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Rückstände von Glyphosat in Lebensmitteln? Ach was. Und wenn schon: Das Zeug ist doch „unschädlich“, oder?

Das ist ungefähr die Standardreaktion. Und sie funktioniert erstaunlich gut, solange man das Thema nicht zu genau anschaut. Denn Glyphosat im Essen ist keine neue „Erkenntnis“. Rückstände wurden schon vor Jahrzehnten nachgewiesen. Bereits Anfang der 1980er Jahre gibt es Arbeiten, die Rückstände von Herbiziden wie Glyphosat in Pflanzen und Umweltproben dokumentieren: Triclopyr, glyphosate und phenoxyherbicide residues in cowberries, bilberries und lichen.https://ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/7326493; leider ohne Zusammenfassung.

Damals gab es noch keine Bio Welle, keine „Clean Eating“ Bewegung, keine Social Media Empörung. Das Bewusstsein war eher: Wird schon passen.

Heute wissen wir: Es passt eben nicht automatisch.

Denn das Problem bei Rückständen ist nicht nur die einzelne Messung. Das Problem ist die Routine. Brot, Brötchen, Mehl, Flocken. Dinge, die viele Menschen täglich essen. Und wenn dort Spuren drin sind, dann ist das kein „Einzelfall“, sondern ein Dauerabo.

ÖKO TEST: Getreideprodukte häufig belastet

Das Verbrauchermagazin ÖKO TEST berichtete in einer Ausgabe im Mai 2013 bereits, dass ein großer Teil getesteter Getreideprodukte mit Glyphosat belastet war. Untersucht wurden Proben aus dem täglichen Verzehr, darunter Mehle, Körnerbrötchen und Getreideflocken. Ein erheblicher Anteil zeigte Rückstände.

Nun kommt regelmäßig der Satz, der alles beruhigen soll: „Alles unterhalb der Grenzwerte.“

Ich halte das für eine der gefährlichsten Beruhigungsformeln unserer Zeit.

Denn Grenzwert bedeutet nicht „harmlos“. Grenzwert bedeutet: juristisch noch zulässig. Und diese Grenze wird nicht nach dem Prinzip festgelegt: „Was ist optimal für Ihre Gesundheit?“, sondern nach dem Prinzip: „Was ist gerade noch vermarktbar?“

Wenn ein Stoff in Lebensmitteln auftaucht, die zur Ernährungsgrundlage gehören, dann ist nicht die Frage, ob die Menge pro Portion klein ist. Die Frage ist: Wie oft essen Sie das? Und über wie viele Jahre?

Brot: Backen neutralisiert nicht alles

Ein weiterer Punkt, der gerne übersehen wird: Brot wird gebacken. Viele Menschen glauben instinktiv, Hitze würde „schon alles erledigen“. Tut sie aber nicht.

Wenn ein Stoff hitzestabil ist, bleibt er drin. Und damit wird aus einem landwirtschaftlichen Problem ein Küchenproblem. Ein Frühstücksproblem. Ein Kinderproblem. Ein Alltagsproblem.

Wie kommt Glyphosat ins Getreide?

Glyphosat wird eingesetzt, um unerwünschte Pflanzen zu beseitigen. Es ist ein Breitbandherbizid, also ein Mittel, das nicht selektiv „ein bisschen Unkraut“ entfernt, sondern grundsätzlich Pflanzenwachstum stört.

Und jetzt kommt der entscheidende Teil, den viele nicht wissen wollen, weil er zu gut erklärt, warum Rückstände überhaupt entstehen:

Glyphosat wird nicht nur irgendwann im Frühjahr auf irgendeinem Feld versprüht. Es kann auch kurz vor der Ernte eingesetzt werden, um Pflanzen gleichmäßig absterben zu lassen und die Ernte zu erleichtern. Das ist technisch praktisch, besonders bei schwierigen Wetterbedingungen. Aber es bedeutet eben auch: Das Getreide bekommt seine Portion direkt ab, kurz bevor es auf dem Teller landet.

Nicht irgendwann. Nicht theoretisch. Sondern zeitlich sehr nah am Endprodukt.

Und das betrifft nicht nur Getreide. Auch andere Kulturen wie Kartoffeln, Ölsaaten oder Hülsenfrüchte können auf diese Weise behandelt werden.

„Baut sich schnell ab“ ist ein Satz – mehr nicht…

Offiziell heißt es gerne: Glyphosat baue sich schnell ab. Das klingt beruhigend, also alles „halb so wild“? Nur ist die Realität in der Praxis oft eine andere. Denn selbst wenn ein Stoff abgebaut wird, heißt das nicht, dass keine Rückstände übrig bleiben. Und es heißt schon gar nicht, dass wir die tatsächliche Belastung im Alltag sauber erfassen.

Das Problem ist nicht nur Glyphosat. Das Problem ist die Denkweise: Man erlaubt etwas großflächig, produziert erst wenig unabhängige Daten, und wenn dann Jahre später Fragen auftauchen, ist das Mittel längst in der Routine angekommen. Dann hängt eine ganze Landwirtschaft daran, eine ganze Industrie, ein ganzer Markt.

Und plötzlich wird aus einer Gesundheitsfrage eine Wirtschaftsfrage.

Wenn die Wissenschaft unabhängig wird, wird es unangenehm

Glyphosat steht seit Jahren in der Kritik. Es gibt Bewertungen, die es als unproblematisch einstufen, und es gibt Bewertungen, die deutlich kritischer ausfallen. Auffällig ist: Je unabhängiger die Perspektive, desto weniger klingt es nach Entwarnung.

Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der WHO stufte Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ ein. Andere Institutionen kommen zu anderen Schlussfolgerungen. Das kann man als Laie kaum im Detail auseinanderklamüsern.

Was man aber sehr wohl erkennen kann, ist das Muster: Solange ein Stoff profitabel ist, wird er verteidigt. Und sobald er unbequem wird, heißt es: „Die Datenlage ist unklar.“ Ist klar.

Der eigentliche Skandal: Es ist Teil der Ernährungsgrundlage

Wenn Glyphosat in irgendeinem exotischen Spezialprodukt auftauchen würde, wäre es ein Randthema. Aber Getreideprodukte sind bei uns keine Randnotiz. Sie sind Basis: Brötchen am Morgen. Brot am Abend. Mehl in Kuchen. Flocken im Müsli. Nudeln. Snacks. Backwaren. Das ist nicht „ab und zu“. Das ist für viele: täglich.

Und genau deshalb ist der Satz „unter Grenzwert“ so trügerisch. Denn er ignoriert den Alltag.

Was ich daraus ableite

Ich bin kein Freund von Panik, aber Naivität ist fast noch schlimmer. Die Corona-Jahre haben da „einiges“ offenbart! Aber das ist ein anderes Thema. Bleiben wir beim Brot / Brötchen: Wer die Belastung reduzieren will, muss nicht alles „glutenfrei“ kaufen und sich auch nicht in Ersatzprodukte flüchten. Er muss nur anfangen, wieder wie ein normaler Mensch zu denken:

Weniger Billigware.
Mehr Qualität.
Weniger Masse.
Mehr echtes Brot.

Bio ist dabei keine Religion, sondern oft schlicht die pragmatischste Entscheidung, wenn man Pestizide und Rückstände reduzieren will. Und wer Brot liebt, sollte es nicht abschaffen, sondern zurückholen: handwerklich, fermentiert, mit langer Teigführung, aus nachvollziehbaren Rohstoffen.

Denn Brot war einmal etwas anderes als eine billige Trägerfläche für Belag. Ich habe dazu hier mehr geschrieben: Brot gut vertragen & Warum modernes Brot oft krank macht

Update (Stand 2026): Warum Glyphosat im Brot weiter ein Thema ist

Auch wenn viele Messungen unterhalb offizieller Grenzwerte liegen, bleibt die entscheidende Frage: Was passiert bei täglichem Konsum über Jahre? Getreideprodukte sind Grundnahrungsmittel, Rückstände daher keine Randnotiz. Dazu kommen Mischbelastungen aus Landwirtschaft und Verarbeitung sowie die Tatsache, dass Verbraucher die Herkunft der Rohstoffe in Backwaren oft nicht erkennen können. Wer Belastungen reduzieren will, fährt meist besser mit Bio Getreide, handwerklicher Teigführung und weniger Billig Backwaren.

Fazit

Glyphosat ist unbedenklich, wenn man fest daran glaubt, weil man es nicht wissen will. Das Problem ist nicht, dass es keine Hinweise gibt. Das Problem ist, dass Hinweise unbequem sind. Sie stören den Profitfrieden. Und sie stören das Märchen von der modernen Landwirtschaft, die alles im Griff hat und dabei selbstverständlich nur unser Bestes will.

Wissen ist Macht.
Ich weiß nix, macht nix.
So läuft das Spiel.

Nur leider essen wir das mit.

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Dieser Beitrag wurde im Oktober 2012 erstellt und am 19.1.2026 aktualisiert.

Glyphosat, Gift

Die Gen-Industrie wollte uns damals gentechnisch veränderte Nutzpflanzen „schmackhaft“ machen mit der Begründung, dass diese weitaus weniger Herbizide benötigen als die natürlichen Counterparts. Monsanto, der Kopf und Marktführer in diesem Segment, versprach dies und noch andere Dinge.

Danach ging man nach Hause und erweiterte als erstes die Produktionskapazitäten für die hauseigenen Herbizide, wie zum Beispiel Glyphosat.

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„Roundup“ von der US Firma Monsanto ist das weltweit meistverkaufte Unkrautvertilgungsmittel (Sie wissen noch nicht, wer „Monsanto“ ist? Dann lesen Sie meinen Artikel: „Monsanto – Der Konzern mit der Lizenz zum Herrschen„). „Roundup“ wurde 1970 von Monsanto patentiert und in den Markt gebracht. Inzwischen ist das Patent abgelaufen (2000), sprich: Man kann nur noch wenig Geld damit verdienen. Heute gibt es andere Präparate, die dem „Roundup“ ähnlich sehen, da der Hauptwirkstoff des Herbizids der Gleiche ist: Glyphosat.

Dies ist ein nicht-selektives Blattherbizid, das über chlorophyllhaltige Pflanzenteile aufgenommen wird. Es wirkt aber nicht nur gegen Unkräuter verschiedenster Natur, sondern leider auch gegen die Nutzpflanzen, die mit dem Mittel in Kontakt kommen. In der Pflanze blockiert das Glyphosat ein spezifisches Enzym, das für die Synthese von aromatischen Aminosäuren zuständig ist.

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Außerdem begünstigt die Substanz den Befall mit Wurzelpilzen. Und zuletzt wird die Entwicklung von Knöllchenbakterien eingeschränkt, sodass das Angebot an Mangan und Stickstoff für die betroffene Pflanze deutlich reduziert ist. Dieser ganze Wirkkomplex bedeutet für die betroffene Pflanze den sicheren Untergang.
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Man hat es angeblich immer wieder festgestellt und es uns immer wieder einzutrichtern versucht: Glyphosat ist angeblich ganz wunderbar, unschädlich, unbedenklich, einfach unverzichtbar. Wie „wunderbar, unbedenklich und unverzichtbar“ es ist, das habe ich in den letzten Jahren mehrmals versucht in einigen Beiträgen zu „belegen“:

Glauben Sie wirklich noch, dass man „uns“ die Wahrheit erzählt? Von Giftmischern? Die auch noch Milliarden damit verdienen?

