Diesmal sind es die Norweger, die unbedingt die genetisch modifizierten Spielverderber mimen wollen. Denn deren Wissenschaftler haben sogenannte Fütterungsstudien von über 10-jähriger Dauer mit genetisch modifizierten Pflanzen durchgeführt. Das Ergebnis war dann auch überraschend eindeutig: Wenn Sie z.B. Übergewicht vermeiden wollen, dann sollten Sie tunlichst auf „Gen-Mais“ und ähnliche gentechnisch modifizierte (GM) Produkte verzichten.

 

Aber nicht nur der direkte Verzehr von „Gentechnik-Pflanzen“ scheint negative Folgen zu zeitigen. Auch der Verzehr von Tieren, die mit „Gen-Pflanzen“ ernährt worden sind, scheint ähnlich negative Auswirkungen zu haben wie der direkte Verzehr von „Gen-Pflanzen“. Es scheint gerade so als wenn die „genetische Gülle“ durch die Tiere weiter geleitet würde.

Wie „Gen-Mais“ und „Gen-Soja“ die Gesundheit „vernaschen“

Wer des Norwegischen mächtig ist, der kann sich „vor Ort“ über die Arbeit der finnischen Forscher informieren unter Rotter fetere av genmat. Eine englischsprachige Webseite hatte sich dieser Arbeit angenommen, auf die ich mich hier im Wesentlichen beziehe: Obesity, Corn, GMOs.

Hier werden die norwegischen Autoren folgendermaßen zitiert:

Die Resultate zeigen eine positive Beziehung zwischen GM-Mais und Übergewicht. Die Tiere, die eine Ernährung auf GM-Mais-Basis erhalten hatten, wurden in der Regel schneller fett und behielten ihr Gewicht bei im Vergleich zu Tieren, die eine normale Diät ohne genetisch modifizierten Mais erhalten hatten. Die Studien wurden mit Ratten, Mäusen, Schweinen und Lachsen durchgeführt. Bemerkenswerterweise ergaben sich für alle Tiere genau die gleichen Ergebnisse.

Die Forscher fanden ganz bestimmte Veränderungen im Gastrointestinaltrakt der Tiere, die mit dem GM-Mais gefüttert worden waren. In normal ernährten Tieren waren diese Veränderungen nicht zu beobachten. Ähnliche Ergebnisse hatten US-Wissenschaftler zuvor auch veröffentlicht. Signifikante Veränderungen wurden bei den Test-Tieren in Leber, Nieren, Bauchspeicheldrüse, Genitalien usw. beobachtet.

Zudem konnten die finnischen Forscher zeigen, dass die Tiere, die den genetisch veränderten Bt-Mais fraßen, deutlich mehr fraßen, fetter wurden und sich weniger in der Lage zeigten, Proteine (Eiweiße) zu verdauen. Diese eingeschränkte Fähigkeit beruhte auf Veränderungen der Mikrostruktur des Gastrointestinaltrakts.

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Dazu gesellten sich dann noch Veränderungen des Immunsystems. Denn die eingeschränkte Fähigkeit, Proteine zu verdauen, hat noch andere negative Konsequenzen für die Gesundheit. Denn ohne eine verlässliche Verdauung von Proteinen kann auch keine verlässliche Produktion von Aminosäuren erfolgen. Diese wiederum sind die elementaren Bausteine für körpereigene Proteine, Zellwachstum und deren Funktionen.

Die amerikanische Webseite kommentiert diesen Sachverhalt so: „Dies mag keinen direkten Bezug zum Übergewicht haben. Jedoch ist ein Bezug zu vielen modernen Erkrankungen zu vermuten. Dies sind z. B. Diabetes, Erkrankungen des Verdauungstrakts, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Colitis ulcerosa, Autismus, Autoimmunerkrankungen, sexuelle Funktionsstörungen, Sterilität, Asthma, chronisch obstruktive Atemwegserkrankungen und etliche mehr.

Die Leiterin der Forschergruppe, Professor Krogdahl, erklärte, dass nur zu oft behauptet worden sei, dass neue Gene in genetisch modifizierten Nahrungsmitteln keinen Schaden anrichten können, da angeblich alle diese Gene im Gastrointestinaltrakt so abgebaut werden, dass sie nicht mehr biologisch funktionsfähig sind. Die Arbeit der Finnen jedoch zeigte das genaue Gegenteil.

Die Gene wurden durch die Darmwand geschleust, gerieten ins Blut und verblieben dort und in der Muskulatur, der Leber etc. in größeren Mengen, und konnten somit relativ leicht identifiziert werden…. Bislang ist jedoch die biologische Bedeutung dieses Transfers noch nicht bekannt.“

Nicht vorhandenes Gen-Gift, oder „Copperfield auf genetisch“

Uns ist ja immer wieder versichert worden, dass GM-Produkte in Sachen Sicherheit kaum noch zu übertreffen sind. Besonders die GM-Pflanzen, die in der Lage sind, ihr eigenes Pestizid zu erzeugen, gaben den besorgten „Idioten“ Anlass, GM-Pflanzen abzulehnen, da man ja nicht nur die Pflanze, sondern auch noch ein Pestizid dazu auf den Mittagstisch bekommt.

Die GM-Industrie dagegen versicherte immer wieder, auch aufgrund ihrer eigenen Studienergebnisse, dass das alles kein Grund zur Sorge sei. Nicht nur die Gene verschwinden im Darm, sondern das Pestizid ginge da auch „irgendwie“ verloren.

„Bt“ – das steht für „Bacillus thuringiensis“, ein Bakterium, das das Bt-Toxin produziert. Dieses Toxin bzw. Pestizid zerstört die magenähnliche Hülle von bestimmten Insekten und vernichtet diese dadurch. Diese Technologie wurde erstmals in den späten 1990er Jahren von der Firma Monsanto praktisch eingeführt. Selbige Firma versicherte immer wieder, dass das genetische Pflanzengift gegen die Insekten nur für selbige gefährlich sei.

Eine amerikanische Behörde, die US Environmental Protection Agency (EPA), leistete bei dem „Meineid“ aktive Schützenhilfe. Ähnlich wie die neuen Gene würde das Bt-Toxin vollkommen im Gastrointestinaltrakt des Konsumenten vernichtet und sei damit für Tiere und Menschen ohne Gefahr. Es gäbe auch keine Interaktionen mit der Darmwand und deren Mukosa, so die Herstellerfirmen.

