Homöopathie-Studien verzerrt? Eine neue Untersuchung stellt zentrale Vorwürfe infrage

Wer sich mit Homöopathie beschäftigt, begegnet früher oder später folgendem Argument: „Die positiven Studien könne man nicht ernst nehmen, weil die gesamte Forschung durch einen sogenannten Reporting Bias verzerrt sei.“

Das klingt wissenschaftlich. Und für viele Leser vermutlich auch ausreichend kompliziert, um die Diskussion an dieser Stelle zu beenden.

Aber was bedeutet „Bias“ überhaupt?

Bias heißt zunächst nichts anderes als systematische Verzerrung. Ein Beispiel: zehn Studien untersuchen eine Behandlung; drei zeigen einen positiven Effekt, sieben keinen Effekt. Werden nur die drei positiven Studien veröffentlicht, entsteht in der Fachliteratur der Eindruck, die Behandlung wirke ausgesprochen gut.

Die sieben negativen Studien verschwinden dagegen in der Schublade. Man spricht deshalb auch vom Schubladenproblem oder „File-Drawer-Effekt“.

Eine weitere Verzerrung kann entstehen, wenn Forscher während oder nach einer Studie den ursprünglich festgelegten Hauptendpunkt verändern. Man misst also zunächst A, erhält dort kein überzeugendes Ergebnis und berichtet anschließend vor allem über B, weil es günstiger aussieht.

Genau deshalb sollen klinische Studien vor Beginn registriert werden. Im Studienregister wird festgehalten:

👉 Was wird untersucht?
👉 Welche Patienten nehmen teil?
👉 Was ist der primäre Endpunkt?
👉 Wie soll die Auswertung erfolgen?

Das Register ist gewissermaßen der wissenschaftliche Beipackzettel der Studie. Es soll verhindern, dass hinterher nur das präsentiert wird, was gerade gut aussieht.

Der schwere Vorwurf aus dem Jahr 2022

Eine 2022 im Fachjournal BMJ Evidence-Based Medicine erschienene Arbeit hatte behauptet, die Homöopathieforschung sei in erheblichem Umfang durch solche Verzerrungen belastet. Danach seien nur 62 Prozent der registrierten Homöopathiestudien veröffentlicht worden. Anders ausgedrückt: Fast 38 Prozent seien unveröffentlicht geblieben.

Nur 50 Prozent der veröffentlichten Studien seien überhaupt registriert gewesen. Lediglich 48 Prozent seien rechtzeitig, also vor Abschluss der Studie, registriert worden. Bei 25 Prozent der prospektiv registrierten und später veröffentlichten Studien sei außerdem der primäre Endpunkt verändert worden.

Die Schlussfolgerung war entsprechend vernichtend: Die publizierte Forschung zur Homöopathie könne die tatsächlichen Behandlungseffekte erheblich überschätzen.

Und natürlich wurde genau diese Botschaft anschließend weitergetragen: Seht her, die Homöopathieforschung ist wissenschaftlich nicht vertrauenswürdig!

Übrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen kostenlosen Praxis-Newsletter dazu an:

 


Vor allem wenn Sie für den Erhalt der Homöopathie sind, sollten Sie sich unbedingt dazu eintragen, denn die „Politik“ und etablierte Medizinerschaft ist bestrebt die Homöopathie zu verbieten und / oder abzuschaffen!

 

Neue Analyse mit völlig andere Zahlen

Eine 2026 im Journal of Evaluation in Clinical Practice erschienene Neuauswertung hat nun die Datengrundlage dieser Arbeit überprüft.

Die Autoren berichten von erheblichen Fehlern und Inkonsistenzen bei der Auswahl und Zuordnung der Studien. Nach Bereinigung der Daten wurden 181 randomisierte kontrollierte Studien neu ausgewertet.

Das Ergebnis sieht demnach deutlich anders aus:

👉 93 Prozent der registrierten Homöopathiestudien waren veröffentlicht – nicht nur 62 Prozent.

👉 60 Prozent der veröffentlichten Studien waren registriert – nicht nur 50 Prozent.

👉 64 Prozent der registrierten Studien waren bereits vor Abschluss der Untersuchung registriert – nicht nur 48 Prozent.

👉 Nur bei 11 Prozent der prospektiv registrierten und veröffentlichten Studien wurde der primäre Endpunkt verändert – nicht bei 25 Prozent.

Auch zu den wissenschaftlichen Standards fanden sich bemerkenswerte Zahlen:

88 Prozent der untersuchten Homöopathiestudien erwähnten eine Zustimmung durch eine Ethikkommission. Zudem erschienen 70 Prozent der Studien in Zeitschriften, die sich an den Empfehlungen des International Committee of Medical Journal Editors orientieren.

Das bedeutet nicht, dass jede Homöopathiestudie hervorragend ist. Es bedeutet auch nicht, dass mit dieser Arbeit die Wirksamkeit der Homöopathie insgesamt bewiesen wäre. Aber es bedeutet etwas anderes, nämlich, dass der pauschale Vorwurf, die Homöopathieforschung sei besonders stark durch selektive Veröffentlichung und nachträglich veränderte Endpunkte verzerrt, nach dieser Neuauswertung kaum noch haltbar ist.