 

EFSA und die Geheimstudien

Die EU-Lebensmittelbehörde (EFSA) hatte Studien veranlasst, die sich etwas intensiver mit Glyphosat auseinandergesetzt hatten. Diese Studien sind nie veröffentlicht worden, und – was umso bedenklicher ist – sollen auch nie das Licht der Öffentlichkeit erblicken.

Solche Praktiken sind ja eigentlich nicht neu. Ich hatte bereits einige Male darüber informiert, wie zum Beispiel hier:

Die Geheimhaltung durch die Regierungsbehörde, erinnert an die Praktiken der Pharmaindustrie. Die Begründung, warum Erkenntnisse über Glyphosat nicht an die Öffentlichkeit gelanden sollten, lautete lapidar, dass eine Veröffentlichung die „Geschäfts- und Finanzinteressen der Hersteller“ gefährden würde.[1]

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Aber es kam noch besser: Laut „Spiegel“-online hatte die Bundesregierung kräftig mitgeholfen, die Glyphosat-Studien geheim zu halten.[2] In dem Beitrag vom Dezember 2017 berichtete der „Spiegel“, dass die EFSA Glyphosat als vollkommen unbedenklich erklärt hatte, aber dennoch die dazu erarbeiteten Studien nicht publizierte.

Was man zu diesem Zeitpunkt lediglich wusste, war, dass die Studien vom Hersteller Monsanto selbst verfasst worden waren. Oder mit anderen Worten: Hier durfte der Hersteller eine Selbstbeweihräucherung in Form von Studien zelebrieren, wovon nur die Selbstbeweihräucherung, nicht aber die Studien an die Öffentlichkeit weitergereicht wurden.

Und es ist mehr als wahrscheinlich, dass die Verhinderung der Veröffentlichung dieser Studien deshalb unternommen wurde, weil eine Veröffentlichung den Selbstbeweihräucherungscharakter der Studien offenlegen und damit die Grundlage für die Zulassung auf äußerst wackeligem Fundament stehen würde. Denn ohne Zulassung kein Verkauf, kein Geschäft – und damit eine Beschneidung von „Geschäfts- und Finanzinteressen“.

Zu diesem Zeitpunkt gab es 4 Grüne Europa-Abgeordnete, die auf eine Herausgabe der Studien beim Europäischen Gerichtshof geklagt hatten. Der Europäische Gerichtshof ließ die Hersteller (Monsanto und Cheminova) als sogenannte „Streithelfer“ im Verfahren zu.

Als solche durften sie ihre Version einbringen, warum ihre Studien von der EFSA unter Verschluss gehalten werden sollten. Wie es aussieht, gab es hier die Benennung von Zeugen, die als Unterstützer der EFSA benannt wurden. Und einer dieser Zeugen war: die deutsche Bundesregierung! Ach was?

Auf Befragung, warum die Bundesregierung diese Geheimhaltung unterstützt, gab das Bundeslandwirtschaftsministerium eine äußerst „erhellende“ Erklärung: „Über die Hintergründe für einzelne prozessuale Schritte gibt die Bundesregierung grundsätzlich keine Auskunft.“ Ja, ist klar! UNd warum Sie das nicht tut ist mir noch klarer.

Zuvor hatte der damalige Landwirtschaftsminister Christian Schmidt von der CSU im EU-Ministerrat zu einer Verlängerung der Glyphosat-Zulassung zugestimmt und sie damit erst ermöglicht, obwohl eine ausdrückliche Weisung bestand, sich beim Votum zu enthalten.

Die 4 Grünen, die die Klage angestrengt hatten, argumentierten, dass es sich bei den Studien um umweltrelevante Themen handele, bei denen das öffentliche Interesse höher einzuschätzen sei als private Geschäftsinteressen. Und einer der 4 Grünen Abgeordneten, Sven Giegold, brachte das Verhalten der Bundesregierung auf den Punkt: „Die Bundesregierung stellt den Schutz von Lobbyinteressen über den Schutz von Gesundheit und Umwelt.

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Game over!? Europäischer Gerichtshof entscheidet, dass geheime Studien herausgegeben werden müssen…

Der Europäische Gerichtshof hatte entschieden, dass die EFSA die geheim gehaltenen Studien herausgeben muss. Die Richter begründeten ihre Entscheidung damit, dass das öffentliche Interesse in diesem Fall über das industriell-private Interesse einzuordnen ist.

Deshalb reiche es nicht aus, einfach nur Studienergebnisse zu veröffentlichen. Vielmehr habe die Öffentlichkeit das Recht, die Details der Studien zu erfahren und damit den Erkenntnisprozess innerhalb der Studien nachzuvollziehen. Bei der Urteilsbegründung ist auch interessant, dass das Gericht die Emissionen durch Glyphosat in die Umwelt als „real“ betrachtet.

Glyphosat-Rückstände wären praktisch überall zu finden, in Pflanzen, im Wasser und auch in Lebensmitteln. Von daher habe die Öffentlichkeit ein Recht, Informationen über die Langzeitwirkung dieser Emissionen zu erhalten.

