten Nahrungsmitteln muss es in entsprechender Weise auch zu einer Beeinflussung des Darmmilieus kommen. Das Resultat wäre eine Verschiebung des Gleichgewichts, welches den entsprechenden Raum für pathogene Varianten zulässt.

Erste Arbeiten dazu scheint es bereits zu geben, die aber bislang nur wenig bis überhaupt nicht diskutiert werden. Eine Arbeit[5] aus dem Jahr 2013 gibt zu bedenken, dass Zöliakie und Glutenintoleranz in Verbindung mit Glyphosat stehen. Die Begründung: Glyphosat ist bekannt dafür, Cytochrom P450 zu blockieren. Dieses Enzymsystem ist im Organismus dafür verantwortlich, eine Reihe von Umweltgiften zu eliminieren. Außerdem aktiviert es Vitamin D3 und ist für eine Reihe von weiteren physiologischen Funktionen verantwortlich.

Zöliakie ist charakterisiert durch eine mangelnde Funktion dieses Cytochroms auf der einen Seite und einer Verschiebung des Darmmilieus auf der anderen Seite. Die Autoren behaupten an dieser Stelle, dass die Zunahme von Zöliakie voll und ganz mit dem Einsatz von Glyphosat erklärt werden kann. Glyphosat scheint also nicht nur Cytochrom P450 zu blockieren (was bereits mehr als bedenklich sein sollte!), sondern auch, ähnlich wie in der Umwelt, die Mikroorganismen im Darm zu verändern – ein Effekt, den man sonst nur von Antibiotika her kennt.

Das gleiche Autoren-Team veröffentlichte 2015 eine Arbeit[6], die zeigte, dass Glyphosat direkt mit einem Mangan-Mangel verbunden ist. Dieser wiederum steht in einem engen Zusammenhang mit Autismus und Morbus Alzheimer. Durch den Einsatz von Glyphosat kommt es zu einer Minderung von Lactobacillus in der Darmflora, was zu einer Verbreitung von Salmonellen führt, die gegen Glyphosat resistent sind. Dieses Ungleichgewicht hat Auswirkungen auf eine Reihe von weiteren neurologischen Komplikationen.

Fazit

Von offizieller Seite scheint alles unternommen zu werden, Glyphosat von jedem Makel zu befreien. Dazu zählen Selbstbeweihräucherungsorgien, Geheimhaltung von an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit belastendem Material und das Anzetteln von fruchtlosen Diskussionen (krebserregend – ja oder nein), gefolgt von der Ignorierung von relevanten Studien, die auf ganz anderen Gebieten als der Krebsforschung zu verheerenden Ergebnissen gekommen sind.

Quellen:

René Gräber

René Gräber

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