Ist Zucker wichtig für unseren Organismus? Wer hier „nein“ sagt, der hat wohl damals im Biologieunterricht nicht aufgepasst. Denn ohne Zucker funktioniert unser Körper nicht, an vorderster Front das Gehirn.

Und genau deshalb brauchen wir die segensreichen Zuckerhersteller (die mit dem weißen Haushaltszucker & Co.), die unseren Organismus in Schwung halten. Oder?

 

Schöne Zuckerwerbung

Damit wir die Segnungen der Zuckerindustrie auch ordentlich zu schätzen wissen, haben die Zuckerhersteller inzwischen auch das Internet entdeckt und eine ganz, ganz süße Webseite erstellt: mitzucker.de. Dort erfahren wir so manches Neue über die segensreichen Wirkungen des Zuckers – alles Sachen, die ich noch gar nicht wusste!

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Zu aller erst einmal, dass „ein Fußballfeld voller Zuckerrüben Sauerstoff für 60 Menschen produziert“. Da sage ich nur: Toll! Dann sollten wir bald anfangen, diesen nutzlosen Wald in unserem Land zu fällen und durch Zuckerrübenfelder zu ersetzen (um Gottes willen nicht auch die Fußballfelder, bitte!). Denn nur Zuckerrüben sind Sauerstoffproduzenten, Bäume können so etwas wohl nicht, oder doch?

Zumindest wollen die Zuckermacher auf der weiterführenden Seite zu diesem Thema wissen wollen, dass Bäume nur 17 Menschen mit Sauerstoff versorgen (mitzucker.de/fussballfeld-voller-zuckerrueben-produziert-sauerstoff-60-menschen). Man schaue sich das einmal an:

Eine eigene Seite nur für diesen Hinweis? Für die hier aufgestellte Behauptung sparen sich die Zuckermacher aber jedwede Quellenangabe. Denn der Leser soll glauben und nicht wissen und nachvollziehen können. Ja ich weiß, ich belege auch nicht alles mit Quellen. Aber ich bin auch kein Verband und lasse meine Erfahrung und Meinung mit in Beiträge einfließen…

Ungläubig wie ich nun mal bin, habe ich mal nach der Sauerstoffkapazität der Bäume geforscht und ob die wirklich so mickerig ausfällt wie die Zuckerbarone es gewusst haben wollen.

Eine Quelle hat dann nachvollziehbar vorgerechnet: Unter Wieviele Bäume braucht ein Mensch kamen die „Scouts“ zu dem Ergebnis, dass eine einzige 80 Jahre alte Rotbuche 1200 Liter Sauerstoff pro Stunde produziert. Wie lange muss die vereinsamte Rotbuche dann produzieren, um auf 15 Millionen Liter zu kommen, die vom Fußballfeld voller Zuckerrüben ausgehen? Antwort: 12.500 Stunden oder 520 Tage = 1 Jahr und 5 Monaten entsprechend.

Jeder kann sich vorstellen, dass eine Rotbuche nicht ein ganzes Fußballfeld für sich beansprucht. Pflanzen wir also ein Fußballfeld voll mit Rotbuchen, dann passen wie viele Bäume auf diese 90 mal 120 Meter Fläche? Bei nur 2 Bäumen hätten wir schon ein Ergebnis von 9 Monaten Produktion, um 15 Millionen Liter zu erzeugen.

Der Gedankenfehler in dieser Rechnung liegt natürlich in der Tatsache, dass Bäume in unseren Breiten nicht 12 Monate im Jahr gleich viel Sauerstoff produzieren können.

In der blattlosen Zeit im späten Herbst bis zum Frühjahr kommt die Produktion fast vollständig zum Erliegen. Aber unsere Zuckerrüben blühen auch nicht 12 Monate im Jahr und werden nach Erreichen der Reife gnadenlos geerntet. Oder produzieren die Dinger dann immer noch Sauerstoff in der Zuckerfabrik? Manchmal fasse ich es einfach nicht, was für ein Unsinn publiziert wird…

Aber nochmal zurück zur Rotbuche: Eine realistische Berechnung für die Rotbuche bietet die oben genannte Webseite an, und geht von einer jährlichen Produktion aus, die 2,5 Menschen ein Jahr mit Sauerstoff versorgt, Ausfallzeiten mit berücksichtigt.

Selbst unter dieser Prämisse würden 24 Rotbuchen ausreichen, um 60 Menschen im Jahr mit Sauerstoff zu versorgen. Frage: Passen 24 Rotbuchen auf ein Fußballfeld? Antwort: Nein, denn wer kann dann da noch Fußball spielen? Damit wäre bewiesen, dass Zuckerrüben die eigentlichen Sauerstofflieferanten in der Welt sind. Amen!

Und wer Sauerstoff liefert, der liefert auch Energie: Zucker – der natürliche Fitmacher (mitzucker.de/zucker-der-natuerliche-fitmacher). Auch hier werden wieder Fakten geliefert, die man glauben muss. Denn die mitgelieferten Quellen sind ein Sportwissenschaftler, ein Triathlon-Europameister und der „Stern“.

Die Qualität der Argumente für das eigene Produkt sind ähnlich lächerlich und unwissenschaftlich wie das Beispiel mit der Sauerstoffproduktion. Ich spare mir weitere Details dazu und fahre lieber fort, nämlich in:

Die süße Welt der Zuckermacher

Wenn Sie (als geneigter Leser) jetzt glauben, dass ich mal wieder alleine am Baum rüttele und schüttele, dann werden Sie gleich sehen, dass das glücklicherweise nicht der Fall ist. Wie verheerend Zucker ist, das habe ich bereits in meinem Buch: Zucker – Wie wir unsere Gesundheit auf´s Spiel setzen beschrieben.

Wer mag mich denn da in meiner unvorteilhaften „Meinung“ zum Zucker unterstützen?

Sehr wahrscheinlich mal wieder so eine alternativ angehauchte Webseite oder Alternativmediziner…

Diesmal jedoch ist die Überraschung auch auf meiner Seite: Die Süddeutsche Zeitung mit ihrer Online-Ausgabe – und das gleich mehrere Male.

