Wir dürfen das Saatgut nicht den Konzernen überlassen!

Saatgut wird gepflanzt

Die genetische Vielfalt der Pflanzen ist das Erbe der gesamten Menschheit, die zu ihrem Nutzen eingesetzt werden sollte und nicht zum Vorteil einiger weniger Konzerne wie z.B. Monsanto verkommen darf.

Seit der Erfindung der Landwirtschaft haben Menschen dieses Geschenk der Natur mit Dankbarkeit angenommen und es mit Respekt behandelt.

Warum die Vielfalt so wichtig ist

Die Züchtung von Kultur-Sorten ist ein Jahrtausende alter Prozess. Überall, wo sich der Ackerbau entwickelte, züchteten die Menschen regionale Variationen von Obst, Gemüse, Nüssen und Getreide.

Jede Variation war den jeweiligen ökologischen Herausforderungen angepasst und konnte optimal zu reichen Ernten beitragen. Die Pflanzen waren gegen Schädlinge besser gewappnet und kamen mit den klimatischen Verhältnissen an ihrem Standort gut zurecht. Änderten sich die ökologischen Bedingungen, konnten die Menschen Saatgut aus anderen Regionen durch Tausch erwerben und so Missernten vermeiden.

Dabei reichten die Handelswege der „neolithischen Globalisierung“ sogar über Klimazonen hinweg. Doch nicht nur der Genpool jeder einzelnen Kulturpflanzenart war früher größer als heute, sondern auch das Arten-Spektrum der verwendeten Feldfrüchte. Wenn sich das Klima veränderte, konnten die Menschen schnell zu Sorten wechseln, die dann besser geeignet waren.

Heute haben Vielfalt und Abwechslung noch einen ernährungsphysiologischen Aspekt. Je größer die „Lebensmittel-Biodiversität“ ist, um besser ist es um unsere Versorgung mit Vitalstoffen und pflanzlichen Wirkstoffen bestellt.

Eine Stiftung bewahrt das Welterbe „Saatgut“

Dieses für unser Überleben wichtige Welterbe muss erhalten bleiben. Der Welttreuhandfonds für Kulturpflanzenvielfalt hat auf Spitzbergen einen „globalen Saatgut-Tresor“ (Svalbard Global Seed Vault) eingerichtet. Das Lager gleicht einer Festung, die im Permafrost eingegraben ist.

Hinter dicken Betonwänden werden über 800.000 Saatgutproben aufbewahrt, die auch ohne die Technik der modernen Zivilisation konserviert bleiben sollen. Doch dieses Bestreben von Wissenschaftlern ist inzwischen bedroht. Durch die steigenden Temperaturen infolge des Klimawandel schrumpft der Boden, der zu in allen Jahreszeiten gefroren ist. Schon 2017 drang Tauwasser durch die Wände des Bunkers ein, sodass der Saatgut-Tresor aufwendig erneuert werden musste.

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Monopolisten streben nach Vereinheitlichung

Eine andere Bedrohung der Vielfalt auf unseren Anbauflächen ist wirtschaftlicher Natur. Agrar-Konzerne kämpfen um eine marktbeherrschende Stellung, um Preise diktieren zu können und Bauern in ihre Abhängigkeit zu zwingen. Die Unternehmen produzieren massenhaft ein eingeschränktes Angebot von Saatgut, das sie sich vorher haben patentieren lassen.

Folge der unheilvollen Machenschaften ist der Rückgang der Biodiversität auf Feldern und Obstplantagen. Heute sind rund 6.000 verschiedene Pflanzenarten im Anbau verbreitet, doch nur 10 Arten bestimmen rund 70 % der Anbauflächen. Laut einem Bericht der FAO von 1996 waren schon damals zwischen 75 und 90 Prozent des genetischen Reichtums beim Saatgut für Kulturpflanzen vernichtet. Das bedeutet, dass eine Verarmung der genetischen Vielfalt zu beklagen ist, die kaum mehr umkehrbar erscheint.

Die Politik spielt den Agrar-Riesen noch in die Hände. So gipfeln die Monopolisierungs-Tendenzen im Pflanzenbau sogar in dem Verbot, nicht zugelassenes Saatgut auszubringen.

Die Patente auf Saatgut sind umstritten

Die Patente auf genetisch definierte Sorten umfassen nicht nur die genmanipulierten Variationen. Auch „biologisch gezüchtetes“ Saatgut kann patentiert werden, weil über die Frage Rechtsunsicherheit herrscht. Denn was genau unter „biologisch gezüchtet“ zu verstehen ist, ist gesetzlich nicht genau festgelegt.

Rechtliche Auseinandersetzungen hatten dazu geführt, dass konventionell gezüchtetes Saatgut nicht mehr patentiert werden darf. Damit hätte es keine „Monopole auf dem Feld“ mehr geben dürfen, zumindest nicht in Form von konventionellen Züchtungen.

Die Beschwerdekammer des Europäischen Patentamtes (EPA) hatte die Patentierungen bis zum 19. April 2020 blockieren können. Die Mitarbeiter dort verstanden unter „biologisch gezüchtet“, dass Saatgut mit den althergebrachten Methoden von Auswahl und Rückkreuzungen erzeugt wurde.

Doch António Campinos machte die Entscheidung des Gremiums zunichte. Als Präsident des EPA verfügte er eine andere Rechtsauslegung, der zufolge auch Saatgut aus traditionellen Zucht doch unter Patentschutz gestellt werden kann. So kann beispielsweise der Konzern Rijk Zwaan Zaadteelt sich ein Patent auf eine Salatsorte sichern, die dem Klimawandel besser standhält. Im Juli 2020 waren noch 300 ähnlicher Anträge im offenen Verfahren begriffen.

