Alternative Medizin an der Universität – Und warum nicht jeder damit „glücklich“ ist

Psst! Arzt.

Die Schweiz, Universität Basel. Diese Universität hat beschlossen, eine Stiftungsprofessur für Komplementärmedizin (Alternative Medizin) einzurichten.

Eine ähnliche Institution gab es bereits seit dem Jahr 2002 in der Universität von Exeter, Großbritannien, wo ein Professor namens Edzard Ernst einen Lehrstuhl für Komplementärmedizin bis 2011 innehatte.

Herr Ernst wurde schnell dafür bekannt, als „Professor für Alternativmedizin“ mit mehr als merkwürdigen Methoden und Argumenten gegen eben diese Alternativmedizin zu polemisieren: Der Chefkritiker vom Dienst: Warum man Ernst nicht ernst nehmen kann.

Jetzt also soll eine vergleichbare Institution in der Universität Basel eingerichtet werden.

Bezahlt wird der Lehrstuhl von „anthroposophischen Kreisen“. Eine Schweizer Zeitung[1] weiß zu berichten, dass ein Naturwissenschaftler aus der Universität Freiburg, Prof. Carsten Gründemann, den Lehrstuhl übernimmt, der auf zunächst fünf Jahre befristet ist.

Die offizielle Bezeichnung ist „translationale Komplementärmedizin“. Das Budget für diese fünf Jahre beträgt 3 Millionen CHF. Den größten Teil dieses Budgets wird von einer in der Schweiz bekannten Mäzenin, Beatrice Oeri, bereitgestellt, nämlich 1 Million CHF. Interessant ist, dass Frau Oeri[2] und ihre Familie aus der Gründerfamilie des Pharmariesen Roche kommen und zu den Milliardären unter den reichen Leuten dieser Welt zählen.

Weitere Unterstützer dieses Lehrstuhls sind der Kosmetik- und Pharmakonzern Weleda mit 575.000 CHF, Software AG mit 550.000 CHF, Wala Heilmittel mit 100.000 CHF und weiteren 575.000 CHF von anderen anthroposophischen Institutionen.

Die Freude in der Universität Basel über diese Neuerungen ist allerdings gedämpft und geteilt. Bei der Fakultätsversammlung gab es angeblich hitzige Diskussionen unter den Mitgliedern. Dennoch wurde der neue Lehrstuhl mit 34 positiven Stimmen bestätigt, allerdings bei 21 Enthaltungen und einer Gegenstimme. Laut Angaben der Zeitung ist dies ungewöhnlich, da in der Regel ähnliche Beschlüsse mit nur sehr wenigen Gegenstimmen oder Enthaltungen verabschiedet werden.

Zum Ärger der Wissenschaftler

Angeblich gibt es Bedenken im Biozentrum der Universität. Man betrachtet die Einführung dieses Lehrstuhls als eine „Provokation“. Denn aus Gründen, die ich nicht verstehe, bedeutet die Einführung eines alternativmedizinischen Lehrstuhls gleichzeitig auch eine Degradierung der Bedeutung des eigenen Tuns im Biozentrum, weil man jetzt mit „Globuli-Kügelchen-Wissenschaftlern“ gleichgesetzt würde. So wie die Zeitung die Situation beschreibt, glaubt man im Biozentrum, dass nur die allmächtige Schulmedizin und deren „Wissenschaft“ einen Platz an der Universität haben solle.

Interessanterweise scheinen sich die Gegner gegen den neuen Lehrstuhl nicht zutrauen, ihren Unmut und ihre Gegnerschaft in der Öffentlichkeit kundzutun und zu diskutieren. Dafür wird dann sehr wahrscheinlich der neue Lehrstuhlinhaber Unmut und Gegnerschaft mit voller Macht zu spüren bekommen, wenn er seinen Job antritt. Warum eigentlich das alles, wenn man doch auf dem Tugendpfad der allein richtigen Wissenschaft wandelt?

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Ein Abteilungsleiter der Pharmazie der Uni fand sich zu einer öffentlichen Erklärung bereit. In dieser äußerte er, dass „in gewissen Forschungszweigen der naturwissenschaftlichen Qualität eine generelle Skepsis besteht zumindest gegenüber Teilen der Komplementärmedizin. Sie seien nicht vereinbar mit der naturwissenschaftlichen Forschung“. Seine Abteilung jedoch befürwortet den neuen Lehrstuhl.