Mit anderen Worten: Der Europäische Gerichtshof hat im Wesentlichen den Eingaben der 4 Grünen Abgeordneten entsprochen. Man darf also gespannt sein, wann die Veröffentlichung erfolgt und was die Studien offen legen werden.

Da die Preußen bekannterweise so schnell nicht schießen, gibt es hier auch den obligatorischen Wermutstropfen. Der besteht in diesem Fall darin, dass die EFSA ein Einspruchsrecht hat und innerhalb von 2 Monaten gegen das Urteil Einspruch erheben durfte.

Glyphosat und Krebs

Bei den Grünen und deren Unterstützern freute man sich natürlich über dieses Urteil – zu Recht wie ich meine. Denn es ist keine demokratische Gepflogenheit, Dinge, die im öffentlichen Interesse stehen beziehungsweise jeden einzelnen betreffen beziehungsweise schädigen könnten, zu verheimlichen.

Und auch die Einschätzung, dass für die EFSA Geschäftsinteressen über die Gesundheit und Umwelt Vorrang genießen, kann ich nur voll und ganz teilen. Daher ist es erschütternd zu sehen, dass Regierungsbehörden anscheinend bereits so korrupt sind, dass sie bedenkenlos Umwelt und Gesundheit der Bevölkerung an die Industrie verkaufen.

Die versuchte Geheimhaltung der Studien lässt für mich keine andere Interpretation zu! Denn wenn die Offenlegung der Studien mit einer Geschäftsschädigung verbunden ist, dann ist dies ein fast direktes Eingeständnis, dass die Ergebnisse der Studien geschäftsschädigend sind.

Welche „geschäftsschädigenden“ Ergebnisse dies sind, wird sich noch zeigen müssen. Im Moment liegt der Fokus der Diskussion auf der Frage, ob Glyphosat Krebs erzeugt oder nicht.

Der „Spiegel“ zitiert in seinem weiter oben angegebenen Beitrag eine Reihe von Institutionen, die davon ausgehen, dass Glyphosat in Bezug auf Krebs vollkommen bedenkenlos ist. Das sind dann so Institutionen wie das BfR, die EFSA natürlich, die amerikanische EPA, und noch andere Behörden aus Australien, Japan, Neuseeland, sowie eine Agentur (JMPR – Joint Meeting on Pesticide Residues) der WHO und die Europäische Chemikalienagentur!

Mit anderen Worten: Wenn so viele sagen, dass Glyphosat unbedenklich ist, dann muss das auch stimmen. Vor 500 Jahren hatten auch so viele Autoritäten behauptet, die Erde sei eine Scheibe und stehe im Zentrum des Weltalls. Dann muss damals die Erde wirklich eine Scheibe gewesen sein und hat sich im Laufe der letzten 500 Jahre zu einer Kugel verformt.

Die andere Frage ist, wenn die EFSA sich bereits korrumpieren lässt, wer garantiert uns, dass die anderen Organisationen und Institutionen nicht ähnlich korrupt sind, wenn es um die Bewahrung von Geschäftsinteressen der Industrie geht?

Und da kam die Diskussion um das krebserzeugende Potenzial von Glyphosat gerade recht. Denn es gibt Argumente dafür und dagegen, die man dann nach Herzenslust und hoffentlich noch sehr lange thematisieren und diskutieren darf. Denn eine solche Diskussion ist geschäftsfördernd. Warum? Weil man über Glyphosat spricht, was ein guter Werbeeffekt ist. Und weil die Diskussion alleine nicht verhindert, dass Glyphosat weiterhin in dem Umfang eingesetzt wird, der das Geschäft mit dem Herbizid aufrecht erhält.

Eine andere Diskussion dagegen, die sich mit anderen Gesundheitsstörungen durch Glyphosat auseinandersetzt, ist da potenziell schädlicher. Eine australische Arbeit[3] aus dem Jahr 2016 zum Beispiel spricht davon, dass Glyphosat und sein Haupt-Metabolit AMPA ein toxisches Potenzial besitzen, da beide in der Lage sind, sich in der Nahrungskette anzureichern und damit sukzessive die Konzentrationen zu erhöhen.

Arbeiten zur akuten Toxizität sind nicht in der Lage/nicht geeignet, diese Phänomene zu erfassen und zu beurteilen. Wie es aussieht sind aber gerade diese Arbeiten die Grundlage für die Zulassung und damit den intensiven und extensiven Einsatz der Substanz.

Eine Arbeit[4] aus den USA aus dem Jahr 2018 gibt zu bedenken, dass Glyphosat und sein Metabolit die Ökologie von Mikroorganismen in Boden und Gewässern nachhaltig stört, was wiederum indirekt einen negativen Einfluss auf die Pflanzenwelt ausübt. Diese Verschiebung in der Ökologie der Mikroorganismen in der Umwelt scheint ein treibender Faktor zu sein, der die Proliferation von pflanzlichen und tierischen (damit auch menschlichen) Krankheitserregern unterstützt.

Damit ist es auch denkbar, dass ein direkter Einfluss auf die Gesundheit des Menschen gegeben ist. Denn mit dem Verzehr von mit Glyphosat verseuchten Nahrungsmitteln muss es in entsprechender Weise auch zu einer Beeinflussung des Darmmilieus kommen. Das Resultat wäre eine Verschiebung des Gleichgewichts, welches den entsprechenden Raum für pathogene Varianten zulässt.

