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Wenn man in die Regale in den Supermärkten schaut, findet mal abgepackten Lachs. Auf der Rückseite steht dann die Produktionsmethode: Aquakultur. Durch diese Mastbetriebe in unseren Ozeanen konnte der Verkauf von Fisch derart in die Höhe getrieben werden, dass inzwischen mehr Lachs als Rindfleisch produziert wird. Die Folgen für Gesundheit und Umwelt sind indes bedenklich.

Was das bedeutete, hatte der WDR bereits 2010 in einer Reportage gezeigt: Lachsfieber. Eigentlich ist es eher ein Thriller von Wilfried Huismann und Arno Schumann. Ebenso beeindruckend zeigt der Dokumentarfilm „Fillet-Oh!-Fish“ von Nicolas Daniel den Skandal rund um die Lachszucht auf.

Bei Lachsfieber geht es um das Geschäft mit Lachsen. Vermutlich deswegen auch die Analogie zum Goldfieber, bzw. Goldrausch des 19. Jahrhunderts in Amerika.

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Chlorpyrifos ist ein Insektizid, das von der amerikanischen Firma Dow Chemical Company hergestellt wird.

Stolz vermittelt die Firma auf ihrer Chlorpyrifos-Webseite, dass man das Mittel schon seit fast 50 Jahren auf dem Markt hat und dass die Sicherheit für Mensch, Tier und Natur ihresgleichen sucht. Doch das sagt leider nichts darüber aus, wie giftig es für den Menschen ist.

 

In Deutschland gab es zwei Präparate mit Chlorpyrifos für den Gemüse- und Obstanbau und die „Bekämpfung“ von Weg- und Rasenameisen. Obwohl die EU die Zulassung vorerst verlängert hat, ist das Mittel hierzulande durch eine nationale Verordnung verboten. In Dänemark haben die zuständigen Stellen sogar erwogen, ob der Import aller Produkte unterbunden werden soll, die mit Chlorpyrifos behandelt worden sind.

Die endgültge Entscheidung darüber stand Ende 2019 noch aus.
Nur ein Verbot plus einem Embargo aller Lebensmittel mit den Insektizid-Rückständen könnte den Verbraucher effektiv schützen. Denn enhalten ist die Chemikalie in über 30 % der Grapefruits und Orangen und 25 % der Mandarinen sowie 20 % aller Pfeffer-Chargen. Verdächtig sind aber prinzipiell auch alle Obstsorten, Paprika und Reis.

In den USA wird der Wirkstoff seit 2001 „nur noch“ in der Landwirtschaft benutzt. Die Anwendung der Chemikalie im Haushalt und an Orten, wo sich viele Kinder aufhalten, hatten die amerikanischen Behörden bereits verboten. Dow Chemical produziert seitdem vermehrt für die Länder, in denen eine Kontrolle des Einsatzes von Pestiziden eher lasch gehandhabt wird.

Dow versteigert sich auf seiner Firmen-Webseite sogar in die Behauptung, Chlorpyrifos sei ein ideales Pestizid für eine nachhaltige Landwirtschaft. Zwar enthielte Obst manchmal Rückstände des Insektizids, doch die Konzentrationen seien in allen Fällen absolut harmlos – pauschal und ohne Ausnahme. Na, was will man vom Hersteller denn anderes erwarten?

In der Vergangenheit hatte Dow Zahlenspielchen veröffentlicht, denen zufolge Mäuse mit 500.000 Nanogramm pro Kilogramm Körpergewicht zugeschüttet werden können, ohne dass diese auch nur einen einzigen messbaren Effekt zeigten. 500.000 ist ein Menge Holz – aber ein Nanogramm ist winzig klein. Denn 1 Milliarde Nanogramm ergeben zusammen gerade erst 1 Gramm.

Wenn man diese Zahlen einmal genau betrachtet, dienen diese offensichtlich nur dazu, einen sicheren Eindruck vorzutäuschen, da man hier ja hohe Mengen vorliegen hat. Das Augenmerk soll auf der Zahl liegen und nicht auf der Bezeichnung, dem Nanogramm.

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Studien sagen etwas ganz anderes…

Und so kommt es, wie es kommen muss: Wenn etwas giftig ist, dann kann auch das beste Marketing daraus keine Wunderpille drehen. Eine Forschergruppe von der Universität Columbia veröffentlichte 2012 eine Studie, die einen etwas anderen Weg ging, als Mäuse mit Chemie zu ärgern. Sie untersuchten Kinder über einen Zeitraum von 6 bis 11 Jahren, die zum Zeitpunkt der Geburt verschieden stark dem Pestizid ausgesetzt waren.