Wenn man einmal die firmeneigenen Studien außer Acht lässt und sich in der Welt der unabhängigen Arbeiten und Veröffentlichungen herumtreibt, dann fällt man aus rosaroten Wolken knallhart auf granitharten Boden. Eine solche Studie wurde in Kanada durchgeführt.

Aris und Leblanc

Department of Obstetrics und Gynecology, University of Sherbrooke Hospital Centre, Sherbrooke, Quebec, Canada.

„Maternal und fetal exposure to pesticides associated to genetically modified foods in Eastern Townships of Quebec, Canada.“

Reprod Toxicol. 2011 May;31(4):528-33. Doi: 10.1016/j.reprotox.2011.02.004.

https://ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21338670

In dieser Arbeit wurde das Blut von schwangeren und nicht-schwangeren Frauen auf Pestizide untersucht, die ausschließlich von GM-Pflanzen mit Bt-Genen stammten. Dabei stellte sich heraus, dass….

  • 93 Prozent der untersuchten schwangeren Frauen Bt-positiv waren
  • 80 Prozent des Nabelschnurbluts der Föten positiv war, und
  • 67 Prozent der nicht-schwangeren Frauen ebenfalls das Pestizid im Blut hatte.

Natürlich ist man jetzt geneigt, zu vermuten, dass ein Gift, dass die Magenschleimhäute von Insektenmägen durchlöchert, vielleicht auch die Schleimhäute des menschlichen Gastrointestinaltrakts ähnlich malträtieren kann.

Zumindest gibt es momentan keine andere Erklärung, warum alle diese Behauptungen von Sicherheit und Unbedenklichkeit sich als reine Lüge entlarvt haben und Bt-Toxin im Blut von Probanden nachweisbar ist. Es ist da, ohne Frage. Aber wie sonst soll es da hinein gelangt sein, wenn nicht über die gleichen Mechanismen, die für die Insekten auch gelten und diesen zum Verhängnis werden?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Probandinnen, besonders die Schwangeren, den Forschern einen Gefallen tun wollten, und sich das Zeugs heimlich und leise selbst injiziert haben….

Man kann natürlich immer noch argumentieren, dass die Mengen möglicherweise nicht groß genug sind, um einen satten Schaden anzurichten. Aber auch kleine Mengen, besonders wenn sie immer und immer wieder nachgefüllt werden, können zu nachhaltigen Schäden führen.

Wir kennen das z. B. vom Rauchen, wo auch nicht eine einzige Zigarette zum sofortigen Exitus führt. Die Wissenschaftler vermuten, dass eine regelmäßige Zufuhr von Bt-Toxinen, wie sie bei der regelmäßigen Nahrungsaufnahme solcher Produkte der Fall wäre, zu Autoimmunerkrankungen und Nahrungsmittelallergien führt.

Bei den Neugeborenen kommt noch hinzu, dass deren Blut-Hirn-Schranke bis zum 6. Monat offen bleibt. Das Gift kann also ungehindert in das Hirn eindringen und für kognitive Schäden sorgen. Das Resultat könnte Autismus sein, so vermuten es eine Reihe von Kinderärzten und Wissenschaftlern.

Erste Hinweise für solche Probleme kommen aus dem Land der unbegrenzten Unmöglichkeiten, den USA. Gastrointestinale Probleme, Autoimmunerkrankungen, Nahrungsmittelallergien, Lernschwierigkeiten bei Kindern etc. haben merkwürdigerweise seit der Einführung der Bt-Pflanzen im Jahr 1996 deutlich zugenommen.

So erhöhte sich die Zahl der Krankenhausaufenthalte aufgrund von Nahrungsmittelallergien zwischen 1997 und 2002 um sage und schreibe 265 Prozent (in den USA). Heute hat jedes 17. Kind dort irgend eine Art von Nahrungsmittelallergie, bei steigender Tendenz.

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MG-Nahrung und das lästige Immunsystem

Wenn wir von einer Nahrungsmittelallergie reden, dann ist der Gedanke an einen negativen Einfluss auf das Immunsystem nicht weit. Inzwischen gibt es dann auch eine Menge an Hinweisen, dass Bt-Toxine aus diesen GM-Pflanzen, wie Mais oder Baumwolle, „auch“ für den Menschen nicht unbedenklich ist (um es einmal ganz vorsichtig und seicht auszudrücken). Und „vielleicht“ kann es sogar das Immunsystem des Menschen unvorteilsmäßig beeinflussen – ach…

Finamore et al.

Istituto Nazionale di Ricerca per gli Alimenti e la Nutrizione, Roma, Italy.

„Intestinal und peripheral immune response to MON810 maize ingestion in weaning und old mice.“

J Agric Food Chem. 2008 Dec 10;56(23):11533-9. doi: 10.1021/jf802059w.

https://ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19007233

Man kann solche Studien nicht mit Menschen durchführen und muss sich auf die Ergebnisse bei z. B. Mäusen begnügen – oder würden Sie sich für so eine Studie zur Verfügung stellen?

Die Mäusestudien sind aber doch nicht vollkommen ohne Aussagekraft. Dies zeigte die Arbeit aus Italien, bei der die gastrointestinale und periphere Immunantwort auf GM-Mais bei Mäusen begutachtet worden war. Die Autoren verglichen abstillende und alte Mäuse, die mit MON810 gefüttert wurden, bzw. als Plazebo einen GM-freien Mais bekamen für die Dauer von 30 bzw. 90 Tagen. Die „Bt-Mäuse“ zeigten dann eine Reihe von Immunreaktionen, wie z. B.

  • Die Erhöhung von IgE- und IgG- (Immunglobulin) Antikörper, eine typische Reaktion bei Allergien oder Infektionen.
  • Den Anstieg von Zytokinen, die eng mit Allergien und Entzündungen assoziiert sind. Interleukine waren signifikant erhöht, was beim Menschen auf eine Reihe von Beschwerden hinweisen würde, wie Arthritis, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Multiple Sklerose und Krebserkrankungen.
  • Eine Erhöhung von T-Zellen, wie sie beim Menschen bei Asthma und bei Kindern bei Nahrungsmittelallergien, jugendlicher Arthritis und Bindegewebeerkrankungen auftauchen würden.

Eine andere Arbeit benutzte Monsantos Bt-MON863:

Séralini et al.

Committee for Independent Information und Research on Genetic Engineering CRIIGEN, Paris, France.

