Die Darmspiegelung gilt als medizinischer Goldstandard. Sicher. Routiniert. Alternativlos.
Doch was, wenn ausgerechnet die Vorbereitung – das radikale „Durchspülen“ des Darms – mehr verändert, als bisher angenommen?
Eine aktuelle Studie in Cell Reports Medicine zeigt im Mausmodell: Die gängige Darmreinigung mit Polyethylenglykol schwächt vorübergehend die schützende Schleimschicht, reduziert nützliche Darmbakterien und senkt die Konzentration kurzkettiger Fettsäuren – also genau jener Moleküle, die Entzündungen regulieren und Krankheitserreger in Schach halten.
Das Ergebnis: Erhöhte Anfälligkeit für Infektionen und eine verstärkte Entzündungsreaktion – zumindest im Tiermodell.
Natürlich: Maus ist nicht Mensch.
Aber die zentrale Frage steht im Raum:
Was bedeutet es, wenn wir vor einem Eingriff 70 Prozent unseres Immunsystems – das im Darm sitzt – kurzfristig destabilisieren?
Und warum existieren dazu beim Menschen bislang kaum systematische Untersuchungen?
Genau hier beginnt die eigentliche Diskussion.
Worum es sich bei der Koloskopie genau handelt, hatte ich hier beschrieben:
Sie werden hier lesen, dass für die Vorbereitung auf die Darmspiegelung unter anderem am Vortag Abführmittel vom Patienten eingenommen werden. Grund: Herausspülen von Kot und Nahrungsresten aus dem Dickdarm, um dem Arzt, der die Untersuchung durchführt, eine klare Sicht auf die Darmschleimhäute zu gewährleisten. Die negativen Auswirkungen, die dadurch entstehen bzw. entstehen können, scheinen sich jetzt um eine weitere Variante erhöht zu haben.
Die Erkenntnis liegt bislang „nur“ als Studie vor, die an Mäusen durchgeführt wurde. [1]
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Erst spülen, dann spiegeln…
Die Vorbereitung des Darms ist ein entscheidender Prozess, der den Dickdarm vor medizinischen Eingriffen wie einer Darmspiegelung oder einer geplanten Operation entleert und reinigt. I
hr Hauptzweck ist es, sicherzustellen, dass der Dickdarm frei von Stuhl und unverdauten Nahrungsresten ist, damit Ärzte die Darmschleimhaut gut beurteilen und Polypen, Krebs oder andere Auffälligkeiten erkennen können. Eine unzureichende Vorbereitung kann zu unvollständigen Untersuchungen, wiederholten Eingriffen oder Terminverschiebungen führen.
Arten der Darmvorbereitung
Gängige Darmvorbereitungssets umfassen:
Polymerbasierte Formeln (z. B. Golytely, Colonlytely, Plenvu) – Am weitesten verbreitet; oft ist das Trinken großer Flüssigkeitsmengen erforderlich.
Kochsalzbasierte Lösungen (z. B. MoviPrep, Picolax, Picosalax) – Erhältlich als Tabletten oder Flüssigkeit; für manche besser verträglich.
Teildosierung – Bevorzugte Methode: Die Hälfte der Vorbereitung wird am Vorabend und die andere Hälfte 4–6 Stunden vor dem Eingriff eingenommen. Dies verbessert die Reinigungswirkung.
Nun hat besagte Studie (an Mäusen) festgestellt, dass dieses Prozedere ebenfalls mit Nebenwirkungen aufwarten kann, über die bislang nur wenige gesprochen haben. Die in „Cell Reports Medicine“ veröffentlichte Studie ergab, dass die Simulation der Darmvorbereitung bei Mausmodellen das Darmmilieu störte, wodurch die Mäuse anfälliger für Infektionen und Entzündungen wurden. [2]
Generell kann und sollte man Abführmitteln und -maßnahmen sehr kritisch gegenüber stehen. Warum? Weil diese Mittel und Maßnahmen mit ihren eigenen negativen Folgen einher kommen. [3]
In der neuen Studie verabreichten die Forscher Mäusen eine Lösung aus Polyethylenglykol (PEG), dem Wirkstoff von Abführmitteln zur Darmvorbereitung. PEG löste bei den Mäusen Durchfall aus und reduzierte vorübergehend die schützende Schleimschicht des Magen-Darm-Trakts sowie die dort ansässigen nützlichen Bakterien. Die Behandlung senkte zudem den Spiegel kurzkettiger Fettsäuren – kleiner Moleküle, die Darmbakterien zur Bekämpfung von Infektionen und Entzündungen produzieren. [4]
Obwohl sich die Mäuse innerhalb weniger Tage erholten, schien die Darmvorbereitung ein Zeitfenster geschwächter Abwehrkräfte gegen Krankheitserreger zu schaffen. Um dies genauer zu untersuchen, verabreichten die Forscher Mäusen entweder die PEG-Abführmittellösung oder Wasser und setzten sie anschließend Salmonella Typhimurium aus, einem Modellorganismus für Infektionserreger.