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Die Macht der Zuckerlobby

Der erste (und der zweite) Beitrag ist/sind leider auf der Webseite der SZ nicht mehr zu finden, dafür aber hier: Die Macht der Zuckerlobby. Und hier erfahren wir nicht so sehr etwas über die schädlichen Wirkungen des Zuckers, sondern etwas über die schädigende Politik, die die Zuckerindustrie betreibt, um ein so gesundes und wohltuendes Produkt vor der Verbannung zu retten beziehungsweise vermehrt auf unseren Tisch zu bugsieren.

Über die Reaktionen aus dem Lager der Wissenschaftler handelt der zweite Artikel aus der SZ (“Zucker ist Gift” – WHO erarbeitet neue Leitlinien). Hier treffen wir auf einen alten Bekannten aus meinen oben zitierten Beiträgen: Dr. Robert Lustig, was für mich auch mehr als überraschend ist, dass dieser Mann hier zitiert wird.

Wir erfahren auch hier die Einschätzung, dass Zucker Krebs fördert, mit verantwortlich ist für alle „Zivilisationskrankheiten“ und Alzheimer, und dass Zucker Gift ist. Wir erfahren, dass es einen statistischen Zusammenhang zwischen Zuckerkonsum und Diabetes gibt und dass 80 Prozent der amerikanischen Lebensmittel mit Zucker versehen (verseucht?) sind.

Die Belege für die krankmachende Wirkung sind da

Doch nun zurück zum ersten Artikel der SZ: Wie es aussieht, sind die wissenschaftlichen Belege für eine krankmachende Wirkung des Zuckers so gewaltig, dass sich auch die sonst eher schreckhafte WHO dieser Sichtweise anschloss.

Vor rund 10 Jahren entschloss sie sich zu einer Gesundheitskampagne gegen hohen Zuckerkonsum, was die Bush-Regierung zur sofortigen Gegenreaktion veranlasste. Die Zuckerindustrie machte mobil und konnte die Quadratur des Kreises beweisen: Zucker ist wahnsinnig gesund und ohne ihn geht die Welt in sich zu Grunde.

Es gab sogar ein internes Papier seitens der Zuckerindustrie, das einen „WHO War Plan“ beschrieb, also einen Kriegszug gegen die WHO mit ihren nicht so süßen Einstellungen zum Zucker und seinen Auswirkungen. Und weil die WHO sich unbeirrt zeigte, drohte die amerikanische Regierung vollkommen freiheitlich und demokratisch, die Beitragszahlungen von 400 Millionen Dollar zu streichen.

Die WHO blieb standhaft und senkte die empfohlene tägliche Zuckermenge von 25 auf 10 Prozent des täglichen Kalorienbedarfs, was ein Schritt in die richtige Richtung ist, aber sich in der Folge auch nur als Tropfen auf dem heißen Stein erwiesen hat.

Um diese Empfehlungen beim Kunden vergessen zu machen, verpulvern die Lebensmittelhersteller Milliardenbeträge in Werbung und Marketing: 3 Milliarden Euro jährlich nur von der deutschen Nahrungsmittelindustrie, 25 Prozent des Betrags nur für Süßwaren und Schokolade. Denn Zucker ist billig und spricht den Geschmack der Verbraucher an.

Coca-Cola, Nestlé und so weiter zeigen bei Sportveranstaltungen und anderen Gelegenheiten, dass ihre zuckersüßen Produkte nur der Gesundheit dienen können – Marketing als Ersatz für wissenschaftliche Beweise. Kinder werden in Schulen schon mit einschlägiger Werbung angesprochen. Denn Kinder sind die Verdiener und Kunden von morgen. Und auch heute haben sie oft einen Einfluss auf die Einkaufsgewohnheiten der Eltern.

Auf der anderen Seite wäre es ein nicht unwichtiger Schritt, wenn es keinen versteckten Zucker in den Nahrungsmitteln gäbe, oder?

Versteckter Zucker?

Was ist denn das?

Ganz einfach: Es gibt viele Produkte, in denen man keinen Zucker vermuten würde, die aber nichtsdestoweniger Zucker enthalten. Der SZ-Artikel sagt aus, dass sogar saure Gurken und Schinken Zucker enthalten, um so beim Kunden besser anzukommen.

Oder auch das Ketchup – fast egal von welcher Marke. Übrigens darf Heinz Ketchup in Israel sein Ketchup nicht Tomatenketchup nennen. Grund: Das Gemisch enthält angeblich nur 21% Tomaten.

Wenn man den Zucker nicht aus den Produkten nehmen will, dann sollte man doch dessen Gehalt aufs Etikett drucken. Da kann sich jeder entscheiden, ob er das Gift konsumieren und noch dafür zahlen will oder nicht.

Zuckerfreie Gummibärchen und Süßstoffe gelten oft als kalorienarme Alternative. Doch unterstützen sie wirklich beim Abnehmen? Die Antwort lesen Sie hier und fällt überraschender aus, als viele denken.

Die Ampelkennzeichnung war ein gutes Konzept dafür, da hier nicht nur abstrakte Zahlen auf das Etikett gedruckt wurden, sondern über Rot, Gelb und Grün eine Beurteilung des Inhalts vorgenommen wurde. War zu viel Zucker enthalten, dann leuchte die Ampel rot. Worauf diese Beurteilung dann letztendlich beruht, das ist wieder eine andere Frage.

Aber die Zucker- und Nahrungsmittelindustrie hat sich erst gar nicht darauf eingelassen, sondern erfolgreich die Ampelkennzeichnung verhindert. Die Angst der Giftmischer vor den drei Farben war so groß, dass sie für die erfolgreiche Verhinderung eine Milliarde Euro hat springen lassen.

Jetzt haben wir aber dennoch eine Kennzeichnung, mit der man aber kaum etwas anfangen kann und ermüdend unübersichtlich ist. Ach ja, ich vergaß – wir sollen nicht wissen, sondern glauben und dann kaufen. Mitdenken ist nur etwas für Leute, die morgen auf dem Scheiterhaufen landen.

Und nach meiner Meinung absolut untypisch sind die folgenden Sätze für die SZ:

Die Abwehrmechanismen der Industrie gleichen sich über die Branchen hinweg. Das stellt auch Eric Wesselius von der lobbykritischen Organisation Corporate Europe Observatory fest. „Negative Effekte werden geleugnet, kritische Studien als unwissenschaftlich abgetan“, sagt er. Es sei immer das gleiche Muster. Egal, ob es nun um Zucker, Gentechnik oder Tabak gehe.

Respekt vor einer solch klaren Aussage, die ich nur unterschreiben kann.

