Gentechnik durch die Brust, übers Auge in den Körper

Wir hören ja immer wieder, dass Heilpflanze und Heilpilze potentiell und real gefährlich sind, da es schon 2 Fälle gegeben hat, wo man beträchtliche Nebenwirkungen hat sehen können. In einem Fall hatte der Betroffene plötzlich abstehende Ohren, was erhebliche Komplikationen ergab (man kommt dann nicht mehr so leicht durch die Tür). Auf der anderen Seite sind genetisch veränderte Pflanzen und deren Produkte urplötzlich nicht mehr gefährlich und höchst unbedenklich. Wie muss man dies verstehen?

Haben die Herren und Damen Wissenschaftler es endlich geschafft, die unheilvollen Wirkungen der Natur mit Hilfe der Genetik zu bändigen?

Warum sind Jahrhunderte eingesetzte Heilpflanzen gefährlich, obwohl sie im gleichen Zeitraum haben zeigen können, dass sie in der Lage sind, keinen Schaden anzurichten, sondern gesundheitliche Schäden zu beheben?

Und warum sollen jetzt auf einmal genetisch manipulierte Pflanzen, die brandneu sind und nur von Wissenschaftlern im Labor untersucht worden sind und auch keine „Verzehrtradition“ haben, unser neues Heil bedeuten?

Wo sind die evidenzbasierten, klinischen Studien für die Unbedenklichkeit und Sicherheit der Genpampe, die sonst so vehement für Heilpflanzen gefordert werden?

Kann es sein, dass dieser irrwitzige Widerspruch „nur“ Teil eines Vorgangs ist, der mit Gesundheit und Fürsorge nichts zu tun hat, sondern Basis für nichts anderes als knallhartes Geschäft ist?

Denn in weiten Teilen Europas und Deutschlands ist Gentechnik nicht willkommen. Die Leute sind nicht bereit, gentechnisch veränderte Lebensmittel in sich hineinzustopfen. In einer Demokratie sollte man erwarten, dass die Entscheidung der Mehrheit der Leute gegen genetisch veränderte Substanzen akzeptiert wird. Nicht aber wenn’s ums Geschäft geht.

Da sind Sorgen um die Gesundheit und Demokratie nur Hindernis für Umsatz, Profit und wirtschaftliches Wachstum. Also suchen Pharma- und Lebensmittelindustrie das berühmte Hintertürchen, durch das sie klammheimlich schlüpfen können, um ihren genetischen Dreck doch noch den „blöden“ und ahnungslosen Patienten anzudrehen. Und dieses Hintertürchen ist perfiderweise das Leiden der Menschen. Denn bei den Lebensmitteln gibt es keinen Leidensdruck, den man für seine Ziele ausnutzen könnte. Aber kranke Menschen hoffen auf Genesung. Da ist es einem Schwerstkranken in der Regel egal, ob das Medikament gentechnisch oder konventionell produziert worden ist – Hauptsache es hilft. Und da Medikamente keine Lebensmittel und umgekehrt sind (Herr Hippokrates dreht sich gerade im Grab herum), gibt es auch andere Bestimmungen für die Zulassung – und schwuppdiwupp, das Türchen ist offen. Und wer hier gegen Gentechnik ist, der macht sich verdächtig, schwerkranken Leuten nicht helfen zu wollen…

Vom Teller verbannt auf den Rezeptblock

Zähneknirschend mussten die Gentechnikfirmen auf die Einführung von GVO (genetisch veränderte Organismen) verzichten. Dafür schlagen sie umso kräftiger bei den Medikamenten zu. Denn es ist erschütternd, zu erfahren, dass in Deutschland schon über 160 Arzneimittel auf dem Markt sind, die gentechnisch hergestellt werden. Und wer kennt sich da besser aus als die Pharmaindustrie selbst: Die Webseite der VFA (die forschenden Pharma-Unternehmen) bringt es an den Tag:

Zugelassene gentechnische Arzneimittel in Deutschland

Derzeit sind in Deutschland nach vfa-Recherchen mindestens 169 Arzneimittel mit 128 Wirkstoffen zugelassen, die gentechnisch hergestellt werden (Stand: 31.07.2014). Wichtige Anwendungsbereiche sind u.a. Diabetes (Insuline), Multiple Sklerose und rheumatoide Arthritis (Immunmodulatoren), Krebserkrankungen (monoklonale Antikörper), angeborene Stoffwechsel- und Gerinnungsstörungen (Enzyme, Gerinnungsfaktoren) sowie Schutzimpfungen (Gebärmutterhalskrebs, Hepatitis B).

