Ich kann mich noch gut an mein Studium Anfang der 1990er erinnern, als es eine heftige Kontroverse gab, ob der Mensch mehr von seinen Genen gesteuert sei (und damit unveränderlich festgenagelt ist auf das, was er oder sie „darstellt“), oder aber, ob die Umwelt (Erziehung, Ernährung usw.) den Menschen prägt und verändert.

Zu diesem Zeitpunkt kam die Genforschung immer mehr in Schwung. Man hatte bereits in den 1970ern die genetische Steuerung der Proteinbiosynthese erforscht und enträtselt, was die Diskussion zusätzlich ankurbelte und beeinflusste. Aber zu diesem Zeitpunkt war es eigentlich zu früh, zu diesem Thema definitiv Stellung zu beziehen.

Denn die Befürworter der Gene wussten nur (beziehungsweise glaubten zu wissen), dass Gene unveränderlich sind und damit das Schicksal eines jeden Genträgers besiegelt und in Stein gemeißelt ist.

 

Aber auch die Umwelt-Anhänger gingen von Hypothesen aus, die sie genau so wenig belegen konnten. Denn für einen mehr oder weniger ungehemmten Einfluss der Umwelt hätte man wissen müssen, warum die Gene nicht so übermächtig sein können, wie so oft behauptet.

Unter dem Strich ging man seinerzeit davon aus, dass beide Faktoren eine Rolle spielen mussten, ohne aber zu wissen, wie stark diese Faktoren waren und welcher überwog.

Aber auch damals schon gingen die Umwelt-Anhänger davon aus, dass eine Theorie, die einen unveränderlichen Einfluss der Gene annimmt, einen sozialpolitischen Hintergrund hat und keinen wissenschaftlichen.

Schon damals wussten die Umwelt-Anhänger, dass die Gene sich leicht als Entschuldigung zum Beispiel für ein Versagen bei der Bekämpfung von Krankheiten hernehmen lässt, als unausweichliches Schicksal sozusagen.

Ein weiteres „beliebtes“ Beispiel zu dieser Zeit war die vererbte oder erworbene Intelligenz von Kindern. Auch hier waren die mehr konservativen Vertreter der Meinung, dass Dummheit oder Intelligenz in erster Linie von den Eltern stammen müsse. Wer also Eltern mit Volksschulbildung hatte, der wurde von vornherein fürs Gymnasium und Hochschule als unqualifiziert erachtet.

Und so blieben diesen Kindern die besser bezahlten Jobs verschlossen, da es an der dafür notwendigen beruflichen Qualifikation mangelte.

Wo zuerst „göttliche Fügung“ oder das Schicksal als bestimmende Größe fungiert hatten, zogen als in den 70ern / 80ern die Gene als neue große unbekannte Variable ein – die die Aufgaben von den beiden Erstgenannten (Gott und Schicksal) zu übernehmen hatte.

Nun, wer an „göttliche Fügung“, das Schicksal oder die Gene als unumstößliche Richtlinie für sein Leben glaubt, der wird ein guter Untertan, der alle Unbilden in Politik, Gesellschaft und privat erduldet. Denn man kann keinen der drei Urheber für unliebsame Ereignisse zur Rechenschaft ziehen, so dass man sich in sein „Schicksal“ eben fügen muss.

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Heute nach 40 Jahren

Sieht es heute anders aus? Antwort: Es sieht anders aus, doch bleibt alles beim Alten. Vor 40 Jahren wusste niemand etwas über Epigenetik. Es war nicht bekannt, dass es DNA auch außerhalb des Zellkerns gibt; in diesem Fall in den Mitochondrien der Zellen.

Und es war damals auch nicht bekannt, dass diese DNA ebenfalls vererbt wird, aber nur von der Mutter auf die Nachkommenschaft. Im Zuge der Forschung auf diesem Gebiet wurde man gewahr, dass Gene nicht so unveränderlich sind wie lange angenommen.

Unter bestimmten Umständen werden Gene ein- und abgeschaltet, was die Annahme, das Gene unveränderbar sind, gewaltig ins Wanken brachte. Mehr zu diesem Thema unter Die Heilslehre der Genetik – Oder: das vertrackte Genom.

Und eben diese Epigenetik gibt allen Grund zu der Annahme, dass sie über Umweltfaktoren in der Lage ist, die Aktivitäten von Genen zu verändern. Damit wäre das Dogma von der Unveränderbarkeit der Gene so gut wie vom Tisch gefegt. Auch die Ernährung kann dazu beitragen, dass „schlechte“ Gene abgestellt werden (nur wenn man sich dementsprechend ernährt) und „gute“ Gene aktiviert werden.