Die „Süddeutsche“ im Zuckerrausch

Die beiden genannte Artikel erschienen 2014. Zwei weitere Artikel rund um das Thema Zucker gab es noch im selben Jahr. Im Februar 2014 berichtete die SZ, wie die Zuckerbarone sich zusammentaten und Preisabsprachen durchführten, damit ihr gesundheitlich so wertvolles Produkt einen entsprechend hohen Preis erzielte (Zucker-Kartell büßt mit 280 Millionen Euro).

280 Millionen Strafe, eine stattliche Summe für mich und Otto Normalverbraucher. Endlich wird der heilige Zorn (und das noch heiligere Verlangen) nach einer ordentlichen Strafe zufriedengestellt. Richtig! Und die Beschuldigten sind mit den 280 Millionen auch zufrieden, wetten das…? Warum?

Durch die Absprachen konnten die Produzenten höhere Preise erzielen, argumentiert die Behörde. Zucker kostet etwa 60 Cent pro Kilo, bei jedem einzelnen Paket geht es also um kleine Beträge. Weil aber jeder Deutsche im Schnitt 36 Kilo Zucker verbraucht, summiert sich der Jahresverbrauch auf knapp drei Millionen Tonnen. Teilweise sei es durch die Kartellrechtsverstöße nach Aussagen von Industriekunden zu erheblichen Preissteigerungen und sogar zu Versorgungsengpässen gekommen, sagt das Kartellamt.

Wenn ein Kilo 0,60 Euro kostet, dann kosten 3 Millionen Tonnen 1,8 Milliarden Euro. 280 Millionen entsprechen 15,5 Prozent des gesamten Umsatzes – nicht gerade die Portokasse, aber auch kein allzu empfindlicher Verlust, wenn man diese Berechnung für nur ein Jahr gelten lässt. Aber der SZ-Artikel spricht von einem „jahrelangen sich Absprechen“ der Zuckerbarone.

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Der zweite Artikel hieß „Wie bei der Tabakindustrie“. Im vorigen Artikel kam es schon zur Sprache, dass die Verteidigungsmechanismen überall die gleichen sind, in der Gentechnik, der Tabakindustrie und anderswo: Unübersichtliche Kennzeichnungen, verdrehte Wissenschaft, Unterstellungen bezüglich des Nutzens des eigenen Produkts und so weiter. Wer Produkte der Lebensmittelindustrie vertilgt, der hat mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Menge an Zucker auf dem Löffel, ohne es zu wissen.

„Dokumente der Zuckerindustrie belegen Einfluss auf die Politik“ heißt SZ-Artikel des Jahres 2015 zum Thema Zucker und seinen Machern. Auch dieser Artikel macht da weiter, wo die anderen des letzten Jahres aufgehört hatten.

Diesmal zeigt der Beitrag auf, wie die amerikanische Industrie massiv Einfluss nimmt, die Folgen des Gifts Zucker auf die Gesundheit zu verharmlosen. Karies war demzufolge keine Folge eines hohen Zuckerkonsums. Darum sollte es auch keine Empfehlungen geben, Karies durch einen drastisch reduzierten Zuckerkonsum anzugehen.

Die Spaßvögel von Coca-Cola und Co. schlugen ein Ablenkungsmanöver vor: Man sollte nach Enzymen forschen, die Zahnbeläge lösen und nach Impfungen gegen Karies. Allerdings sollte aus diesen Vorschlägen nichts werden, vielleicht auch, weil sie so herrlich am Ziel vorbeischossen.

Das damals in den Staaten laufende „Nationale Karies-Programm“, das unter der Federführung des NIDR (National Institute of Dental Research) durchgeführt wurde, wurde so manipuliert, dass Programme und Maßnahmen aus Vorschlägen der Zuckerindustrie entnommen wurden.

Grund für diese Manipulation war die Tatsache, dass fast alle Experten des NIDR im Beirat der Zuckerindustrie saßen. Wichtigste „wissenschaftliche Erkenntnis“ des NIDR damals war, dass „der Zuckerkonsum könne „zwar theoretisch eingeschränkt“ werden, dies sei aber praktisch nicht machbar.“ Wie schön, dass es nicht machbar ist, ein Gift einzuschränken oder zu vermeiden, wenn so viel Geld auf dem Spiel steht.

Und die Damen und Herren Schulmediziner haben ja nach jahrelanger Versorgung mit dem Gift in späteren Jahren dann auch neue Kunden mit Diabetes, Krebs, Alzheimer, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und noch ein paar mehr. Aus wirtschaftlicher Sicht gesehen ein profitables und nachhaltiges Model. Ich bete (immer noch) inständig, dass dem NICHT so ist…

Und auch hier wieder die alte Geschichte von Verflechtungen von Industrie und Politik, wenn es darum geht, egal ob gesundheitlich schädigend oder nicht, ein Milliardengeschäft NICHT einknicken zu lassen. Ob Tabakindustrie oder Zuckerbarone, die Einflussnahme massivster Machart auf die Politik ist bei beiden vergleichbar. Ähnlich wie die toxische Wirkung der beiden Produkte vergleichbar ist – mit den notwendigen Abstrichen natürlich.

Fazit

Kurz und bündig – der SZ-Artikel zitiert mit voller Wucht Stanton Glantz, der in den 1990er Jahre beteiligt war, die Verflechtungen von Tabakindustrie und Politik zu enthüllen:

Es geht uns alle an und wir müssen einsehen, dass die Zuckerindustrie – genauso wie die Tabakindustrie – Profit über Gesundheit stellt.

Muss ich noch mehr sagen?

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Quelle Foto Zucker mit Gummibärchen: fotolia, fotomomentfoto

Das Reizdarmsyndrom (irritable bowel syndrome, IBS) mit seinen verschiedenen Symptomen und Varianten galt viele Jahre als klassische Frauenkrankheit. Dabei tritt das Syndrom durchaus auch bei Männern auf, wie eine aktuelle Studie nun wissenschaftlich belegt.

Diese widmet sich vor allem den auslösenden Faktoren und klärt, ob es geschlechtsspezifische Unterschiede gibt.

 

Das Reizdarmsyndrom beschreibt eine Funktionsstörung (vornehmlich) des Dickdarms, meist ohne ersichtliche Ursache. Zu den häufigsten Symptomen zählen Durchfall (Diarrhö) und Verstopfung (Obstipation).