Von allen zugelassenen Wirkstoffen sind derzeit 5 % gentechnischen Ursprungs; doch von den jährlich neu eingeführten Wirkstoffen sind es mittlerweile fast immer 15 bis 25 %. Das ist so auch für die kommenden Jahre abzusehen.

Welche GVO-basierte Wirkstoffe das sind, wird auf besagter Seite ebenfalls angegeben. Wenn das nicht nach einem wichtigen Etappensieg für die Gentechniker aussieht!

Nachdem wir also wissen, beziehungsweise zu glauben haben, dass natürliche Heilpflanzen nichts können außer gesundheitliche Schäden anrichten und genetisch veränderte Pflanzen unser aller Heil sind, fragt man sich, woher die Gentechniker die Gewissheit nehmen, dass ihre Genmanipulationen nicht doch so unbedenklich sind, wie sie immer behaupten. Und welche evidenzbasierten Studien gibt es, die diese Unbedenklichkeit beweisen?

Es ist nicht schwer, sich vorzustellen, dass die Herstellerfirmen mit Bergen von Studien diesbezüglich aufwarten können. Aber wie glaubhaft sind solche Elaborate?

Wie bedeutungslos hier die Evidenzbasiertheit auf einmal zu sein scheint, und wie man sich durch die fehlenden Unbedenklichkeitsbeweise hindurch laviert, darüber hatte ich mich auch schon einmal geäußert: Die Gen-Technik und ihre Lobby. Und neben den Genen auch Studien manipulieren ist eine der leichtesten Übungen für diese Gesellen:

Krank – todkrank – genmanipuliert

Die oben erwähnten Beiträge meinerseits enthalten Quellen zu Studien, die nicht von der Pharmaindustrie durchgeführt worden sind und nicht das beste Licht auf die Gentechnik werfen. Ein besonders penetranter „Bösewicht“ ist Prof. Séralini aus Paris, der etliche Studien durchgeführt hatte (mit Ratten) und zu dem Ergebnis gekommen ist, dass gentechnisch manipuliertes Futter für die Ratten katastrophale gesundheitliche Folgen hatte. Siehe dazu auch: Glyphosat – sicher unsicher?

Aber nicht nur Prof. Séralini hatte sich dieses Themas angenommen. Es gibt inzwischen weitaus mehr unabhängige Studien. Diese hier alle zu diskutieren würde den Rahmen sprengen. Es gibt aber eine in dieser Beziehung besonders interessante Webseite, die 10 Studien diskutiert (auch eine von Prof. Séralini): 10 Studien beweisen: GVO schaden der Gesundheit (englische Version unter 10 Scientific Studies Proving GMOs Can Be Harmful To Human Health).

Diese Studien „beweisen“ zwar nicht die Schädlichkeit der GVOs im streng wissenschaftlichen Sinne. Sie zeigen aber, dass die genmanipulierten Substanzen weit von der Unbedenklichkeit und Sicherheit entfernt sind, die die Hersteller uns unterjubeln wollen. Sie geben ein vollkommen anderes Bild wieder, dass dem Bild der Pharmaindustrie und den rosaroten Legoland-Wölkchen am marketinggesteuerten Wissenschaftshimmel widerspricht.

