Beitragsbild: René Gräber zum Thema Chemie auf dem Teller

Es gibt Umfragen, da denke ich mir: Jetzt ist es also offiziell! Nicht, weil damit eine einzelne Substanz plötzlich gefährlicher würde, sondern weil sichtbar wird, was viele  Naturheilkundler und viele Menschen längst spüren: Beim Thema Lebensmittel geht es heute nicht mehr nur um Kalorien, Vitamine und Geschmack. Es geht um Rückstände, Zusatzstoffe, Pestizide, Verpackungen, Mikroplastik und die Frage, wie viel Chemie der Alltag eigentlich noch verträgt?

Und jetzt zeigt ein aktueller EFSA Snapshot zum Special Eurobarometer 103.3 „Food Safety in the EU“ genau das. Befragt wurden 26.374 EU Bürger ab 15 Jahren in allen 27 Mitgliedstaaten. Die Feldarbeit lief vom 26. März bis 22. April 2025. Die Zahlen messen keine tatsächliche Vergiftung und keine individuelle Belastung. Sie messen Wahrnehmung. Und diese Wahrnehmung ist durchaus interessant.

Die „Chemiefrage“ ist im Alltag angekommen

Bei der offenen Frage, also ohne vorgegebene Antwortmöglichkeiten, nannten 28 Prozent der Befragten spontan chemische Kontaminanten als Sorge beim Essen. 17 Prozent nannten Zusatzstoffe und Zutaten. 14 Prozent nannten Qualität und Frische. Das ist bemerkenswert, denn spontan genannte Sorgen sitzen tiefer als angekreuzte Sorgen. Niemand muss den Befragten erst „Mikroplastik“ oder „Additive“ vor die Nase halten. Viele denken von selbst daran.

Noch deutlicher wird es, wenn mögliche Sorgen vorgegeben werden. Dann liegen Pestizidrückstände mit 39 Prozent vorn. Es folgen Antibiotika, Hormon oder Steroidrückstände in Fleisch mit 36 Prozent, Zusatzstoffe in Lebensmitteln oder Getränken mit 35 Prozent und Mikroplastik in Lebensmitteln mit 33 Prozent. Erst danach kommt Lebensmittelvergiftung durch Bakterien, Viren oder Parasiten mit 32 Prozent.

Das ist eine Verschiebung. Früher dachte man bei Lebensmittelsicherheit vor allem an Salmonellen, verdorbene Ware und Hygiene. Heute denken viele zuerst an Chemie. An Rückstände. An Stoffe, die man nicht sieht, nicht schmeckt und nicht riecht. Genau das ist der Punkt.

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Die offizielle „Beruhigung“ (Verharmlosung / Negierung) verfängt nicht mehr so leicht

Natürlich wird sofort jemand einwenden: Eine Sorge ist noch kein Beweis. Und auch eine Umfrage ersetzt keine Toxikologie, keine Rückstandsanalyse und keine Risikobewertung. Wer aus diesen Zahlen ableitet, jedes Lebensmittel sei völlig verseucht, macht es sich zu einfach.

Nur ist das Gegenargument ebenfalls bequem. Denn Wahrnehmung entsteht nicht im luftleeren Raum. Menschen erleben seit Jahren Meldungen über PFAS, Glyphosat, Weichmacher, Mineralölrückstände, Bisphenole, belastete Verpackungen, Mikroplastik, Antibiotikaresistenzen und Rückstände in Fleisch. Dazu kommen Zutatenlisten, die viele Verbraucher nicht mehr verstehen. Wenn auf einer Packung mehr Laborvokabular steht als in einem Grundkurs Chemie, darf man sich über Misstrauen nicht wundern.

Die EFSA Daten zeigen also nicht: Alles ist giftig. Sie zeigen etwas anderes: Die alte Erzählung „alles streng geprüft, also bitte weitergehen“ reicht vielen Menschen nicht mehr. Und die Menschen haben völlig Recht.

Zusatzstoffe: legal ist nicht automatisch vertrauensbildend

Additive sind ein gutes Beispiel. Viele Zusatzstoffe sind zugelassen. Das heißt aber nicht, dass Verbraucher sie automatisch akzeptieren. 71 Prozent der Befragten gaben an, über Zusatzstoffe in Lebensmitteln oder Getränken informiert beziehungsweise dafür sensibilisiert zu sein. Damit stehen Additive an der Spitze der abgefragten Bekanntheit von Lebensmittelsicherheitsthemen. Pestizidrückstände folgen mit 67 Prozent, Mikroplastik in Lebensmitteln mit 63 Prozent.

Das sagt viel. Zusatzstoffe sind kein Nischenthema mehr für „Ökos“, Naturkostläden oder Ernährungsberater. Sie sind im Kopf der breiten Bevölkerung angekommen.

Man muss hier sauber unterscheiden. Nicht jeder Zusatzstoff ist problematisch. Ascorbinsäure ist etwas anderes als bestimmte Farbstoffe, Emulgatoren oder Süßstoffe. Auch „E Nummer“ bedeutet nicht automatisch Gefahr. Aber die Summe macht die Musik. Viele Menschen essen täglich hochverarbeitete Produkte. Frühstücksflocken, Aufschnitt, Fertigsaucen, Joghurtdesserts, Backwaren, Snacks, Getränke, Ersatzprodukte. Da geht es nicht um eine einzelne E Nummer auf einer Geburtstagstorte. Da geht es um ein Ernährungsmuster.

Mikroplastik: Das neue Symbol für Kontrollverlust

Mikroplastik hat eine besondere Wirkung. Es ist klein, unsichtbar, technisch, modern und kaum vermeidbar. Genau deshalb eignet es sich so stark als Symbol. Die Vorstellung, dass Kunststoffpartikel in Wasser, Salz, Fisch, Verpackungen, Staub und möglicherweise in menschlichem Gewebe auftauchen, trifft einen Nerv.

Dazu interessant:

In der EFSA Erhebung stieg die Sorge über Mikroplastik in Lebensmitteln bei den vorgegebenen Themen um 4 Prozentpunkte gegenüber 2022 auf 33 Prozent. Auch die Bekanntheit des Themas lag bei 63 Prozent und stieg um 8 Prozentpunkte.