In der Wassergruppe zeigten sich keine Anzeichen einer Salmonella-Typhimurium-Infektion, während sich das Bakterium in der PEG-Gruppe im Darm stark vermehrte und in die Lymphknoten, die Milz und die Leber ausbreitete.
Das Team untersuchte anschließend, wie Krankheitserreger die besonderen Bedingungen der Darmvorbereitung nutzen könnten, um sich im Kontext von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) zu vermehren. Menschen mit CED beherbergen häufig Pathobionten – Bakterien, die normalerweise harmlos sind, aber in einem gestörten Milieu als Krankheitserreger wirken können – als Teil ihrer Darmflora. [5]
Um das Szenario einer Darmspiegelung kurz nach einer Entzündungsphase zu simulieren, besiedelten die Forscher Mäuse mit Darmmikrobenproben von zwei Patienten mit Colitis ulcerosa, einer Form der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung. Sie behandelten die Mäuse mit einer entzündungsfördernden Substanz und führten anschließend bei einem Teil der Tiere die Darmvorbereitung durch.
Während sich die Kontrollgruppe schnell von der chemischen Entzündungsbehandlung erholte, zeigte die Gruppe mit Darmvorbereitung einen kurzfristigen Anstieg der Entzündungsaktivität und Veränderungen des Magen-Darm-Gewebes. In dieser Gruppe wurden zudem höhere Konzentrationen von CED-assoziierten Pathobionten, die mit einer Verschlimmerung der Entzündung in Verbindung gebracht werden, in Organen außerhalb des Darms festgestellt.
Was tun?
Die Ergebnisse rechtfertigen klinische Studien zu den Risiken der Darmvorbereitung für Risikopatienten. Derartige Untersuchungen scheint es bislang nicht zu geben, nicht zuletzt, weil die gesamte schulmedizinische Welt davon ausgeht, dass das Abführen vor der Darmspiegelung unproblematisch sei. Wozu dann noch Studien dazu?
Eine derartige Sichtweise zeigt jedoch, dass man in der Schulmedizin nur selten über den Tellerrand hinauszuschauen scheint. Eingriffe in einen Bereich, wo 70 % des Immunsystems zuhause ist, muss mit nachteiligen Konsequenzen verbunden sein, auch wenn sie nicht sofort sichtbar sind.
Die Autoren arbeiten nun mit dem Labor vom „BC Children’s Hospital Research Institute“ zusammen, um Umfragedaten von Personen zu sammeln, die sich einer Darmspiegelung unterziehen. Ziel ist es, fundiertere Daten zum Potenzial einer CED-Symptomverschlimmerung nach dem Eingriff zu gewinnen.
„Wenn die Ergebnisse am Menschen bestätigt werden, können wir unser Modell nutzen, um die Darmvorbereitung für Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen sicherer zu gestalten“, sagte Dr. Tropini, einer der Autoren der Studie.
Beispielsweise könnte eine Anpassung der Abführmittelzusammensetzung oder die gleichzeitige Gabe von nützlichen Darmbakterien, kurzkettigen Fettsäuren oder schleimhautschützenden Mitteln dazu beitragen, Nebenwirkungen zu mindern und so sichere und effektive Koloskopien zu ermöglichen.
Fazit
Die Darmreinigung vor der Darmspiegelung scheint bislang noch bei Mäusen einen sehr unvorteilhaften Effekt auf das Darmmilieu zu haben, indem dieses so unvorteilhaft verändert wird, dass es zu einem erhöhten Risiko für Entzündungen und Infektionen kommt.
Beim Menschen gibt es dazu, wen wundert es, keine Untersuchungen. Nicht zuletzt weil hier wieder einmal von Annahmen ausgegangen wird, die im Laufe der Zeit für die Schulmedizin zu unumstößlichen Gesetzen geworden sind. Die vorliegende Arbeit allein zeigt, wie tönern die Füße sind, auf denen diese Annahmen stehen.
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