Weitere Beschwerden können u.a. Krämpfe und Schmerzen im Bauchraum, Kopfschmerzen oder Rückenschmerzen, Schwindel, Schweißausbrüche, Sodbrennen, Sexualstörungen, ein aufgeblähter Bauchraum sowie Blähungen (Flatulenzen) sein.

Im Prinzip kann man also den Darm für alles verantwortlich machen, worin in gewisser Weise schon ein Körnchen Wahrheit liegt.

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Aber dann kommt da noch die Sache mit dem Stress, der ja auch für alles Mögliche verantwortlich sein soll. Beim Reizdarm sollen auslösende Faktoren aber durchaus mit privaten Problemen, Überbelastung, aber auch mit Allergien oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten zu haben.

Daneben können auch eine akute gastrointestinale Infektion (Gastroenteritis) oder ein Trauma zu den Beschwerden im Darm führen. Diese Liste ist derart lang, dass Patienten aufpassen sollten, vor allem, wenn diesen die Diagnose Reizdarm gestellt werden soll…

Nahezu jeder fünfte Deutsche leidet wohl bereits an einer Form des Reizdarmsyndroms. In gut 40 Prozent der Fälle handelt es sich um Männer, wodurch der Begriff „Frauenkrankheit“ (der schon herumgeisterte), eindeutig widerlegt wird.

Studien zufolge liegt die allgemeine Prävalenz (Krankheitshäufigkeit) weltweit bei elf Prozent (ermittelt aus über 80 unterschiedlichen Studien zu diesem Thema); ab dem 50. Lebensjahr sinkt die Rate moderat.

Vielfach lassen sich Stress und psychische Beeinträchtigungen in Zusammenhang bringen mit einem Reizdarmsyndrom. Diese führen zu einer erhöhten Ausschüttung von CRF (Corticotropin Releasing Factor), ACTH (Adrenocorticotropin) und Noradrenalin, wodurch es letztendlich zu einer veränderten Darmpermeabilität und Darmaktivität kommt.

Die menschliche Psyche scheint somit eine große Rolle bei der Entstehung von IBS zu spielen – aber das ist für Naturheilkundler nichts Neues.

Neben der Annahme, dass hauptsächlich Frauen erkranken, konnte ebenfalls wissenschaftlich widerlegt werden, dass es sich bei IBS um eine Zivilisationskrankheit handelt. Sowohl in asiatischen Ländern als auch Afrika und Südamerika sind identische Erkrankungsraten verzeichnet, was mich persönlich wirklich erstaunt. Die Symptomatik bei Frauen und Männern ist nur geringfügig different, Männer z.B. leiden wesentlich häufiger an Diarrhö als Frauen.

Wissenschaftler vermuteten bisher, dass Männer mit IBS typische Verhaltensmuster oder spezielle Eigenschaften von Frauen aufweisen, wie z.B. die gute Anpassungsfähigkeit an verschiedene Alltagssituationen oder die Bemühungen um eine gleichberechtigte Partnerschaft.

In der aktuellen Studie zeigt sich jedoch, dass Männer ihrem Umfeld gegenüber eher unterkühlt oder gleichgültig auftreten. Die hierzu befragten Männer gaben vielfach zu, im Alltag und Beruf dominieren zu wollen.

Das stetige Streben nach Macht und Kontrolle verursacht sowohl einen enormen Druck als auch Stress beim Mann. Hinzu kommt das hohe Konfliktpotential in einer Partnerschaft durch den Versuch der Dominanz.

All diese Faktoren sehen Wissenschaftler als mögliche Auslöser eines Reizdarmsyndroms beim Mann. Sie raten in solchen Fällen u.a. zu psychotherapeutischen Behandlungsstrategien, um das Syndrom besser therapieren zu können.

Fazit

Beim Reizdarmsyndrom haben wir es möglicherweise mit einer ganzen Batterie an „Ursachen“ zu tun. Bei der Therapie muss man aufpassen nicht einer gewissen „Beliebigkeit“ zu verfallen oder gar auf dem Operationstisch zu landen, was auch gar nicht so selten der Fall ist.

Übrigens: In meinem Buch „Die biologische Reizdarmtherapie“ gehe ich auf Ursachen und auch auf Therapien ein, die in zahlreichen Studien gezeigt haben, dass diese gut wirksam sind. Mehr dazu finden Sie HIER.

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Beitragsbild: fotolia.com – Henry Schmitt

Autismus wird, neben dem Asperger-Syndrom und PDD-NOS (Pervasive developmental disorder – not otherwise specified) zu den Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) gezählt.

Bei der Erkrankung handelt es sich um eine angeborene Störung der Wahrnehmung und Informationsverarbeitung des Gehirns, deren Ursache bis heute nicht vollständig geklärt ist. Betroffene zeigen vor allem ein auffälliges Sozialverhalten…

 

Vitamin D (Vitamin D3, Cholecalciferol) beeinflusst die Synthese von Serotonin, Oxytocin und Vasopressin. Dies sind Hormone, die für die Ausprägung des Sozialverhaltens von Menschen eine Rolle spielen. Das durch Vitamin D aktivierte Enzym Tryptophan-Hydroxylase 2 wandelt L-Tryptophan im Gehirn in Serotonin um und führt so zu einem gesteigerten Serotonin-Spiegel.

Im Gegenzug wird die Serotonin-Menge (durch Blockierung der Tryptophan-Hydroxylase 1) im restlichen Organismus verringert, ein durchaus erwünschter Prozess, da ein zu hoher Spiegel entzündungsfördernd wirkt.

Ein Mangel an Serotonin äußert sich bei Betroffenen u.a. durch Gereiztheit, Depressionen, Schlafstörungen, Angstzustände, zwanghafte Verhaltensmuster oder auch gesteigerte Suchtgefahr. Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung weisen einen niedrigen Spiegel an Vitamin D sowie an Serotonin im Gehirn auf, während Serotonin im restlichen Organismus erhöht ist.

Dieses Phänomen zeigt sich vermehrt bei Jungen, da Östrogene bei Mädchen einen positiven Effekt auf den Serotonin-Spiegel im Gehirn haben können.

Mit einer ausgewogenen Ernährung (z.B. mit fettem Fisch) sowie durch regelmäßigen Aufenthalt im Sonnenlicht erhält der menschliche Körper (durch Synthese aus 7-Dehydrocholesterol) Vitamin D, allerdings nur, wenn der Sonnen-Einfallwinkel stimmt. Der L-Tryptophan-Spiegel kann z.B. über die Aufnahme von Spinat oder auch Spirulina (Algenart) gesteigert werden und so die Serotonin-Konzentration im Gehirn erhöhen.

