Die genetische Vielfalt der Pflanzen ist das Erbe der gesamten Menschheit, die zu ihrem Nutzen eingesetzt werden sollte und nicht zum Vorteil einiger weniger Konzerne wie z.B. Monsanto verkommen darf.
Seit der Erfindung der Landwirtschaft haben Menschen dieses Geschenk der Natur mit Dankbarkeit angenommen und es mit Respekt behandelt.
https://renegraeber.de/blog/wp-content/uploads/2020/08/saatgut-erde-123rf-120475743-Alexander-Raths-610px.jpg406610adminhttps://renegraeber.de/blog/wp-content/uploads/2024/11/bloga.pngadmin2021-04-03 08:07:582021-04-03 08:07:58Wir dürfen das Saatgut nicht den Konzernen überlassen!
Im Windschatten von Corona werden weitere Dinge vorangetrieben, von denen die Meisten gar nichts mitbekommen. Man muss fast sagen: auch gar nichts mitbekommen wollen.
Die Profite der Kaffee-Konzerne basieren auf der Armut der Kaffeebauern. Ungerecht. Klar. Und wir werden auch nicht alle Ungerechtigkeiten beseitigen können. Aber wir können bei vielen Themen etwas tun: und zwar durch unser Kaufverhalten. Aber eins nach dem anderen…
Multinationale Kaffeeketten ergötzen sich an Milliardengewinnen, gleichzeitig werden die Kaffeebauern in Lateinamerika immer ärmer. Dass die Großkonzerne deren Hilfeflehen in ihrem entfesselten Kapitalismus nicht wahrnehmen mögen, wundert kaum jemanden, aber bei dieser grenzenlosen Ausbeutung von Menschen sollte jedem der Kaffee im Hals stecken bleiben…
Des einen Freud ist des anderen Leid
Auf der einen Seite stehen die gravitätischen Gewinnbilanzen der marktbeherrschenden Unternehmen Tchibo, Starbucks oder Nestlé, auf der anderen Seite prangert die unsägliche Not der Kaffeebauern den durch nichts mehr zu rechtfertigenden, polarisierten Zustand der Menschheit an.
Im Geschäftsjahr 2017 erzielte allein Starbucks einen Reingewinn von knapp 3 Milliarden US-Dollar. Dies wurde vor allem durch eine sehr einfache Geschäftsidee erreicht: Mit billigen Zutaten wie Karamell oder Soja-Milch lässt sich Kaffee exorbitant teuer verkaufen.
Von den Gewinnen wird aber grundsätzlich kein einziger Cent an die Kaffeeproduzenten weitergereicht. Ganz im Gegenteil: Für die Kaffeebohnen wird immer weniger bezahlt.
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Tatsächlich befinden sich die Kaffeepreise seit Jahren schon im freien Fall. Gegen Ende des Jahres 2016 kostete die Sorte „Arabica kolumbianisch mild“ knapp 178 Cent pro Pfund, nur ein Jahr später wurde ein solches Pfund Kaffee nur noch mit 144 Cent aufgewogen, ein Rückgang von fast 20 Prozent innerhalb eines Jahres. Im September 2018 bekam der Kaffeeproduzent keine 126 Cent mehr.
Einige Kaffeesorten stehen heute auf dem tiefsten Stand seit zwölf Jahren. Zwar haben relativ große Ernten zu einem erhöhten Angebot beigetragen, aber es sind vor allem die Börsen-Spekulanten, die die Preisschraube immer tiefer und schmerzhafter ins Fleisch der Hersteller bohren.
Juan Orlando Hernández ist der Präsident von Honduras, einem kleinen Land in Mittelamerika mit knapp 9,3 Millionen Einwohnern. Er beklagte kürzlich vor den Vereinten Nationen zu Recht, dass die zu niedrigen Kaffeepreise rund 90.000 Familien in extreme Armut stürzen werden. Ungefähr seit der Wahl von Hernández hat sich das Chaos in Honduras stetig ausgeweitet. Die Menschen dort sind perspektivlos und verlassen in Massen das Land.