„New analysis of a rat feeding study with a genetically modified maize reveals signs of hepatorenal toxicity.“

Arch Environ Contam Toxicol. 2007 May;52(4):596-602.

https://ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17356802

Schon die Überschrift „hepatorenal toxicity“ (leber- und nierentoxisch) lässt auf böse Ergebnisse schließen. Die Autoren beschreiben, dass dieser Mais aufgrund von firmeneigenen Studien der Firma Monsanto im Jahr 2005 zugelassen wurde. Dies ist verwunderlich, da es bislang keine mittel- und langfristige toxikologische Untersuchungen zu dem Monsanto-Mais gibt.

Eine Beschwerde bei einem Gericht in Münster ermöglichte immerhin die Einsichtnahme in die Originaldaten der Zulassungsstudie von Monsanto, bei der über 90 Tage Ratten mit dem Monsanto-Mais gefüttert worden waren. Aufgrund dieser Daten wurde das Material neu bewertet und ausgewertet.

Das Ergebnis der unabhängigen Wissenschaftler:

  • Die Ratten zeigten eine dosisabhängige und signifikante Variation des Wachstums für beide Geschlechter, was in einer 3,3-prozentigen Gewichtsabnahme für Männchen und einer 3,7-prozentigen Gewichtszunahme für Weibchen resultierte.
  • Laborchemische Daten zeigten Zeichen von toxischen Reaktionen in Leber und Nieren, die für Männchen und Weibchen verschieden stark ausfielen.
  • Triglyceride erhöhten sich um 24 bis 40 Prozent bei den Weibchen – nach 14 Wochen bei einer 11-prozentigen Dosis oder schon nach 5 Wochen bei einer 33-prozentigen Dosis.
  • Die Ausscheidung von Phosphaten und Natrium im Urin nahm bei den Männchen um 31 bis 35 Prozent ab (14. Woche bei 33-prozentiger Dosierung)

Die Autoren schlossen aus ihren Beobachtungen, dass die angegebenen Daten kein Grund für die Annahme ist, dass MON863-Mais als ein sicheres Produkt anzusehen ist.

Ohne Bt, dafür mit Roundup

Roundup ready“ heißt, dass die genetisch veränderte Nutzpflanze diesmal kein Gen enthält, dass ein Pestizid produziert. Dafür enthält es ein Gen, dass sie unempfindlich macht gegen ein spezifisches Pestizid, dem „Roundup“, aus dem Hause Monsanto.

Sprüht der Bauer also sein „Roundup“ auf seine Monsanto-Saat, dann wird nur das Unkraut, nicht aber seine Saat vernichtet – so die Versprechungen der Firma. Und damit man auch sicher alles Unkraut beseitigt, rät die Firma nicht von einer intensiven bzw. extensiven Nutzung ihres Pestizids ab. Denn je mehr versprüht wird, desto lauter klingeln die Kassen bei Monsanto.

Diese Tendenz zur Überdosierung ist dann auch mitverantwortlich für die sich mittlerweile einstellenden Resistenzentwicklungen gegenüber dem Hauptwirkstoff in „Roundup“, dem Glyphosat. Was dieser Wirkstoff so alles kann, besonders wenn man ihn als Verbraucher schlucken muss, habe ich bereits skizzieren können unter Soja – Warum ich das lieber nicht essen würde.

Und da nach Einschätzung der Experten jetzt ca. 130 verschiedene Arten von „Unkräutern“ in 40 Staaten der USA schon gegen Glyphosat resistent geworden sind, werden die Farmer angehalten, noch mehr von der Chemie auf ihre Felder zu schütten oder aggressivere Pestizide zum Einsatz zu bringen.

Damit würden dann die bislang schon belegten gesundheitlichen Probleme, die von „Roundup“-Pflanzen und -Produkten herrühren, nur noch verstärkt. Diese Probleme beziehen sich besonders auf Fertilität und Geburtsdefekte.

Welche seltsamen Blüten dies z. B. in den USA treibt, sei nur noch als „Anhängsel“ hier vermerkt. Es gab 2008 eine Initiative, die die genetisch veränderten Zuckerrüben von Monsanto, auch „Roundup ready“, verbieten wollte. Nach einigem Hin und Her und einer Klage gegen die USDA (Landwirtschaftsministerium der USA) im Jahr 2009 wegen einer fehlenden Umweltstudie, wurden die GM-Zuckerrüben erst einmal auf Eis gelegt.

Nur wenig später wurde diese Maßnahme von der USDA unterlaufen mit der Begründung, dass man ohne die GM-Zuckerrüben in einen Zucker-Engpass geraten würde (ja, richtig – GM-Produkte sollen ja auch den Nahrungsmangel und damit den Welthunger beseitigen). Nach ein paar weiteren rechtlichen Slalomakten seitens der USDA ist dann die uneingeschränkte Zulassung der GM-Zuckerrüben im August 2012 über die Bühne gelaufen.

Somit hat die Welt und ihr freiheitlicher Vorreiter nicht nur ausreichend Zucker, um entsprechend billige Nahrungsmittel zu produzieren, die für zuckerbedingte Folgeerkrankungen sorgen. Nein, durch die GM-Variante wird jetzt auch sicher gestellt, dass weitere Erkrankungen, die vom Zuckern unberührt bleiben, auch noch dazu kommen. Wenn das nicht nach zivilisatorischer Perfektion aussieht…

Fazit

Wie so häufig werden die kritischen Ergebnisse der Wissenschaft komplett ignoriert, wenn es um die Implementierung von gewinnträchtigen, aber höchst bedenklichen Produkten geht. Hier hat dann der Finanz- und Marketingchef die Entscheidungsgewalt. Und der entscheidet aufgrund von Dingen, von denen er glaubt, etwas zu verstehen – den Profiten und Bilanzen. Wissenschaft und ihre Ergebnisse sind nur dann willkommen, wenn sie Profite und Bilanzen nicht stören, sondern unterstützen.

Für uns Otto-Normal-Genetiker wird dann eine Wissenschaft gebraut, die genau die Ergebnisse erfindet, die uns zum eifrigen Kauf von Dingen verleitet, von denen wir besser die Finger lassen sollten. Aber das ist halt Marketing… für gesundes Essen braucht man keinen Marktschreier. Gesundes Essen spricht für sich selbst, oder?