Ein weiteres gutes Beispiel finden wir beim Fasten. Denn das Fasten kann Gene positiv verändern. Oder mit anderen Worten: Es gibt einen nicht zu vernachlässigenden Spielraum für jeden von uns, in dem wir zu unserem eigenen Wohl aktiv werden können. Wir müssen nur wissen, wie wir richtig vorzugehen haben.

Das Gleiche scheint auch für die Intelligenz zu stimmen. Laut „Independent Sciene News“ vom August 2013 geht man heute davon aus, dass 98 Prozent aller Variationen von Errungenschaften in der Ausbildung von umweltbedingten und nicht genetischen Faktoren beeinflusst wird.

Der Lernerfolg ist also kein Resultat der Gene der Eltern, sondern die Fähigkeit des Schülers, auf seine Umwelt einzugehen und mit ihren Faktoren zu interagieren. Aber dieser Erkenntnis wurde keine besondere Beachtung geschenkt – seltsamerweise. Die Zahl von 98 Prozent Umwelteinfluss wurde weder in der Überschrift des Independent Science Artikels erwähnt, noch kam sie in der Presseveröffentlichung zur Sprache.

Dafür kaute man intensiv auf einer anderen Sache herum: Der Genetik dahinter. Denn man hatte bei der Untersuchung drei genetische Varianten gefunden, die zu 0,02 Prozent an Unterschieden in den ausbilderischen Erfolgsvarianten beteiligt waren.

Und dementsprechend fiel dann auch die Schlussfolgerung der Wissenschaftler aus: Statt nach Möglichkeiten zu suchen, diesen 98 Prozent gerecht zu werden und nachhaltig den Erfolg der Auszubildenden zu fördern, stürzten sich die Forscher auf diese 0,02 Prozent und empfahlen, nach diesen wenigen genetischen Varianten zu forschen. Eigentlich unglaublich – oder?

Nun, früher wussten wir nicht so viel über Genetik und seine Beziehung zur Umwelt. Heute weiß man, dass hier augenscheinlich 98 Prozent gegen 0,02 Prozent stehen. Aber dennoch bewegt sich die Diskussion auf dem Niveau von 1970. Ist das als Fortschritt anzusehen?

Wider besseres Wissen die gefundenen Resultate zu ignorieren und an den alten (überholten) Erkenntnissen (die keine sind), festzuhalten? So eine unlogische Praxis muss System haben.

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Die „unlogische“ Praxis hinter dem „SYSTEM“

Dieses System wird deutlich, wenn man erfährt, dass sogar die Tabakindustrie Forschungen unterhält, die sich mit „Verhaltensgenetik“ beschäftigt. Man möchte spontan meinen, dass die Tabakindustrie an genetisch modifizierten Tabakpflanzen arbeitet. Vielleicht macht sie das auch. Aber welches Verhalten sollte ein GMO-Tabak an den Tag legen?

Nein, diese Industrie forscht nach Möglichkeiten zu erklären, dass die Sucht nach Zigaretten und Zigarren eine genetische Grundlage hat und nicht im Produkt zu suchen ist. Hier immer und immer wieder die Genetik zu bemühen hat nur einen Zweck.

Und der wird besonders deutlich in einer Mitteilung (Memo) vom amerikanischen Vice President for Public Relations des Tabaccos Instituts, Fred Panzer (bei dem Namen kein Wunder), der es auf den Punkt brachte: Ziel der Forschung muss sein, den Fokus der Aufmerksamkeit zu ändern weg vom Produkt (Rauchzeugs) hin zu einer bestimmten Sorte von Personen.

Oder mit anderen Worten: Wenn ihr Probleme mit dem Rauchen habt, dann liegt das nicht an den Zigaretten. Nein, denn die sind eigentlich harmlos. Das Problem ist der Raucher, der nicht das richtige genetische Rüstzeug fürs Rauchen (Verhalten) hat.