Vor Kurzem erst formierte sich ein neuer Flüchtlingstreck in Richtung USA. Ungefähr 2.000 Migranten landeten in San Pedro Sula an, das ist eine der gefährlichsten Grenzstädte der Welt. Von dort aus geht es nun weiter, zunächst durch Guatemala, um danach noch ganz Mexiko bis zur Grenze zu den USA zu durchqueren.
Was auf den ersten Blick als innenpolitischer Konflikt anmutet, ist in Wahrheit ein Wirtschaftskrieg, der so kleinen Ländern von den global agierenden Großkonzernen aufgezwungen wird.
Die Krise in Mittelamerika darf nicht mehr ignoriert werden
So ganz unsensibel blieb die Kaffeehauskette Starbucks dann doch nicht, wäre ja auch nicht gerade werbewirksam. Nahezu gleichzeitig mit dem Auftritt von Hernández verkündete Starbucks, dass das Unternehmen den Kaffeebauern mit 20 Millionen Euro unter die Arme greifen wird. Wer rechnen kann, weiß sofort, hier geht es um einen Tropfen auf den heißen Stein, aber nicht um gerechte Entlohnung.
Ausbeutung ist Menschenrechtsverletzung
Wer meint, dass Mittelamerika weit weg ist, sollte sich gewahr sein, dass Deutschland von jenen fernen Problemen nicht verschont bleibt und das nicht nur, weil Deutschland einer der größten Abnehmer des Kaffees aus Honduras ist. Pater Michael Heinz gehört dem Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat an.
Er beschwört, dass US-Präsident Donald Trump nicht an einer Grenzmauer, sondern am Frieden und an der Chancengleichheit der Menschen bauen soll, denn die Welt hat ohne Lebenschancen für die ärmsten Staaten und Menschen keine Zukunft. Zunehmende Armut bedeutet immer neue Migrationsströme und den Nährboden für Kriminalität und Gewalt. Diese weisen Worte sollten gerade auch in Deutschland Gehör finden.
2018 wurde durch die Verbände der Kaffeebauern von 30 Ländern Lateinamerikas, Asiens und Afrikas gemeinschaftlich eine einzigartige Kampagne ins Leben gerufen. In diesem Zuge versandten sie einen offenen Brief an alle Kaffeekonzerne. Darin prangerten sie an, dass die Marktpreise für Kaffee nicht einmal dafür ausreichen, die Produktionskosten zu decken.
Dieser Brief war ein erster Schritt, der aufrütteln und eine wichtige Diskussion weltweit in Gang setzen sollte. Fruchtet dies nicht, droht zunächst den Herkunftsländern unseres Kaffees die soziale Katastrophe. Jeder Verbraucher muss für sich entscheiden, auf welcher Seite er stehen möchte.
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Ist Zucker wichtig für unseren Organismus? Wer hier „nein“ sagt, der hat wohl damals im Biologieunterricht nicht aufgepasst. Denn ohne Zucker funktioniert unser Körper nicht, an vorderster Front das Gehirn.
Und genau deshalb brauchen wir die segensreichen Zuckerhersteller (die mit dem weißen Haushaltszucker & Co.), die unseren Organismus in Schwung halten. Oder?
Schöne Zuckerwerbung
Damit wir die Segnungen der Zuckerindustrie auch ordentlich zu schätzen wissen, haben die Zuckerhersteller inzwischen auch das Internet entdeckt und eine ganz, ganz süße Webseite erstellt: mitzucker.de. Dort erfahren wir so manches Neue über die segensreichen Wirkungen des Zuckers – alles Sachen, die ich noch gar nicht wusste!
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Zu aller erst einmal, dass „ein Fußballfeld voller Zuckerrüben Sauerstoff für 60 Menschen produziert“. Da sage ich nur: Toll! Dann sollten wir bald anfangen, diesen nutzlosen Wald in unserem Land zu fällen und durch Zuckerrübenfelder zu ersetzen (um Gottes willen nicht auch die Fußballfelder, bitte!). Denn nur Zuckerrüben sind Sauerstoffproduzenten, Bäume können so etwas wohl nicht, oder doch?
