Glyphosat – sicher unsicher?

Glyphosat, Gift

Die Gen-Industrie wollte uns damals gentechnisch veränderte Nutzpflanzen „schmackhaft“ machen mit der Begründung, dass diese weitaus weniger Herbizide benötigen als die natürlichen Counterparts. Monsanto, der Kopf und Marktführer in diesem Segment, versprach dies und noch andere Dinge.

Danach ging man nach Hause und erweiterte als erstes die Produktionskapazitäten für die hauseigenen Herbizide, wie zum Beispiel Glyphosat.

Heute weiß man, warum hier so unlogisch gehandelt wurde: Monsanto wusste damals anscheinend schon, dass der Herbizidumsatz steigen würde, da die herbizidresistenten GMOs (gentechnisch manipulierte Organismen) deutlich mehr Herbizid vertragen können als die „Unkräuter“ und die eben zitierten natürlichen Nutzpflanzen.

Was die weiteren Hintergründe für dieses scheinbare Paradoxon sind, das habe ich in Die Gen-Technik und ihre Lobby beschrieben.

Die EU-Kommission hatte am 27. November 2017 die Zulassung des umstrittenen Herbizids um weitere fünf Jahre verlängert. 18 der 28 Länder des Staatenbundes sprachen sich dafür aus, darunter auch Deutschland. Innerhalb der großen Koalition geriet die nicht mit der SPD abgestimmten Entscheidung zum Eklat.

Die damalige Bundesumweltministerin Barbara Hendricks hatte in einem Telefonat mit Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) ihre Zustimmung verweigert. Dass es nicht zu einer deutschen Enthaltung kam, wurde in den Reihen der SPD als krasser Vertrauensbruch betrachtet.

Folgen für die Umwelt: ungewiss

Welche Folgen die manipulierte DNA für Mensch und Tier hat, ist indes ungewiss. Hier müsste die EU nach dem Vorsorge-Prinzip verfahren, den der Staatenbund selbst gesetzt hat. Das würde bedeuten, dass eine neue Produkt-Linie erst dann zugelassen wird, wenn die Unbedenklichkeit einwandfrei nachgewiesen ist.

Im Zusammengang mit der Glyphosat-Bewertung ist zweifelhaft, ob die DNA der gentechnisch veränderten Futterpflanzen auch in Milch und Fleisch auftaucht. Und natürlich sind sich Gen-Industrie und BfR einig darüber, dass dies absolut ausgeschlossen ist. Analysen unabhängiger Forscher belegen aber genau das Gegenteil.

Die Konsequenzen dieser sehr wohl stattfindenden Fremd-DNA-Aufnahme für die Gesundheit zeigen sich womöglich erst nach jahrelangem Verzehr. Auch das wäre dann in Teilen eine Folge der Glyphosat-Ausbringung, weil dessen Anwendung untrennbar verbunden ist mit dem Anbau von GMO-Futterpflanzen.

Hersteller sprechen von „Sicherheit“

Während Firmen wie Bayer/Monsanto alle ihre Produkte als sicher und gut erforscht einstufen (die Marketingabteilung hat sich da vielleicht einiges einfallen lassen, aus einem X ein U zu machen), gibt es in der weniger industrieabhängigen Forschung vehementen Gegenwind zu den „wissenschaftlichen“ Behauptungen von Bayer/Monsanto. Auch zu diesem speziellen Thema hatte ich einen Beitrag verfasst: Politiker entdecken: Herbizide sind doch gesund.

Aber dabei ließen es die unabhängigen Wissenschaftler nicht bewenden. Sie nahmen sich das Herbizid noch genauer unter die Lupe. Was dabei heraus kam, ist alles andere als ein Grund zur Freude – oder für eine Entwarnung.

Krank durch Glyphosat?

Die beiden amerikanischen Wissenschaftler Samsel und Seneff veröffentlichten letztes Jahr einen Beitrag, der sich mit Wirkungen von Glyphosat auseinandersetzte, die bislang kaum Beachtung gefunden hatten (Glyphosate’s Suppression of Cytochrome P450 Enzymes and Amino Acid Biosynthesis by the Gut Microbiome: Pathways to Modern Diseases).