Auch Sojabohnen werden gerne empfohlen, aber ich rate von Soja eher ab. Mehr dazu im Beitrag: Soja – Warum ich das lieber nicht essen würde.

Vitamin B6, Magnesium, Eisen, Folsäure und Omega-3-Fettsäuren unterstützen ebenfalls die Bildung von Serotonin. Diese sind u.a. in verschiedenen Nahrungsergänzungsmitteln enthalten.

Fazit

Seit Jahren untersuchen Wissenschaftler, inwieweit Vitamin D und Tryptophan in Verbindung mit der Entstehung einer ASS stehen könnte. Bewiesen scheint zu sein, dass Autisten häufig unter einem Mikronährstoffdefizit leiden. In über 70 Prozent der an einer ASS erkrankten Kinder liegt eine Verminderung der T-Zellen (verantwortlich für die Immunabwehr) vor.

Durch die Gabe von Vitamin D, sowie einen regelmäßigen Aufenthalt im Sonnenlicht, können sowohl die T-Zellzahl als auch der Oxytocin-Spiegel angehoben werden. Zu der Sache mit dem Vitamin D und dem Sonnenlicht, lesen Sie bitte mein Buch zur Vitamin D Therapie, denn Sonne ist nicht gleich Sonne. Und zur Dosierung mit Vitamin D sagt auch fast jeder etwas anderes…

Sicher scheint auch zu sein, dass eine Erhöhung von Serotonin und Oxytocin (im Gehirn), sich positiv auf das Sozialverhalten auswirkt, was als weiterer Hinweis für einen Zusammenhang von Vitamin D, Tryptophan und einer Autismus-Spektrum-Störung gewertet werden kann.

Wenn man jetzt noch die Sache mit der Darmflora berücksichtigt, dann hätte man meiner Meinung nach sehr gute Therapieoptionen für Autismus-Patienten. Mehr dazu in meinem Beitrag: Autismus durch gestörte Darmflora.

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Unsere verehrte Schulmedizin bringt es immer wieder fertig, sich selbst als wenig evidenzbasiert zu entlarven, obwohl „sie“ Evidenzbasiertheit zu oft für sich als Alleinbesitzer patentiert zu haben scheint.

Da wäre zum Beispiel die Sache mit den Impfungen. Vor allem Studien zu Impfungen, die manipuliert werden, damit man das Ergebnis erhält, das man in den vergangenen 50 Jahren als „schulmedizinisches Dogma“ den Menschen angepriesen hat, wie ich das unter anderem in meinen Beiträgen MMR-Impfung und Autismus – Also doch! oder Grippeimpfung – Das medizinische Lottospiel; Grippeimpfung – nichts als ein schlechter Marketingwitz? versuche zu zeigen.

Die „Plaque-Theorie“ bei der Alzheimer-Erkrankung, ist eine weitere Abteilung in der Schulmedizin, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nur noch auf unbewiesenen Hypothesen (die im Laufe der Zeit zum Dogma mutierten), beruht. Mehr dazu in meinen Beiträgen: Die Alzheimer-Krankheit könnte vermeidbar und heilbar sein; Die wahre Ursache von Alzheimer; Gängige Alzheimer Theorie widerlegt.

Und bei den Statinen und der schulmedizinischen Verschreibungswut (bald auch gegen abstehende Ohren) sieht es kaum besser aus. Hierzu habe ich sogar gleich ein Buch verfassen müssen: Das Märchen vom bösen Cholesterin.

Unlängst ist eine weitere evidenzbasierte Befangenheit der Schulmedizin ins Visier der Kritik geraten: Die evidenzbasierte Gelassenheit der Schulmedizin gegenüber der Übersäuerung beziehungsweise dem entgleisten Säure-Basen-Haushalt, da es für sie keine chronische Übersäuerung gibt, bestenfalls als Märchenstunde verrückter Alternativer.

 

Stellvertretend für die Mediziner nimmt die „Süddeutsche.de“ dazu online Stellung: Das Märchen von der Übersäuerung (siehe: sueddeutsche.de/geld/tipps-fuer-verbraucher-die-grossen-alltagsluegen-1.1872925-3). Dort erfahren wir, dass es die Übersäuerung nicht gibt. Und wenn es sie gibt, dann nur als medizinischen Notfall, der als Azidose bekannt ist, und auf die Intensivstation gehört. Alles andere ist halt – ein Märchen.

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Schluss mit der Märchenstunde. Stattdessen gebe ich erst einmal einen Überblick (und mehr als überzeugende Hinweise auf die Richtigkeit dieses Phänomens), die ich bereits in zahlreichen Beiträgen zum Besten gegeben habe:

Dass der Glaube an das Märchen von der Übersäuerung selbst ein Märchen zu sein scheint, wird jetzt durch eine aktuelle Studie bescheinigt, die allerdings nicht von Medizinern durchgeführt wurde (Pathophysiologic Changes in Extracellular pH Modulate Parathyroid Calcium-Sensing Receptor Activity and Secretion via a Histidine-Independent Mechanism.). Ich hege diese Vermutung, da die aufgeführten Autoren nicht aus Kliniken oder medizinischen Einrichtungen stammen, sondern aus Instituten, die sich zum Beispiel mit Biochemie oder Molekularbiologie beschäftigen.

In obiger Arbeit stellten die Autoren fest, dass nur sehr kleine Veränderungen im pH-Wert des Blutes zu weitreichenden Folgen in Bezug auf die Gesundheit bei Patienten mit Nierenerkrankungen führen können.

In Großbritannien sind chronische Nierenerkrankungen keine Seltenheit, rund 20 Prozent aller Männer und 25 Prozent aller Frauen in dem Alter zwischen 65 und 75 Jahren leidet an einer mehr oder weniger stark ausgeprägten chronischen Nierenerkrankung. Hauptursache hierfür ist Diabetes, dessen Inzidenz eine signifikant steigende Tendenz aufweist. Damit darf man in der Zukunft auch eine erhöhte Inzidenz für chronische Nierenerkrankungen erwarten.