Zumindest wollen die Zuckermacher auf der weiterführenden Seite zu diesem Thema wissen wollen, dass Bäume nur 17 Menschen mit Sauerstoff versorgen (mitzucker.de/fussballfeld-voller-zuckerrueben-produziert-sauerstoff-60-menschen). Man schaue sich das einmal an:
Eine eigene Seite nur für diesen Hinweis? Für die hier aufgestellte Behauptung sparen sich die Zuckermacher aber jedwede Quellenangabe. Denn der Leser soll glauben und nicht wissen und nachvollziehen können. Ja ich weiß, ich belege auch nicht alles mit Quellen. Aber ich bin auch kein Verband und lasse meine Erfahrung und Meinung mit in Beiträge einfließen…
Ungläubig wie ich nun mal bin, habe ich mal nach der Sauerstoffkapazität der Bäume geforscht und ob die wirklich so mickerig ausfällt wie die Zuckerbarone es gewusst haben wollen.
Eine Quelle hat dann nachvollziehbar vorgerechnet: Unter Wieviele Bäume braucht ein Mensch kamen die „Scouts“ zu dem Ergebnis, dass eine einzige 80 Jahre alte Rotbuche 1200 Liter Sauerstoff pro Stunde produziert. Wie lange muss die vereinsamte Rotbuche dann produzieren, um auf 15 Millionen Liter zu kommen, die vom Fußballfeld voller Zuckerrüben ausgehen? Antwort: 12.500 Stunden oder 520 Tage = 1 Jahr und 5 Monaten entsprechend.
Jeder kann sich vorstellen, dass eine Rotbuche nicht ein ganzes Fußballfeld für sich beansprucht. Pflanzen wir also ein Fußballfeld voll mit Rotbuchen, dann passen wie viele Bäume auf diese 90 mal 120 Meter Fläche? Bei nur 2 Bäumen hätten wir schon ein Ergebnis von 9 Monaten Produktion, um 15 Millionen Liter zu erzeugen.
Der Gedankenfehler in dieser Rechnung liegt natürlich in der Tatsache, dass Bäume in unseren Breiten nicht 12 Monate im Jahr gleich viel Sauerstoff produzieren können.
In der blattlosen Zeit im späten Herbst bis zum Frühjahr kommt die Produktion fast vollständig zum Erliegen. Aber unsere Zuckerrüben blühen auch nicht 12 Monate im Jahr und werden nach Erreichen der Reife gnadenlos geerntet. Oder produzieren die Dinger dann immer noch Sauerstoff in der Zuckerfabrik? Manchmal fasse ich es einfach nicht, was für ein Unsinn publiziert wird…
Aber nochmal zurück zur Rotbuche: Eine realistische Berechnung für die Rotbuche bietet die oben genannte Webseite an, und geht von einer jährlichen Produktion aus, die 2,5 Menschen ein Jahr mit Sauerstoff versorgt, Ausfallzeiten mit berücksichtigt.
Selbst unter dieser Prämisse würden 24 Rotbuchen ausreichen, um 60 Menschen im Jahr mit Sauerstoff zu versorgen. Frage: Passen 24 Rotbuchen auf ein Fußballfeld? Antwort: Nein, denn wer kann dann da noch Fußball spielen? Damit wäre bewiesen, dass Zuckerrüben die eigentlichen Sauerstofflieferanten in der Welt sind. Amen!
Und wer Sauerstoff liefert, der liefert auch Energie: Zucker – der natürliche Fitmacher (mitzucker.de/zucker-der-natuerliche-fitmacher). Auch hier werden wieder Fakten geliefert, die man glauben muss. Denn die mitgelieferten Quellen sind ein Sportwissenschaftler, ein Triathlon-Europameister und der „Stern“.
Die Qualität der Argumente für das eigene Produkt sind ähnlich lächerlich und unwissenschaftlich wie das Beispiel mit der Sauerstoffproduktion. Ich spare mir weitere Details dazu und fahre lieber fort, nämlich in:
Die süße Welt der Zuckermacher
Wenn Sie (als geneigter Leser) jetzt glauben, dass ich mal wieder alleine am Baum rüttele und schüttele, dann werden Sie gleich sehen, dass das glücklicherweise nicht der Fall ist. Wie verheerend Zucker ist, das habe ich bereits in meinem Buch: Zucker – Wie wir unsere Gesundheit auf´s Spiel setzen beschrieben.