Sie hatten herausgefunden, dass Rückstände von Glyphosat in nahezu allen gängigen Nahrungsmitteln der westlichen Welt nachgewiesen werden können. Besonders betroffen sind hier Zucker, Mais, Soja und Weizen. Diese Rückstände sind immer noch ausreichend konzentriert, um im Laufe der Zeit das Cytochrom P450 zu hemmen.

Das Cytochrom P450 ist ein Protein (Hämprotein) mit enzymatischer Aktivität, das vorwiegend in der Leber vorkommt. Dieses Enzym ist unerlässlich, um wasserunlösliche Substanzen zu verstoffwechseln.

Durch die Umwandlung in ein wasserlösliches Substrat lässt sich die Substanz dann leichter und schneller über die Nieren ausscheiden. Das Enzym macht dabei keinen Unterschied zwischen körpereigenen oder körperfremden Substanzen. Von daher wird eine Reihe von Medikamenten über das Enzym „verarbeitet“.

Dabei deaktiviert das Enzym direkt die Substanzen oder aber beschleunigt deren Ausscheidung, was die Akkumulation und somit gefährlich hohe Konzentrationen von zum Beispiel Medikamenten verhindert.

Krebsauslösende, zellschädigende Wirkungen?

Wenn Glyphosat hier eine hemmende Wirkung auf das Cytochrom P450 ausübt, dann handelt es sich zwar nicht um eine krebsauslösende, zellschädigende oder sonstwie direkt schädigende Wirkung auf den Organismus. Vielmehr besteht der Schaden in der Lahmlegung der Verstoffwechselung von gefährlichen Substanzen, Noxen, Toxinen vor Ort, die nach Lust und Laune ihr Unwesen treiben können, ohne von einem „Eliminator“ gestört zu werden.

Diese schädlichen Substanzen wiederum finden ihren Weg in den Organismus ebenfalls über die Nahrung oder als Umweltgifte über die Atemwege, Haut und so weiter. Der schädigende Einfluss auf den Organismus ist schleichend und baut sich über lange Zeit hinweg langsam und sicher auf.

Er induziert vor allem entzündliche Prozesse, die direkt Zellen im gesamten Körper und ihre Bestandteile zerstören. Bislang hatte jedoch niemand in diese Richtung geforscht, was den Eindruck vermittelte, dass Glyphosat vielleicht doch keine Langzeiteffekte mit sich bringen würde.

Ein weiterer Punkt ist die spezifische Wirkung von Glyphosat. Laut Monsanto ist die Substanz schon deshalb als sicher anzusehen, da die herbizide = giftige Wirkung auf der Beeinflussung des Shikimisäurewegs beruht. Dieser Weg ist ein biochemischer Stoffwechselweg in Pflanzen und vielen Mikroorganismen, der eine Reihe von Aminosäuren als Endprodukt hat, wie zum Beispiel Phenylalanin, Tyrosin und Tryptophan.

Phenylalanin und Tryptophan sind essentielle Aminosäuren für den Menschen, da für deren Synthese Enzymsysteme benötigt werden, die im menschlichen Organismus nicht vorkommen. Der Einsatz von Glyphosat blockiert gezielt diese pflanzlichen Enzyme und hat keinen Einfluss auf die Enzyme des menschlichen Körpers.

Wie gerade gesehen und diskutiert, scheint das auch nicht zu stimmen, denn zumindest für das Cytochrom P450 gibt es jetzt neue, gegenläufige Erkenntnisse.

Wirkung auf Darmbakterien

Aber wie sieht es mit den Mikroorganismen im Gastrointestinaltrakt aus? Diese Rückstände sind mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Lage, im Magen-Darm-Trakt genau so zu wirken wie auf den Feldern, wo die Substanz ausgebracht wird. Dort wie hier wird die Synthese von notwendigen Aminosäuren für die Mikroorganismen blockiert, was zu einem Effekt führt, der schon von den Antibiotika bekannt ist.