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Mein persönlicher Horror auf den Feldern sind genetisch modifizierte Nutzpflanzen (kurz: GM-Nutzpflanzen oder auch nur „Genpflanzen“): Sie wurden 1996 von der Firma Monsanto eingeführt und als „Heilsbringer für die Welt“ verkauft, denn durch sie sollte nicht weniger als das Hungerproblem in der Welt gelöst werden. Es gab aber etliche kritische Zeitgenossen, die nicht verstanden, warum der Hunger in der Welt nun ausgerechnet auf dem (zuvor bestehenden) Fehlen von Genpflanzen beruhen sollte? Doch Monsanto hatte noch mehr:

Als weiteres „bärenstarkes“ Argument wurde seitens der Firma Monsanto aufgeführt, dass durch den Einsatz von GM-Nutzpflanzen der Pestizideinsatz reduziert werden würde. Besonders die Bt-Pflanzen, die ihr aufgrund der genetischen Modifikation ihr eigenes Insektizid produzieren, bräuchten dann kaum noch weitere Pestizidbehandlungen von außen.

Da wunderte man sich schon, als man erfuhr, dass Monsanto zeitgleich aber seine Kapazitäten für die Produktion von Pestiziden kontinuierlich ausweitete. Es sah (fast) so aus, als ob Monsanto bewusst tolle, marketinggerechte Ankündigungen herausgegeben hatte – und auf der anderen Seite das Gegenteil davon praktizierte.

 

Heute wissen wir auch warum dies so kommen musste, denn die genetisch veränderten Pflanzen haben zu Toleranzentwicklungen geführt. Und das gleich doppelt: Unkräuter und Schädlinge sind gleichermaßen betroffen. So sind mittlerweile zwei Dutzend Unkräuter gegenüber Glyphosat unempfindlich geworden. Glyphosat ist der wichtigste Bestandteil von Monsantos Unkrautvertilgungsmittel „Roundup“ (ich berichtete darüber in meinem Artikel: „Politiker entdecken: Herbizide sind doch gesund„).

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Schlimm, schlimmer, Monsanto

Inzwischen ist es auch nicht mehr möglich, abzuwiegeln und kritische Stimmen in die Pessimistenecke zu stecken. Denn die Wissenschaft hat sich dieses Phänomens angenommen und ist zu erschreckenden Ergebnissen gekommen. Die unlängst veröffentlichte Studie „Impacts of genetically engineered crops on pesticide use in the U.S. – the first sixteen years“ von Charles Benbrook, einem Wissenschaftler an der Washington State Universität, stellt als erstes fest, dass es kaum unabhängige Studien gibt, die die Auswirkungen der Pestizide bestimmt haben.

Es gibt praktisch auch keine Arbeiten, die das Resistenzpotential von Glyphosat bestimmt hätten. Von daher untersuchte der Wissenschaftler die Auswirkungen von 6 GM-Pflanzen und den bei ihnen eingesetzten Pestiziden für die Zeit von 1996 bis 2011.

Die Pflanzen waren:

  • Herbizidresistenter Mais
  • GM-Soja
  • GM-Baumwolle
  • Bt Mais, der ein Pestizid gegen den Maiszünsler produziert
  • Bt Mais, der ein Pestizid gegen den Maiswurzelbohrer produziert
  • Bt Baumwolle mit Pestizidproduktion gegen Schmetterlingsraupen

Das Resultat der Untersuchung: Die herbizidresistente Nutzpflanzentechnologie führte in den Vereinigten Staaten zu einer Erhöhung des Gebrauchs von Herbiziden. Diese Erhöhung betrug für den Zeitraum von 1996 bis 2011 239 Millionen Kilogramm. Die Bt Nutzpflanzen führten zu einer Senkung des Gebrauchs von Insektiziden von 56 Millionen Kilogramm für den gleichen Zeitraum. Unter dem Strich wuchs also der Pestizidverbrauch um 183 Millionen Kilogramm oder 7 Prozent.

Der Forscher kommentiert seine Ergebnisse so: Es wird immer wieder behauptet, dass der Einsatz von GM-Nutzpflanzen den Pestizidverbrauch reduziere (eine fast gebetsartige Übung der Befürworter von GMOs).

Aber die Resistenz der Genpflanzen gegenüber Glyphosat ist bereits auf andere Pflanzen übergegangen, die jetzt nur noch durch höhere Konzentrationen an Pestiziden kontrolliert werden können – und dies ist dann der Grund für den Zuwachs von 7 Prozent. Weiter schließt er, dass eine Zulassung von Mais und Soja, die gegen das Herbizid 2,4-D (2,4-Dichlorphenoxyessigsäure) resistent sind, zu einer weiteren Erhöhung des Herbizidverbrauchs um sage und schreibe 50 Prozent führen wird.

Und wie es aussieht, ist dies nur der Anfang, denn in einer Stellungnahme der Nachrichtenagentur Reuters gegenüber erklärte der Wissenschaftler, dass der Herbizidverbrauch aufgrund der Resistenzentwicklungen momentan  jährlich um 25 Prozent wächst.

Und genau diese Resistenzentwicklungen zwingen die Bauern oft dazu, auf ältere und noch gefährlichere Herbizidsorten zurückzugreifen. Um eine Resistenzentwicklung bei den Mais und Baumwolle fressenden Insekten gegen das Bt Insektizid zu verhindern, empfehlen Monsanto und Co. den Bauern meines Wissens, zusätzlich noch genau die Insektizide zu sprühen, die eigentlich durch die Bt Technologie ersetzt werden sollten.

Wahnsinn mit Methode

Monsanto ist ja bekannt für seine tollen Einfälle, besonders wenn es um Zerstörung geht. So war Glyphosat ein Bestandteil des Entlaubungsmittels Agent Orange, mit dem Vietnam im damaligen Vietnamkrieg großzügig bedacht worden ist. Aber auch das 2,4-D ist ein Bestandteil von Agent Orange. Wie sich dieses segenbringende Zeug auf ungeborenes Leben auswirkt, können Sie unter http://digitaljournalist.org/issue0401/griffiths_intro.html begutachten (Vorsicht: nichts für schwache Nerven). Über die Rückstände von Glyphosat in Lebensmitteln berichtete ich auch schon in „Glyphosat im Brötchen – unser tägliches Gift gib uns heute„.

Doch zurück zur Studie: Laut Prof. Benbrooks Einschätzung würde der Einsatz von 2,4-D nach der Zulassung der 2,4-D-resistenten GM Pflanzen in 2013 fast 50 Millionen Kilogramm jährlich (bis zum Jahr 2019) ausmachen. Momentan werden immerhin schon 1,5 Millionen Kilogramm jährlich versprüht. Damit hätten wir quasi vietnamesische Verhältnisse vor unserer Haustüre. 2,4-D ist toxisch genug, dass die Wahrscheinlichkeit von Entwicklungsstörungen bei Feten und Problemen mit den Fortpflanzungsorganen bei Mann und Frau enorm ansteigt.