Insgesamt wurden 20 Kinder mit einer Belastung von 4,4 Pikogramm Chlorpyrifos pro Gramm Blut-Serum (1 Billion Pikogramm = 1 Gramm) und höher und 20 Kinder mit deutlich niedrigeren Konzentrationen untersucht. Diese vergleichsweise geringe Menge (im Vergleich zu 500.000 Nanogramm) zeigte laut Resultat dieser Arbeit, dass die Substanz Gehirnstrukturen veränderte, die die Areale für Emotionen, Aufmerksamkeit, Sozialverhalten etc. regulieren. Die Hirnrinde dieser Gebiete sei geschrumpft, die darunter liegende weiße Substanz war dagegen erweitert.

Zu diesen Beobachtungen gesellte sich noch eine weitere bemerkenswerte Tatsache: Geschlechtstypische Merkmale im Gehirn der Kinder waren ebenfalls verändert. So sind unter normalen Umständen in einem männlichen Gehirn bestimmte Bereiche, z.B. für Lernfähigkeit, Erinnerung etc., stärker oder schwächer ausgeprägt als in einem weiblichen.

Die Forscher schlossen aber aus ihren Ergebnissen, dass diese Geschlechtsunterschiede bei den stärker belasteten Kindern genau umgekehrt ausgebildet waren. Selbiges war auch schon bei Tierstudien beobachtet worden.

Durch MRT-Kontrollaufnahmen (MRT=Magnetresonanztomografie) im Laufe der Entwicklung dieser Kinder konnten die Forscher zeigen, dass nur die stärker belasteten Kinder diese deutlichen Veränderungen an der Hirnoberfläche aufwiesen. Die Forscher stellten gleichzeitig sicher, dass zwei weitere Schadstoffe nicht mit im Spiel waren, die ähnliche Veränderungen der Hirnoberfläche bewirken: Tabakrauch und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe.

Dies war auch mit ein ausschlaggebender Grund, warum nur 40 Kinder in die Studie aufgenommen worden waren. Es gab weitere Kinder, die aber aufgrund zu hoher Konzentrationen der zwei genannten Faktoren ausgeschlossen werden mussten.

Weiter zeigten die Forscher, dass die Konzentrationen an Chlorpyrifos bei den untersuchten Kindern noch eher milde ausfielen. Es gab Untersuchungen an Proben aus einer Blutbank in Cincinnati aus dem gleichen Zeitraum, wo die durchschnittliche Belastung bei fast 10 Pikogramm gelegen hat. Von daher sind hier entsprechend stärkere Veränderungen zu erwarten.

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Kritik kommt natürlich: vom Hersteller

Ich bemerkte bereits eingangs die fast pathetisch anmutende Marketing-Webseite speziell für Chlorpyrifos und wie sie mit pseudowissenschaftlicher Eloquenz uns die Wissenschaft aufs Auge drücken will.

Natürlich kommt dann auch sofort die Kritik an der Columbia Studie aus dem Hause Dow Chemical bzw. Dow Agro Sciences. Hier wird bemängelt, dass nur 40 Kinder in der Studie untersucht worden sind. Eine so geringe Zahl an Probanden sei nicht aussagekräftig. Dow dagegen beweist auf ihrer Webseite mit Mäusen (oder waren es gar Mäusekinder?), dass das Zeugs sicher sein soll. DAS nenne ich mal Marketing!

Es wird weiter behauptet, dass ältere Arbeiten, die nicht zu einem angenehmen Ergebnis für Dow gekommen sind, falsche Resultate anbieten. Auch das ist Marketing. Einige dieser Arbeiten zeigten, dass erhöhte Konzentrationen an Chlorpyrifos bei Kindern im Zusammenhang standen mit erniedrigtem IQ und verschlechtertem Gedächtnis.

Auch die Tatsache, dass die Firma in den USA gezwungen wurde, ihr Pestizid für den Haushalt und weite Bereiche der Landwirtschaft zurückzunehmen, wird marketingwirksam als „Verantwortung gegenüber dem Verbraucher“ vorgeheuchelt. Es fällt kein Wort zu der Tatsache, dass die EPA (United States Environmental Protection Agency) Dow massive Strafen angedroht hatte, sollte die Firma sich nicht zur Rücknahme entschließen.

Schon 1995 musste Dow 732.000 Dollar Strafe zahlen, da die Firma sich geweigert hatte, der EPA Berichte über 249 Fälle von Vergiftungen mit (dem ach so sicheren) Chlorpyrifos zu überreichen. Und 2003 wurde die Firma verurteilt, eine Strafe von 2 Millionen Dollar zu zahlen. Ankläger war die Stadt New York, die gegen die illegale Werbung von Dow geklagt hatte, dass Chlorpyrifos Produkte „sicher“ seien.