Erste Arbeiten dazu scheint es bereits zu geben, die aber bislang nur wenig bis überhaupt nicht diskutiert werden. Eine Arbeit[5] aus dem Jahr 2013 gibt zu bedenken, dass Zöliakie und Glutenintoleranz in Verbindung mit Glyphosat stehen. Die Begründung:

Glyphosat ist bekannt dafür, Cytochrom P450 zu blockieren. Dieses Enzymsystem ist im Organismus dafür verantwortlich, eine Reihe von Umweltgiften zu eliminieren. Außerdem aktiviert es Vitamin D3 und ist für eine Reihe von weiteren physiologischen Funktionen verantwortlich.

Zöliakie ist charakterisiert durch eine mangelnde Funktion dieses Cytochroms auf der einen Seite und einer Verschiebung des Darmmilieus auf der anderen Seite. Die Autoren behaupten an dieser Stelle, dass die Zunahme von Zöliakie voll und ganz mit dem Einsatz von Glyphosat erklärt werden kann.

Glyphosat scheint also nicht nur Cytochrom P450 zu blockieren (was bereits mehr als bedenklich sein sollte!), sondern auch, ähnlich wie in der Umwelt, die Mikroorganismen im Darm zu verändern – ein Effekt, den man sonst nur von Antibiotika her kennt.

Das gleiche Autoren-Team veröffentlichte 2015 eine Arbeit[6], die zeigte, dass Glyphosat direkt mit einem Mangan-Mangel verbunden ist. Dieser wiederum steht in einem engen Zusammenhang mit Autismus und Morbus Alzheimer. Durch den Einsatz von Glyphosat kommt es zu einer Minderung von Lactobacillus in der Darmflora, was zu einer Verbreitung von Salmonellen führt, die gegen Glyphosat resistent sind. Dieses Ungleichgewicht hat Auswirkungen auf eine Reihe von weiteren neurologischen Komplikationen.

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Der Sinneswandel

Die Ergebnisse solcher Studien und die öffentliche Diskussion konnten weder Bayer noch die Behörden länger ignorieren. 2019 hatte die mexikanische Regierung den Import von 1.000 Tonnen Glyphosat verboten, mit der Begründung, die Chemikalie sei für Mensch und Umwelt zu gefährlich. Ab 2024 soll das Herbizid in Mexiko ganz verboten werden. Deutschland und Thailand hatten sich dieser Entscheidung angeschlossen. Die kanadische Regierung untersagte jedwede Verwendung von Glyphosat-Hafer ab 2021.

In den USA wurde es für Bayer/Monsanto 2020 eng. Ein Rechtsstreit zwischen Bayer und 125.000 Einzelklägern  sollte mit einem Vergleich enden. Bayer wollte die Antragsteller mit insgesamt rund 10 Milliarden Dollar entschädigen. Anwälte von 20.000 Klägern waren damit zunächst nicht einverstanden. Bei den Klägern hatte der Umgang mit Glyphosat Lymphdrüsenkrebs verursacht.

Zankapfel des Vergleichs war auch die Einrichtung eines unabhängigen Gremiums, dass die Frage klären sollte, ob Glyphosat krebserregend ist. Dies sollte künftige Gerichtsverfahren dann erleichtern. Das Gremium sollte aus 5 Wissenschaftlern bestehen, von denen 2 von Bayer und 2 von den Klägeranwälten berufen werden sollten.

Der fünfte Entscheidungsträger sollte von den 4 anderen Wissenschaftlern gewählt werden. Doch die Klägeranwälte, die bereits Erfolge gegen Bayer erzielt hatten, sahen ein solches Gremium zunächst kritisch. Der zuständige Richter des Verfahrens hatte verfassungsrechtliche Bedenken.

Fazit

Lange wurde von offizieller Seite alles unternommen, Glyphosat von jedem Makel zu befreien. Dazu zählten Selbstbeweihräucherungsorgien, Geheimhaltung von an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit belastendem Material und das Anzetteln von fruchtlosen Diskussionen (krebserregend – ja oder nein), gefolgt von der Ignorierung von relevanten Studien, die auf ganz anderen Gebieten als der Krebsforschung zu verheerenden Ergebnissen gekommen sind.

Glyphosat ist nur eine von Millionen Chemikalien, die unsere Gesundheit tagtäglich bedrohen. Leider müssen wir erkennen, wie lange es dauert und wie viele Anstrengungen erforderlich waren, in nur diesem einen Fall eine Wende herbeizuführen.

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Kleine Anmerkung: Die Sache mit den „5 Wundermitteln“ ist mit Abstand der beliebteste Newsletter, den meine Patienten gerne lesen…

Quellen:

Der Beitrag wurde am 15.03.2019 erstellt und am 07.08.2020 letztmalig ergänzt und überarbeitet.

Da denkt man, dass die Sache mit der Gentechnik, dem Hormonfleisch und den Chlorhühnchen so gut wie ausgestanden ist. Denn dieses Trio ist in Europa (noch, weitgehend) verboten.

Aber Verbote sind die eine Seite der Medaille. Auf der Rückseite derselben jedoch spielen sich Dinge ab, die wahren Alptraum-Charakter anzunehmen drohen. Und dieser sich zusammenbrauende Alptraum hat einen Namen: TTIP.

 

TTIP – Was und wer TTIP´t denn da?

Eins kann man gleich vorausschicken: Bei diesem TTIP handelt es sich nicht um Lotto-Spielereien. Die einzige Gemeinsamkeit mit dem Lotto-Spiel besteht darin, dass die Betroffenen auch bei TTIP mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine Niete ziehen. Warum?

TTIP ist die „Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft“, bei dem es sich um ein Handelsabkommen zwischen der EU und den USA handelt. Das bemerkenswerteste Charakteristikum dieses Handelsabkommens ist seine Geheimhaltung. Natürlich ist die Geheimhaltung des Inhalts dieses Abkommens Zündstoff für eine Reihe von Spekulationen.

Denn warum muss man so etwas geheim halten, wenn da nichts ausgebrütet wird, was den Ottonormalverbraucher wieder einmal belasten würde? Oder handelt es sich hier um eine Weihnachtsbescherung für Kinder, die ja auch bis zum Heiligabend vor den Kindern geheim gehalten wird?

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Aber die Geheimhaltung ist absolut kein Grund zur Sorge! Ich bin sicher, dass das Abkommen die Bedürfnisse von Industrie und Politik zu 100 Prozent zufrieden stellt. Das „Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft“ (bmel.de/DE/Ernaehrung/SichereLebensmittel/_Texte/TTIP-FAQ.html) sieht das genau so:

Sowohl die EU als auch die USA haben eigene, über viele Jahre gewachsene Normen, Regelungen und Verfahren. Wo diese voneinander abweichen, entstehen für Hersteller zusätzliche Kosten. Zudem belasten Zölle die deutsche Wirtschaft in Milliardenhöhe. Diese Kosten werden letztlich weitergegeben und erhöhen die Verbraucherpreise.

Das Freihandelsabkommen eröffnet durch Wegfall der Einfuhrzölle und diverser bürokratischer Hürden den Verbraucherinnen und Verbrauchern zudem eine vielfältigere Produktauswahl bei gleichbleibend hohem Verbraucherschutzniveau.

Durch die gegenseitige Öffnung der Märkte werden Vorteile für Verbraucher in Deutschland, der EU und den USA erwartet, ebenso für Wirtschaft und Arbeitsplätze. Das bestehende hohe Niveau der deutschen und europäischen Lebensmittel und Produktsicherheit wird dabei gewahrt.

Genau! Dieses Abkommen wird im Geheimen ausgebrütet, da so viele Verbraucher sich über Zölle, „gewachsene Normen, Regelungen und Verfahren“ beschwert haben.

Und wenn alle dem TTIP zustimmen, dann sinken automatisch die Verbraucherpreise, da ja die Zölle mit allem drum und dran wegfallen! Märchenland, ick hör dir trapsen!

Der Wegfall von Zoll und anderen kostentreibenden Regularien begünstigt erst einmal die Industrie, die hier weniger Kosten haben wird. Damit ist noch lange nicht gesichert, dass die Einsparungen auch an die Verbraucher weitergeleitet werden. Warum auch? Die Lüge von sinkenden Verbraucherpreisen und vielfältigerer Produktauswahl sind für die Politik typische Bauerfängerei-Formulierungen, die das bittere Ende etwas schmackhafter machen sollen.

Und das BMEL fährt fort:

Bleibt mit TTIP das hohe EU-Verbraucherschutzniveau erhalten?

Ja. Bestehende gesetzliche Regelungen auf beiden Seiten zum Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher werden durch TTIP nicht aufgehoben oder ersetzt. Der Schutz der Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt ist nicht verhandelbar. Umwelt-, Verbraucher- und Arbeitnehmerschutz ist der „rote Faden“ in dem Verhandlungsmandat, das die Mitgliedstaaten der EU-Kommission gegeben haben.

Das wollen wir doch alle hören, oder? Darum geht es doch letztendlich. Das Eine sagen, aber das Andere tun. Das scheint ja auch der Haupt-Bestandteil der Politik zu sein. Hier geht es erst einmal darum, den Betroffenen auf das neue Handelsabkommen einzuschwören. Aber die Wende folgt auf dem Fuß:

Sowohl in der EU als auch in den USA ist jedes Unternehmen verpflichtet, nur sichere Produkte auf den Markt zu bringen. Es haftet, wenn es einen Schaden beim Verbraucher verursacht. Die Schadenersatzsummen sind dabei in den USA erheblich höher als in Europa.

Bestimmte Lebensmittel, Produkte, Stoffe (z. B. Lebensmittelzusatzstoffe) und Verfahren (z. B. Gentechnik) müssen von staatlichen Behörden in den USA und in der EU zugelassen werden. Dabei wird wissenschaftlich geprüft, ob ein Stoff oder Verfahren sicher ist.

Wenn Gentechnik, Hormonfleisch etc. als „sicher“ bezeichnet werden, da ja auch die USA verpflichtet ist, nur sichere Sachen auf den Markt zu bringen, warum sind dann diese „sicheren“ Sachen bei uns verboten? Oder sind die in den USA sicher, hier aber werden sie bei Eintreffen auf europäischen Boden urplötzlich unsicher?

Und die Prüfung, was sicher ist und was nicht, das wird zum zentralen Aufhänger werden. Denn wer wird wohl bestimmen, ob Gentechnik, Hormonfleisch etc. auch nach fünf oder zehn Jahren, trotz negativ ausfallender wissenschaftlicher Studien, sicher oder unsicher sind?

Der kleine Mann auf der Straße? Wohl kaum! Vielmehr wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit das, was heute obsolet und verboten ist, heimlich still und leise abgesegnet, damit dem Handel mit dem großen Bruder nichts mehr im Wege steht.

Da werden dann ganze Salti mortale ausgeführt, Ungeheuerlichkeiten, die heute schon in den Köpfen von Politik und Verbrauchern gleichermaßen verankert sind, auf dass niemand mehr Fragen stellt. Was für die Politik gut ist. Denn die soll ja den ganzen Drecks-Zirkus bei ihren Untertanen durchsetzen. Bleistift gefällig? Hier:

Auch für Schadstoffe und Rückstände in Lebensmitteln werden Obergrenzen auf dieser Basis staatlich festgelegt. Die Risikowahrnehmung der Bürger bei Lebensmitteln ist je nach Land unterschiedlich.