Für die Umwelt käme ein weiterer herber Schlag dazu. So wartet Dow Chemicals neuestes GM Produkt, eine Sojapflanze, die gleich gegen 3 Substanzen immun ist, auf ihre amerikanische Zulassung. Wo Monsantos Pflanzen nur gegen Glyphosat oder Glufosinat resistent sind, ist die Dow-Soja gegen beides und 2,4-D resistent. Natürlich beeilt sich Dow jetzt, ihr neues Produkt als den Monsanto-Produkten überlegen darzustellen, da die ja nur Roundup „ready“ seien und Glyphosatresistenzen bei Unkräutern entwickelt hätten.

Dabei unterschlägt die Marketingabteilung von Dow geflissentlich, dass schon heute 28 Arten aus 16 Pflanzenfamilien eine Resistenz gegen 2,4-D und ähnliche Herbizide haben. Oder in anderen Worten: die neue GM Pflanze von Dow ist noch gar nicht auf dem Markt, da gibt es schon Resistenzen bei Unkräutern gegen die Herbizide, gegen die sie selbst gefeit ist.

Und die Empfehlung von Dow wird die gleiche sein wie die bei Glyphosat-resistenten Unkräutern: Einfach mehr 2,4-D sprühen, um die Unkräuter zu vernichten und weitere Resistenzentwicklungen zu verhindern. Kein Wunder also, wenn Prof. Benbrook in seinen Schätzungen auf den Einsatz von 50 Millionen Kilogramm 2,4-D jährlich nach der Einführung der neuen Dow-Sojapflanze kommt.

Die amerikanische Politik hilft tüchtig mit

Damit die Schätzungen von Prof. Benbrook auch wahr werden, sorgt die Politik für die richtige Weichenstellung in Richtung Pestizidum- und -einsatz. So hat der amerikanische Präsident Obama 2009 den Bock zum Gärtner bestimmt, indem er einen gewissen Michael Taylor zum Chefberater der FDA (Food und Drug Administration) gemacht hat. Warum Bock, warum Gärtner?

Ganz einfach: Taylor war zuvor der Chef der PR-Abteilung bei Monsanto. 2010 ist er sogar zum stellvertretenden Kommissar für Lebensmittel in der FDA erkoren worden. Ich frage mich (und das sollten Sie auch tun): Wird ein Karrieretyp wie Taylor etwa kritische Prüfungen von Monsanto-Produkten anordnen oder ist es nicht viel wahrscheinlicher, dass er bei einer Neuzulassung durchwinkt, was er durchwinken kann und darf?

Wie industriefreundlich der Mann ist, hat er 1991 schon beweisen können. Da war er auch schon bei der FDA tätig, als stellvertretender Kommissar für Regeln und Policen. In dieser Eigenschaft setzte er durch, dass Milch von Kühen, die mit dem Wachstumshormon BGH behandelt worden waren, keinen solchen Vermerk auf dem Etikett haben musste.

Er war auch maßgeblich daran beteiligt, dass Monsanto seine GM Produkte ohne Sicherheitsstudien auf den Markt bringen durfte. Heute schreibt ein solcher Mensch den Amerikanern vor, wie Sicherheitskontrollen auszusehen haben, welche Sicherheitsstandards zum Einsatz kommen usw.

Da wird mir blitzartig klar, warum es mit der Gesundheit der Amerikaner nicht zum Besten gestellt sein kann. Denn die FDA erlaubt GMOs (= Gentechnisch modifizierter Organismus) in Lebensmitteln, ohne dass der Hersteller dies zu etikettieren braucht.

Dabei sind es sogar FDA-Wissenschaftler gewesen, die vor unberechenbaren Folgen von GM-Nahrungsmitteln gewarnt haben, z. B. Allergien, Toxine, neue Erkrankungen sowie allgemeine Resorptions- und Ernährungsprobleme. Aber es sind halt die Leute wie Rechtsanwalt Taylor, die die Entscheidungen treffen und bei solchen Dingen das letzte Wort haben.

Würden  die Entscheidungskriterien auf den Ergebnissen der eigenen Wissenschaftler basiern, gäbe es sehr wahrscheinlich kein GM-Food in den USA. Aber die Kriterien lauten anders, denn sie sind an den Bedürfnissen der Lebensmittelindustrie orientiert, und Taylor und Co. sehen zu, dass diese Bedürfnisse zur Genüge berücksichtigt werden.

Jeffrey M. Smith kommentierte Taylors Berufung so: „Diese Person ist für mehr lebensmittelbezogene Erkrankungen und Todesfälle verantwortlich als sonst jemand in der Geschichte. Und der ist just zum amerikanischen Lebensmittelsicherheit-Zar gekürt worden. Das ist kein Witz.“

Fazit

Es ist fast berauschend, wie die Lügen der Industrie sich selbst entblößen. Nachdem jetzt jedem klar sein sollte, dass GMOs keine Einsparungen beim Einsatz von Pestiziden nach sich ziehen, sondern das komplette Gegenteil bedeuten, taucht als nächstes die Frage auf:

Wenn die Pestizidgeschichte nicht stimmt, vielleicht sind die anderen Behauptungen dann auch falsch? Wie können die GM-Pflanzen Hunger beseitigen, wenn beispielsweise die Ernte nicht für den lokalen Markt bestimmt ist?

So werden ganze Landstriche in anderen Ländern für GM-Mais und GM-Soja benutzt und die Waren danach exportiert, damit die Kühe in Amerika und Europa nicht mehr auf der Weide grasen müssen. Für diese Länder, in denen Mais und Soja im Großformat angebaut werden, ist das eine Katastrophe, da das Land für den Anbau mit lokalen Lebensmitteln zur Eigenversorgung nicht mehr zur Verfügung steht.