Das ist kein kleiner Randbefund. Mikroplastik ist in der Wahrnehmung vieler Menschen von einem Umweltproblem zu einem Ernährungsthema geworden. Früher dachte man an Meere, Schildkröten und Plastikmüll. Heute denken viele an den eigenen Teller.

Die Wissenschaft ist bei vielen Detailfragen noch nicht am Ende. Welche Partikelgrößen sind biologisch besonders relevant? Welche Zusatzstoffe werden mitgeführt? Welche Rolle spielen Nanoplastik, Entzündung, Darmbarriere und Immunsystem? Da ist vieles in Bewegung. Doch für den Verbraucher reicht oft eine einfachere Frage: Warum landet das überhaupt in meinem Essen?

Pestizide und Rückstände: Das Misstrauen hat Gründe

Pestizidrückstände wurden bei den vorgegebenen Sorgen am häufigsten genannt. 39 Prozent nannten sie als eine der wichtigsten Sorgen. Das ist keine Überraschung. Pestizide stehen seit Jahrzehnten im Zentrum der Debatte um konventionelle Landwirtschaft, Artensterben, Böden, Wasser, hormonelle Effekte und Krebsrisiken.

Auch hier gilt: Rückstand unter Grenzwert ist nicht automatisch akute Gefahr. Das ist die offizielle Sicht. Nur interessiert viele Menschen inzwischen nicht mehr allein der Grenzwert einer Einzelsubstanz. Sie fragen nach Mischbelastungen. Nach Daueraufnahme. Nach empfindlichen Gruppen. Nach Kindern. Nach Schwangerschaft. Nach Darmflora. Nach hormonellen Effekten im Niedrigdosisbereich.

Diese Fragen sind nicht irrational. Sie sind unbequem. Und sie passen oft nicht gut in behördliche Standardkommunikation, die lieber einzelne Stoffe, einzelne Grenzwerte und einzelne Risikobewertungen betrachtet.

Das Leben ist aber keine Laborplatte mit sauber getrennten Substanzen. Der Mensch isst nicht „ein Pestizid unter Grenzwert“. Er lebt in einer Mischung aus Rückständen, Verpackungsmaterialien, Zusatzstoffen, Luftschadstoffen, Trinkwasserproblemen, Medikamentenresten, Kosmetikinhaltsstoffen und Alltagschemikalien. Genau hier entsteht der Resonanzraum für Misstrauen.

Interessant: Die Menschen vertrauen Ärzten, Wissenschaftlern und Verbraucherschützern

Ein weiterer Punkt der EFSA Daten ist wichtig. Beim Vertrauen in Informationsquellen zu Lebensmittelrisiken liegen Allgemeinmediziner und Fachärzte mit 90 Prozent ganz oben – erstaunlich oder? Wissenschaftler an Universitäten oder öffentlich finanzierten Forschungseinrichtungen kommen auf 84 Prozent. Landwirte und Primärerzeuger sowie Verbraucherorganisationen liegen jeweils bei 82 Prozent. Nationale Behörden erreichen 70 Prozent, EU Institutionen 69 Prozent, Lebensmittelindustrie 49 Prozent. „Influencer“ und „Prominente“ liegen mit 22 Prozent weit abgeschlagen. Na… Corona lässt grüßen sage ich da nur.

Was bedeutet das praktisch?

Lassen wir mal diese Obrigkeitsgläubigkeit (Corona) beiseite. Eins ist klar: Je stärker Lebensmittel verarbeitet sind, desto mehr Kontrolle geben Sie ab. Je kürzer die Zutatenliste, desto leichter wird die Bewertung. Je näher ein Lebensmittel an seiner ursprünglichen Form ist, desto weniger braucht man über Additive, technische Hilfsstoffe, Aromen, Stabilisatoren und Verpackungschemie zu grübeln.

Das heißt nicht, dass jeder nur noch vom eigenen Acker leben muss. Es heißt: Die Basis muss / sollte stimmen.

Frische, einfache Lebensmittel. Möglichst wenig hochverarbeitete Ware. Bio dort, wo Rückstände erfahrungsgemäß eine größere Rolle spielen. Wasserqualität im Blick behalten. Plastikverpackungen reduzieren, besonders bei fetthaltigen oder warmen Lebensmitteln. Keine tägliche Routine aus Fertigprodukten, Light Produkten, Süßstoffgetränken und „proteinangereicherten“ Industriekreationen bauen.

Der Körper braucht Nahrung. Keine dauernde technische Simulation von Nahrung.

Die eigentliche Botschaft der EFSA Zahlen

Die EFSA Zahlen liefern keine Panikvorlage, sondern einen Realitätscheck. Verbraucher denken beim Essen heute nicht mehr nur an Geschmack, Preis und Haltbarkeit. Sie denken an Pestizide, Zusatzstoffe, Rückstände und Mikroplastik. Und das völlig zu Recht.

Nicht jede Sorge ist automatisch ein Beweis. Aber auch nicht jede behördliche Entwarnung ist automatisch ein Freispruch für ein Ernährungssystem, das immer technischer, globaler und undurchsichtiger wird.

Wer gesund essen will, muss nicht jede Substanz kennen. Er muss die Richtung verstehen: Je stärker verarbeitet, verpackt, aromatisiert, stabilisiert und vermarktet ein Produkt ist, desto kritischer sollte man werden. Der beste Verbraucherschutz beginnt oft nicht mit einer neuen Verordnung, sondern mit einem sehr alten Prinzip: Essen Sie Lebensmittel, die noch als Lebensmittel erkennbar sind.

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René Gräber vor Kniegrafik mit Hinweis auf Studien zu Meniskus OPs und eigene Erfahrung

Es gibt Meldungen, bei denen man als Naturheilkundler nur trocken sagen kann: Schön, dass die Studienlage inzwischen dort angekommen ist, wo Naturheilkundler (und solche die wirklich Ahnung hatten) schon vor Jahrzehnten vorsichtig wurden.