Wenn auch der bakterizide Wirkmechanismus bei den Antibiotika ein anderer ist, so ist das Ergebnis in beiden Fällen das Gleiche: Absterben der Mikroorganismen im Gastrointestinaltrakt und damit eine Verschiebung des natürlichen Gleichgewichts mit all seinen bekannten Folgen.

Wenn dann noch Antibiotika-Rückstände im Hähnchenfleisch, Schweinefleisch, Kalbfleisch und anderen Fleischsorten dazu kommen (was mehr als wahrscheinlich ist), dann ist das „Trio Infernal“ perfekt.

Da ist es nicht mehr verwunderlich, dass mit der modernen „Diät“ ein Anstieg an Erkrankungen verbunden ist, die nicht nur den Gastrointestinaltrakt, sondern auch Übergewicht, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Depressionen,  Unfruchtbarkeit, Krebserkrankungen und Alzheimer/Demenz betreffen.

Die Autoren nennen in ihrer Veröffentlichung das Glyphosat ein „Bilderbuch-Beispiel“ einer körperfremden Substanz, die ins System eindringt und hier die natürliche Balance zerstört. Und Glyphosat schafft dies, wie es scheint, über zwei voneinander unabhängige Wege: Störung des Cytochroms P450 und Eliminierung beziehungsweise Reduzierung der Darmflora.

Die Beeinträchtigung des Mikrobioms ist sehr wahrscheinlich auch die Ursache für den enormen Anstieg von Autismus in den USA seit etwa 1988. Das belegt eine Studie, die verschiedene Umwelt-Toxine mit der Prävalenz der neurologischen Störung in Zusammenhang bringt. Erkrankten 1988 noch 5 von 10.000 Neugeborenen in den USA später an Autismus, waren es 2003 bereits über 100!

Die Explosion der Fallzahlen korreliert laut der Studie mit 3 Chemikalien: polybromierte Diphenylether, Aluminium-Adjuvantien und Glyphosat. Im Gegensatz zu anderen kritischen Stoffen hat die Kontamination durch diese drei Verbindungen parallel zum Auftreten von Autismus zugenommen (http://vaccinesafetycommission.org/pdfs/11-2014-Env-Health-Nevison.pdf).

Politik zum Krankwerden

In den USA sind dann auch sofort Maßnahmen seitens der Regierung, vor allem von der EPA (Environmental Protection Agency – Umweltschutzamt der Amerikaner), ergriffen worden: Sie haben die Grenzwerte für Glyphosat und seine Rückstände in Nahrungsmitteln und Futtermitteln erhöht!

Als Grund gab die Behörde an, dass sie ausreichend Datenmaterial zur Sicherheit von Glyphosat vorliegen hat, um solche Schritte verantworten zu können. Kontrollierte Fütterungsstudien hätten ergeben, dass es weder bei Hunden, noch bei Mäusen zu Tumorbildungen gekommen sei.

Wie diese Studien zustande gekommen sind und wer sie wann, wo durchgeführt hatte, das konnte ich aus der Quelle nicht entnehmen. Wir müssen also alle gläubig glauben, dass das alles auch so stimmt, wie die EPA uns das gerne weiß machen möchte…. Wer die Arbeiten von zum Beispiel Prof. Séralini dazu kennt, der kann sich mit dieser Darstellung der Unbedenklichkeit von Glyphosat kaum anfreunden (Pesticide toxicity vastly understated, claims new Séralini study).

Seine Ergebnisse bezüglich Glyphosat und gentechnisch modifizierte Nutzpflanzen als Futtermittel waren derart desaströs für Monsanto, dass das Elsevier, wo die Arbeit veröffentlicht wurde, nach einem Jahr „den Schwanz einzog“ und die Veröffentlichung zurücknahm.

Frühere Arbeiten, die zeigen, dass Glyphosat nicht als sicher gelten kann, habe ich hier diskutiert: Soja – Warum ich das lieber nicht essen würde.

Übrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen kostenlosen Praxis-Newsletter dazu an:

Glyphosat: In Deutschland ab 2024 verboten

Auch in Deutschland stand das Herbizid (nicht Umwelt und Gesundheit) unter dem besonderen Schutz der Politik und der Zulassungsbehörden. Das zeigt sich am Umgang mit der Frage, ob Glyphosat krebserregend ist. So hatte das zuständige BfR pflichtgemäß eine Reihe von Studien zu dem Thema ausgewertet.

Dazu gehörten, wie es das Gesetz vorschreibt, sowohl Monsanto-Studien als auch die Arbeiten unabhängiger Wissenschaftler. Die Experten vom BfR glaubten hingegen nur der Darstellung des Gen-Konzerns. Nicht stichhaltig erschien den BfR-Verantwortlichen beispielsweise eine Untersuchung der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IACR), die unter dem Dach der WHO angesiedelt ist.

In dieser Untersuchung kommen Forscher zu dem Ergebnis, dass Glyphosat „wahrscheinlich krebserregend“ ist (https://www.greenpeace.de/themen/landwirtschaft/pestizide/gift-auch-offiziell-gefaehrlich).

Vom BfR wurde diese begründete Annahme schlicht ignoriert. Grundlage der Glyphosat-Zulassung war ausschließlich die Monsanto-Studie, was nur durch eine pikante Nachlässigkeit herauskam. In der BfR-Bewertung hatten die zuständigen Wissenschaftler aus dem Monsanto-Papier teils wörtlich zitiert (siehe: www.sueddeutsche.de/wirtschaft/glyphosat-neue-zweifel-am-urteil-1.3669883). Nun ist das alleine ja noch nicht verwerflich, wenn der Quelltext mit einem ordentlichen Zitat angegeben ist.

Entweder hatten die BfR-Experten die wissenschaftlichen Standards vergessen oder – wahrscheinlicher – sie wollten die Nähe zur Agrar-Industrie verheimlichen. Auch das allerdings ziemlich unprofessionell, denn eine derartige Dummdreistigkeit musste ja auffallen.

Doch kann das alles erklären, warum die Forschungsergebnisse abweichen, je nachdem, ob es sich um Auftragsarbeiten oder unabhängigen Studien handelt? Kann es sein, dass wissenschaftliche Studien manipuliert werden, bis das gewünschte Resultat herauskommt? Genau dieser Verdacht besteht in der Tat.

Ende 2019 berichtete das ARD-Magazin Fakt über unglaubliche Vorwürfe gegen ein Labor, das Glyphosat-Studien durchgeführt hat. Monsanto beauftragte den Dienstleister Laboratory of Pharmacology and Toxicology (LPT) mit „Verträglichkeitsstudien“ über das Herbizid. Die Hamburger Niederlassung von LPT ist übrigens seit Januar 2020 wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz von Amts wegen geschlossen.

Doch auch gegen die Gute Laborpraxis (GLP, Good Laboratory Practice) soll LPT eklatant verstoßen haben. Daten, die nicht zum gewünschten Ergebnis passten, sollen einfach gefälscht und Versuchstiere ausgetauscht worden sein, um das Resultat zu schönen. Gestorbene Versuchstiere hatten LPT-Mitarbeiter den Vorwürfen zufolge ganz verschwiegen.

Solche Machenschaften sollten die GLP-Standards eigentlich verhindern. Eingeführt wurden die strengen Regeln erstmals in den USA, als 1978 erhebliche Datenfälschungen in wissenschaftlichen Arbeiten ans Tageslicht kamen. Zu den GLP-Regeln gehört beispielsweise das Archivieren von Proben.

24 der nun fragwürdigen LPT-Studien wurden beim BfR im Zuge des Genehmigungsverfahrens für Glyphosat eingereicht. Trotz der formal nach GLP-Standards erarbeiteten Studien waren beim BfR keine Unregelmäßigkeiten aufgefallen. Bisher haben die offiziellen Kontrolleure nichts unternommen, um die Genehmigung im Hinblick auf die LPT-Studien zu überprüfen.