Aber selbst wenn GM-Pflanzen zur lokalen Versorgung eingesetzt würden, besteht immer noch die hohe Wahrscheinlichkeit, dass diese Lebensmittel gesundheitliche Probleme verursachen. Die FDA-Wissenschaftler haben auf diese Möglichkeit hingewiesen. Und es gibt unabhängige wissenschaftliche Untersuchungen, die bei Labortieren, die mit GM-Produkten gefüttert worden waren, Fruchtbarkeitsprobleme und schwere organische Veränderungen gezeigt haben. Bei solchen Aussichten fällt mir bezüglich der Genpflanzenvertreiber nur noch das Götz v. Berlichingen Zitat ein…

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Oh ha – wir Deutschen sind immer noch Weltmeister: Wir haben immer noch das komplizierteste Steuersystem auf diesem Planeten. Und ich bin spätestens seit diesem Jahr überzeugt, dass die Krankenkassen dem Steuersystem in Nichts nachstehen wollen.

 

Dafür gibt es seit ein paar Jahren die „Heilmittelrichtlinie“, die auf das Komma genau vorschreibt, was der Arzt auf das Krankengymnastik-Rezept zu schreiben hat und was nicht.

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Da schlägt man sich mit einem Wust an Vorschriften und Verordnungsziffern herum, die den Eindruck erwecken, dass das ganze Theater bewusst so kompliziert und unübersichtlich gehalten ist, dass Fehler provoziert werden.

Mir kommt es seit längerem so vor, dass wenn auch nur das Kreuzchen an der falschen Stelle ist oder ein Komma zu kurz oder lang erscheint…, dann, ja dann, hat der Therapeut die „A-Karte“ gezogen und bleibt auf seinen Kosten sitzen. Da kommen im Moment schon mal schnell ein paar hundert Euro zusammen.

Da dies eine bundesweite Sauerei…, Verzeihung „Problem“ ist, haben auch die Medien erkannt. In der ZDF-Mediathek wird ein grausames Beispiel aus dem Ländle der Schwaben vorgestellt, deren Krankenkassen als besonders grausame Paragraphenreiter gelten.

Ein Patient mit Hirntumor bekommt von seinem Arzt nach der OP eine Elektrotherapie vom Physiotherapeuten verschrieben. Die Therapie ist erfolgreich und verhilft dem Patienten wieder zur Fähigkeit normal zu schlafen. Seine halbseitige Gesichtslähmung ist fast verschwunden.

Der Arzt stellt jedes Mal ein Rezept für die Behandlungen aus. Die ersten beiden Rezepte werden korrekt mit einem kleinen „a“ im Indikationsschlüssel ausgefüllt. Alle weiteren Rezepte weisen dieses „a“ nicht auf, weil der Arzt es schlichtweg vergessen hatte. Der Therapeut bemerkt den Fehler erst, als es zu spät ist.

Folge: Er wird für seine Mühen nicht entlohnt – die Kasse weigert sich, zu zahlen. Und so hat dieses System „System“: Es geht den Kassen offensichtlich nur darum, Leistungen zu streichen und sich um notwendige Zahlungen zu drücken. Alles dies geht natürlich auf Kosten der Patienten und Therapeuten, die das Nachsehen haben.

Um diesen Bürokratenwahn nicht vollkommen hilflos gegenüber stehen zu müssen, erlauben sich große Therapiezentren einen Mitarbeiter, der sich so gut in der Bürokratie auskennt (Diplom-Bürokrat), dass dieser nichts anderes zu tun hat als die Rezepte und Verordnungen der Patienten auf Fehler zu untersuchen. Und in einem Drittel der Fälle werden sie dann auch fündig.

Für das Therapiezentrum heißt dies, dass ohne diesen Mitarbeiter 33 Prozent der Leistungen von den Kassen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht bezahlt werden würden, hätte dieser „Neu-Bürokrat“ die Fehler nicht gefunden. Das sind 33 Prozent Verlust. Wer kann sich so etwas leisten?

Wenn Fehler in der Verordnung gefunden werden, dann muss der Patient zurück zu seinem Verordner – eine zusätzliche Belastung für oft schwer kranke Patienten, die möglicherweise dann vielleicht sogar ganz auf die Therapie verzichten, weil das bürokratische Prozedere ihre letzten Kraftreserven übersteigt. Und damit hat die Krankenkasse wieder einen Unkostenposten weniger. Na, Herzlichen Glückwunsch.

Und dann gibt es da noch den „Kriminalisierungstrick“ seitens der Krankenkasse: Wenn ein Therapeut mal eine falsch ausgefüllte Verordnung zur Abrechnung einreicht, dann kann man ihn/sie des Betruges anklagen und damit sogar Rückforderungen einklagen.

In einem solchen Fall wird der Therapeut einiges an Leistungen zurückerstatten müssen, was ihn/sie an den Rand des Ruins treiben kann. Und wenn der Therapeut sich diesen Ärger mit den gesetzlichen Krankenkassen ersparen will, dann zieht er die Reißleine und akzeptiert nur noch Privatpatienten. Aber auch das ist leichter geschrieben als getan.

Und wer immer noch glaubt, dass die gesetzliche Krankenkasse an dem Wohlergehen der Patienten interessiert ist, der wird sehr wahrscheinlich auch glauben, dass Vioxx und Avandia zum Wohl der Patienten von der Pharmaindustrie erschaffen worden sind.

Oder dass der Storch die Kinder bringt.

Mal sehen, was die Bürokraten sich noch einfallen lassen …

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Vor einigen tausend Jahren war der Mensch auf das Sammeln, Anbauen und Erjagen seiner Nahrung angewiesen. Die Lebensmittellieferantin „Mutter Natur“ kannte dabei keine Tricks und Schlichen. Es ist zumindest nicht bekannt, dass sich Beeren als Bären tarnten oder umgekehrt. Und es gab wohl auch keine Wölfe, die im Schafspelz herumliefen. Wenn unsere Vorfahren also ein Schaf erlegten, dann war das auch ein Schaf und nichts anderes.

Heute jedoch sieht das Szenario deutlich wüster aus: Die von Menschenhand geschaffene Lebensmittelindustrie erübrigt das Jagen und Sammeln, um den Kühlschrank zu füllen. Aber dafür tischt sie uns einen dicken Sack Lügen auf, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn da gibt es eine Reihe von Wölfen in Schafspelzen unter den Nahrungsangeboten, wie die Verbraucherschützer von „Foodwatch“ haben nachweisen können.

 

Die Macher von Foodwatch küren seit einiger Zeit die frechsten Werbelügen der Lebensmittelindustrie, so auch wieder dieses Jahr. „Der goldene Windbeutel“ heißt dieser Preis für den schlimmsten „Wolf im Schafspelz“. Es ist schon bemerkenswert, was da an Wölfen uns auf den Tisch geschleudert wird.