Aktuell macht wieder eine Nachricht die Runde: Eine der häufigsten orthopädischen Operationen, die arthroskopische Teilentfernung beschädigter Meniskusanteile, bringt bei degenerativen Meniskusschäden oft weniger als gedacht. Genauer gesagt: In hochwertigen Studien schnitt sie nicht besser ab als eine Scheinoperation.

Ja, richtig gelesen. Scheinoperation. Hautschnitt, Geräusche, Operationssituation, aber am Meniskus wurde nichts gemacht. Und trotzdem waren die Ergebnisse ähnlich. Das betrifft nicht irgendeine exotische Außenseitertherapie, sondern einen Routineeingriff, der über Jahrzehnte als fast „mechanisch logisch“ galt: Meniskus eingerissen, also wird geglättet oder ein Stück entfernt. Das klingt logisch und brillant, aber das Knie ist kein Türscharnier aus dem Baumarkt.

Und ich spreche aus Erfahrung…

Mein eigener Meniskus: 1996 komplett gerissen und nicht operiert

Ich habe dazu eine persönliche Geschichte. 1996 war meine Menisken im linken Knie komplett gerissen. Damals war ich deutlich jünger, sportlich aktiv und (weil ich noch Sportwissenschaften studierte) wurde mir erstens ein CT „genehmigt“ und in der Folge auch eine Operation angeboten.

Ich habe diese abgelehnt. Erstens: weil ich bereits die neuesten Daten aus den USA kannte (weit vor dem Internet!) und zweitens, weil ich schon genug Operationen, Medikamente usw. von der Schulmedizin hatte, die mich insgesamt nicht einen Zentimeter „gesünder“ gemacht hatten. Symptomfreier ja. Wirklich gesünder? Niemals. Aber diesen Unterschied verstehen Millionen von Patienten (und deren Mediziner) anscheinend heute im Jahr 2026 immer noch nicht.

Damals (1996) wusste man in der Breite noch nicht viel über die langfristigen Folgen solcher Eingriffe. Oder besser gesagt: Man wusste einiges, aber es war in der täglichen Praxis noch längst nicht so angekommen wie heute.

Ich hatte es bereist angedeutet: in den 90er Jahren wurde bei Meniskusschäden noch deutlich radikaler operiert als heute. Teilweise wurden Menisken großzügig entfernt, früher sogar komplett. Und genau das ist biomechanisch ein Problem.

Warum?

Weil die Menisken nicht zufällig im Knie liegen. Sie sind keine überflüssigen Gummiringe, die man bei Verschleiß eben herausnimmt. Sie verteilen Last, verbessern die Gelenkpassung zwischen Oberschenkelknochen und Schienbein, dämpfen Kräfte und schützen den Gelenkknorpel. Wird Meniskusgewebe entfernt, wird die Kontaktfläche im Knie kleiner und der Druck auf den Knorpel steigt. Das konnte bereits in biomechanischen Untersuchungen gezeigt werden: Nach Teilentfernung sinkt die Kontaktfläche, nach vollständiger Entfernung deutlich stärker; gleichzeitig nimmt die Stresskonzentration im Gelenk zu.

Anders gesagt: Was der Meniskus nicht mehr abfängt, muss der Knorpel ausbaden.

Hätte man mir 1996 den Meniskus großzügig entfernt, wäre die Wahrscheinlichkeit groß gewesen, dass mein Knie heute deutlich anders aussieht. Vielleicht hätte ich längst ein künstliches Kniegelenk. Nicht, weil die Operation damals schlecht gemeint gewesen wäre, sondern weil die Statik des Knies nach Meniskusverlust eine andere ist. Die Inkongruenz, also die mangelnde Passform der Gelenkflächen, müsste dann verstärkt über den Knorpel kompensiert werden. Genau dafür sind die Menisken aber da.

Der Denkfehler: MRT / CT Befund ist nicht gleich Schmerzursache

Ein großer Irrtum beginnt häufig im MRT / CT. Da sieht man einen Meniskusriss und denkt: Aha, das ist der Übeltäter. Also muss der Riss weg.

Eine große Arbeit im New England Journal of Medicine untersuchte Knie MRTs bei Menschen zwischen 50 und 90 Jahren. Ergebnis: Meniskusrisse sind in dieser Altersgruppe häufig, auch bei Menschen ohne Beschwerden. Besonders bemerkenswert: 61 Prozent der Personen mit Meniskusriss hatten im Vormonat keine Schmerzen, kein Ziehen und keine Steifigkeit im Knie.

Das ist für die Praxis entscheidend. Ein Befund im MRT beweist noch nicht, dass genau dieser Befund die Schmerzen verursacht. Bei der Wirbelsäule kennen wir das längst: Bandscheibenvorfälle sieht man auch bei Beschwerdefreien. Beim Knie ist es ähnlich. Nur wird dort gerne schneller operiert.

Ein degenerativer Meniskusriss ist oft eher ein Zeichen eines veränderten Gelenkmilieus als die alleinige Ursache des Problems.

Die Placebo Operationen am Knie

Es gibt da einige nette Geschichten der Placebo Knieoperationen. Bereits 2002 erschien im New England Journal of Medicine eine aufsehenerregende Studie von Moseley und Kollegen. Patienten mit Kniearthrose erhielten entweder eine echte Arthroskopie mit Spülung beziehungsweise Glättung oder nur eine Scheinoperation. Das Ergebnis war für die Arthroskopie ernüchternd: Die echten Eingriffe waren der Placebo Operation nicht überlegen.

2013 folgte dann die finnische FIDELITY Studie, ebenfalls im New England Journal of Medicine. Hier ging es gezielt um degenerative Meniskusrisse. 146 Patienten zwischen 35 und 65 Jahren wurden entweder arthroskopisch teilmeniskektomiert oder scheinoperiert. Auch hier: Die Operation brachte keinen relevanten Vorteil gegenüber der Scheinoperation.