Sollten sich die Vorwürfe gegen das Labor bestätigen, wäre eine Neubewertung unerlässlich. Nach der Sendung des Fakt-Beitrags wurde die bei LPT gängige Praxis von Ex-Mitarbeitern bestätigt.

Auch die GLP-Standards müssen offensichtlich auf den Prüfstand. Denn es hat keinen Sinn, wenn sich Behörden leichtfertig auf das Label „GLP“ verlassen. So hatte es das BfR im Falle der Glyphosat-Zulassung nämlich getan.
Es ist natürlich nicht erstaunlich, dass in den LPT-Studien Glyphosat als unbedenklich bezeichnet wird.

Auch die Studien anderer Auftrags-Labore kommen zu ähnlichen Ergebnissen. Nur eine dieser 46 Studien attestieren dem Herbizid eine mutagene Wirkung. Alle Arbeiten sind ebenfalls nach den GLP-Regeln durchgeführt.

Die unabhängigen Studien kommen zum größten Teil zu einem abweichenden Ergebnis: demnach verändert Glyphosat höchstwahrscheinlich das Erbgut. Zur Kenntnis genommen werden diese Arbeiten seitens der Behörden kaum. Denn diese Arbeiten entsprechen nicht nach GLP-Standards. Aber ist das ein Grund, wenn das Reglement nicht wert ist?

In Deutschland regte handfester politischer Widerstand gegen Glyphosat. In über 180 Kommunen wird das Herbizid nicht mehr auf Gemeindeflächen eingesetzt. Ständig kommen neue Gemeinden hinzu, die sich dem Gift verweigern. Im März 2018 reihte sich die Stadt Hagen auf Antrag der Grünen in die Gruppe der Glyphosat-freien Zonen ein.

Sogar in Pacht-Verträgen mit der Stadt soll das Verbot festgeschrieben werden (https://www.noz.de/lokales/hagen/artikel/1172899/gemeinde-hagen-verzichtet-auf-glyphosat-1). Diese beispielhaften Initiativen stehen in wohltuendem Gegensatz zu den Machenschaften der Lobby in Zusammenarbeit mit den Behörden.

Glyphosat spaltete die UNO

Unterdessen zeigten sich UNO-Organisationen intern als uneins. Forscher des „Joint Meeting on Pesticide Residues“ (JMPR) kamen im Mai 2016 zu dem Ergebnis, Glyphosat sei doch nicht krebserregend. Das Gremium untersteht der Ernährungs- und Landwirtschafts-Organisation der Vereinten Nationen (Food and Agriculture Organization, FAO) und der Weltgesundheits-Organisation (World Health Organisation, WHO).

Die verantwortlichen Mitarbeiter des JMPR legten andere Kriterien bei der Bewertung zugrunde als die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC). So haben die Wissenschaftler des JMPR versucht, die Kontamination des Menschen mit Glyphosat quantitativ abzuschätzen. Dabei errechneten sie einen Durchschnittswert, den sie für unbedenklich hielten.

Ist es dann einfach nur Pech, wenn manche Menschen aufgrund ihrer Ernährung diesen Durchschnitt überschreiten? Vielmehr scheint es kaum angebracht, bei derart strittigen Fragen, überhaupt einen Grenzwert festzulegen.

Warum dies trotzdem in so unverfrorener Weis geschieht, wird bei einem Blick auf personelle Verflechtungen klar. So ist der Vorsitzende des JMPR, Alan Boobis, gleichzeitig Vize-Präsident des International Life Science Institute Europe (ILSI). Diese Forschungseinrichtung wird von Unternehmen der Lebensmittel-Industrie finanziert.

Und darunter ist, welch Überraschung, auch der Glyphosat-Hersteller Monsanto. Der Konzern sponserte das ILSI 2012 mit 500.000 US-Dollar. Über den Croplife International kamen nochmals 528.500 US-Dollar hinzu. In dieser Lobby-Vereinigung sind neben Monsanto auch Dow und Syngenta vertreten.