Die Autoren kommen sogar zu dem Ergebnis, dass das Ausmaß des Reporting Bias mindestens mit dem der übrigen medizinischen Forschung vergleichbar sei. In der allgemeinen medizinischen Literatur bleibe ungefähr die Hälfte registrierter Studien unveröffentlicht; Veränderungen primärer Endpunkte träten dort bei etwa 30 Prozent auf.

Mit anderen Worten:

Ausgerechnet die Homöopathie, der man besonders schlechte wissenschaftliche Standards vorwarf, könnte bei Registrierung und Veröffentlichung zumindest teilweise besser dastehen als große Bereiche der konventionellen Medizin!

Aber auch diese Studie muss kritisch gelesen werden

Die neue Arbeit stammt aus dem Umfeld des Homeopathy Research Institute, das die Untersuchung auch finanzierte. Beide Autorinnen sind beruflich mit dem HRI verbunden. Das muss man natürlich erwähnen, weil die Skeptiker und Kritiker der Homöopathie genau das erwähnen werden. Ein Interessenkonflikt beweist allerdings nicht, dass eine Studie falsch ist. Er bedeutet, dass die Daten, Ein- und Ausschlusskriterien und Zuordnungen besonders sorgfältig und möglichst unabhängig geprüft werden sollten. Genau das wäre jetzt der nächste sinnvolle Schritt: eine unabhängige Replikation.

Bemerkenswert bleibt dennoch, dass die neue Arbeit nicht einfach eine andere Meinung präsentiert. Sie behauptet, konkrete Fehler in der ursprünglichen Datengrundlage gefunden und korrigiert zu haben.

Und Zahlen sind „Meinung“ oder Erfahrung. Entweder war eine Studie registriert oder sie war es nicht. Entweder wurde sie veröffentlicht oder sie wurde nicht veröffentlicht, usw. Was lernen wir daraus?

Bias ist ein reales und ernstes Problem. Allerdings nicht nur bei der Homöopathie, sondern in der gesamten medizinischen Forschung, einschließlich der Arzneimittel-, Impfstoff- und Medizinprodukteforschung. Ich hatte dazu in den letzten 20 Jahren einiges veröffentlicht, u.a.:

Dies ist übrigens nur eine kleine Auswahl meiner Beiträge zu diesem Thema – aber diese sollen genügen.

Fazit

Bereits Hahnemann wurde zu seiner Zeit angegriffen, verspottet und bekämpft. Nicht nur, weil seine Lehre ungewöhnlich war, sondern auch, weil sie bestehende medizinische Gewissheiten, wirtschaftliche Interessen und berufliche Zuständigkeiten infrage stellte. Wer die Ordnung stört, darf selten mit einer ruhigen Sachdebatte rechnen.

Daran hat sich erstaunlich wenig geändert. Heute trägt der Angriff nur ein moderneres Kostüm. Man spricht nicht mehr von Ketzerei, sondern von fehlender Evidenz, schlechter Methodik oder angeblich verzerrter Forschung. Solche Einwände können berechtigt sein. Sie müssen aber für alle gelten – nicht nur für jene Verfahren, die man ohnehin ablehnt.

Genau hier wird es interessant: Wenn sich nun zeigt, dass zentrale Vorwürfe gegen die Homöopathieforschung auf fehlerhaften Zuordnungen und deutlich ungünstigeren Zahlen beruhten, dann müsste eine redliche Wissenschaftskultur reagieren. Nicht mit Ausflüchten, sondern mit Korrektur.

Hahnemann hätte diese Mechanik vermutlich wiedererkannt: Erst wird ein Verfahren pauschal abgewertet, dann werden die passenden Belege herumgereicht, und wenn diese ins Wanken geraten, beginnt plötzlich die Suche nach neuen Gründen, warum das Ergebnis trotzdem nicht zählen soll.

Übrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen kostenlosen Praxis-Newsletter dazu an:

 


Vor allem wenn Sie für den Erhalt der Homöopathie sind, sollten Sie sich unbedingt dazu eintragen, denn die „Politik“ und etablierte Medizinerschaft ist bestrebt die Homöopathie zu verbieten und / oder abzuschaffen!

 

Rene Gräber:

Ihre Hilfe für die Naturheilkunde und eine menschliche Medizin! Dieser Blog ist vollkommen unabhängig, überparteilich und kostenfrei (keine Paywall). Ich (René Gräber) investiere allerdings viel Zeit, Geld und Arbeit, um ihnen Beiträge jenseits des „Medizin-Mainstreams“ anbieten zu können. Ich freue mich daher über jede Unterstützung! Helfen Sie bitte mit! Setzen Sie zum Beispiel einen Link zu diesem Beitrag oder unterstützen Sie diese Arbeit mit Geld. Für mehr Informationen klicken Sie bitte HIER.

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert