Fast jedes Masthuhn bekommt Antibiotika

Mehr als 96 Prozent aller Masthühner bekommen Antibiotika. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie, die im Auftrag des Verbrauchschutzministeriums von Nordrhein-Westfalen erstellt wurde. In 83 Prozent der untersuchten Mastdurchgänge kamen die fraglichen Wirkstoffe zum Einsatz. Insgesamt summiert sich die Zahl der so behandelten Tiere damit auf 96,4 Prozent. Lediglich die Bio-Betriebe haben demnach ganz auf den Antibiotika-Einsatz verzichtet.

Die Gefahr für den Menschen
Die Gefahr für den Menschen, der zu häufig das Fleisch solcher Masthühner verspeist, ist der Umstand, dass sich die für ihn gefährlichen Keime an den Einsatz von Antibiotika gewöhnen können und zu „multiresistenten Keimen“ mutieren, denen das Medikament nichts mehr anhaben kann. Im schlimmsten Fall führt eine Infektion mit einem solchen Keim sogar zum Tod. Nach Informationen des Robert-Koch-Instituts lassen sich jährlich rund 15.000 Sterbefälle auf diese Weise erklären.

Bund und Länder streiten über die Konsequenzen
NRW-Verbraucherminister Johannes Remmel erklärte, die Ergebnisse der Studie seien „alarmierend“ und würden bei ihm „Übelkeit“ auslösen. Das Bundesverbrauchschutzministerium müsse sofort handeln und klare Vorschriften für Betriebe erlassen, um den Antibiotika-Einsatz einzudämmen. Das Haus von Ilse Aigner widersprach dem allerdings. Zwar sei das Ergebnis der Studie „besorgniserregend“, doch es liege in der Verantwortung der Bundesländer, schärfere Kontrollen durchzuführen.

Verbände wollen handeln
Der Deutsche Bauernverband (DBV) und der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) wollen dagegen aktiv werden und den Einsatz der Medikamente aus Verantwortungsbewusstsein „gegenüber den Tieren“ deutlich reduzieren. Rechtlich dürften Antibiotika ohnehin nicht als „Gesundheitsdoping“ eingesetzt werden, so Remmel, sondern nur dann, wenn ein Tier ernstlich erkrankt sei.

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Datum: Montag, 26. März 2012 12:41
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4 Kommentare

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    [...] zum Beispiel in “Eiertanz um Antibiotikahühner” oder “Fast jedes Masthuhn bekommt Antibiotika“. Vielfach wissen wir überhaupt nicht, wie die Erzeuger genau vorgehen, um zu rentablen [...]

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    [...] zum Beispiel in “Eiertanz um Antibiotikahühner” oder “Fast jedes Masthuhn bekommt Antibiotika“. Vielfach wissen wir überhaupt nicht, wie die Erzeuger genau vorgehen, um zu rentablen [...]

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    [...] Einsatz von Antibiotika beziehungsweise der Einsatz auch bei leichten Infektionen und die Rückstände von Antibiotika im Fleisch von Zuchttieren werden als die Hauptgründe für die Entwicklung von Resistenzen bezeichnet. [...]

  4. 4

    […] eine Verschiebung des natürlichen Gleichgewichts mit all seinen bekannten Folgen. Wenn dann noch Antibiotika-Rückstände im Hähnchenfleisch, Schweinefleisch, Kalbfleisch und anderen Fleischsorten dazu kommen (was mehr als wahrscheinlich […]

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