Zuchtlachs aus „Aquakultur“ – Antibiotika und Toxine tonnenweise…

Wenn man in die Regale in den Supermärkten schaut, findet mal abgepackten Lachs. Auf der Rückseite steht dann die Produktionsmethode: Aquakultur. Was das bedeuten kann, hat der WDR bereits 2010 in einer Reportage gezeigt: Lachsfieber. Eigentlich ist es eher ein Thriller von Wilfried Huismann und Arno Schumann. Ebenso beeindruckend zeigt der Dokumentarfilm „Fillet-Oh!-Fish“ von Nicolas Daniel den permanenten Skandal rund um die Lachszucht auf.

Bei Lachsfieber geht es um das Geschäft mit Lachsen. Vermutlich deswegen auch die Analogie zum Goldfieber, bzw. Goldrausch des 19. Jahrhunderts in Amerika.

Lachs: früher eine Delikatesse, heute in jedem Supermarktregal zu finden – selbst bei Aldi. Und natürlich ist der Preis „ganz unten“. Und natürlich geht das anscheinend nur mit Massentierhaltung. In den Lachsfarmen tummeln sich bis zu 2 Millionen Tiere in einer Dichte, wie sie unter ökologischen Bedingungen nie vorkäme. Parasiten und Viren haben bei solchen Verhältnissen leichtes Spiel. Für Mensch, Tier und Umwelt ist die Produktion des Billiglachses eine einzige Katastrophe.

Jede Form der Massentierhaltung oder –zucht steht in einem fundamentalen Widerspruch zu ökologischen und natürlichen Prinzipien. Dementsprechend viele Probleme treten unter diesen Umständen auf. Die kommerziell betriebene Lachszucht ist da keine Ausnahme.

Marine Harvest – ein Lachszucht-Imperium

John Frediksen ist der Chef einer norwegischen Firma, die neben einem Tankerimperium eine industrielle Fischzucht betreibt: die Marine Harvest. Seine Firma züchtet weit über 100 Millionen Zuchtlachse pro Jahr, in Norwegen und besonders in Chile.

Sein Absatzmarkt ist die ganze Welt. Das besondere Augenmerk in Sachen Produktion liegt dabei auf Chile. Hier gibt es wenig Umweltgesetze, die man zu befolgen hat. Lachsfarmen können auf relativ engem Raum nebeneinander platziert werden. Die Fisch-Käfige können mit doppelt so vielen Lachsen bestückt werden. Und Tonnen von Antibiotika können unkontrolliert ins Meerwasser gekippt werden.

So kann das auf den Verpackungen aussehen: Produktionsmethode Aquakultur.

Ohne Antibiotika geht es nicht

Ohne die Antibiotika geht es anscheinend gar nicht – ohne der sich massenhaft vermehrenden Keime Herr zu werden. Natürlich werden die Antibiotika auch von den Fischen nebst anderen Chemikalien und Farbstoffen aufgenommen. Nach 18 Monaten Mast sind die Fische so belastet mit Chemie und Antibiotika, dass von Lachs als „gesunder Meereskost“ eigentlich nicht mehr die Rede sein kann. Das Industrie-Futter „Winter Plus 3500“ besteht aus Geflügel- und Fischmehl sowie Fischöl, daneben auch Geflügelfett, Vollkornbrot, Sojaschrot, Maismehl, Federmehl und Rapsöl. Das ist alles andere als eine artgerechte Nahrung.

Aufgrund des zu fettreichen Futters enthalten Fische aus Lachsfarmen bis zu 30 % mehr Fett als Wildlachse. Durch die große Menge an Sojaschrot bedingt lagern die gemästeten Lachse auch zu viel Omega-6-Fettsäuren ein. In Wildlachsen übersteigt der Anteil der gesunden Omega-3-Fettsäuren den der Omega-6-Fettsäuren um das Zehnfache. Deswegen galt Lachs lange Zeit als ein ideales Nahrungsmittel. Farmfische hingegen haben nur rund 2½ mal soviel Omega-3-Fettsäuren wie Omega-6-Fettsäuren. Insgesamt liefert der Verzehr der Farmlachse fast 6 mal mehr Omega-6-Fettsäuren als die Wildtiere.

Toxine im Lachs

Zudem speichern die Fische Toxine aus dem Futter im Fettgewebe. Unter den mindestens 13 kritischen Chemikalien sind Verbindungen wie Polychlorierte Biphenyle (PCB) und Dioxin, mit denen das Trockenfutter belastet ist. Wissenschaftler ermittelten in Zuchtlachsen 8 mal höhere PCB-Werte als in Wildlachs. Besorgniserregend ist auch der Einsatz des antioxidativen Konservierungs-Stoffes Ethoxyquin.