Schadstoffe und Rückstände werden heute schon nicht mehr als etwas gehandelt, was man auf Teufel komm raus vermeiden muss. Nein, die gehören zum Geschäft! Da kann man nur hoffen, dass bei einer Einigung der Grenzwerte die USA die strengeren Vorschriften haben.

Haben sie das? Wer Hormonfleisch, Gentechnik etc. im großen Stil als „sicher“ einstuft, von dem kann man auch in Sachen Schadstoffe und Rückstände keine „Gnade“ erwarten.

Und dass die Bürger verschiedener Länder eine unterschiedliche Risikowahrnehmung haben, das ist aber jetzt unsäglich lästig. Hier ist dann wieder die Politik gefragt, ihre Bürger auf ein einheitliches Wahrnehmungsniveau zu trimmen. Vielleicht wäre hier die amerikanisch Wahrnehmung auch die Bessere, da man drüben ja keine großen Gedanken über die eigene Gesundheit zu haben scheint.

Und dann geht es weiter mit Chlorhühnchen, Hormonfleisch und Gentechnik. Das BMEL versichert an dieser Stelle, dass da alles auch so erhalten bleibt. Danach kommt die 180-Grad-Wende und das Eingeständnis, dass Gentechnik in Europa alles andere als verboten ist. Es gibt für den Import von gentechnischen Produkten rund 60 Zulassungen.

Und man gibt zu, dass der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen hier weiter zunehmen wird. Aber klar – das alles wird enorm streng kontrolliert. Das ist der Trostpreis für die Verbraucher, die dann streng kontrollierten Dreck auf ihrem Mittagstisch platziert bekommen. Mach möchte einfach nur noch den ganzen Tag brechen…

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Warum TTIP eine tipptopp Lüge ist

Natürlich ist dies eine etwas gewagte Behauptung, da dieses Abkommen noch gar nicht realisiert und umgesetzt ist. Aber es scheint etwas zu werden, was man an anderer Stelle unter ähnlichen Voraussetzungen schon durchgezogen hatte. Wo und wer war daran beteiligt? Die USA und Mexiko.

In den USA besteht ein Gesetz, das die Delfine schützt, die zuvor bei dem kommerziellen Thunfischfang zu Tausenden als Beifang starben. Wer also Thunfisch aß, der unterstützte direkt eine Industrie, die den Tod von Delfinen als genau so „natürlich“ hinnimmt wie Schadstoffe in Lebensmitteln. Durch das Gesetz wurde dem ein Ende gesetzt.

Die mexikanische Fischindustrie dagegen hat kein Problem mit dem Tod von Delfinen. Daher waren die Mexikaner auch nicht gewillt, ihre Fangmethoden zu ändern. Stattdessen klagten sie gegen das amerikanische Gesetz zum Schutz der Delfine vor der Welthandelsorganisation WTO. Als Begründung gaben sie an, dass das Siegel für einen delfinsicheren Thunfischfang ein „Handelshemmnis“ sei, da es die mexikanischen Thunfischindustrie und -exporteuere diskriminiere.

Dabei besteht kein Verkaufsverbot für mexikanischen Thunfisch in den USA. Man darf seinen Thunfisch allerdings nicht mit dem zertifizierten Siegel der Delfin-Sicherheit verkaufen. Zu schlechter Letzt gewannen die Mexikaner mit ihrer Klage.

Dieses Beispiel zeigt deutlich, über welche Mechanismen Errungenschaften zunichte gemacht werden und kommerziellen Interessen Platz machen müssen.

Dabei ist es gleichgültig, ob es sich um Delfine, Umweltschutz, die Gesundheit der Menschen oder sonst etwas handelt. Kollidieren diese Interessen mit den Interessen der Industrie, dann werden Hebel und Stränge in Bewegung gesetzt, dass die Interessen der Industrie die Oberhand behalten.

Und TTIP ist so ein Hebel. Denn die Geheimniskrämerei um dieses Handelsabkommen lässt keine andere Interpretation zu.

Alles halb so schlimm?

TTIP ist ein Programm, mit dessen Hilfe Chlorhühnchen, Hormonfleisch und Gentechnik in Europa ihren Einzug halten sollen. Darüber kann sich niemand Illusionen machen. Die „Süddeutsche Zeitung“ hat hierzu einen anschaulichen Beitrag veröffentlicht: „ Wie die US-Verhandler Europas Verbraucherschutz angreifen “.

Dementsprechend bunt sieht dann die Welt der Argumente für die Sicherheit und Verträglichkeit von all diesen Verfahren und chemischen Zusätzen aus.

Chlorhühnchen sind per se unbedenklich, da die geschlachteten Tiere in eiskaltes Wasser getaucht werden, das viel weniger Chlor enthält als das Chlorwasser im Schwimmbad. Und schon haben wir unser Argument für die Chlorhühnchen: Jeder Schwimmer nimmt mehr Chlor auf als beim Verzehr von zehn Chlorhühnchen. Wer sagt das? Das BfR:

Das Chlorhühnchen ist nach unserer Auffassung nicht gesundheitsschädlich für den Verbraucher – Prof. Lüppo Ellerbroek, Fachmann für Lebensmittelsicherheit am Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin“ (aus: Chlorhühnchen und Hormonfleisch – Gefahr für unsere Gesundheit?)