An dieser Stelle muss ich sagen, dass es für Naturwissenschaftler keinen Grund gibt, alternativmedizinische Aspekte abzulehnen, da diese sich primär, wie die Naturwissenschaften auch, mit biologischen Systemen befassen. Wer hier Grund hat, eine ablehnende Haltung einzunehmen, das sind Naturwissenschaftler, die nicht aus der Naturwissenschaft, sondern aus der Medizin kommen und sich der medizinischen Wissenschaft verschrieben haben. Naturwissenschaft und medizinische Wissenschaft weisen signifikante Unterschiede auf. Eine Charakterisierung der medizinischen Wissenschaft und ihrer Tücken hatte ich bereits ausführlich diskutiert: Unsere Schulmedizin – Die einzig wahre Wissenschaft?

So kann man in dem Beitrag der Zeitung auch keine wirklich nachvollziehbaren Kritikpunkte gegen die Einführung dieses alternativmedizinischen Lehrstuhls finden. Es sei denn, man betrachtet den Unmut der schulmedizinisch ausgerichteten Professoren bereits als Kritik. Die Zeitung selbst scheint die finanzielle Unterstützung von anthroposophischen Instituten, alternativmedizinisch ausgerichteten Firmen und spendierfreudigen Milliardären als einen Makel anzusehen. Immerhin erfahren wir, dass die anthroposophische Medizin „seit Jahren versucht, universitäre weihen zu erhalten“. Wie macht sie das? Antwort: Sie finanziert Lehrstühle. Und weil das so ist, werden hier „Wissen und Glauben miteinander vermengt“.

Zur Frage von Finanzierung und Vermengung von Wissen und Glauben im Bereich der Schulmedizin hatte ich bereits einiges an Beiträgen gebracht. Das was hier der anthroposophischen Medizin vorgeworfen wird, ist nur ein Abglanz dessen, was im Pharmabereich und in der Schulmedizin schon fast Tagesgeschäft geworden ist. Nur keiner redet mehr drüber. Man fängt nur dann an, darüber zu reden, wenn man alternative Heilmethoden mit diesem Dreck bewerfen kann.

Doch wie es in Wahrheit aussieht, will man (wieder einmal) nicht sehen und hören:

Aus diesen Beiträgen wird ersichtlich, welche Mengen an Geldern von der Pharmaindustrie an verschiedene Institutionen fließen, nicht nur Universitäten[3], sondern auch Ärzte, Regierungsinstitute etc., damit der Weg für die Interessenlage der Pharmaindustrie geebnet wird.

Hier sind 3 Millionen CHF oder Dollar gerade mal ein Bruchteil der Portokasse.

Aber, wenn man mit solchen Berichten der Naturheilkunde an den Karren fahren kann, dann werden auch schon mal vergleichsweise geringe Beträge von 3 Millionen zu Unsummen (denn für die meisten von uns sind 3M der Jackpot im Lotto!), die die Fragwürdigkeit eines solchen Lehrstuhls dokumentieren.

Dass auf der anderen Seite Milliarden an Geldern für das Geschäft mit der Chemie fließen, die von der Pharmaindustrie kommen, kümmert dabei diese Leute nicht. Man sieht also, wie ausgewogen diese Wissenschaft zu sein scheint, die auch in diesem Bereich den Splitter im Auge des Anderen sieht, jedoch nicht den Balken im eigenen Auge.

Kein Wunder also, dass diese Art der Wissenschaft zu Ergebnissen kommt, die nur „Durchbrüche“, aber keine Heilung für ihre Patienten bereithält. Wenn diese Wissenschaft etwas taugen würde, dann sähen die statistischen Zahlen zu Morbidität und Mortalität der ihr anvertrauten Patienten deutlich anders aus: Schulmedizin dritthäufigste Todesursache.

Fazit

Es wird bald einen Lehrstuhl für anthroposophische Medizin an der Universität Basel geben.

Sehr wahrscheinlich wird der Lehrstuhlinhaber, ein Professor aus der Universität Freiburg, kein Abziehbild von Edzard Ernst sein, sondern seine Berufung dazu nutzen, ernstzunehmende Resultate auf seinem Fachgebiet zu produzieren und nicht, wie Ernst, seine Position dazu nutzen, die Alternativmedizin zu diskreditieren.

Vieles spricht dafür, dass dem so sein wird, denn die schulmedizinisch ausgerichteten Wissenschaftler an der Uni scheinen eher einen Edzard Ernst als diesen neuen Kollegen zu bevorzugen – wenn Alternativmedizin als Wissenschaft unbedingt sein muss.

Der neue Lehrstuhlinhaber wird es nicht leicht haben, so viel kann man jetzt schon voraussagen. Ich jedenfalls wünsche viel Erfolg!

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Beitragsbild: fotolia.com

[1]     Unmut unter Naturwissenschaftern: Anthroposophen finanzieren Professur an der Uni Basel

[2]     Die scheue Milliardärin | Basler Zeitung

[3]     Big Pharma Pays Universities for Most Medical Research in U.S. Today

René Gräber

René Gräber

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