Als Pflanzenschutzmittel ist das Monsanto-Produkt in der EU schon seit 2011 verboten, wird aber Tierfutter weiterhin zugesetzt. Tierversuche liefern Hinweise auf eine krebserregende Wirkung von Ethoxyquin, das die DNA angreift und darüber hinaus Nieren und Leber schädigt, sowie eine Unterfunktion der Schilddrüse hervorrufen kann. Nachgewiesen ist auch, dass die Chemikalie die Blut-Hirn-Schranke passieren kann. In Zuchtlachsen wurden 20 mal höhere Ethoxyquin-Werte festgestellt als in Fleisch oder Gemüse und Obst. Und da wundern wir uns noch über die Zunahme „neurologischer Erkrankungen“ und „psychischer Störungen“? Was zahlreiche Gifte im Nervensystem anrichten ist eigentlich hinlänglich bekannt…

Meeresboden unbewohnbar

Die Verdauungsprodukte und das „Futter“ für die Fische fallen großzügig auf den Meeresboden und machen diesen für andere Meeresbewohner unbewohnbar. Wie viel von den ins Meer geschaufelten Pellets ungefressen zu Boden sinken, weiß niemand.   In norwegischen Fjorden hat sich mittlerweile eine 15 Meter dicke Schicht von Abfällen unter den Lachsfarmen angesammelt. Der Unrat ist verseucht mit Rückständen von Medikamenten, Pestiziden und Mikroben, die in dieser Häufigkeit und Zusammensetzung nicht zu diesem Ökosystem gehören.

Nicht selten kommt es vor, dass benachbarte Muschelfarmer aufgrund der Kontamination durch Antibiotika, Krankheitserreger der Fische und Fischkot ihre eigene Existenz ruiniert sehen.

Wenn dann schließlich die marine Umwelt auch für die Lachszucht zu verpestet ist, dann zieht man einfach weiter auf der Suche nach intakten Biotopen und saubereren Gewässern.

Sind die erst einmal gefunden, dann wiederholt sich der ganze Reigen. Auf diese Art und Weise ist sichergestellt, das Stück für Stück, Zug um Zug das ökologische Gleichgewicht einer ganzen Region nachhaltig gestört wird.

5 Kilo Fisch für einen Kilo Lachs

Dass dann noch für 1 kg Zuchtlachs 5 kg Frischfisch gefangen und verfüttert werden müssen (was der Überfischung in die Hände spielt), ist so nur noch das Tüpfelchen auf dem i.

Lachse wohnen nicht in Chile…

Bedenklich für das Ökosystem in den Gewässern Chiles: Lachse sind Raubfische, die in diesen Breitengraden gar nicht zuhause sind. Entkommene Lachse können so das biologische Gleichgewicht der einheimischen Fischarten zerstören.

Das Lachsfieber und der WWF

Kommen wir endlich mal zum Hauptthema. Nämlich: der Rolle der WWF bei diesem „Treiben“ der Lachsfarmer.

Nachdem man also so viel „Schmutz“ im chilenischen Meerwasser finden kann, sollte man meinen, dass ökologisch verantwortungsbewusste Organisationen mit Nachdruck die Finger in diese Wunde legen.

Die WWF hat dann auch in veröffentlichten Unterlagen auf die „bedrohliche Situation“ des Zuchtlachses aus Chile hingewiesen. Sie weisen auch darauf hin, dass die Gesetze für den Naturschutz verbessert werden sollten und deren Einhaltung stärker durchgesetzt werden muss. Auch der tonnenweise Einsatz von Chemikalien und Antibiotika kommt zur Sprache. Sie sprechen sich dafür aus, mit den „fortschrittlichen Produzenten, NGOs und Regierungsvertretern den ´Salmon Aquaculture Dialogue´ zu initiieren, wo „internationale Standards für ökologische, sozial gerechte und ökonomische Lachszucht entwickelt“ wird.

So weit, so gut…

Wieso unterstützt die WWF dann das Sterben der Meere?

Seit 2008 steht nun allerdings die Wasserwelt auf dem Kopf – zumindest teilweise. Die WWF und der weltweit größte Produzent von Zuchtlachs, Marine Harvest (der für einen Großteil dieses ökologischen Diesasters verantwortlich zeichnet), haben sich vermählt.

Diese „Heirat“ wird nach außen dokumentiert mit dem WWF Gütesiegel, dem Panda-Bären, auf den Harvest Produkten.

Dafür hat Marine Harvest großzügigerweise 100.000 Euro an Spenden pro Jahr an die WWF fließen lassen.

Es ist aber anscheinend keine Rede von verbindlichen Verbesserungen von Marine Harvests Seite aus. Statt der 100.000 Euro hätte die WWF ihren Panda-Aufkleber für realistische ökologische Verbesserungen in diesem Bereich vergeben können. Aber aufgrund der momentanen Regelungen wird sich an der Situation in der Lachszucht nichts ändern. Der einzige Gewinner in diesem Szenario ist der Großunternehmer, der nach wie vor für den Profit die Umwelt zerstören darf, unbehelligt und jetzt auch noch mit Billigung und Aufklebern von hoch geachteten Umweltschützern.

Hat die WWF für eine lächerliche Summe ihren Ruf (oder das was davon übrig geblieben ist), an die Raubfische verfüttert?