Wissenschaftler, die dem ILSI nahe stehen, waren direkt an der Neubewertung von Glyphosat beteiligt. Angelo Moretto war einer der leitenden Funktionäre in genau der Sitzung, in der die Entscheidung „nicht krebserregend“ fiel. Moretto sitzt gleichzeitig im Vorstand eines ILSI-Institutes (http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2016-05/glyphosat-pflanzenschutzmittel-who-forscher-studie).

Gekaufte Wissenschaft

Freilich sind diese personellen Verflechtungen offiziell bekannt. Diskreter versuchte Monsanto andere Wissenschaftler für positive Bewertungen von Glyphosat zu bezahlen. Über den Umweg von Beratungsunternehmen engagiert der Konzern Forscher, um entsprechende Publikationen zu lancieren. So soll ein Zusammenhang mit dem Auftraggeber vertuscht werden.

Teilweise sollen Monsanto-Mitarbeiter die Studien gleich selber schreiben, die dann unter anderem Namen veröffentlicht werden. Die französische Tageszeitung „Le Monde“ hatte die Chef-Toxikolgin von Monsanto bei einem derartigen Unterfangen ertappt. Herausgekommen war dies durch E-Mails, die den Journalisten bekannt wurden.

Éric Andrieu von der sozialdemokratischen Fraktion im EU-Parlament forderte daraufhin eine komplette Neubewertung des Ackergiftes (http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2017-10/glyphosat-monsanto-wissenschaftler-bestechung-eu-kommission).

Und Glyphosat wird doch verschwinden

2019 wurde der Gegenwind für Bayer/Monsanto schärfer. Die mexikanische Regierung wies die Einfuhr von 1.000 Tonnen des Herbizids zurück. Die Begründung waren die Risiken für die menschliche Gesundheit sowie die negativen Auswirkungen auf die Ökosysteme. Mit dem Jahr 2024 soll die Ausbringung von Glyphosat in dem mittelamerikanischen Land sowie auch in Deutschland und Thailand beendet werden. In Kanada ist die Verarbeitung und Vermarktung von Hafer ab 2021 verboten, wenn die Pflanzen mit Glyphosat besprüht worden war.

Diese begrüßenswerten Entscheidungen können schwerlich rückgängig gemacht werden. Warnsignal für Bayer/Monsanto ist ein Zivilprozess in den USA. Dort hatten 125.000 Kläger Schadensersatz gefordert, weil Glyphosat bei ihnen zu Lymphdrüsenkrebs geführt hatte. Der Konzern erklärte sich freiwillig zu Entschädigungen in Höhe von rund 10 Milliarden US-Dollar breit. Doch 20.000 Kläger wollten sich mit dem Angebot vorerst nicht zufrieden geben.

Eine andere Vereinbarung des Vergleichs stieß bei vielen Klägeranwälten auf Bedenken.  Auch Richter Chhabria sah in der Absicht verfassungsrechtliche Probleme.

Der Beschluss sah vor, für die Bewertung der Frage, ob das Herbizid krebserregend ist, ein unabhängiges Gremium aus Wissenschaftlern ins Leben zu rufen. Zwei Experten sollten von Bayer/Monsanto und zwei von den Klägeranwälten benannt werden. Ein weiterer Wissenschaftler sollte von den 4 anderen gewählt werden.

Fazit

Wer Macht und Geld genug hat, der kann beides vermehren, indem er Gift auf den Markt bringt, es teuer verkauft und seine Kunden von sich abhängig macht. Wissenschaft dient hier nur als Feigenblatt, um die Giftigkeit des Produkts nicht sofort augenmerklich werden zu lassen. Und die bekannten „Firmen“/Hersteller, scheinen da auch bei renommierten Professoren keine Ausnahme zu machen. Wer nicht spurt, der wird entfernt – heute noch in den Publikationsmedien, morgen werden wir sehen…

Doch der Widerstand gegen die Konzerne kann auch Erfolg haben, wenn er beharrlich genug auftritt. Aber es gibt inzwischen 150 Millionen verschieden Chemikalien, die wir zum größten Teil wohl nicht loswerden. Wer sollte denn den aufwendigen öffentlichen Protest für jede einzelene solcher Gifte betreiben?