Wer mag mich denn da in meiner unvorteilhaften „Meinung“ zum Zucker unterstützen?
Sehr wahrscheinlich mal wieder so eine alternativ angehauchte Webseite oder Alternativmediziner…
Diesmal jedoch ist die Überraschung auch auf meiner Seite: Die Süddeutsche Zeitung mit ihrer Online-Ausgabe – und das gleich mehrere Male.
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Die Macht der Zuckerlobby
Der erste (und der zweite) Beitrag ist/sind leider auf der Webseite der SZ nicht mehr zu finden, dafür aber hier: Die Macht der Zuckerlobby. Und hier erfahren wir nicht so sehr etwas über die schädlichen Wirkungen des Zuckers, sondern etwas über die schädigende Politik, die die Zuckerindustrie betreibt, um ein so gesundes und wohltuendes Produkt vor der Verbannung zu retten beziehungsweise vermehrt auf unseren Tisch zu bugsieren.
Über die Reaktionen aus dem Lager der Wissenschaftler handelt der zweite Artikel aus der SZ (“Zucker ist Gift” – WHO erarbeitet neue Leitlinien). Hier treffen wir auf einen alten Bekannten aus meinen oben zitierten Beiträgen: Dr. Robert Lustig, was für mich auch mehr als überraschend ist, dass dieser Mann hier zitiert wird.
Wir erfahren auch hier die Einschätzung, dass Zucker Krebs fördert, mit verantwortlich ist für alle „Zivilisationskrankheiten“ und Alzheimer, und dass Zucker Gift ist. Wir erfahren, dass es einen statistischen Zusammenhang zwischen Zuckerkonsum und Diabetes gibt und dass 80 Prozent der amerikanischen Lebensmittel mit Zucker versehen (verseucht?) sind.
Die Belege für die krankmachende Wirkung sind da
Doch nun zurück zum ersten Artikel der SZ: Wie es aussieht, sind die wissenschaftlichen Belege für eine krankmachende Wirkung des Zuckers so gewaltig, dass sich auch die sonst eher schreckhafte WHO dieser Sichtweise anschloss.
Vor rund 10 Jahren entschloss sie sich zu einer Gesundheitskampagne gegen hohen Zuckerkonsum, was die Bush-Regierung zur sofortigen Gegenreaktion veranlasste. Die Zuckerindustrie machte mobil und konnte die Quadratur des Kreises beweisen: Zucker ist wahnsinnig gesund und ohne ihn geht die Welt in sich zu Grunde.
Es gab sogar ein internes Papier seitens der Zuckerindustrie, das einen „WHO War Plan“ beschrieb, also einen Kriegszug gegen die WHO mit ihren nicht so süßen Einstellungen zum Zucker und seinen Auswirkungen. Und weil die WHO sich unbeirrt zeigte, drohte die amerikanische Regierung vollkommen freiheitlich und demokratisch, die Beitragszahlungen von 400 Millionen Dollar zu streichen.
Die WHO blieb standhaft und senkte die empfohlene tägliche Zuckermenge von 25 auf 10 Prozent des täglichen Kalorienbedarfs, was ein Schritt in die richtige Richtung ist, aber sich in der Folge auch nur als Tropfen auf dem heißen Stein erwiesen hat.
Um diese Empfehlungen beim Kunden vergessen zu machen, verpulvern die Lebensmittelhersteller Milliardenbeträge in Werbung und Marketing: 3 Milliarden Euro jährlich nur von der deutschen Nahrungsmittelindustrie, 25 Prozent des Betrags nur für Süßwaren und Schokolade. Denn Zucker ist billig und spricht den Geschmack der Verbraucher an.
Coca-Cola, Nestlé und so weiter zeigen bei Sportveranstaltungen und anderen Gelegenheiten, dass ihre zuckersüßen Produkte nur der Gesundheit dienen können – Marketing als Ersatz für wissenschaftliche Beweise. Kinder werden in Schulen schon mit einschlägiger Werbung angesprochen. Denn Kinder sind die Verdiener und Kunden von morgen. Und auch heute haben sie oft einen Einfluss auf die Einkaufsgewohnheiten der Eltern.