Ach so ist das! Ja, darauf muss ich mir jetzt erst mal eine anzünden. Oder lieber nicht. Denn ich weiß von mir, dass ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die falsche Genetik fürs Rauchen habe. Meine Genetik jedenfalls duldet keinen Rauch in meiner Lunge. Bei den anderen, die rauchen, gibt es vielleicht ein Rauch-in-der-Lunge-Gen, womit die sich für einen Job bei der Feuerwehr qualifiziert hätten oder als Helmut Schmidt 🙂

1970 ist längst nicht vorbei

Es ist schon verwunderlich. Wir wissen heute mehr über Genetik als vor 40 Jahren und doch haben sich keine richtigen Konsequenzen aus diesem Wissen abgeleitet. Wie es aussieht, trifft das auch fürs Rauchen zu. Es gibt wohl kaum jemanden, der nicht weiß, dass Rauchen mit gesundheitlichen Risiken verbunden ist. Aber dennoch kann eine ganze Industrie die Wissenschaft vergewaltigen, nur um die Realität so zu verbiegen, damit sie ins Geschäftsmodell passt.

Auch die Bildungsfrage und Intelligenzfrage von damals wird immer noch so diskutiert wie 1970. Man will auch heute noch den Menschen vermitteln, dass soziale Unterschiede mit Genetik zu tun haben und daher unvermeidbar sind. Denn wenn die Leute glauben, dass ihre Gene die elementare Ursache sind für ihre Krankheiten, für geistige Gebrechen, für mangelnde schulische Qualifikationsmöglichkeiten und so weiter, dann braucht nichts mehr verändert zu werden.

Umweltgifte sind dann entlastet und können mit schöner Regelmäßigkeit in die Umwelt abgegeben werden, was den Verursachern eine Menge Geld in Sachen Entsorgung spart. Krankheiten werden so behandelt, wie die Schulmedizin sie seit je her behandelt hat: als Verwaltung der Krankheit und Kaschierung der Symptome. Heilung ist ja nicht möglich, da die Gene dafür nicht vorhanden sind.

Zucker in jeder Form der Ernährung aus dem Hause der Lebensmittelindustrie ist auch über jeden Zweifel erhaben, denn nicht der Zucker und seine toxische Potenz treiben die Leute in die Krankheit, sondern die genetischen Voraussetzungen sind Schuld.

Selbstverständlich kommen dann noch andere seltsame Faktoren hinzu, die das Bild abrunden. Wenn die Genetik nicht als Erklärung herangezogen werden kann, dann erfindet man etwas Neues. So zum Beispiel die Hysterie um das Sonnenlicht. Eigentlich sollten die Gen-Fans einmal abchecken, ob Hautkrebs durch Sonnenlicht eine genetische Voraussetzung hat.

So viel ich weiß gibt es keine Untersuchung dieser Art. Und es wird sie auch nicht geben, da Sonne keinen Hautkrebs erzeugt, sondern in den Himmel gesetzt worden ist, um Vitamin D zu erzeugen. Und dieses Vitamin hat den Ruf, eine Reihe von Krebserkrankungen zu bremsen oder sogar zu verhindern – ganz ohne Genetik.

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Fazit

Wir befinden uns immer noch im Jahr 1970. Die Wissenschaft ist schon ein Stück weiter. Aber die Interessen von Politik und Wirtschaft sehen ein reibungsloses Verwalten der Untertanen vor, was man mit erfundenen Ideologien und Pseudo-Wissenschaft in die Köpfe der Betroffenen eintrichtern will.

Vielleicht sollten diese Leute einmal nach einem Erkenntnis-Gen forschen, damit man auch dieses Eintrichtern leichter durchführen kann.

Aber eins ist auch mir jetzt klar geworden: Auch wenn der Erkenntnisfortschritt der Wissenschaft große Sprünge macht: es liegt kein Grund vor anzunehmen, dass diese Erkenntnis in die Praxis umgesetzt wird. Zumindest nicht zum Wohle der Allgemeinheit. Bestenfalls zum Wohle von Politik und Industrie. Für uns bleiben nur dumme Märchen vom Legoland und dessen schöne Gene.

Was die Genetik sonst noch so macht (und wie das aus meiner Sicht zu bewerten ist), das können Sie hier nachlesen:

5 Wundermittel auf die ich in der Praxis nicht verzichten würde

Dieses Bilder-Rätsel ist mittlerweile einige Jahre alt. Anno 2014 fand ich diese „Angebote“ alle an einem Samstag mit der Postwurfsendung, die an alle deutschen Haushalte ging. Und die Angebote stammen alle vom gleichen Anbieter.

Ähnliche Angebote mit ähnlichen Preisen finde ich auch heute noch.