Und nun kommt der eigentlich schwere Schlag: Die 10 Jahresdaten dieser FIDELITY Studie wurden 2026 veröffentlicht. Die Universität Helsinki fasste das Ergebnis zusammen: Die Teilentfernung des Meniskus verbesserte weder Symptome noch Funktion. Im Gegenteil fanden sich nach zehn Jahren mehr Beschwerden, schlechtere Funktion, mehr Arthroseprogression und eine höhere Wahrscheinlichkeit für weitere Knieoperationen in der Operationsgruppe.

Also genau das, was ich mir 1996 bereits dachte – wenn man in Anatomie, Physiologie und Pathologie aufgepasst hat, konnte man sich das eigentlich denken. Ja, ich weiß: das klingt jetzt neunmalklug – aber 1 plus 1 ist immer noch 2 (wenn man rechnen kann).

Auch Physiotherapie schneidet nicht schlechter ab

Nun könnte man sagen: Gut, gegen Placebo ist das eine Sache. Aber was ist mit gezieltem Training?

Auch hier sieht die Lage nicht gut aus für die Routineoperation.

In der ESCAPE Studie wurden Patienten mit degenerativem Meniskusriss entweder operiert oder mit übungsbasierter Physiotherapie behandelt. Nach fünf Jahren war die Physiotherapie der arthroskopischen Teilmeniskektomie nicht unterlegen. Die Autoren folgerten ausdrücklich, dass Physiotherapie bei degenerativen Meniskusrissen bevorzugt werden sollte.

Ein Cochrane Review von 2022 fasste 16 randomisierte Studien mit 2105 Teilnehmern zusammen. Das Ergebnis: Arthroskopische Chirurgie bei degenerativer Knieerkrankung bringt im Vergleich zur Placebo Operation wenig bis keinen klinisch relevanten Nutzen bei Schmerz und Funktion.

Das ist ziemlich eindeutig. Und wir sprechen hier von „Standard-Physiotherapie“!

Wann eine Operation trotzdem sinnvoll sein könnte

Natürlich heißt das nicht: Niemals am Meniskus operieren. Ein akuter traumatischer Riss bei einem jungen Sportler, ein eingeklemmter Korbhenkelriss, ein blockiertes Knie, freie Gelenkkörper oder klare mechanische Einklemmungen sind eine andere Situation. Dann kann eine Operation sinnvoll sein. Aber auch ich hatte 1996 freie (abgesprengte Gelenkkörper im Knie), die sich ab und zu festsetzten und das Knie blockierten. Ich musste dann innehalten und das Knie praktisch wieder „frei schütteln“. Das muss ziemlich lustig ausgesehen haben, wenn man mich dabei beobachtete…

Jedenfalls: der typische degenerative Meniskusriss bei einem 50, 60 oder 70 Jahre alten Menschen mit Kniebeschwerden ist eben nicht automatisch ein Operationsauftrag. Die wichtigste Frage lautet nicht: „Was sieht man im MRT?“ Die wichtigste Frage lautet: „Warum schmerzt dieses Knie wirklich?“

Das kann der Meniskus sein. Es kann aber auch Knorpel, Synovia, Knochenmarködem, Achsbelastung, Stoffwechsel, Entzündung, Übergewicht, Bewegungsmangel oder eine Kombination davon sein. Fast immer sind aber die Faszien beteiligt — und dort sitzt die Masse der Schmerzrezeptoren.

Und genau hier beginnt der eigentliche therapeutische Weg.

Was ich alternativ machen würde

Regeneration beim Meniskus bedeutet nicht, dass ein komplett zerstörter Meniskus plötzlich wieder wie neu wächst. Wer so etwas verspricht, verkauft Märchen mit orthopädischem Anstrich.

Regeneration bedeutet aus meiner Sicht etwas anderes: Das Gelenkmilieu muss so verändert werden, dass das Knie wieder belastbarer wird, Entzündung abnimmt, die Muskulatur führt, die Achse sauberer arbeitet, der Knorpel besser geschützt wird und Schmerz nicht ständig neu provoziert wird.

Dazu gehören mehrere Ebenen.

Erstens: Belastung steuern. Nicht „schonen bis alles verkümmert“, aber auch nicht stumpf in den Schmerz hineintrainieren. Viele Knie brauchen intelligente Dosierung, keine heroische Selbstzerstörung auf dem Laufband.

Zweitens: Muskulatur aufbauen. Besonders Quadrizeps, Gesäßmuskulatur, hintere Kette, Waden und Fußstabilität. Das Knie hängt nicht allein im Raum. Es ist eingebunden in Hüfte, Becken, Sprunggelenk und Fuß.

Drittens: Beweglichkeit und Gelenkführung verbessern. Oft sieht man eingeschränkte Hüftbeweglichkeit, schwache Außenrotatoren, schlechte Fußstatik oder eine ungünstige Knieachse. Das Knie zahlt dann die Rechnung für Probleme oberhalb und unterhalb.

Viertens: Entzündungsmilieu senken. Ernährung, Bauchfett, Insulinresistenz, Schlaf, Stress und stille Entzündungen spielen beim degenerativen Gelenk eine größere Rolle, als viele Orthopäden in fünf Minuten Sprechzimmerzeit besprechen können.

Fünftens: Gewebeversorgung unterstützen. Hier kommen aus meiner Sicht orthomolekulare und naturheilkundliche Maßnahmen ins Spiel: ausreichend Eiweiß, Vitamin D Status, Omega 3 Fettsäuren, Magnesium, Vitamin C, Kollagenbausteine, sekundäre Pflanzenstoffe, Heilpflanzen und je nach Fall auch Enzyme oder entzündungsmodulierende Substanzen. Nicht als Wundermittel, sondern als Bausteine in einem Gesamtplan.

Sechstens: Manualtherapie und funktionelle Behandlung. Osteopathie, Chiropraktik, Faszientechniken, gezielte Mobilisation und gute physiotherapeutische Arbeit können helfen, wenn sie nicht nur am Knie herumdrücken, sondern das gesamte Bewegungsmuster betrachten.

Genau solche Wege beschreibe ich immer wieder ausführlicher in meinen Newslettern. Denn das braucht mehr als drei Sätze und eine Packung Schmerzmittel.