Und wenn diese Studien etwas beweisen, dann ist das die Tatsache, dass die Pharmaindustrie lügt, dass sich die Balken wieder gerade biegen. Kein Wunder also, wenn man einer Diskussion mit dem Pariser Professor aus dem Weg gegangen ist und seine Ergebnisse mit Hilfe von methodischen Mängeln, die seine Untersuchungen angeblich haben sollen, auf den Scheiterhaufen geworfen hatte. Elsevier, das seine Arbeit(en) veröffentlicht hatte, nahm die Veröffentlichung nach einem Jahr zurück, ohne dass Séralini ein Verstoß gegen wissenschaftliche Prinzipien nachzuweisen war. Sogar eine offizielle Stellungnahme von Elsevier musste dies zugeben. Es steht zu vermuten, dass der Verlag unter Druck gesetzt wurde, den Hexer auf den Scheiterhaufen zu werfen. Es ist nicht neu, dass man mit Leuten mit richtigen Argumenten, dass zum Beispiel die Welt keine Scheibe ist, auf diese Weise verfährt. Argumente sind hier nur hinderlich und verbrauchen Zeit. Aber Zeit ist Geld. Und damit wären wir wieder beim eigentlichen Thema.

Fazit

Es ist unvorstellbar, dass eine Firma Studien zu Heilpflanzen einreicht, die ein ähnlich schlechtes Sicherheitsprofil zeigen wie die GVOs und dann doch noch eine Zulassung bekommen. Sind genau aus diesem Grund die GVOs bei der Zulassung in Lebensmitteln gescheitert, tauchen sie unvermittelt doch noch in Medikamenten auf. Da stellt man sich die Frage, warum die GVOs in Lebensmitteln als schädlich gelten, in Medikamenten aber als unbedenklich? Oder ist einfach die Gier nach Profit und Umsatz der oberste Götze, der alle wissenschaftliche Logik zuerst manipuliert und mutieren lässt zu marketinggerechten Aussagen, bevor man sich an die Manipulation von Pflanzengenen macht. Aber so lange die Gesundheit ein Geschäft ist, wird sich nichts ändern, im Gegenteil. Frankensteins Küche brodelt mehr denn je…

Datum: Mittwoch, 3. September 2014 21:37
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9 Kommentare

  1. 1

    Ich finde das man hier nicht pauschal alles schlecht machen sollte. Es haben sicher beide Methoden ihre Vor- und Nachteile.

    Antwort René Gräber:
    Ich würde mich freuen, wenn Du den Begriff „alles schlecht machen“ etwas konkretisieren könntest. Denn auf „alles“ beziehe ich mich im Beitrag doch gar nicht?

  2. 2

    Lieber Herr Gräber,
    immer wieder meinen herzlichen Dank für Ihre unermüdliche Aufklärungsarbeit über die fragwürdigen Methoden einer geldgierigen Pharmaindustrie. Obwohl ich mich seit Jahrzehnten intensiv mit dem Thema Gesundheit befasse, erhalte ich von Ihnen stets neue unschätzbar wertvolle Informationen, u.a. auch wie hier über diverse Ungeheuerlichkeiten. Möge sich jeder gesundheits- und verantwortungsbewusste Mensch zu seinem eigenen Wohl und dem seiner Familie selbst hiermit beschäftigen. D A N K E !

  3. 3

    Ich finde die Pestizide viel schlimmer als die Gentechnik.Dass in Amerika Nahrungstiere in Serie und als Tagesgeschäft geklont werden ist schon lange bekannt.Es gibt dafür keine Deklarationspflicht bis jetzt und nach TTIP sicherlich schon garnicht.Für Genmanipulation auch nicht.Also:Was das für „argentinische“ Rinder zB sind,mit denen sich eine Steakhaus-Kette seit Jahren brüstet…die machen das doch alle schon längst!Soja und Mais sind schon ewig genverändert,Bio-Firmen werben schon damit,wenn ihr Soja es NICHT ist…Wenn von den drei Körnersorten,die ich noch vertrage zwei Neonicotinamide ausschwitzen macht mir das erheblich mehr,nämlich richtig Angst…

  4. 4

    Zu 1:Mit „alles“ meinte Ines wohl den Bereich Gentechnik.Mehr als „Genpampe“ geht doch nicht an vernichtendem Pauschalverriss oder?^^Das ist wieder so ein Glaubenskrieg:Ob ich den „Alternativen“ wie Ihnen,Herr Gräber,glauben will,die sagen:“Alles Dreck!“ oder den anderen,die das Problem daran nicht erkennen können darf ich per Los entscheiden.Da gehen mal wieder zwei verhärtete Expertenlager aufeinander los,beide völlig einseitig argumentierend,und der Laie steht dazwischen und macht Nase.Und alles falsch.

  5. 5

    Ich bin seit gut 30 Jahren Genetiker. Daher betrachte ich mich in dieser Frage als weniger glaubend. Dennoch würde ich dem pauschal verreißenden Ausdruck der „Genpampe“ zustimmen. Denn ich habe immer den Eindruck, dass man uns glauben machen will, dass die Genetiker genau wüssten, was sie da machen. Es ist der Eindruck entstanden, dass Genmanipulation genau so exakt durchgeführt wird wie der Bau einer Taschenuhr, wo jedes Rädchen passgenau an seinem bestimmten Ort sitzt. So etwas ist absolutes Science-fiction.
    Genmanipulation ist wie Kochen mit verbundenen Augen. Man hält ein Fläschchen mit Gewürz in der Hand, weiß aber nur, dass es ein Gewürz ist, aber nicht welches. Es kann auch sein, dass man blindlings ein Fläschchen erwischt, in dem kein Gewürz, sondern Gift oder unbekömmliche Substanzen sind. Und wenn das Gericht fertig gekocht ist, dann geht es ans Abschmecken.
    Man kann sich leicht ausmalen, dass man mit dieser Vorgehensweise beim Kochen nicht mal einen Stern für seinen Laden bekommt. Aber wenn man das Ganze auf einer „wissenschaftlichen“ Basis macht, dann bekommt man sogar dafür eine Zulassung.
    Wenn Sie möchten, dann können Sie sich gerne differenziert und aufgeschlossen als Versuchskaninchen für das evidenzbasierte Abschmecken der Genpampe bewerben – selbstverständlich ohne Honorar, sondern dürfen für die Teilnahme auch noch bezahlen. Mit Geld und Gesundheit. Spätestens hier bin ich FÜR den vernichtenden Pauschalverriss.

  6. 6

    Hallo Ganodolon, recht haben Sie und ich finde diesen sogenannten „Pauschalverriss“ als sehr hilfreich, um die Menschen wirklich aufzuklären. Danke Herr Graeber, dass Sie sich so viel Mühe machen und so exakt recherchieren. Die Genmanipulation macht mir persönlich richtig Angst. Ich weiß bald nicht mehr, was kann ich zum Essen kaufen oder welches Medikament das ich nehmen „Muss!“ soll ich einfach weglassen weil es mir mehr schadet als es nützt. Ich finde es sollten sehr viel mehr Menschen darüber nachdenken anstatt alles hinzunehmen. Denkt bitte doch mal an unsere Kinder – sollen das alles Mutanten werden??? – ich meine damit die bestimmt nicht allzuferne Zukunft.

  7. 7

    […] Gentechnik durch die Brust, übers Auge in den Körper […]

  8. 8

    Mich packt nur noch eine heillose Wut,weil ich mich den Machenschaften der Wissenschaftler ausgesetzt fühle, ohne etwas dagegen tun zu können. Die Verhandlungen mit Amerika (z.B.Freihandelszone) werden ja auch hinter verschlossenen Türen geführt. Warum wohl? Was wird uns da alles versprochen, versprochen im Hinblick auf den Segen der heilbringenden Gentechnik und neue Belebung des Arbeitsmarktes. Daß ich nicht lache. Es werden in Wahrheit nur die Instrumente für den Tanz um das GOLDENE kALB eingestimmt.
    Weiter so, lieber Herr Gräber!

  9. 9

    […] Vor TTIP ist nach TTIP: Gentechnik durch die Brust, übers Auge in den Körper […]

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