Die Aufgabe für das Rätsel ist ganz einfach:

Bevor Sie „meine“ Lösungsvorschläge lesen, schauen Sie es sich bitte einmal in Ruhe an und denken Sie mal eine Minute darüber nach…

Wenn Sie bereit sind, sind hier meine:

Lösungsvorschläge

1. Für Mathematiker: Der Sekt. Der kostet 2,69€, alle anderen Produkte 1,99€

2. Für Physiker: Der Sekt. Der hat einen anderen Aggregatzustand als die anderen Produkte, nämlich flüssig. Die anderen sind alle fest.

3. Für Ernährungswissenschaftler: Mars / Snickers, denn die haben die höchste Kaloriendichte.

4. Für Logiker: Mars / Snickers, denn das ist das einzige Bild, auf dem kein Obst oder Gemüse zu sehen ist.

5. Meine Leser: … tja, jetzt wird es ein wenig knifflig. Ich biete mal drei Varianten an.

  • Die Äpfel, denn das ist das einzige Lebensmittel. Die anderen sind höchstens Nahrungsmittel. Natürlich kann man über die Apfelsorte diskutieren (Pink Lady), ebenso über die Anbaumethoden (siehe mein Beitrag „Gentech-Äpfel„), aber ich nehme den Apfel als „Lebens“mittel einfach mal an. Mehr dazu u.a. in meinem Interview: http://www.gesund-heilfasten.de/ernaehrung/ – das sollte einige Dinge wieder „gerade“ rücken.
  • Die Äpfel, denn diese sind im Verhältnis (zu den nötigen Verarbeitungsstufen und Herstellungskosten der anderen Produkte) zu „teuer“.
  • Der Preis des Fleischs. 1kg für 1,99€ oder weniger? Diese Tiere können ja kaum „artgerecht“ gehalten worden sein? Oder diese wurden massiv mit Agrarsubventionen „gefördert“. Siehe hierzu u.a. auch meine Beitrag: http://www.gesund-heilfasten.de/blog/huehnerfleisch-ohne-geschmack/ (Nein, man sieht in dem Beitrag keine Videos und Bilder der Massentierhaltung).

Ich freue mich über weitere Kommentare!

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Da überfällt mich eine Frage aus dem PISA Test, Bereich „Naturwissenschaften“:
„Nenne einen Grund, warum es sich empfiehlt, ganz besonders kleine Kinder oder ältere Menschen gegen Grippe… zu impfen.“
Dabei kann es sich ja wohl nur um eine Fangfrage handeln, denn nach derzeitiger Datenlage ist die Grippeschutzimpfung NICHT zu unterstützen, wie ich in meinem Beitrag: http://naturheilt.com/blog/grippeschutzimpfung/ ausführlich darstelle.
Die korrekte Antwort müsste daher (eigentlich) lauten:   „Nach derzeitiger Studienlage sollte weder kleinen Kindern, noch älteren Menschen die sog. Grippeschutzimpfung empfohlen werden, weil diese keinen signifikanten Nutzen zeigt.“
Solche Antworten werden also von 15-jährigen erwartet?!
Und überhaupt: Eine Frage aus dem Bereich der Naturwissenschaften? Die Medizin?   Im Report „Unsere Schulmedizin – die einzig wahre Wissenschaft“:
gehe ich (auch) genau dieser Frage nach. Denn: die Medizin ist keine Naturwissenschaft – und sie kann es auch nicht sein.
Fazit: so lange wir (Deutschland) bei solchen „Testfragen“ im Vergleich „hinten“ liegen, mache ich mir weniger Sorgen um unser Bildungssystem. Da mache ich mir mehr Sorgen um diejenigen, die bei obiger Frage etwas ganz anderes geantwortet haben…

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Um es gleich vorweg zu schicken: Es gibt nichts Revolutionäres auf diesem Gebiet. Denn im Bereich der „klassischen“ Medizin scheinen immer noch viele Mediziner davon beseelt zu sein, das „böse“ LDL-Cholesterin zu vernichten; schließlich soll es ja der Übeltäter schlechthin für Herz und Gefäße sein.

 

Neu und „revolutionär“ dagegen soll ein „Waffe“ sein, mit der die Mediziner (möglicherweise) bald gegen diesen Unhold vorgehen wollen und können. Falls das Profil von Wirksamkeit und Verträglichkeit stimmt, dann haben die Statine eine stahlharte Konkurrenz zu bekämpfen:

Erst einmal ist die neue Substanz nicht unbedingt wirksamer als die Statine bezüglich der Senkung der LDL-Konzentrationen. Bei der Standarddosierung erfolgt eine Reduktion von circa 50 Prozent, was ein gutes Statin auch vermag. Der Unterschied liegt jedoch in der Art und Weise, wie die Cholesterinsenkung erfolgt.