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Bevor ich den „Gewinner 2012“ vorstelle, sollten wir unser Augenmerk aber erstmal auf die anderen richten, die es meiner Meinung nach auch alle auf den obersten Platz des Siegertreppchens hätten schaffen können …

Die Kandidaten für den Wolf im Windbeutel!

Platz Nummer 5: Becel pro.activ – Dies ist eine Margarine, die „aktiv den Cholesterinspiegel“ senken soll – so der Hersteller Unilever. Dies ist eine bemerkenswerte Aussage, zumal diese Art von Aussagen (die eine Art „Heilungsversprechen“ beinhalten), doch eigentlich nur vom Arzt gemacht werden dürfen. Zumindest darf keine Heilpflanze von sich behaupten heilen zu können – so das Heilmittelwerbegesetz. Aber das ist die eine Seite…

Die andere sieht so aus, dass diese Pille im Brotaufstrichformat hoch konzentrierte Pflanzensterine enthält, die für die cholesterinsenkende Wirksamkeit verantwortlich gemacht werden.

Die Menge an Sterinen hier entspricht der Menge von Sterinen in fast 6 Kilogramm Brokkoli oder 16 Kilogramm Bananen. Was passiert nun, wenn jemand einen normalen Cholesterinspiegel aufweist und dann diese Bombe zu sich nimmt? Dazu kommt noch, dass die Margarine vielleicht sogar die erwünschte Wirkung hat, aber was hat das mit dem Nutzen zu tun?

Ist es wirklich nützlich, ohne Cholesterin in der Gegend herumzulaufen? Cholesterin ist z.B. ein unverzichtbarer Bestandteil der Zellmembran jeder Körperzelle. Ohne Cholesterin gäbe es keine Menschen, keine Schafe, keine Wölfe usw.

Das Margarinenzeugs ist also vielleicht potentiell gefährlich, ein echter Wolf im Schafspelz also? Auch kann Becel angeblich nicht wirklich nachweisen, dass seine Cholesterinsenkerei zu weniger Herzinfarkten bzw. Arteriosklerose etc. führt. Wo bleibt dann da der Nutzen für den Verbraucher? Einen Nutzen hat das Zeugs dann doch – für den Wolf nämlich. Der verlangt den 6-fachen Preis einer normalen Margarine. Wohl bekomm´s… (http://www.abgespeist.de/becel_proactiv/index_ger.html)

Übrigens: Wer sich ausführlicher mit dem Thema Cholesterin beschäftigen möchte, kann hier meinen Cholesterin-Report anfordern (pdf). Der Report hat 17 Seiten – und ich erlaube mir dafür 4,95 € zu verlangen. Genau: bei soviel Werbestrategien der Marketingstrategen, muss ich für meine Sachen auch mal Werbung machen 🙂

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Doch weiter geht es mit den Kandidaten zum „Goldenen Windbeutel 2012“:

Platz Nummer 4: Die einen täuschen vor, dass was in der Verpackung drin ist, was nicht drin ist. Andere machen das genau anders herum. Radebergers Clausthaler gibt an, dass nichts drin ist, wo was drin ist. Gemeint ist der Alkohol in einem alkoholfreien Bier, das in Wirklichkeit aber 0,45 Vol.-% Alkohol enthält. Auch hier ein 0,45-prozentiger Wolf im Schafspelz.

Doch sollte die deutsche Sprache an dieser Stelle mehr als eindeutig sein: „frei“ heißt ohne, null, nix, keins… für die Brauerei ist sich Deutsch ein schweres Sprach, wo „frei“ wohl ganz neu definiert soviel heißt wie: „ein wenig“ im regulären Deutsch. Aber genau das will ja das Radeberger Radebrechen mit der deutschen Sprache bewirken: Suggestion von unbekümmerten Genuss und Gesundheit, weil „aloholfrei“ … hicks.

Der Verbraucher selbst erfährt nur über die Webseite der Firma, dass sich in der alkoholfreien Flasche dann doch 0,45 Prozent verstecken, nicht auf dem Etikett der Flasche. Dabei prahlt Radeberger mit einem gewonnenen Preis, dem „World Beer Award“.

Witzigerweise hat hier die Firma ihr Bier nicht als „alkoholfrei“ ausgewiesen, sondern als „Alkoholarmes Premium Lagerbier“ mit „weniger als 0,5 % Alkohol“. Irre – die Wahrheit im Ausland, neu definiertes Deutsch in Deutschland. (http://www.abgespeist.de/clausthaler/index_ger.html)

Platz Nummer 3: Mehr Brutto für Netto – Ein Hackfleisch von Netto, das in seiner „Viva Vital Zubereitung“ (die Marketingfirma sollte eine Gehaltserhöhung bekommen!) mit 30 Prozent weniger Fett aufwarten kann. Tatsache scheint aber zu sein, dass das Netto-Gehackse mehr Fett enthält als frisches Hackfleisch – falls ein hochwertiges und mageres Fleisch durch den Wolf gedreht wird.

Ein Fleischwolf im Schafspelz? Für mich schon. Kommen bei Netto etwa billige, fettreiche „Abfälle“ (ich weiß, hier übertreibe ich) zum Einsatz, die dann mit ca. 30 Prozent Gewichtsanteilen von Wasser, Mehl und Weizeneiweiß gestreckt werden? Diese 30 Prozent wären dann die 30 Prozent weniger Fett. So ginge Mathematik auf Marketingisch.

Unter dem Strich bekommt der Verbraucher, dieses Schaf, satte 30 Prozent weniger Fleisch, dafür aber marketinggerechte Streckmittel. Für diesen Dünnbrettbohrerbrei muss der Kunde dann auch noch 1,50 Euro mehr bezahlen im Vergleich zu abgepacktem, 100-prozentigem Hackfleisch. (5,50 pro Kilo Viva Streckfleisch versus 4,00 pro Kilo reines Hackfleisch). (http://www.abgespeist.de/viva_vital/index_ger.html)

Bei so viel „Erfindungsgeist“ müsste ich eigentlich schon wieder Werbung für meine Bücher machen! Aber das sollte ich dann in diesem „Umfeld“ wohl doch lieber lassen…

Auf zu Platz Nummer 2.

Platz Nummer 2: Letzter Kandidat, der es nicht geschafft hat: Teekannes „Landlust – Mirabelle und Birne“, ein Früchtetee. Das Land hat es in sich, die Sehnsucht nach Ruhe und Ursprünglichkeit sind in. Damit könnte man doch gutes Geld machen, denkt man sich im Hause Mülltonne… ähhh… Teekanne.

