Stell dir vor, du bestellst ein vegetarisches Gericht und du bekommst Hühnerfleisch untergejubelt: McDonald’s und die Hühnerfleisch-Vegetarier

Ein neuer Gag scheint diesmal die Runde zu machen – nicht in Deutschland, sondern in Großbritannien. Und Zentrum des Interesses ist McDonald’s. Vor rund fünf Jahren hatte ich einen Beitrag über die „Fressalien-Kette“ (Gentechnik im Burger) gebracht, all die weil man sich bei McDonald’s dazu entschieden hatte, die in den Burger enthaltenen Fleischsorten aus der Massentierhaltung zu beziehen, womit GMO-Futter gefüttert wird. „Wirtschaftlich vertretbare Konditionen“ waren hier die Begründung.

Diesmal ist es ein anderer Gag, der aber auch nicht viel lustiger ist:

Der Veggie-Wrap mit Hühnerfleisch!

Ich weiß nicht wie es in Deutschland aussieht. Aber seit Anfang Januar bietet McDonald’s in Großbritannien einen „Spicy Veggie One“ an. Weil dieses neue Produkt Vegetarier anlocken soll, hat McDonald’s es angeblich mit entsprechenden vegetarischen Zutaten bestückt, als da wären Goujon vegetarisch, Relish, Tomaten, Salat, Zwiebeln, Pesto etc.

Jetzt stellte sich aber heraus, dass das McDonald’s-Vegetarier-Essen mit Hühnerfleisch gefüllt ist. Man mag dies für einen Einzelfall halten, wo aus Versehen einmal bei der Zubereitung ein Stückchen vom Hühnerfleisch seinen Weg in den Vegetarier-Wrap gefunden hat. Allerdings trat dieses Versehen so häufig auf, dass man hier kaum noch von einem Einzelfall reden konnte, geschweige denn von einem Versehen.

Es gibt Hunderte von Kunden aus allen Teilen Großbritanniens, die sich auf den sozialen Netzwerken ausgiebig darüber beklagen, dass man bei McDonald’s offensichtlich nicht zu wissen scheint, was vegetarisch ist und was nicht. Und im Zeitalter der Handys bleibt es nicht aus, dass diese Klagen durch entsprechende Fotos ergänzt und bekräftigt werden.

Welche Kreise und welches Aufsehen diese Begebenheit erregt hat, das zeigt sich in den Online-Berichten zu diesem Ereignis. Bekannte und weniger bekannte Online-Nachrichtendienste berichten darüber, wie zum Beispiel „Stern“[3], Yahoo! Finanzen[4], Neue Westfälische[5] etc.

In Großbritannien gibt es eine dementsprechend kräftige Welle an Berichten zu diesem Ereignis. Auch hier lassen sich einige Zeitungen zu diesem Thema aus: The Guardian[6], Evening Standard[7] etc.

Alles nicht so schlimm?

Die Frage ist natürlich jetzt, wie kann so etwas passieren. Weiß man bei McDonald’s wirklich nicht, was das Wort „vegetarisch“ wirklich bedeutet? Jedenfalls scheint ein bedeutender Anteil der Presse McDonald’s hier in Schutz zu nehmen und den Mitarbeitern „Blödheit hinter der Theke“ zu bescheinigen. Der „Stern“ jedenfalls hat dies als Ursache des Missgeschicks ausgemacht: „Offenbar ist das McDonald’s-Personal mit der Zubereitung des neuen Produkts reihenweise überfordert.“ Warum wohl? Weil: „Zu erklären ist die Pannenserie damit, dass der „Spicy Veggie One“ mit Veggie-Sticks gefüllt ist, die äußerlich den Chicken Nuggets ähneln, die in nicht-vegetarische Wraps gepackt werden.

Also Sticks sehen jetzt aus wie Nuggets, warum ich mich frage, warum man dann Sticks Sticks und Nuggets Nuggets nennt, wo die beiden doch zum Verwechseln ähnlich sind? Kann man dann bei McDonald‘s statt „Chicken McNuggets“ jetzt „Chicken McSticks“ bestellen? Und weil jetzt bei McDonald’s Sticks so aussehen wie Nuggets und umgekehrt, dauert dieses lustige Verwechslungsspielchen, laut „Stern“, jetzt bereits mehr als drei Wochen an. Dies spricht nicht dafür, dass man sich bei McDonald’s fürchterlich beeilt hat, das vegetarische Produkt auch vegetarisch werden zu lassen. Man darf davon ausgehen, dass die Klagen der Kundschaft nicht erst nach drei Wochen laut geworden sind.