Die neue Substanz heißt (noch) ALN-PCS und wird von der Firma Alnylam Pharmaceuticals entwickelt. Grundlage ist hier eine RNA Interferenz (RNAi). Hierbei handelt es sich um eine natürlich vorkommende Abschaltung von bestimmten Genen. In diesem Bereich soll die Therapie mit dem neuen (noch nicht zugelassenen) Medikament ansetzen.

Basis ist ein Enzym, das PCSK9 (proprotein convertase subtilisin/kexin type 9) heißt. Dieses Enzym bindet im aktivierten Zustand an die LDL-Rezeptoren auf der Oberfläche von Leberzellen. LDL-Cholesterin wird jedoch aus dem Blut entfernt, indem es an diese Rezeptoren anbindet und dann ins Zellinnere transportiert wird. PCSK9 blockiert diese Rezeptoren und zerstört sie und das LDL.

Dadurch kommt es zu einer Einschränkung in der Entfernung von LDL-Cholesterin aus dem Blut und die Cholesterinkonzentrationen steigen. Fehlt diese Bindung von PCSK9 an die Rezeptoren, dann sind diese in der Lage, wieder an die Oberfläche zurückzuwandern und mehr LDL-Cholesterin aus dem Blut zu entfernen.

Studien bzgl. der Genetik haben gezeigt, dass Mutationen, die in einer Erhöhung der PCSK9 Aktivitäten resultierten, zu einer ebenfalls erhöhten Konzentration an LDL-Cholesterin führten.

Um hier also einen therapeutischen Effekt zu erzielen, wäre es notwendig, die Konzentrationen an PCSK9 so gering wie möglich zu halten. Eine vom Hersteller der Substanz (ALN-PCS) finanzierte Studie (https://ncbi.nlm.nih.gov/pubmed?cmd=search&term=ALN-PCS) zeigte dann bei 32 gesunden Freiwilligen mit hohen LDL-Werten eine durchschnittlich 40-prozentige Reduktion der LDL-Werte im Blut nach sechs Injektionen.

Wurde die Dosis gesteigert, dann fiel die Reduktion mit 57 Prozent ebenfalls stärker aus. Bislang liegt die Substanz nur als Injektion vor. Ziel des Herstellers ist, eine oral einnehmbare Form zu produzieren.

Zielpatienten zur Einführung der Substanz auf dem Markt sind erst einmal alle die Patienten mit hohen LDL-Werten, die entweder auf Statine nicht gut genug ansprechen oder diese nicht vertragen können. Das wären immerhin schon circa 20 Prozent aller Patienten mit einer Indikation für einen Cholesterinsenker.

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Nebenwirkungen

Jetzt kommt natürlich die Frage nach den Nebenwirkungen. Die eben erwähnte Arbeit des Herstellers schweigt sich darüber aus. Sie bemerkt nur, dass es sich hier um eine potentiell sichere Methode der Cholesterinsenkung handelt (. . . provides a potentially safe mechanism to reduce LDL cholesterol concentration in healthy individuals with raised cholesterol). Eine Arbeit aus dem Jahr 2008 (Inhibition of PCSK9 as a novel strategy for the treatment of hypercholesterolemia) aus den USA spricht nur relativ abstrakt über eine gute Verträglichkeit.

Der Hintergrund für diese Vermutung ist, dass der Verlust der Aktivitäten von PCSK9 keine anderen biologischen oder biochemischen Abläufe im Organismus beeinflusst und somit keine negativen Nebeneffekte zeitigen kann. Bei den Statinen ergeben sich ja völlig andere Sachverhalte diesbezüglich.

Diese senken Cholesterin per se und beeinflussen über die Blockierung der HMG-CoA-Reduktase nicht nur die Cholesterinbiosynthese, sondern auch die Synthese von Ubichinon-10 (auch bekannt als Coenzym Q10). Eine generalisierte Senkung von Cholesterin geht auch zu Lasten von anderen wichtigen Substanzen im Organismus, die aus dem Cholesterin selbst synthetisiert werden, wie zum Beispiel die Steroidhormone und Vitamin D.

Muss das LDL denn überhaupt gesenkt werden?