Mein Fazit

Ich bin froh, dass ich meinen linken Meniskus 1996 nicht habe entfernen lassen. Damals war das gegen den Strom. Heute wirkt es rückblickend fast vernünftig.

Die Studienlage bestätigt, was man aus biomechanischer und naturheilkundlicher Sicht schon lange vermuten konnte: Der Meniskus ist kein lästiges Restgewebe, sondern Schutzstruktur. Wer ihn entfernt, verändert die Lastverteilung im Knie. Und wer degenerative Beschwerden nur wegschneidet, hat noch lange nicht die Ursache behandelt.

Bei echten Blockaden, akuten traumatischen Rissen und klaren mechanischen Problemen kann Chirurgie ihren Platz haben. Aber bei degenerativen Meniskusrissen sollte der erste Weg in der Regel nicht zum Skalpell führen, sondern zu einer sauberen Analyse: Faszien, „richtige“ Schmerztherapie, Bewegung, Muskulatur, Achse, Gewicht, Entzündung, Stoffwechsel, Ernährung.

Klar: Das ist mühsamer als eine schnelle Arthroskopie. Aber: das Knie dankt es einem häufig länger!

 

Alt werden wir nicht erst mit grauen Haaren. Wir werden alt, lange bevor wir es merken.

Die gängige Vorstellung lautet: Mit 60 beginnt das Alter. Die Biologie sieht das anders. Studien zeigen, dass sich bereits Anfang 30 messbare Veränderungen in unseren Zellen abzeichnen. Proteine verschieben sich. Gewebe reagiert anders. Regenerationsprozesse verlangsamen sich. Nicht dramatisch. Aber messbar.

Gleichzeitig ist die Lebenserwartung über Jahrhunderte gestiegen – durch Hygiene, Ernährung, weniger Infektionskrankheiten. Doch in jüngster Zeit kippt der Trend in einigen Industrienationen wieder. Wir leben länger als unsere Vorfahren, aber altern wir auch gesünder?

Spannend ist: Altern verläuft nicht gleichmäßig. Manche 70-Jährigen wirken biologisch jünger als 50-Jährige. Milz, Lunge, Gefäße, Muskeln – jedes Organ folgt offenbar seinem eigenen Zeitplan. Zwischen 45 und 55 scheint sich der Prozess deutlich zu beschleunigen. Die Gefäße zeigen in diesem Zeitraum besonders starke Veränderungen.

Die entscheidende Frage lautet also nicht nur: Wann werden wir alt?

Sondern: Wie schnell – und was können wir daran ändern?

Denn genau hier wird es praktisch. Und überraschend konkret.

Beginnen wir mit der Frage:

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Warum altern wir eigentlich?

Wäre es nicht auch denkbar, den Alterungsprozess zu stoppen und „Unsterblichkeit“ zu erzielen? Sind Altern und Sterblichkeit notwendigerweise miteinander verbunden? Könnte man nicht auch ewig altern, ohne zu sterben?

Bevor es zu philosophisch wird, hier ein paar praktische Aspekte zum Altern, die ich in Beiträge gefasst hatte:

Das neue Zeitalter des Alterns: Wann beginnt das Altern wirklich?

Ein kurzer, dafür aber umso interessanterer Beitrag der „St. Luke’s Penn Foundation“ ging dieser Frage nach.

Im Laufe der letzten Jahrhunderte ist die Lebenserwartung deutlich gestiegen. Auch hier stellt sich die Frage, wie das zustande gekommen ist. Mögliche Ursachen wären: bessere Hygiene, weniger feindliche Umweltbedingungen, bessere Ernährung etc.

Leider zeichnet sich jetzt ein Trend ab, der in genau die entgegengesetzte Richtung zeigt, in Deutschland und im Land der unbeschränkten Möglichkeiten. [8] [9]

In den USA sind aktuell fast 58 Millionen Menschen 65 Jahre oder älter, und Studien zeigen, dass 65-Jährige im Durchschnitt noch 18,9 Jahre leben könnten. Wer ein langes Leben führen möchte, muss mit dem Altern leben. Doch wie genau altert unser Körper und was können wir tun, um den Prozess zu verlangsamen?

Eine interessante Tatsache ist, das jeder altert, aber nicht jeder auf dieselbe Weise. Es scheint junge Alte zu geben, aber auch alte Junge…

Wissenschaftler untersuchten Proteine ​​im Gewebe von Menschen zwischen 14 und 68 Jahren. Sie fanden heraus, dass der Alterungsprozess früher einsetzt als man denkt.

„Bereits mit Anfang 30 beginnen sich in den Zellen Veränderungen abzuzeichnen“, so Dr. LaRocca, außerordentlicher Professor und Leiter des „Healthspan Biology Lab“ an der Colorado State University. Und das scheint ein „Erbe“ aus uralten Zeiten (Steinzeit und früher) zu sein, wo die durchschnittliche Lebenserwartung bei gerade einmal 30 ± 5 Jahre lag.

Allerdings müssen wir hier eine Einschränkung machen: Dieser Wert wird stark durch die hochgradige Kindersterblichkeit beeinflusst: Viele Kinder starben bereits in den ersten Lebensjahren. Wenn ein Mensch damals die frühe Kindheit überlebte, lag die weitere Lebenserwartung deutlich höher. Studien zeigen, dass Menschen, die das 15.  Lebensjahr erreicht hatten, durchschnittlich 54 Jahre alt wurden.  Einige Forscher gehen sogar davon aus, dass die maximale Lebenserwartung im Paläolithikum bei 82 bis 86 Jahren lag.

Der Alterungsprozess beschleunigt sich scheinbar am stärksten zwischen 45 und 55 Jahren. Interessanterweise zeigte die Studie jedoch, dass verschiedene Körperteile unterschiedlich schnell altern. Milz und Nebenniere wiesen bereits mit etwa 30 Jahren erste Anzeichen der Alterung auf. Mit 40 bis 45 Jahren beginnen die Lymphknoten zu altern, mit 50 Jahren der Darm und mit 55 Jahren die Lunge. Die Aorta zeigte die größten Veränderungen im Proteinspiegel zwischen 45 und 55 Jahren. Ab 60 Jahren sind es Plasma und Muskeln, die die Auswirkungen spüren.