Die betroffenen chilenischen Fischer und Muschelzüchter fühlen sich jedenfalls vom von demr WWF verkauft. Und der Endverbraucher in Europa und den Staaten zahlt ein Heidengeld für einen Lachs, der rezept- und kostenfrei nebenbei noch eine Antibiotikatherapie für den vermeintlichen Feinschmecker bereithält.

Aber vielleicht waren wir ja wegen der bereits aufgenommen Antibiotika so lecker gegen die Schweinegrippe im letzten Sommer gewappnet?

Ach – Antibiotika helfen ja gar nicht gegen Viren. Hätte ich ja fast vergessen…

Der Beitrag wurde im Juni 2010 erstellt und letztmalig am 5.9.2018 aktualisiert.

Datum: Mittwoch, 5. September 2018 20:57
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9 Kommentare

  1. 1

    Das ist doch die Höhe!
    Und ich wunderte mich schon, wieso ich seit mehreren Jahren den sogenannten Zuchtlachs nicht mehr vertrage, wieso mir davon regelrecht schlecht wird, allein der Geruch nach totem Fisch, der diesen Produkten entströmt, ist widerwärtig!
    Am ekelhaftesten finde ich dei Tatsache, daß sogar eine doch eigentlich renomierte öffentliche Stimme wie der WWF sich für sowas hergibt… Wieso schaltet sich da eigentlich Greenpeace nicht ein? Die wären doch da genau richtig, oder?

  2. 2

    […] Bei den Fischfarmen kommen noch ein paar “gesunde” Faktoren dazu: Losgelöste Schwermetalle von Käfiganstrichen sowie Antibiotikabehandlungen tonnenweise für die Fische, die unter unnatürlich engen Bedingungen dahin vegetieren und sich oft gegenseitig mit allen Arten von Erkrankungen anstecken. Die Fütterung basiert auf dem Prinzip: Mist rein und hoffentlich Gold raus. Es werden genetisch veränderte Soja verfüttert, weil´s billig ist, oder hydrolysierte Hühnerfedern oder Hühnerabfall oder… genug, mir ist schon schlecht. Wer mehr möchte liest meinen Beitrag zur Dokumentation: Lachsfieber, wie der WWF das Sterben der Meere unterstützt. […]

  3. 3

    […] Wie so eine Fischzucht aussieht und was dort betrieben wird, können Sie in meinem Artikel “Lachsfieber – Wie der WWF das Sterben der Meere unterstützt” nachlesen. Die gelösten Schwermetalle von den Käfiganstrichen, die die Fische permanent […]

  4. 4

    Weil ich gerade wieder einmal dabei bin, mich mehr für Fisch in meiner Alltagskost zu interessieren, bin ich froh dass ich im langen Artikel von RG zu Bluthochdruck den Link zu Zuchtlachs angeklickt hab und die obige Info lesen konnte.
    So ist es leicht für mich aufzupassen, dass ich keinen Zuchtlachs kaufe, egal wo.
    Was den WWF betrifft, werde ich mir jetzt auch noch ansehen. Bin zwar etwas hinten dran mit diesem Kommentar, jedoch besser spät als nie.

  5. 5

    Vielen Dank für den informativen Artikel. Welchen Lachs kann man denn jetzt noch unbedenklich genießen?

    Antwort René Gräber:
    Hier kommt eigentlich nur noch Bio-Lachs in Frage. Der kann auch problematisch sein und wird auch in Auquakulturen gezogen – aber mit weniger „Belastungen“ als herkömmlicher Lachs. So jedenfalls meine Informationen…

  6. Friederike Feichtinger
    Dienstag, 16. Januar 2018 21:31
    6

    Herzlichen Dank für diese wichtige und ausführliche Information. Wenn man das liest und darüber nachdenkt, vergeht einen schon der Appetit auf Fisch. Ich würde gerne wissen, ob Wildlachs auch so stark belastet ist? Vielen Dank im Voraus.

  7. 7

    Sehr geehrter Herr Gräber,
    alle Ihre Artikel sind hochinteressant.
    Frage: „Welchen Lachs können Sie denn empfehlen?“
    Mit freundlichen Grüßen
    Günther Bautz

  8. 8

    Sehr geehrter H.Gräber
    Vielen Dank für den Lachsartikel.
    Ich habe Ihn von meinem Speisezettel seit 1 Jahr verbannt.
    Und natürlich recht herzlichen DANK für ALLE Ihre Veröffentlichungen zum Thema Gesundheit.Es ist immer wieder interresant Ihre Artikel zu lesen.
    mfG Hubert Runck

  9. 9

    Ach du je…
    Jetzt hatte ich, – Zwangsveganer, weil ich glutenfrei, milchfrei, histaminarm leben muß und aus Gefühlsgründen und wegen der Quälerei im Schlachthaus einfach keine Schweine, Rinder, Hühner usw esse – mal Lachs gegessen, aus Eiweißhunger, und jetzt diese Nachrichten! Wildlachs ist KEINE Alternative, die Meere sind derart überfischt, daß kaum noch vermehrungsfähige Fische übrig sind. Das werde ich auch nicht essen. Und wegen Histaminproblemen kann ich andere Fische kaum essen…Aber die sind ja meistens auch aus Kulturen. Also Veganer bleiben!

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