Ich weiß jetzt nicht, ob das Baden in Chlorwasser zu einer gesundheitsförderlichen Maßnahme gerechnet werden kann. Aber offensichtlich ist Chlorwasser im Schwimmbad genau so akzeptabel geworden wie Schadstoffe und Rückstände in der Nahrung. Da kommt es auf das bisschen Chlor im Sonntagsbraten doch auch nicht mehr an, oder?

Und die paar Pestizide im Salat tun doch nicht weh, oder? Und die wenigen Hormone im Fleisch, ja was ist das denn schon?

Dazu gesellt sich noch die Frage, wie häufig gehen Sie schwimmen und wie häufig essen Sie Hühnchen?

Ich bin allerdings froh, dass der Artikel vom Bayrischen Rundfunk auch professorale Gegenstimmen abgedruckt hat. Ein Professor von der Ludwig-Maximilian-Universität in München bezweifelt einfach, dass das Chlorbad effektiv ist. Wäre das Bad effektiv, dann dürfte es keine 1,2 Millionen Salmonellen-Fälle jährlich in den USA geben. Weiter befürchtet der Professor, dass das Chlor nur der Fuß in der Tür für noch mehr Chemie im Essen ist.

In den USA ist Hormonfleisch so alltäglich wie das Amen in der Kirche. Und wer dagegen ist, der bekommt das fachkundige Argument eines Experten aufgetischt, der es ja wissen muss – einem Mäster aus Texas:

Es gibt Forschungen, in denen das Fleisch von behandelten und unbehandelten Ochsen analysiert wurde. Man hat lediglich einen Unterschied von sieben Zehntel Nanogramm festgestellt, eine sehr kleine Menge. Das ist ein Unterschied wie zwischen einem Grashalm und einem Fußballfeld.

Seltsam, die Amis spielen doch kein Fußball… Gegen die Expertise dieses amerikanischen „Experten“ vom hormonfreien Mast-Fußballfeld steht die Meinung eines Professors von der TU München, der sich mit Ernährungs- und Lebensmittelforschung befasst:

Ja, das sagen die Amerikaner, aber so ist es nicht. Da lief 1999 eine große Studie hier bei uns am Lehrstuhl, und da konnten wir also ganz klar feststellen, dass fünffach höhere Hormonwerte, wenn man so als Schnitt über den ganzen Körper geht, auftreten – Prof. Michael Pfaffl, TU München

Zum schlechten Schluss (wieder einmal) kommt heraus, dass es noch „viele ungeklärte Fragen“ gibt. Soll das etwa heißen, dass hier die Gabe von Wachstumshormonen bei der Zucht überhaupt noch nicht auf Sicherheit und Verträglichkeit untersucht worden ist?

Eine Arbeit aus dem Jahr 2015 (Hormone Use in Food Animal Production: Assessing Potential Dietary Exposures and Breast Cancer Risk.) bestätigt, dass die sieben üblichen Hormone in der amerikanischen Landwirtschaft so gut wie keine evidenzbasierten Tests durchlaufen haben.

Man weiß noch nicht einmal, ob die Hormone und deren Metabolite sich im Gewebe anreichern und damit in relevanten Dosierungen auf den Verbrauchertisch gelangen.

Es ist auch nicht klar, in welchem Gewebe solche Anreicherungen besonders stark ausfallen. Wenn man dann Tests mit Gewebeproben durchführt, wo keine starke Anreicherung stattfinden kann, dann erhalten wir Ergebnisse von Grashalmen und Fußballfeldern aus Texas.

Damit schrumpft wieder alles zusammen auf den alten Nenner: Um das Geschäft nicht zu belasten oder sogar zu gefährden, werden ausgiebige Untersuchungen zur Sicherheit und Verträglichkeit unterlassen. Denn die sind teuer, aufwendig und könnten mit unliebsamen Ergebnissen aufwarten, die dann das gesamte Treiben auf Eis legen würden.

Ob Hormonfleisch Brustkrebs begünstigt, das kann heute niemand sagen, da niemand danach getestet hat. Die Behauptung ist rein hypothetisch, was aber nicht heißt, dass sie unberechtigt ist. Noch hypothetischer und absolut unberechtigt ist die Behauptung, dass Hormonfleisch sicher und verträglich ist. Denn es gibt keine einzige Studie, die dies bezeugen könnte.

Zur Gentechnik brauche ich mich an dieser Stelle nicht weiter zu äußern. Denn dazu hatte ich etliche Beiträge verfasst:

Fazit

Ob Chlorhühnchen, Hormonfleisch oder Gentechnik – dies und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit noch andere, noch nicht bekannte Ungeheuerlichkeiten sollen per TTIP eingeführt und umgesetzt werden. Niemand weiß, ob diese „Neuerungen“ für den Verbraucher unbedenklich sind.

Die Unbedenklichkeits- und Sicherheitszertifikate sind von der Industrie selbst fabriziert und haben bestenfalls hypothetischen Charakter. Das muss dann ja auch reichen, wenn man das Geschäft nicht gefährden will. Ob das alles wirklich sicher ist, das werden wir dann in einigen Jahrzehnten erfahren, wenn ein signifikanter Teil der Bevölkerung täglich Produkte der Gentechnik, Hormonfleisch und so weiter zu sich genommen hat.

Sollten dann die „Nebenwirkungen“ eintreten, die von den TTIP-Gegnern vorausgesagt worden sind, dann ist das auch kein Problem. Denn dann hat die Industrie einen weiteren Grund, gegen die so erzeugten Gebrechen weitere Medikamente auf den Markt zu werfen. Das nennt man „geschäftliche Nachhaltigkeit“.

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