Julia Klöckner: Feuer frei für das Umweltgift Thiamethoxam

Ein Notfall für die Landwirtschaft wird zum Notfall für die Umwelt: Für die Zuckerrübenbauern ist die enorme Verbreitung von Blattläusen eine Katastrophe, weil die Kerbtiere die Feldfrüchte mit einem Virus infizieren. Die genetischen Vektoren lassen die Pflanzen vergilben, die dann kaum noch Erträge bringen.

Doch wenn die Samen der Zuckerrübe mit einem Insektizid behandelt werden, kann der Schaden begrenzt werden. Allerdings schädigen Pestizide dann auch die Umwelt durch eine Durchseuchung der Nahrungskette.

Um Blattläuse zu bekämpfen, können Landwirte ihre Zuckerrübensamen jetzt mit einem Neonicotinoid beizen. Dieses “Thiamethoxam“ des Chemiegiganten Syngenta ist seit 2018 in der EU grundsätzlich verboten. Allerdings gibt es für die nationalen Regierungen ein Schlupfloch, dass sich “Notfallzulassung“ nennt. Davon haben viele EU-Regierungen Gebrauch gemacht, so auch die deutsche, und zwar nach Maßgabe von Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner.

Bio-Bauern können auf das Pestizid verzichten

Thiamethoxam zerfällt draußen zu Clothianidin, das ebenfalls Gliederfüßler und diverse Wasserorganismen vernichtet. Daher wirkt Syngentas “Cruiser 600 FS“ wie ein Schrotschuss auf die heimische Insektenwelt.

Auch Bienen können daran sterben oder derartige Nervenschäden davon tragen, dass sie die Orientierung verlieren. Neonicotinoide wie Thiamethoxam werden hauptsächlich für das besorgniserregende Insektensterben verantwortlich gemacht. Vögel, die sich von Insekten ernähren, reichern das Gift in ihren Körpern an.

Bio-Bauern brauchen das Neonicotinoid nicht, weil sie Vermehrung der Blattläuse durch jährlichen Fruchtwechsel verhindern. Konventionell arbeitende Landwirte machen das nicht und greifen deswegen zu Insektiziden. Darin besteht der von Julia Klöckner ausgerufene “Notfall“.

Auflagen nützen nichts

Um die Notfallzulassung zu rechtfertigen, darf Thiamethoxam ausschließlich mit gebeizten Zuckerrübensamen ausgebracht werden. Darüberhinaus sind in Allgemeinverfügungen wie denen der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) einige Auflagen angeordnet, die teils ungewollt komisch, teils wie reine Kosmetik erscheinen.

So ist es verboten, Saatgut mit Thiamethoxam “in Naturschutzgebieten auszusäen“ – als ob irgendjemand im Ökoreservat Rüben anbaut. Dann darf die äußere Reihe des Ackers nicht mit den behandelten Körnchen bestückt werden oder es ist ein Abstand von 45 cm zum Nachbargrundstück einzuhalten – weiter kommen giftige Chemikalien ja nicht.

Pflanzen in der Nähe der Kulturfläche sollen nicht zur Blüte gelangen – wer kontrolliert das? Auch sind “erosionsmindernde Maßnahmen zu ergreifen“, und zwar nur auf “erosionsgefährdeten Flächen“ – wie diese aussehen oder was dann genau geschehen soll, ist in der Verfügung nicht beschrieben.

Es ist also nicht verwunderlich, wenn Thiamethoxam und Clothianidin trotz des bürokratischen Firlefanzes in der Umwelt auftaucht. Die Vorschrift, die Rübensamen mit nur maximal 35 % der vorgesehenen Giftmenge zu verseuchen, trägt ebenfalls nicht zum  effektiven Schutz der Umwelt bei.

Imker und Naturschützer taten sich zusammen und ließen Proben aus dem Landkreis Neustadt und dem Kreis Fürth auf die Neonicotinoide untersuchen. Die Grenzwerte wurden um teils das 50-Fache überschritten, weil die Toxine mit dem Regenwasser ins Umland gespült werden.

Dort nehmen Pflanzen die Chemikalien auf und gelangen unter anderem in blütenbesuchende Insekten. Das sollte laut Julia Klöckner gar nicht möglich sein, weil die Zuckerrüben im ersten Jahr gar nicht blühen, sondern geerntet werden. Dass die Pestizide nicht auf den Rüben bleiben, muss sie doch wohl wissen. Klar wusste sie es…

Die Pestizid-Belastung ist allgegenwärtig

Nicht nur die Neonicotinoide werden zunehmend zum ökologischen Problem. Viele Pestizide können inzwischen in 80 % aller Gewässer in Deutschland nachgewiesen werden und dies in Mengen, die oberhalb der RAK-Werte liegen – der “Regulatorisch Akzeptablen Konzentration“. Darauf weist der Ökotoxikologe Prof. Dr. Matthias Liess hin.

Übrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen kostenlosen Praxis-Newsletter „Unabhängig. Natürlich. Klare Kante.“ dazu an:

Beitragsbild: 123rf.com – Leonid Eremeychuk

Dieser Beitrag wurde am 22.10.2021 erstellt.

Ein Kommentar Kommentar hinzufügen

  1. Avatar
    Ballaire Ingeborg

    27. Oktober 2021 um 21:11

    …wie soll man da noch nett sein!??!?
    Mit vollem Bewusstsein wird die Bevölkerung immer kranker gemacht. All diese Gifte sammeln dich im Körper an und schwächen das Immunsystem…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.