Diese Panne, wenn es überhaupt eine Panne ist, zeigt für mich eine zusätzliche, ganz andere Seite. Hier werden angeblich gesunde vegetarische Produkte angeboten, die nicht nur nicht vegetarisch sind, sondern deren Bestandteile voneinander kaum noch unterscheidbar sind. Das ist der Höhepunkt von industriell verarbeiteten Nahrungsmitteln, die am Ende des Fertigungsprozess so uniform sind, dass sie innerlich und äußerlich kaum noch Unterschiede aufzuweisen haben. Natürliche Nahrungsmittel, wie Gemüse und Hühnerfleisch lassen sich sehr schnell und ohne Mühe visuell auseinanderhalten. Denn Gemüse wächst nicht als Stick, das wie ein Hühnerfleisch-Nugget aussieht. Und Hühnerfleisch wächst auch nicht als Klumpen (Nugget) und lässt sich somit sehr leicht von Gemüse unterscheiden. Und selbst nach der traditionellen Zubereitung (Kochen, Braten etc.) lässt sich das eine immer noch schnell vom anderen unterscheiden, nicht so aber bei Fastfood. Hier muss der Kunde erst einen Bissen nehmen, um zu erfahren, für was er sein Geld da ausgegeben hat.

Aber da dies alles in der modernen Zeit ohne Bedeutung ist, ist auch nicht alles so schlimm mit diesen Sticks oder Nuggets oder vegetarisch oder nicht so vegetarisch. Denn es ist noch niemand in McDonald’s tot umgefallen, nur weil er einen Nugget verschluckt hat. Und auch die Vegetarier werden den Nugget überleben.

Da hat man sich bei McDonald’s ein bisschen Zeit gelassen, sich in peinlichen Entschuldigungen zu ergehen. Sogar der „Stern“ meint, dass McDonald’s sich zu einer öffentlichen Entschuldigung „genötigt“ sieht. Gegenüber dem „Guardian“ meinte dann ein Sprecher von McDonald’s, dass es nicht akzeptabel ist, Fleisch zu servieren, wenn ein vegetarisches Produkt bestellt wurde. Genau das will ja die Öffentlichkeit hören. Und man habe jetzt eine Reihe von Maßnahmen in Kraft gesetzt, die falsche Bestellungen verhindern sollen, so der Kommentar von McDonald’s.

Da klingt es schon fast lustig, dass man Sicherheitsmaßnahmen bei der Anfertigung von vegetarischen Produkten aus dem Hause McDonald’s installieren muss, um auf der sicheren Seite zu sein, und die mich an den Sicherheitsapparat von Atomkraftwerken erinnert. Ob die Sicherheitsmaßnahmen miteinander vergleichbar sind, kann ich nicht beurteilen. Aber der Eindruck der Ankündigung von McDonald’s zu ihren zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen lässt bei mir dieses Bild aufsteigen. Vielleicht sollte mal jemand zum Management von McDonald’s gehen und vorschlagen, statt Sicherheitsmaßnahmen ganz normal gekochte Hausmannskost aufs Menü zu setzen. Da wird man dann keine Probleme mehr haben, die Zutaten auseinander zu halten. Aber so etwas Rückständiges kommt bei McDonald’s sprichwörtlich nicht auf den Tisch.

Fazit

Falls Sie gerne Hühnchen essen, das mit GMO-Futter und in Miniaturkäfigen der Massentierhaltung großgezogen worden ist, dann ist die beste Adresse McDonald’s mit ihrem neuen Produkt, dem „Spicy Veggie One“. Lassen Sie sich nicht durch das Wort „vegetarisch“ beirren.

Die Chance, dass Sie einen Hühner-Klumpen (hört sich lecker an!) im Salat-Wickel (Veggie-Wrap) finden, ist relativ groß. Vielleicht sollte man bei McDonald’s anregen, die Hühner-Nuggets durch Gold-Nuggets zu ersetzen, damit das Produkt wirklich vegetarisch wird. Aber ich schätze, dies wird aus einer Reihe von Gründen nicht geschehen, insbesondere weil es sich hier um „wirtschaftlich nicht vertretbare Konditionen“ handeln würde.

Und wenn man sein neues vegetarisches Produkt mit billigem GMO-Hühnerfleisch „aufwerten“ kann, in der Hoffnung, dass niemand was merkt, dann ist man voll in der Zone der  „wirtschaftlich vertretbaren Konditionen“.

[1]     McDonalds – Gentechnik im Burger?

[3]     McDonald’s-Mitarbeiter servieren reihenweise Veggie-Wraps mit Fleisch | STERN.de

[4]     Panne bei McDonald’s: Veggie-Wraps mit Fleisch serviert

[5]     McDonald’s serviert Veggie-Wrap mit Fleisch – nw.de

[6]     McDonald’s apologises after customers find chicken in vegetarian meals | Business | The Guardian

[7]     McDonald’s outrages vegetarians by serving ‚veggie wraps‘ with chicken inside | London Evening Standard

René Gräber

René Gräber

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