Im August von 2007 gab es eine Hausdurchsuchung in Dows indischer Zweigstelle durch die indischen Behörden. Grund für die Maßnahme war die Bestechung von Beamten, die den Verkauf von Chlorpyrifos in Indien genehmigen sollten. Sprich: Denen war ihr eigenes Mittel nicht sicher genug, daher brauchten sie Unterstützung bei den indischen Behörden. Haben die dann noch ein reines Gewissen?

Studien-Daten sind unter den Tisch gefallen – aber wohl nicht aus Versehen

Dieses Faktum klingt wie eine Verschwörungs-Theorie: die Hersteller-Studie, die einst zur Grundlage der Zulassung dienen sollte und auch gedient hatte, weist bereits Nervenschäden durch Chlorpyrifos nach. Nur wurde dies von Dow schlicht verheimlicht. 2017 flog der Schwindel auf, als der schwedische Toxikologe Axel Mie die Rohdaten der Studie analysierte. Nach dem Informations-Freiheitsgesetzes hatte der Forscher das Recht zur Einsichtnahme, weil die Daten gesellschaftlich relevant sind.

Die nationalen Zulassungbehörden, namentlich im Orangen-Exportland Spanien, hatten die nachgewiesenen Gehirn-Schäden übersehen oder übersehen wollen. Nach den bekanntgewordenen Ergebnissen hätte die Chlorpyrifos-Anwendung niemals erlaubt werden dürfen (https://www.sueddeutsche.de/politik/insektizid-chlorpyrifos-eu-verbot-1.4705018).

Um die Giftspritzerei weiter betreiben zu dürfen, argumentierte die Copa-Cogeca nun rein wirtschaftlich. Der Dachverband der europäischen Bauern will durchsetzen, dass Chlorpyrifos bis zur Marktreife eines alternativen Insektizids noch ausgebracht werden darf. Sonst sei die Existenz vieler Obstanbauer gefährdet (ohne Gift sterben Obstbauern). Fragt sich auch: wie lange dauert die Neuentwicklung und wie giftig ist dann das Ersatz-Produkt?

Fazit

Über stetig zunehmende Erkrankungen wie Nervenschäden, Autoimmunerkrankungen und Unverträglichkeiten durch Chlorpyrifos, Glyphosat und Co. brauchen wir uns nicht zu wundern.

Schädliche Substanzen werden als Heilmittel plakatiert (Chlorpyrifos protects – so steht es auf der Webseite!) und die widersprechende Wissenschaft und sogar Herstellerwissen werden einfach in die Tonne gestampft.

Eine Hand voll Mäuse wird auf einmal als aussagekräftiger bewertet als 40 Menschen, nur weil die Ergebnisse nicht so sind, wie man sie haben will. Das ist umso lächerlicher, da in der Wissenschaft gerade die Ergebnisse, die an Mäusen gewonnen wurden, erst einmal als nicht unmittelbar auf den Menschen übertragbar gelten. Man könnte fast meinen, die Leute bei Dow hätten ein wenig zuviel von ihrem eigenen Produkt abbekommen.

Eine Frage die sich bei solchen Nachrichten natürlich immer wieder stellt: WAS TUN? 

Mein Rat: 

  1. Die Gifte vermeiden so gut es geht. Um Bio, Öko usw. kommen wir da nicht drum rum.
  2. Dafür sorgen, dass die körpereigenen Entgiftungssysteme so gut laufen wie möglich. Was man da machen kann beschreibe ich u.a. im kostenlosen Newsletter zu den „5 Wundermitteln“, den Sie HIER anfordern können.

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Kleine Anmerkung: Die Sache mit den „5 Wundermitteln“ ist mit Abstand der beliebteste Newsletter, den meine Patienten gerne lesen…

Dieser Beitrag wurde im Juli 2012 erstellt und letztmalig im Dezember 2019 aktualisiert.

Fracking ist nicht, wenn man sich einen Frack überwirft, um damit in die Oper zu gehen. Unter dem neudeutschen Wort versteht man im Deutschen wie im Englischen das Aufbrechen (fracturing) von Gesteinsschichten mittels einer Flüssigkeit, die unter hohem Druck in ein Bohrloch gepresst wird, welches zuvor in das Gestein eingetrieben worden ist.

Durch diese Technik wird die Durchlässigkeit für Gase und Flüssigkeiten in der Gesteinsschicht verbessert, was den Zufluss von zum Beispiel Erdgas oder Erdöl zum Bohrloch erleichtert. Dies erhöht die Wirtschaftlichkeit, da die Fördermengen pro Zeiteinheit deutlich erhöht sind.

Die Technik wird auch in der Geothermie eingesetzt, da hier die wärmeren Gesteinsschichten besser mit dem eingesetzten Wasser in Kontakt kommen und somit mehr Wärme aufnehmen können.

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