Ein Beitrag aus der Freien Universität Berlin spricht von 60477 Neuerkrankungen in den USA im Jahr 1992, was sich aber bereits auf eine terminale Niereninsuffizienz bezieht (Epidemiologie chronischer Niereninsuffizienz S. 8). Im Jahr 2002 waren es in den Staaten dann schon 100.359 neue Fälle, was einer Steigerung in nur 10 Jahren von 66 Prozent entspricht.

Für Deutschland weiß man zu berichten, dass die Situation nicht viel besser auszusehen scheint. So lag die Inzidenz für terminale Niereninsuffizienz bei diabetischer Nephropathie bei 27 Prozent im Jahr 1995. Sie stieg dann auf 36 Prozent im Jahr 2003.

Die neue Arbeit von Dr. Ward und Mitarbeiter gibt jetzt eine einleuchtende Erklärung, warum Übersäuerung und vor allem die chronische Form einen so nachhaltig schlechten Einfluss auf die Entwicklung haben:

Er erklärt, dass schon geringe Veränderungen des pH-Werts (von 7,4 auf 7,2) den Calciumsensitiven Rezeptor außer Gefecht setzen. Dieser Rezeptor jedoch kontrolliert den extrazellulären Calciumspiegel und ist auf der Oberfläche der Hauptzellen der Nebenschilddrüse und der Nierentubuluszellen zu finden. Durch ihn wird dann die Ausschüttung von Parathormon (PTH) initiiert (seitens der Schilddrüse) beziehungsweise die Reabsorption von Calcium in der Niere kontrolliert. PTH und erhöhte Reabsorption erhöhen den Calciumspiegel im Blut.

Fällt dieser „Kontroll-Rezeptor“ aber aufgrund einer Übersäuerung aus, dann kommt es zu einer überhöhten Produktion an PTH, die wiederum die Freisetzung von Calcium aus den Calciumspeichern, vor allem den Knochen, anregt. Diese erhöhten Blutwerte für das Calcium bewirken einerseits ein erhöhtes Risiko für eine Ablagerung in den Arterien, was zu einer Arteriosklerose führt.

Aber hohe Calciumwerte im Blut sind auch für die Nieren eine Belastung, die als chronische Form mit einen signifikanten Beitrag zur Schädigung der Nieren erbringen können. Und wenn die Nieren einmal geschädigt sind, dann ist ihre Fähigkeit, überschüssiges Calcium auszuscheiden, zusätzlich eingeschränkt. Das Resultat ist dann ein Teufelskreis, der Nierenschäden durch hohe Calciumwerte und hohe Calciumwerte durch geschädigte Nieren entstehen lässt.

Dr. Ward scheint aber zu ahnen, dass er (ohne es zu wollen), in ein Gebiet der Schulmedizin geraten ist, das als „Märchenland“ verpönt ist. Denn laut schulmedizinischem Dogma gibt es keine Übersäuerung – und wenn, dann nur auf der Intensivstation.

Chronische Formen und Verläufe gelten einfach nur als Unfug. Aber die Beobachtungen der Autoren wären bei akuten Verläufen nicht möglich gewesen. Auch chronische Nierenerkrankungen entwickeln sich nach und nach und sind nicht Resultat einer auf der Intensivstation behandlungsbedürftigen Azidose.

Minimale Änderung des pH-Werts, wie Dr. Ward es beschreibt, sind durch Störungen des Stoffwechsels möglich, wie es bei Diabetes der Fall ist, aber auch durch eine entsprechend schlechte Ernährung, wie sie uns von der Lebensmittelindustrie täglich zugemutet wird. Ist es da noch verwunderlich, wenn die Statistiken mehr Diabetiker und mehr Nierenerkrankungen beobachten und für die Zukunft prognostizieren?

Interessant auch die Kommentierung seiner Ergebnisse seitens Dr. Ward, die er in einem Interview ausdrückte (Small change in blood acidity could prove detrimental to kidney disease patients). Er sagt (übersetzt):

Meine Forschung hat zeigen können, dass die Auswirkungen dieser Veränderungen wesentlich signifikanter ausfallen als man bislang geglaubt hat und dass dem hier von Seiten der Kliniker mehr Beachtung geschenkt werden sollte.

Aha! Er scheint zu wissen, dass Übersäuerung von den Klinikern als Unfug angesehen wird. Damit nicht genug:

Was so wichtig an dieser Forschung ist, ist die von uns gemachte Beobachtung, dass die Veränderungen der PTH-Freisetzung von nur geringfügigen Veränderungen des Blut-pH-Werts bewerkstelligt wird.

UND JETZT KOMMT´S…

Bislang ging man davon aus, dass nur massive Veränderungen der Acidität als Ursache für gesundheitliche Probleme bei den Patienten in Frage kamen“.

Und wer eine Nierenerkrankung oder Arteriosklerose aufgrund erhöhter PTH und Calciumwerte bekommt, der kann dies unmöglich aufgrund einer Azidose bekommen, sondern hier spricht alles für eine chronische Übersäuerung, die auch den schleichenden Prozess der Erkrankungen erklären würde.

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Nachdem ich mich jetzt über diesen Beitrag der Süddeutschen „ausgelassen“ habe, mache ich gleich mal weiter mit der Presse-Landschaft:

Der „Spiegel“ und seine Wende

Ich hatte bereits mehrere Beiträge zum Besten gegeben, bei dem die Stellung des „Spiegel“ zu diversen Themen diskutiert wurde. Der „Spiegel“ ist zum Beispiel bekannt dafür, die Homöopathie für unsinnig und überflüssig zu halten.

Schlacken gibt es ebenfalls nicht (höchstens im Hochofen) – daher ist die Sache mit dem Fasten auch wenig mehr als nur „Hokuspokus“. Das die Studien und Erfahrungslage völlig anders aussieht, ist den Schreibern wohl völlig unbekannt.  Naja, mit ganz wenigen Ausnahmen: Es existiert meines Wissens immerhin ein „Spiegel“-Beitrag, der sich genau gegenteilig (=positiv mit dem Fasten) auseinandersetzt, siehe mein Beitrag Hoch lebe das Fasten!

Zurück zur Übersäuerung: Einen ähnlich positiven Beitrag zugunsten der Übersäuerungsthematik, gibt es jetzt auch beim „Spiegel“ zu bewundern.