Also bietet man Landlust an: mit Mirabelle und Birnen auf der Verpackung, wo aber weder Mirabellen noch Birnen drinne sind. Bei Radeberger (siehe oben) war es ja genau umgekehrt: Da waren Sachen drin, die nicht auf der Verpackung standen.

Bei Teekanne nun: Statt Mirabellen und Birnen ist der landlustige Tee mit Billigzutaten versehen, also Äpfel, Hibiskus und Hagebutten. Damit der Tee nicht nach Apfel etc. schmeckt, sondern nach den Früchten, die auf der Verpackung prangen, muss kräftig mit Hilfe der Chemie nachgeholfen werden: mit „natürlichen“ Aromen mit Mirabellengeschmack. Wachsen diese Aromen eigentlich im chemischen Garten der Firma Teekanne?

Jetzt könnte man auf den Gedanken kommen, dass es ungesetzlich ist, Mirabellen etc. auf der Verpackung aufzuführen, aber keine solchen in den Tee zu bringen, sondern nur einen chemischen Geschmacksverwirrer. Nein, ist es nicht. Denn der Produktname und die Abbildungen auf der Verpackung brauchen bloß die Geschmacksrichtung wiederzugeben.

Dabei ist es egal ob hier eine Mirabelle und Birne drin ist oder nur ein Geschmacksimitat, also reine Chemie. Dies ist ein Beschluss der Lebensmittebuchkommission des Bundeslandwirtschaftsministeriums. So kann sich der Hersteller Teepanne auch auf die Rechtmäßigkeit seiner Vorgehensweise berufen.

Naja, und damit man mit dem Wellnessprodukt industrieller Billigfertigung auch noch richtig beim Schaf … äh Verbraucher ankommt, muss natürlich ein bekanntes verkaufsförderndes Gesicht aus dem (ehemaligen) Spitzensport her: Steffi Graf. Die macht ein Gesicht beim Teetrinken wie eine Teekanne und suggeriert garantiert „Harmonie für Körper & Seele“, wenn man bereit ist, dem Hause Teekanne 4 Euro pro 100 Gramm „Landlust“ zu übereignen (http://www.abgespeist.de/landlust/index_ger.html).

Aber Steffi Graf hat ja angeblich auch beim Konzept der Mrs. Sporty Studios mitgearbeitet – obwohl dieses Konzept m.E. zu 100% aus den USA übernommen wurde. Aber das ist eher ein Windbeutel aus dem Bereich Fitness…

Kommen wir wieder zurück zur Ernährung oder vielmehr der Abspeisung.

Der Gewinner ist ….

Platz Nummer 1: Hipp-Hipp – Hurra!

Hipps Instant Tees mit den klangvollen Namen „Waldfrüchte“ (Waldfrüchte: da denke ich an Tannenzapfen und Pilz – aber das sind ja gar keine Früchte, sondern Pilz), „Früchte“ und „Apfel-Melisse“ sind laut Hersteller der Durstlöscher schlechthin für „Babys, Klein- und Schulkinder“ und der Gewinner des „Goldenen Windbeutels 2012“.

Laut Hipp sollte ihr Klientel diese Sachen trinken, da sie (so verstehe ich das jedenfalls aus der Werbung) auf einer Stufe stehen mit Mineralwasser und Fruchtsaftschorlen – stark verdünnt natürlich. Na, dann steht ja einer gesunden Durstlöscherei nichts mehr im Wege, oder?

Da frage ich mich aber, was soll denn an 7,6 Gramm Zucker (ca. 2,5 Stück Würfelzucker) auf 200 Milliliter gesund sein? Hipp verbürgt sich angeblich mit seinem Namen für das, was an Werbeaussagen gemacht wird. Besser stände eine andere Form der Werbung dieser süßen Plörre zu Gesicht: „Diese Tees verordnet der Zahnarzt seiner Familie, damit er am Wochenende was zu bohren hat.“ Aber die Zahnärzte sind nicht besonders gut auf die überzuckerten Tees zu sprechen und sehen darin mit einen gewichtigen Grund für die Entwicklung von Karies schon im zarten Kindesalter. Zudem fördern sie eine frühe Gewöhnung der Kinder an süße Nahrungsmittel, was sich in späteren Lebensjahren als Bumerang erweisen kann: Süß ist fast immer verbunden mit einem Zuviel an Kohlenhydraten, was Übergewicht, Diabetes etc. provoziert.

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Mutter Natur hat dagegen für bzw. gegen den Durst das Wasser erfunden. Man spricht zwar hier von „Süßwasser“ (im Gegensatz zu Salz- oder Meerwasser), es hat aber unter natürlichen Bedingungen keinen Zucker aufzuweisen. Warum wohl? (http://www.abgespeist.de/instant_teegetraenke/index_ger.html)

Fazit

Wie zu erwarten, wehren sich die Hersteller gegen die Kritik von Foodwatch und ziehen sich auf die Rechtmäßigkeit ihrer Vorgehensweise zurück. Das stimmt sogar. Aber auch wenn eine Werbelüge staatlicherseits geduldet wird, bleibt sie eine Lüge.

Durch die Bank zahlt der Verbraucher viel Geld nicht etwa für ein qualitativ hochwertiges Produkt, sondern nur für die Illusion eines qualitativ hochwertigen Produkts. Verzichten Sie lieber auf solchen Schnick-Schnack.

Wie sie es besser machen könnten, habe ich in meinem Interview zur gesunden und richtigen Ernährung versucht zu beantworten: http://www.gesund-heilfasten.de/ernaehrung/

P.S. Nein, gesunde Ernährung ist NICHT zu teuer!

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In den Industrieländern rangiert Krebs auf dem zweiten Platz der häufigsten Todesursachen. Doch das war nicht immer so.

Zu diesem Ergebnis kamen Wissenschaftler aus England und den USA, als sie ägyptische Mumien untersuchten. Außerdem durchforsteten Michael Zimmerman und Rosalie David die medizinische Literatur der vergangenen Jahrtausende auf der Suche nach Beschreibungen von Tumoren oder Wucherungen. Auch hierbei stießen sie auf vergleichsweise wenig Berichte über Krebs, obwohl die alten Griechen dies bereits als eigenständige Krankheit beschrieben und sogar zwischen gut- und bösartigen Tumoren zu unterscheiden wussten.

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