Auf der anderen Seite wäre es ein nicht unwichtiger Schritt, wenn es keinen versteckten Zucker in den Nahrungsmitteln gäbe, oder?
Versteckter Zucker?
Was ist denn das?
Ganz einfach: Es gibt viele Produkte, in denen man keinen Zucker vermuten würde, die aber nichtsdestoweniger Zucker enthalten. Der SZ-Artikel sagt aus, dass sogar saure Gurken und Schinken Zucker enthalten, um so beim Kunden besser anzukommen.
Wenn man den Zucker nicht aus den Produkten nehmen will, dann sollte man doch dessen Gehalt aufs Etikett drucken. Da kann sich jeder entscheiden, ob er das Gift konsumieren und noch dafür zahlen will oder nicht.
Zuckerfreie Gummibärchen und Süßstoffe gelten oft als kalorienarme Alternative. Doch unterstützen sie wirklich beim Abnehmen? Die Antwort lesen Sie hier und fällt überraschender aus, als viele denken.
Die Ampelkennzeichnung war ein gutes Konzept dafür, da hier nicht nur abstrakte Zahlen auf das Etikett gedruckt wurden, sondern über Rot, Gelb und Grün eine Beurteilung des Inhalts vorgenommen wurde. War zu viel Zucker enthalten, dann leuchte die Ampel rot. Worauf diese Beurteilung dann letztendlich beruht, das ist wieder eine andere Frage.
Aber die Zucker- und Nahrungsmittelindustrie hat sich erst gar nicht darauf eingelassen, sondern erfolgreich die Ampelkennzeichnung verhindert. Die Angst der Giftmischer vor den drei Farben war so groß, dass sie für die erfolgreiche Verhinderung eine Milliarde Euro hat springen lassen.
Jetzt haben wir aber dennoch eine Kennzeichnung, mit der man aber kaum etwas anfangen kann und ermüdend unübersichtlich ist. Ach ja, ich vergaß – wir sollen nicht wissen, sondern glauben und dann kaufen. Mitdenken ist nur etwas für Leute, die morgen auf dem Scheiterhaufen landen.
Und nach meiner Meinung absolut untypisch sind die folgenden Sätze für die SZ:
„Die Abwehrmechanismen der Industrie gleichen sich über die Branchen hinweg. Das stellt auch Eric Wesselius von der lobbykritischen Organisation Corporate Europe Observatory fest. „Negative Effekte werden geleugnet, kritische Studien als unwissenschaftlich abgetan“, sagt er. Es sei immer das gleiche Muster. Egal, ob es nun um Zucker, Gentechnik oder Tabak gehe.“
Respekt vor einer solch klaren Aussage, die ich nur unterschreiben kann.
Die „Süddeutsche“ im Zuckerrausch
Die beiden genannte Artikel erschienen 2014. Zwei weitere Artikel rund um das Thema Zucker gab es noch im selben Jahr. Im Februar 2014 berichtete die SZ, wie die Zuckerbarone sich zusammentaten und Preisabsprachen durchführten, damit ihr gesundheitlich so wertvolles Produkt einen entsprechend hohen Preis erzielte (Zucker-Kartell büßt mit 280 Millionen Euro).
280 Millionen Strafe, eine stattliche Summe für mich und Otto Normalverbraucher. Endlich wird der heilige Zorn (und das noch heiligere Verlangen) nach einer ordentlichen Strafe zufriedengestellt. Richtig! Und die Beschuldigten sind mit den 280 Millionen auch zufrieden, wetten das…? Warum?