Der neue „Spiegel“-Beitrag trägt die Überschrift Mythos oder Medizin: Kann der Körper übersäuern? Nach der Einleitung, die auf Schlimmes hoffen lässt, kommt jedoch die Aussage, dass der Blick auf die Studienlage die Vorstellungen zur Übersäuerung „im Kern“ bestätigt. Danach geht es los mit der Faktenlage (spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/kann-der-koerper-uebersaeuern-mythos-oder-medizin-a-1095119.html)

Als erster Fakt wird festgestellt, dass „eine fleischlastige Ernährung tatsächlich Säuren in den Körper schwemmt“. Für die Richtigkeit dieser Aussage wird sogar eine alte Bekannte bemüht: Antje Gahl von der DGE, die das Konzept von säure- und basenbildenden Lebensmitteln bestätigt. Hier spielt nicht der saure Geschmack des Lebensmittels eine Rolle, sondern das Stoffwechselprodukt aus dem Lebensmittel und ob dieses einen sauren oder basischen Charakter hat.

Fakt Nr. 2 stellt die Möglichkeit der Übersäuerung dar – und die Mechanismen, die der Übersäuerung entgegenwirken. Aber auch hier kommt der „Spiegel“ zu dem Schluss, dass eine geringfügige Abweichung im pH-Wert im Blut schon einer Übersäuerung gleichkommt und physiologisch negative Konsequenzen hat: „Die Folgen sind drastisch: Das mehr an Säuren verhindert, dass Nerven in Gehirn und Rückenmark richtig miteinander kommunizieren. Im Extremfall kommt es zu Desorientierung und Koma“.

Danach erfolgt der für den „Spiegel“ typische Schwenk in alte Denkmuster: Plötzlich ist eine säurelastige Ernährung doch nicht im Stande, eine Übersäuerung zu bewirken. Ich muss an dieser Stelle zugeben, dass eine säurelastige Ernährung nicht zu einer sofortigen Azidose führt, die auf der Intensivstation behandelt werden muss. Nur – wer hat das allen Ernstes behauptet? Aber um diese Form der Übersäuerung, den absoluten Notfall, geht es überhaupt nicht bei unserer Diskussion.

Fakt Nr. 3 ist wieder ein Schwenk auf die ursprüngliche Position: „Es lohnt sich trotzdem, auf die Säurelast seiner Ernährung zu achten – sonst schadet sie wahrscheinlich indirekt.“ So will es der „Spiegel“ wissen. Und ein zuvor zitierter Experte warnt sogar, dass eine dauerhafte Ernährung mit sauren Lebensmitteln trotz „ausgeklügelter Regelmechanismen“ dem Organismus schaden kann.

Die Cortisol-Spiegel steigen in der Folge, was zu einer pathologischen Erhöhung des Blutdruckwerts führt und „das Skelettsystem beeinträchtigt“. Wie diese Beeinträchtigung des Knochenapparats aussieht, das bleibt man dem Leser allerdings schuldig. Aber an dieser Stelle kann ich mir gut vorstellen, dass die im vorherigen Teil dieses Artikels dargestellten Mechanismen über die Beeinträchtigung des Calcium-sensitiven Rezeptors hier eine Rolle spielen.

Und ein chronisch erhöhter Cortisol-Spiegel allein ist ebenfalls ein Risikofaktor für einen nachhaltigen Abbau von Kalzium aus den Knochen und damit für eine Osteoporose. Hier erfolgt also ein „Doppelschlag“ durch saure Nahrungsmittel gegen das Skelettsystem. Und jetzt sei mir noch ein Seitenhieb gestattet: So etwas lernt man an jeder guten Heilpraktiker-Schule! Und ich schreibe das, weil ich selbst mehrere Hochschulstudiengänge absolviert habe und mir erlaube dies beurteilen zu können.

Das Fazit des „Spiegel“ ist, jaja: vertretbar. Denn der Artikel kommt zu dem Schluss, dass die Lösung des Problems nicht die absolute Vermeidung von sauren Nahrungsmitteln ist, sondern a) deren Einschränkung und b) ein gesunder Ausgleich durch eine ausreichend hohe Zufuhr an basischen Nahrungsmitteln. Auch die Aussage, dass für eine gesunde Aufrechterhaltung des Säure-Basen-Gleichgewichts (Säure-Basen-Haushalt) nicht unbedingt Nahrungsergänzungsmittel notwendig sind, sondern eine entsprechend abwechslungsreiche Ernährungsweise mit Obst, Gemüse etc., kann ich gut nachvollziehen.

Fazit

Geringe Veränderungen der Acidität bewirken eine nachhaltige Freisetzung von PTH und damit eine erhöhte Reabsorption von Calcium in den Nieren und Freisetzung aus den Calciumspeichern.

Diese „geringen Veränderungen“, auch wenn sie über das körpereigene Puffersystem zeitweise korrigiert werden können, könnten auch das Resultat einer Ernährungsweise (Fastfood, Junkfood, industriell gefertigte Lebensmittel, Softdrinks und so weiter) sein, die bekannt dafür ist, dass sie deutlich zuviel Lebensmittel bevorzugt, die bei der Verstoffwechslung saure Metabolite erzeugen und damit den Säure-Basen-Haushalt belasten.

Und eine permanente Belastung dieses Haushalts führt dann früher oder später zu einer Überlastung und somit zu einer „geringen Veränderung“ der Acidität mit den oben diskutierten Folgen. Kein Wunder also, wenn die von der Schulmedizin so beliebten Statistiken in diesem Fall mal nicht zu lügen scheinen. Oder kommen die jetzt auf einmal auch aus dem Märchenwald?

Mein Fazit zum „Spiegel“-Beitrag: Es sieht so aus, als wenn der „Spiegel“ etwas dazu gelernt hat und seinen Standpunkt von der anscheinend absoluten Ablehnung alternativmedizinischer Erkenntnisse positiv geändert hat. Aber immer noch so ein oder auch zweimal zwischendurch und zwischen den Zeilen lodert wieder die schulmedizinische Betrachtungs- und Herangehensweise auf, die sich vor allem dadurch auszeichnet, Ursache und Wirkung miteinander zu verwechseln oder ganz einfach Zusammenhänge zu unterstellen, die auch in der „alternativen Ecke“ nie postuliert worden sind.

Beispiel: Übersäuerung durch Lebensmittel und die klinisch relevante Azidose. Niemand wird allen Ernstes behaupten und niemand hat allen Ernstes behauptet, dass man durch den Genuss von Fleisch so übersäuert, dass man in der Intensivstation landet. Das passiert nur dann, wenn das Fleisch vergiftet ist. Aber dann haben es die Ärzte mit einer Vergiftung und nicht mit einer Übersäuerung zu tun, obgleich das eine das andere provozieren kann.