Die gute Nachricht: Mit gesunden Gewohnheiten lässt sich der Alterungsprozess verlangsamen.

Ernähren Sie sich reich an Obst, Gemüse, Folsäure, Vitamin C, Vitamin A und Curcumin, vermeiden Sie Rauchen, Alkohol und Stress, achten Sie auf einen normalen Blutdruck, Blutzucker und Cholesterinspiegel, schlafen Sie ausreichend und bleiben Sie aktiv. Die Umsetzung dieser Gewohnheiten zwischen 45 und 50 Jahren kann die Gesundheit auf Zellebene um bis zu 10 Jahre verlängern. [10] [11] [12]

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Quellen:

Fünf Stunden. Mehr Zeit brauchte es offenbar nicht, um einen Zahnarzt loszuwerden, der vor Quecksilber in Zahnfüllungen warnte.

Ein Vertragszahnarzt im US-Bundesstaat Colorado schlägt Alarm, verweist auf bestehende FDA-Warnungen zu Amalgam bei Risikogruppen – und wird noch am selben Tag entlassen. Zufall? Ungeeignet? Oder ein klassischer Fall von Vergeltung gegen einen Whistleblower?

Der Fall wirft Fragen auf, die weit über die Mauern eines Gefängnisses hinausreichen. Es geht um Amalgam, um Quecksilberbelastung, um medizinische Standards – und um die Frage, wie viel Kritik ein System aushält, wenn wirtschaftliche oder administrative Interessen berührt werden.

Gerade weil es hier nicht um Spekulationen geht, sondern um eine anhängige Klage und eine dokumentierte FDA-Warnung, lohnt sich ein genauer Blick.

Wer gegen das geltende Narrativ argumentiert, der hat es schnell schwer. Da ist es gleichgültig, ob man sogar die richtigen Argumente hat. Der Whistleblower ist eben eine alte Petze, bei der es gilt, dass Nachahmer im Keim abgeschreckt werden. Denn geschäftliche Interessen gehen nun mal vor. Auch vor der Gesundheit der Patienten.

Ich hatte ein paar Beiträge rund um dieses Thema geschrieben und was Whistleblower alles zu leisten in der Lage sind: [1] [2] [3]

Jetzt ist ein Zahnarzt in den USA sofort gefeuert worden, weil er vor Quecksilber-Füllungen gewarnt hatte. Was war da los?

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Quecksilber/Amalgam im Zahn kann teuer werden

Auch zu diesem Thema hatte ich ausführlich berichten können. Amalgam als Füllung kommt mit satten Risiken: [4] [5] [6]

Aber man kann etwas gegen alte Füllungen dieser Art tun: [7] [8]

Ein Zahnarzt, der in Gefängnissen des US-Bundesstaates Colorado arbeitete, hatte unlängst eine Whistleblower-Klage eingereicht. Er behauptete, nur wenige Stunden nach seiner Warnung vor der gängigen Praxis, Gefangenen quecksilberhaltige Zahnfüllungen einzusetzen, entlassen worden zu sein. Dies berichtete die „Denver Post“ am 17. Dezember. [9]

Im Dezember reichte Dr. Charles Hardin beim Bezirksgericht Denver Klage ein. Er gab an, am 4. April entlassen worden zu sein, fünf Stunden nachdem er den Leiter der Zahnklinik des „Colorado Department of Corrections“, eine Krankenschwester und einen Psychologen per E-Mail über seine Bedenken informiert hatte. Laut dem Bericht fordert er jetzt die Nachzahlung seines Gehalts, seine Wiedereinstellung und Schadensersatz.

In der E-Mail schlug Hardin, der als Vertragszahnarzt in einem staatlichen Frauengefängnis und einer weiteren Einrichtung für Gefangene mit komplexen Erkrankungen arbeitete, angeblich vor, dass das Gefängnissystem seine Vorgehensweise bei Zahnfüllungen, die derzeit mit Quecksilberamalgam durchgeführt werden, an die US-amerikanischen Empfehlungen anpassen sollte. Das sollte eigentlich selbstverständlich sein, da selbiges den ethischen Normen entspricht. Denn es gibt keinen Grund, Gefangene schlechter zu behandeln als Otto Normalverbraucher, der sich nichts zu Schulden hat kommen lassen.

Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA warnte 2020 davor, dass Amalgam eine Gefahr für gefährdete Patienten darstelle, darunter Schwangere, Stillende und Personen mit bestimmten Vorerkrankungen. Anstatt ein vollständiges Verbot von Amalgamfüllungen zu empfehlen, riet die FDA Risikogruppen wie Schwangeren, diese Füllungen „wenn möglich und angebracht“ zu vermeiden.

Hardin, der seit 2023 für das Justizvollzugssystem tätig war, erklärte laut dem Bericht in der E-Mail, er sei besorgt darüber, dass das Gefängnissystem zu stark auf Amalgam setze, obwohl sicherere Alternativen verfügbar seien.

Hardin behauptete, er sei nach Äußerung seiner Bedenken entlassen worden. Laut dem Bericht habe ihm das Vertragsunternehmen mitgeteilt, er sei gekündigt worden, weil das Gefängnissystem ihn für ungeeignet hielt.

In der Klage wirft der Zahnarzt der Behörde vor, gegen Colorados Whistleblower-Gesetz zum Schutz von Mitarbeitern vor Vergeltungsmaßnahmen verstoßen zu haben, nachdem diese berechtigte Bedenken hinsichtlich Gesundheit und Sicherheit geäußert haben.

Fazit

In den USA, dem Land der Freiheitsfanatiker, ist nichts unmöglich. Sogar die freiheitliche Unterdrückung der Meinungsfreiheit und Verbreitung von sogar anerkannten Wahrheiten, wenn es „den da oben“ nicht passt. In diesem Fall lag sogar eine Warnung der FDA bezüglich des Gebrauchs von Amalgam vor. Und die Gefängnisleitung ignorierte sogar ein geltendes Gesetz zum Schutz von Whistleblowern, obwohl die Gefängnisleitung als Teil der Justiz sich in rechtlichen Dingen auskennen sollte.