„Durch die Absprachen konnten die Produzenten höhere Preise erzielen, argumentiert die Behörde. Zucker kostet etwa 60 Cent pro Kilo, bei jedem einzelnen Paket geht es also um kleine Beträge. Weil aber jeder Deutsche im Schnitt 36 Kilo Zucker verbraucht, summiert sich der Jahresverbrauch auf knapp drei Millionen Tonnen. Teilweise sei es durch die Kartellrechtsverstöße nach Aussagen von Industriekunden zu erheblichen Preissteigerungen und sogar zu Versorgungsengpässen gekommen, sagt das Kartellamt.“
Wenn ein Kilo 0,60 Euro kostet, dann kosten 3 Millionen Tonnen 1,8 Milliarden Euro. 280 Millionen entsprechen 15,5 Prozent des gesamten Umsatzes – nicht gerade die Portokasse, aber auch kein allzu empfindlicher Verlust, wenn man diese Berechnung für nur ein Jahr gelten lässt. Aber der SZ-Artikel spricht von einem „jahrelangen sich Absprechen“ der Zuckerbarone.
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Der zweite Artikel hieß „Wie bei der Tabakindustrie“. Im vorigen Artikel kam es schon zur Sprache, dass die Verteidigungsmechanismen überall die gleichen sind, in der Gentechnik, der Tabakindustrie und anderswo: Unübersichtliche Kennzeichnungen, verdrehte Wissenschaft, Unterstellungen bezüglich des Nutzens des eigenen Produkts und so weiter. Wer Produkte der Lebensmittelindustrie vertilgt, der hat mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Menge an Zucker auf dem Löffel, ohne es zu wissen.
Diesmal zeigt der Beitrag auf, wie die amerikanische Industrie massiv Einfluss nimmt, die Folgen des Gifts Zucker auf die Gesundheit zu verharmlosen. Karies war demzufolge keine Folge eines hohen Zuckerkonsums. Darum sollte es auch keine Empfehlungen geben, Karies durch einen drastisch reduzierten Zuckerkonsum anzugehen.
Die Spaßvögel von Coca-Cola und Co. schlugen ein Ablenkungsmanöver vor: Man sollte nach Enzymen forschen, die Zahnbeläge lösen und nach Impfungen gegen Karies. Allerdings sollte aus diesen Vorschlägen nichts werden, vielleicht auch, weil sie so herrlich am Ziel vorbeischossen.
Das damals in den Staaten laufende „Nationale Karies-Programm“, das unter der Federführung des NIDR (National Institute of Dental Research) durchgeführt wurde, wurde so manipuliert, dass Programme und Maßnahmen aus Vorschlägen der Zuckerindustrie entnommen wurden.
Grund für diese Manipulation war die Tatsache, dass fast alle Experten des NIDR im Beirat der Zuckerindustrie saßen. Wichtigste „wissenschaftliche Erkenntnis“ des NIDR damals war, dass „der Zuckerkonsum könne „zwar theoretisch eingeschränkt“ werden, dies sei aber praktisch nicht machbar.“ Wie schön, dass es nicht machbar ist, ein Gift einzuschränken oder zu vermeiden, wenn so viel Geld auf dem Spiel steht.
Und die Damen und Herren Schulmediziner haben ja nach jahrelanger Versorgung mit dem Gift in späteren Jahren dann auch neue Kunden mit Diabetes, Krebs, Alzheimer, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und noch ein paar mehr. Aus wirtschaftlicher Sicht gesehen ein profitables und nachhaltiges Model. Ich bete (immer noch) inständig, dass dem NICHT so ist…
Und auch hier wieder die alte Geschichte von Verflechtungen von Industrie und Politik, wenn es darum geht, egal ob gesundheitlich schädigend oder nicht, ein Milliardengeschäft NICHT einknicken zu lassen. Ob Tabakindustrie oder Zuckerbarone, die Einflussnahme massivster Machart auf die Politik ist bei beiden vergleichbar. Ähnlich wie die toxische Wirkung der beiden Produkte vergleichbar ist – mit den notwendigen Abstrichen natürlich.
Fazit
Kurz und bündig – der SZ-Artikel zitiert mit voller Wucht Stanton Glantz, der in den 1990er Jahre beteiligt war, die Verflechtungen von Tabakindustrie und Politik zu enthüllen:
„Es geht uns alle an und wir müssen einsehen, dass die Zuckerindustrie – genauso wie die Tabakindustrie – Profit über Gesundheit stellt.“
Muss ich noch mehr sagen?
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