Können sich Umweltgruppen durchsetzen?

Gegen diese Patentierungs-Manie im Interesse von Großkonzernen haben mehrere Non-Profit-Organisationen protestiert. Darunter sind die  Zukunftsstiftung Landwirtschaft (ZSL) und die  Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), die sich auch für den Erhalt einer möglichst breiten Agrar-Biodiversität einsetzen.

Die gemeinsame Initiative richtete sich an Christine Lambrecht. Die Bundesjustizministerin sollte laut den 40 unabhängigen Organisationen im Verwaltungsrat der EPA durchsetzen, dass der Terminus „biologische Verfahren“ präzise definiert ist und Patente auf konventionell gezüchtete Kultur-Sorten ausgeschlossen sind. Damit sollte auch eine Vereinbarung des Koalitionsvertrages zur Geltung kommen.

Ein Streit wie die „endlose Geschichte“

Wie lange der Konflikt zwischen Wirtschaft und Umwelt-Initiativen schon schwelt, zeigen die Bestrebungen eines französischen Vereins. Die Geschichte dokumentiert auch, mit welchen Methoden Konzerne bereit sind, unabhängige Gruppierungen nachhaltig zu schädigen, um sie möglichst einzuschüchtern und zu zerschlagen.

Der Verband ASSOCIATION Kokopelli setzt sich für den Erhalt alter Obst- und Gemüsesorten ein. Dafür werden regelmäßig in verschiedenen Teilen der Welt sogenannte „Saatgutbörsen“ veranstaltet, auf denen interessierte Gärtner ihr Saatgut erwerben oder tauschen können. In Indien existiert sogar eine Samen-Genbank namens Annadana, die von einem Garten umgeben ist, in dem nach ökologischen Kriterien Saatgut gewonnen wird. Ihr Ziel ist die Erhaltung, dieVermehrung und die Verteilung von alten Gemüsesorten.

Das klingt doch gut! Und wo ist das Problem?

Die europäische Saatgutverordnung, die Europäische Direktive 98/95, deren Inhalt die Modalitäten für den Samenhandel in Europa festlegt hatte, war von Frankreich ratifiziert worden. Auf Antrag der deutschen grünen Abgeordneten wurde der Artikel 17 hinzugefügt, der besagte, dass die Erhaltung und Verbreitung von Saatgut begünstigt werden soll, das die Kriterien der sogenannten „conservation varieties“ erfüllt. Damit war die Erhaltung und Verbreitung von Saatgutvielfalt gemeint. Doch der Artikel 17 von Frankreich bis heute nicht in französisches Recht übertragen.

Diese Faktoren eröffneten sich schon damals den multinationalen Konzernen alle Möglichkeiten, ihr unsauberes Spiel fortzusetzen. So klagten die Großkonzerne Kokopelli an, illegale Pflanzensorten zu verbreiten, da diese nicht im französischen Katalog eingeschrieben seien. Der Argumentation der Anwälte Kokopellis, die sich auf den Artikel 17 der Direktive berufen, schloss sich die Justiz in der ersten Instanz an. In der Berufungsverhandlung nahmen die Richter den Hinweis auf diesen Artikel jedoch nicht zur Kenntnis und verurteilten Kokopelli zu einer Bußgeldzahlung in Höhe von 20.000 Euro sowie zur Übernahme der Gerichtskosten.

Ein großer Teil des Saatgutes von Kokopelli wurde somit per Definition der Justiz als illegal erklärt, und dies, obwohl der französische Staat regelmäßig wegen der Nichtbeachtung gemeinschaftlicher Entscheidungen von Europa ermahnt wurde.

2012 erstritt Kokopelli einen Teilerfolg im Saatgut-Konflikt. Graines Baumax klagte auf 50.000 Euro Schadensersatz, weil die Sortenhüter Samen von uralten Sorten verkauft hatte. Doch der Europäische Gerichtshof (EuGH) urteilte, dass  das Verbot von nicht zugelassenem Saatgut in dem vorliegenden Fall nicht greift. Für die alten Saaten gilt die Zulassungspflicht nicht, demnach dürfte wohl auch die Patentierung schwer möglich sein.

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Der Beitrag wurde am 18.05.2011 erstellt und wurde am 07.08.2020 letztmalig ergänzt und überarbeitet. Beitragsbild 123rf.com – Alexander Raths

René Gräber

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4 Kommentare Kommentar hinzufügen

  1. Avatar

    hallo allseits,
    unbedingt müssen wir uns für den Erhalt der Vielfalt unserer Schöpfung einzetzen. Es darf nicht sein, daß einzelne Personengruppen alles in „Mono“ (wie: Monopol, Monokultur, Monolog …) wandlen. Wie man bei den EHEC-Erreger sieht, kann das ja nicht gut gehen. Da ist sicher auch alles „mono“.
    LG

  2. Avatar

    bin ebenfalls ganz der Meinung, dass die Vielfalt erhalten bleiben muss. Was können wir tun, um zu verhindern, dass die genmanipulierten Pflanzen immer mehr verbreitet werden? Wie können wir die EU hindern, dass diese Pflanzen in Europa eingesetzt werden dürfen?

    Wir müssten uns alle zusammenschließen und gegen die EU ziehen. Unterschriften sammeln oder so. Wer hat eine brauchbare Idee?

  3. Avatar

    Sehr geehrter Herr Graeber,

    ich denke über Monsanto genau wie Sie und finde es müsste unbedingt ein europäisches Bürgerbegehren gegen die Einfuhr von SmartStax durchgeführt werden. Was denken Sie darüber?
    Mit freundlichen Grüßen,
    Lucia Berthold

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