Letztlich bleibt zu fragen, ob eine Senkung von Cholesterin und hier speziell dem LDL-Cholesterin immer eine gute Idee ist? Bislang ist man sich in der Schulmedizin noch einig, dass erhöhte Cholesterinwerte mit für die Plaques verantwortlich sind und die Blutgefäße „verstopfen“. Es gibt aber ernste Hinweise, dass die Statine selbst genau dies tun könnten (siehe Gefäßschäden durch Cholesterinsenker?). Wenn hier eine berechtigte Indikation für eine Cholesterinsenkung vorliegt (es gibt auch zu hohe Cholesterinspiegel, besonders bei genetisch bedingten Fällen), dann käme die neue Substanz als Alternative in Frage.

Es gibt aber ebenfalls Hinweise, dass das böse LDL uns möglicherweise vor Krebs schützt (Schützt das „schlechte“ LDL-Cholesterin uns vor Krebs?). Zusammen mit einem immer fragwürdiger werdenden Ruf der Statine, könnte die neue Substanz ein „Todesurteil“ für die Statine werden. Aber bis dahin ist noch ein weiter Weg.

Weil die Rolle des Cholesterins zum Teil sehr kontrovers diskutiert wird, habe ich Fakten, Studien und Naturheilverfahren in einem Cholesterin-Report auf über 30 Seiten zusammengefasst und ausgeführt. Wenn Sie dieses Thema interessiert, können Sie diesen Report bestellen, wenn Sie HIER KLICKEN.

 

Ich bekomme in den letzten beiden Wochen verstärkt Hinweise von Lesern zu einer Petition „Grundrecht auf Gesundheit“.

Hierzu hat sich (angeblich) ein Verein gebildet und eine Webseite online gebracht unter: grundrecht-Gesundheit.de

Die Webseite machte mich etwas stutzig, nachdem ich ins Impressum geschaut hatte.
Deswegen habe ich einige Fragen an die dort angegebene email gesendet habe:
A) Wo ist ihre Vereinssatzung einsehbar?
B) Wer sind die Mitglieder? Wer kann stimmberechtigtes Mitglied werden?
C) In welchem Bezug stehen Sie zum FID Verlag? Sind Gesellschafter / Geschäftsführer etc. des FID Verlags in der Vereinsführung beteiligt?
D) Meines Wissens ist die Verordnung 1924/2006/CE ja bereits in Kraft. Bezieht sich Ihre Petion auf die Rolle der EFSA?
Als „Autoresponder“ erhielt ich sofort folgende Antwort:
Ich befinde mich im Urlaub und werde Ihre E-Mail erst wieder ab dem 2. September 2013 beantworten können. In dringenden Fällen wenden Sie sich bitte an Herrn Simon Höcky (SIH@vnr.de) oder Frau Christina Weiss (Cwe@vnr.de).
Ihre e-mail wird nicht weitergeleitet
Vielen Dank!
Daniela Birkelbach
Der Verein „gehört“ somit anscheinend zum VNR Verlag (Verlag Norman Rentrop), heute auch FID Verlag.
Die Petition hört sich für mich etwas unstimmig an, denn Sie fordert zwar wichtige und richtige Dinge, versäumt es aber konkretere Ziele zu fordern, sowie die Unterzeichner der Petition darauf aufmerksam zu machen.
Das Video von Herrn Ludermann bzw. das von Frau Sandra Witscher ist m.E. dahingehend etwas verwirrend, dass der Eindruck erweckt wird, dass die Verordnung 1924/2006/CE verhindert werden könnte. Diese ist aber bereits in Kraft und „wirkt“. Man könnte auch den Eindruck bekommen, dass man über Naturheilmittel nicht mehr berichten dürfe, was auch nicht stimmt. Und welcher Art ist der „sofortige Handlungsbedarf“ auf den im Video hingewiesen wird?

Fazit:

Ich bin für Petitionen, denn diese sind ein Mittel um „unsere“ Politiker (jenseits der Wahlen) unsere Meinung mitzuteilen.

Nach zahlreichen Beiträgen zu Arzneimitteln (u.a. http://www.yamedo.de/blog/viele-neue-medikamente-sind-flops-2013/) oder zur Diskussion über die Impfpflicht (siehe http://naturheilt.com/blog/freie-fahrt-fuer-die-impfpflicht/) forderten zahlreiche Leser, dass endlich etwas geschehen müsse. Das meine ich auch.
Der Inhalt der Petition des „Vereins Grundrecht auf Gesundheit“ erschließt sich mir jedoch (noch) nicht. Ich warte die Antwort von Frau Birkelbach ab.

 

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