5 Wundermittel auf die ich in der Praxis nicht verzichten würde

Dieser Beitrag wurde im Februar 2014 erstellt und letztmalig am 07.08.2020 ergänzt und überarbeitet.

René Gräber

René Gräber

Ich brauche ihre Hilfe! Ihre Hilfe für die Naturheilkunde und eine menschliche Medizin! Dieser Blog ist vollkommen unabhängig, überparteilich und kostenfrei (keine Paywall). Ich (René Gräber) investiere allerdings viel Zeit, Geld und Arbeit, um ihnen Beiträge jenseits des "Medizin-Mainstreams" anbieten zu können. Ich freue mich daher über jede Unterstützung! Helfen Sie bitte mit! Setzen Sie zum Beispiel einen Link zu diesem Beitrag oder unterstützen Sie diese Arbeit mit Geld. Für mehr Informationen klicken Sie bitte HIER.

Das könnte auch interessant sein...

12 Kommentare Kommentar hinzufügen

  1. Avatar

    Das ist ein sehr guter Beitrag und sehr informativ. Wir wissen so wenig über uns und über alles was in uns passiert.

  2. Avatar

    Guter Beitrag.Weiter so!!!!!

  3. Avatar
    Mario Hildinger

    1. Juli 2015 um 17:28

    Ein sehr guter Beitrag, herzlichen Dank.
    Ich befasse mich als Lebensmittelfachkraft sehr intensiv mit der Gentechnik und der „Schwester“ Glyphosat.
    Meine Versuche die informationen an Menschen heranzutragen sind bereits schwer genug.
    Leider muss ich zu 99,9% feststellen, dass die Menschen viell. verstehen, dass es sich um giftige Substanzen handelt aber geistig nicht in der Lage sind, ihr Einkaufsverhalten zu ändern.
    Das soll nicht arrogant klingen, sondern ich möchte klar stellen, dass das Gewohnheitstier MENSCH endlich umdenken muss! Denn nahezu jeder Einkauf unterstützt die herstellenden Unternehmen wie Monsanto, Bayer, Syngenta usw. usw…. Bitte lasst euch beraten!!!

  4. Avatar

    Ich bin auf Mais angewiesen, weil ich von Brotgetreide total krank werde. Leider zahle ich bei der Bio-Version dieses meines Grundnahrungsmittels das Doppelte für die Hälfte-unverschämt und für mich nicht leistbar.
    Dasselbe gilt für Reis, Soja esse ich nur noch als Joghurt. Ich bin also leider existenziell unfähig, mich auf diese Diskussion einzulassen.
    Die gf Mehle meide ich wegen der chemischen Bindemittel-Lupine/Buchweizen kleben halt nicht und taugen ohne Chemie oder Ei nicht zum Backen.
    Da die Efsa die Kanzerogenität von Glyphosat ja selbst festgestellt hat bin ich mir sehr sicher, dass für die Neuzulassung für 10 Jahre (!) massive Vergünstigungen geflossen sind.
    Oder Drohungen, die WHO wurde ja auch ständig von ihren grössten Financiers stranguliert.(USA)
    Da können die 150 Jahre lang sonstwas beteuern.
    Eine Schweinerei ist das!! Allein schon wegen der Bienen!!!!!!!
    (5858 ist ja ein witziges Datum. Und Samstag ist mE auch nicht. *kratzkratz*

  5. Avatar

    (Jetzt ist es wieder weg….komisch!)

  6. Avatar
    Eberhard Geike

    22. Oktober 2017 um 21:17

    In der öffentlichen Meinung wird ein massives Lügenspiel getrieben.
    Was ist ein Katalysator?
    Ich habe noch keine Nachricht gefunden: Round-up ist unschädlich. Bei Glyphosat nichts anderes als „unschädlich“

    Diese verdammte Meinungsmache- Hitler war ein Guter – aber diese SA-Schläger,
    mir fiel gerade nichts besseres ein und warten darf man ja in unserer heutigen Zeit nicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Folgen Sie mir auf facebook

Ich freue mich, Sie auf facebook begrüßen zu dürfen!


This will close in 30 seconds