Aber was kann man von einer Gesellschaft erwarten, die lauthals die Freiheit bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit verteidigen will, aber eine Vergangenheit als Sklavenhaltergesellschaft hat, wo man sich die Freiheit genommen hatte, anderen Menschen die Freiheit zu nehmen. Heute diskriminiert und traktiert man in Ermangelung von Sklaven dann halt Gefangene. Und jeder, der da nicht mitmachen will, bekommt die volle Strenge der gesetzeswidrigen Konsequenzen zu spüren.

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Quellen:

Wir leben im Zeitalter der Hochleistungsmedizin – und gleichzeitig sinkt in vielen Industrieländern die Lebenserwartung. Trotz Milliarden für Medikamente, Screeningprogramme und „Durchbrüche“ bleibt die entscheidende Frage offen: Verlängern Pillen tatsächlich unser Leben – oder verhindern sie nur, dass wir früher sterben?

Eine große Auswertung der UK Biobank mit rund 60.000 Teilnehmern deutet auf etwas hin, das deutlich weniger spektakulär ist als jede neue Spritze oder Tablette: fünf Minuten mehr Schlaf, zwei Minuten mehr Bewegung, eine halbe Portion Gemüse zusätzlich – und statistisch ein zusätzliches Lebensjahr.

Kein Wunder. Keine Gentechnik. Kein „medizinischer Meilenstein“. Sondern schlichte Lebensführung.

Aber wie belastbar sind solche Aussagen? Und geht es hier wirklich um eine Verlängerung der biologischen Lebensspanne – oder lediglich darum, das eigene Potenzial endlich auszuschöpfen? Genau hier beginnt die eigentliche Diskussion.

Die Schulmedizin rühmt sich ja fortwährend, dass ihre „Heilkunst“, in der es zudem noch von „medizinischen Durchbrüchen“ wimmelt, das Leben von Patienten retten würde und sogar deren Leben verlängern könnte.

Derartige Ansprüche halte ich für maßlos übertrieben bis falsch, wenn wir einmal die Notfallmedizin ausklammern, die derartige Ansprüche zu Recht geltend machen kann. Denn hier werden medizinische Maßnahmen durchgeführt, die Leben retten. Aber lebensverlängernde Maßnahmen im Sinne einer Veränderung des natürlichen Todeszeitpunkts in die Zukunft hinaus werden auch hier nicht durchgeführt.

Die medikamentöse Behandlung hat bis heute auch nicht einmal zeigen können, dass sie die Lebenserwartung verlängern könnte. Die Statine z.B. sollen angeblich die Plaques in den Arterien verhindern, was die Zahl der Herz- und Hirninfarkte verhindere, was sich dann wohl in einer Senkung der Todesfälle bemerkbar machen sollte. Macht es das? Nein, es gibt keine nachgewiesene Senkung der Mortalität bei den Statinen.

Und schlimmer noch: Trotz gewaltiger Propaganda, wie effektiv die Schulmedizin inzwischen sei, sieht die Lebenserwartung ziemlich „daneben“ aus. Schon 2009 gab es Grund für Aufmerksamkeit bezüglich der Lebenserwartung in Deutschland. [1]

Inzwischen gibt es eindeutige Hinweise, dass die Lebenserwartung sinkt: [2] [3]

Und als dann „Corona“ kam und uns mit einer „lebensrettenden“ Genspritze überraschte, gab es noch mehr Rückgang bei der Lebenserwartung. [4] [5]

Gibt es also keine Möglichkeit, nicht nur etwas für seine Gesundheit, sondern auch für eine höhere Lebenserwartung zu tun? Doch, die scheint es zu geben. Allerdings handelt es sich hier nicht um den Erwerb und Einsatz von Pillen: [6]

Oh, nein… das hört sich nach einem gewaltigen Aufwand an, den kaum jemand auf sich nehmen möchte, oder? Und Fasten ist ja auch „ungesund“, oder? Wie soll da die Lebenserwartung erhöht werden, wenn man ungesund lebt? Dann kann man gleich richtig ungesund leben und sich vollstopfen, rauchen und saufen. Dann hat man was vom Leben, oder?

Warum Fasten nicht ungesund ist: [7]

Aber nicht jeder sollte oder kann fasten. Wie jede medizinische Maßnahme gibt es auch hier Kontraindikationen, die, wenn sie übersehen werden, in der Tat zu ungesunden Konsequenzen führen können. Außerdem sollte, je nach Gesundheitszustand, das Fasten unter ärztlicher Aufsicht erfolgen, am besten in einer auf Fasten spezialisierten Klinik: [8] [9]

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Die Wende

Fasten bzw. Kalorienrestriktion sind die einzigen Möglichkeiten, die Lebenserwartung zu erhöhen. Oder? Man hat es für Mäuse, Insekten, Würmer etc. nachgewiesen, nicht jedoch für den Menschen, wenn man es genau nimmt. Denn ein Experiment, das diesen Effekt beim Menschen versuchen würde nachzuweisen, wäre ethisch nicht zu vertreten.

Dazu kommt, dann man das Vollfasten auch nur über einen gewissen Zeitraum durchführen kann. Denn sonst verhungert man, was die Lebenserwartung signifikant verkürzt. Die Kalorienrestriktion dagegen lässt sich über einen sehr langen Zeitraum durchführen. Das wäre schon ein erster Ansatz.

Aber es gibt noch mehr. Statt sich auf nur eine mögliche Komponente zur Verbesserung von Gesundheit und Lebenserwartung zu konzentrieren, gibt es jetzt sogar eine Studie, die vorschlägt, viele kleine Verbesserungen in vielen Bereichen des Lebens durchzuführen. [10]

Was haben die australischen Autoren herausgefunden?

Die Forscher analysierten Daten von fast 60.000 Personen der UK Biobank, einer Datenbank mit medizinischen und Lebensstildaten von Hunderttausenden Erwachsenen in Großbritannien.