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Johann Westhauser ist ein Höhlenforscher, der als erfahren galt und die Höhlenforschung seit mehr als 20 Jahren betreibt. Am 8. Juni 2014 wurde er bei der Erforschung der Riesending-Schachthöhle im Untersberg durch Steinschlag von einem herabstürzenden Stein schwer verletzt.

Er erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma. Erst am 19. Juni wurde er aus der Höhle gerettet, in der er 11 Tage ohne medizinische Versorgung in rund 1000 Meter Tiefe gelegen hatte. Das Szenario könnte nicht viel gruseliger sein.

Heute aber gilt der Mann als physisch und psychisch vollständig genesen, und das in nur so kurzer Zeit. Denn nach nur zwei Monaten trat er wieder bei seiner Arbeitsstelle, dem Institut für Angewandte Physik in Karlsruhe, an.

Erst war der Unfall in allen Schlagzeilen (Bilanz der Riesending-Retter: „Es war eine Mammutaufgabe“) – jetzt ist es das Wunder der Riesending-Höhle (Ärzte analysieren Westhausers Genesung). Was war geschehen, dass man hier von einem „Wunder“ sprach?

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Heilung ohne evidenzbasierte Intervention

Das Rätsel: Ein so schwer verletzter Mensch ohne intensivmedizinische Betreuung wird erst nach 11 Tagen gerettet, erhält dann erst medizinische Betreuung und scheint diese (fast) gar nicht zu benötigen.

Nun gibt es Vermutungen, dass die „Nicht-Behandlung“ ihm das Leben beziehungsweise zumindest die Gesundheit gerettet hatte. Unter normalen Umständen wäre der Höhlenforscher sofort auf der Intensivstation gelandet, wenn man ihn hätte sofort bergen können – je früher, desto besser, so die Devise. Aber die Unzugänglichkeit des Unfallorts erlaubten keine sofortige Rettung.

Der Höhlenforscher musste am Unfallort ruhig verharren, was die analysierenden medizinischen Fachleute in diesem Fall als Vorteil betrachteten. Auch die fehlende Flüssigkeitszufuhr werteten sie als Vorteil, weil damit eine Schwellung des traumatisierten Gehirns unterbunden wurde oder zumindest nicht so schwerwiegend ausfiel.

Denn Schwellungen durch Ödeme sind eine ernstzunehmende Ursache für nachhaltige Schädigungen des Gehirns oder sogar den Tod des Betroffenen.

Johann Westhauser hat nicht nur eine lebensbedrohliche Situation überlebt, sondern das Ganze auch noch ganz alleine ohne die Intervention von notfallmedizinischen Maßnahmen. Und – das ist das Wunder: Er überstand alles ohne sichtbare physische und psychische Schädigungen. Auch der Transport, der ihn immerhin aus 1000 Meter Tiefe ans Tageslicht heraufführte, ist eine Belastung für den Patienten.

Er musste während der Bergung in verschiedene Lagen gebracht werden, mal senkrecht, mal waagerecht und teilweise auch kopfüber. Aber auch diese für einen Schädel-Hirn-Trauma-Patienten unzumutbaren Belastungen hat der Höhlenforscher weggesteckt, als wenn er nie verunglückt wäre.

In der medizinischen Fachwelt, die sich eine Heilung ohne ihr Dazutun kaum vorstellen kann, rätselt man jetzt natürlich, wie so etwas kommen kann. Man spricht von „dieser ganz speziellen Situation“, wo die erzwungene Ruhigstellung und die fehlende Flüssigkeitszufuhr sich als „positiv“ erwiesen haben könnten. Dies hört sich für mich so an, als ob man vorab versucht, die Notfallmedizin zu legitimieren und den Fall von Johann Westhauser als „Einzelfall“ hinzustellen.

Denn wenn „Liegenlassen“ und „Flüssigkeitsentzug“ die entscheidenden Aspekte einer notfallmäßigen „Behandlung“ für Schädel-Hirn-Trauma-Patienten sind, dann wäre das routinemäßige Eingreifen der Notfallmediziner in solchen Fällen kontraproduktiv. Auf der anderen Seite ist so etwas in einer Höhle möglich. Ein Unfallopfer auf der Autobahn dort 11 Tage liegen lassen erfüllt den Tatbestand der unterlassenen Hilfeleistung. Das geht natürlich nicht.

Aber die „wundersame Heilung“ des Höhlenforschers beweist erst einmal, dass es durchaus ohne Schulmedizin geht. Nur wir wissen nicht, unter welchen Bedingungen. Hieraus einen „Einzelfall“ zu zimmern und sich präventiv gegen die eigene befürchtete Überflüssigkeit zu verteidigen, halte ich für nicht berechtigt.

Fazit

Ich denke, dass die Notfallmedizin so etwas nicht nötig hat. Sie ist ein nachgewiesenermaßen erfolgreicher Zweig der Schulmedizin, der mehr als nur ab und zu mal oder zufällig ein Leben gerettet hat. Aber auch eine erfolgreiche Medizin ist entwicklungsfähig.

Wenn Unglücke, wie die des Höhlenforschers Westhauer, ohne ihre Hilfe zu einer vollständigen Genesung führen, dann wäre es an der Zeit, hier einmal nachzuschauen, ob es hier Ansatzpunkte für andere Vorgehensweisen gibt und unter welchen Umständen sie durchzuführen sind.

Von Wunder zu reden entspricht dem Glaubensbekenntnis der Schulmedizin, für die es keine Selbstheilungskräfte gibt. Ein solches Wort in den Mund zu nehmen ist für sie esoterisch und nicht evidenzbasiert. Wer das Phänomen der Selbstheilungskraft der Natur in Abrede stellt, der kann nur noch an „Wunder“ glauben, wenn es um eine Erklärung für solche Fälle geht.

Und wer Selbstheilungskräfte des Körpers leugnet, der sollte sich bei jeder noch so kleinen Verletzung oder Erkältung auf den OP-Tisch legen oder Chargen an Medikamenten schlucken, damit er Heilung erfährt: „Denn Natur alleine schafft das nie; wer hilft ihr dabei, wir von der Chemie…“ (Otto Waalkes als Dr. Dreist).

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