Das Team verknüpfte die dokumentierten Gewohnheiten der Teilnehmer mit ihrer theoretischen Lebenserwartung und ihrem Gesundheitszustand, berechnet mithilfe statistischer Modelle. Sie fanden heraus, dass Menschen, die täglich nur fünf Minuten länger schliefen, sich nur zwei Minuten länger mäßig bis intensiv körperlich betätigten und eine halbe Portion Gemüse mehr aßen, tendenziell deutlich länger lebten als die leistungsschwächsten Personen – also diejenigen, deren Schlaf-, Bewegungs- und Ernährungsgewohnheiten sie zu den 5 % der Gesamtgruppe mit den schlechtesten Werten zählten.

Laut dem statistischen Modell hatte die erste Gruppe im Vergleich zur zweiten ein zusätzliches Lebensjahr.

Das heißt aber nicht, dass ein paar Minuten mehr Bewegung oder Schlaf und kleine Ernährungsumstellungen ein zusätzliches Lebensjahr garantieren, erklären die Autoren.

„Diese Studie allein beweist nicht, dass diese Gewohnheiten die Gesundheit verbessern“, warnen sie. „Sie modelliert, was mit unserer Lebenserwartung passieren könnte, wenn die Veränderung dieser Faktoren die Gesundheit tatsächlich verbessert.“

Interessanterweise deuten die Daten darauf hin, dass Verbesserungen in verschiedenen Bereichen des Wohlbefindens „mehr als die Summe ihrer Einzelteile“ sind, so Studienleiter Nicholas Koemel, Diätologe und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der „ Universität Sydney“. Um beispielsweise allein durch Schlaf ein zusätzliches Lebensjahr zu gewinnen, müsste man laut der Studie 25 Minuten länger pro Nacht schlafen – ein Luxus, den sich viele nicht leisten können. Doch schon sehr kleine Verbesserungen bei Schlaf, Bewegung und Ernährung können in Kombination eine signifikante Wirkung haben.

Koemel erklärte, die Ergebnisse legten nahe, dass „gesunde Gewohnheiten als Gesamtpaket besser wirken. Jedes unserer Verhaltensweisen beeinflusst unser Handeln. Nach einer unruhigen Nacht verändern sich oft unsere Essgewohnheiten und unser Bewegungsverhalten. Und das sehen wir bei all diesen verschiedenen Verhaltensweisen.“

Dem Modell zufolge hatten die Studienteilnehmer mit der optimalen Kombination dieser Verhaltensweisen – mindestens 40 Minuten mäßig bis intensiv Sport, sieben bis acht Stunden Schlaf pro Tag und eine insgesamt gesunde Ernährung – im Vergleich zu den 3 % der Teilnehmer mit den schlechtesten Werten eine um neun Jahre längere Lebenserwartung und eine um neun Jahre längere Lebenserwartung bei guter Gesundheit.

Aber…

Studien wie diese, sogenannte Kohortenstudien, sind aufgrund ihres Designs mit Vorsicht zu genießen. Sie vergleichen zwei Gruppen rückwirkend, anstatt die Teilnehmer zu bitten, ihre Gewohnheiten zu ändern und die Auswirkungen dieser Änderung auf ihre Gesundheit zu beobachten. Daher können sie nie endgültig beweisen, dass eine bestimmte Veränderung einen bestimmten Effekt verursacht hat; sie können lediglich einen Zusammenhang zwischen beiden herstellen.

Beispielsweise wurden Schlaf- und Bewegungsgewohnheiten in der UK Biobank-Kohorte nur bis zu einer Woche lang erfasst, und die Daten setzen voraus, dass die Teilnehmer diese Gewohnheiten langfristig beibehielten. Auch die Ernährung wurde nur zu Beginn der Studie erfasst und nicht über einen längeren Zeitraum beobachtet. Es ist also möglich, dass die Teilnehmer ihre Gewohnheiten nach diesen Erhebungen geändert haben, was die Wahrscheinlichkeit verringern würde, dass ihre Gewohnheiten ihre Lebenserwartung verbessert haben.

All dies lässt Raum für die Möglichkeit, dass nicht diese Unterschiede im Lebensstil, sondern ein anderer, nicht erfasster Faktor die Verbesserung der Lebenserwartung bewirkt hat.

Es könnte beispielsweise sein, dass eine Gruppe wohlhabender ist und es ihr dadurch leichter fällt, Sport zu treiben, gut zu schlafen und sich gesund zu ernähren. Letztendlich lässt sich dieser Unterschied aber nicht nur durch das Verhalten, sondern auch durch den Wohlstand erklären.

Wohlhabende Menschen könnten auch in einer weniger verschmutzten Gegend leben als ärmere, was zu dem Unterschied in der Lebenserwartung beitragen könnte. Allein anhand dieser Studie lässt sich das nicht beurteilen.

Neujahrsvorsätze scheitern oft, weil wir uns zu viel vornehmen. Und das bedingt das Scheitern der guten Vorsätze. Diese Arbeit legt nahe, dass es einen „anderen Weg von A nach Z“ geben könnte, indem man kleinere Veränderungen in verschiedenen Bereichen des Wohlbefindens vornimmt, die sich zu gesünderen Gewohnheiten entwickeln und gleichzeitig die allgemeine Gesundheit verbessern können.

Noch ein Aber…

Ob es sich hier um eine echte Verlängerung der Lebenserwartung handelt, wage ich erst einmal zu bezweifeln, was nicht abwertend gemeint ist. Eine Verbesserung der vielen kleinen Parameter wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit dazu führen, dass die Menschen ihre natürlich (biologisch) vorgegebene Lebenserwartung erreichen können, was heute aufgrund von chronischen Erkrankungen häufig nicht mehr der Fall ist. Die biologische Lebenserwartung noch einmal nach oben zu schrauben, ist eine andere Kategorie. Und hier soll als Einzige die Kalorienrestriktion effektiv sein, aber auch nur, wenn alle gesundheitlichen Parameter stimmen.

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Quellen: