Die Jungen Grünen haben die Homöopathie entdeckt – allerdings als Zielscheibe für gezielte Gegenmaßnahmen. Man möchte fast meinen, dass es für die Grünschnäbel der Grünen kein größeres Problem gibt als die Homöopathie.
Gibt es wirklich keine dringenden ökologischen Fragestellungen mehr?
Oder versucht man hier einfach nur mal einen Testballon steigen zu lassen, da man mit dieser Aktion einiges an Unterstützung von der Mutterpartei, von der Pharmaindustrie und von homöopathiekritischen Organisationen erhält, wie zum Beispiel die 2016 gegründete Organisation INH (Information Netzwerk Homöopathie), die nach eigenem Bekunden ein Gremium der GWUP ist. Die GWUP sieht sich als ein Skeptiker-Verein und vertritt (nach meinem Empfinden) Hardcore-Schulmedizin in der feinsten Art,
So jubelt auch die Website[1] der Skeptiker (die schon seit 1987 kritisch denken): „Bundeskongress: Grüne Jugend gegen Homöopathie auf Kassenkosten“.
Der „Homöopathie Watchblog“ bringt gleich zwei Beiträge zu diesem Thema; der Erste vom Juni[2] 2019 und ein weiterer vom Oktober[3] 2019.
Der Beitrag vom Juni bezieht sich auf einen just durchgeführten Kongress der Jung-Grünen. Er erklärt, dass die Grüne Jugend offiziell auf diesem Kongress einen Antrag gegen Homöopathie verabschiedet hatte. Zudem enthält dieser Antrag alle aktuellen Botschaften der INH, was ich für besonders bemerkenswert halte.
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Eine so offensichtliche und unverblümte Nähe zur Industrielobby könnte ein Zeichen für politische und jugendliche Unreife sein – oder?
Und diese unverblümte Nähe zur Industrie kommt dann auch mit den entsprechenden weiterführenden Forderungen:
Das Ziel dieser Aktion der Jungen Grünen ist, auf der Bundesdelegiertenkonferenz der Grünen im November 2019 einen Antrag einzubringen, der die Erstattung von homöopathischen Behandlungen durch die Krankenkassen abschafft.
Selbstverständlich wird dieses Anliegen durch die GWUP und INH unterstützt.
Innerhalb der Grünen („Senioren“) scheint es noch Befürworter für die Homöopathie zu geben, was sich allerdings für die Führung der Grünen nicht so einfach nachsagen lässt. Inzwischen scheinen die Grünen ebenfalls in den Genuss des Wohlwollens der Pharmaindustrie gekommen zu sein, denn auch hier gibt es Grüne, die Lobbyarbeit für Pharmaverbände leisten. Beispiel Norbert Schellberg[4], der Lobbyist des Pharmaverbandes VFA ist.
Homöopathie und Heilpraktiker sollen komplett abgeschafft werden?
Der zweite Beitrag von „Homöopathie Watchblog“ vom Oktober 2019 berichtet von noch einschneidenderen Forderungen der Grünen in Bezug auf Homöopathie und Alternativmedizin generell.
Denn die Führungsspitze der Jungen Grünen will jetzt nicht nur die Erstattung für homöopathische Leistung durch Kassen abschaffen, sondern gleich den ganzen Berufsstand der Heilpraktiker und Homöopathen.
Man fängt damit an, die Erstattung von homöopathischen Leistungen bei Kindern und Minderjährigen zu verbieten. Da Kinder häufig mit Infektionserkrankungen in Behandlung sind, wird ein solches Verbot den Umsatz an Antibiotika für die Pharmaindustrie netterweise anheben.
Es geht weiter mit Medikamenten, deren Wirkung angeblich nicht über Placebo hinausgeht, also homöopathische Produkte in erster Linie. Die sollen nämlich alle mit einem Warnhinweis auf der Packung versehen werden. Und überhaupt sollen homöopathische Präparate verboten werden. Danach kommt noch die Abschaffung der Zusatzbezeichnung für homöopathisch tätige Ärzte. Und zum Schluss eine „Überarbeitung des Heilpraktikergesetzes“, oder mit anderen Worten die Abschaffung des Heilpraktiker-Berufsstandes.
Ich kann mir gut vorstellen, dass sich die Jungen Grünen mit der Verschärfung der Forderungen im Vergleich zu den Kongressbeschlüssen vom letzten April bei der Industrie noch beliebter gemacht haben müssen. Ich gehe einmal davon aus, dass dies auch das Ziel dieser Bemühungen ist. Denn die Begründung/der Kongressbeschluss entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage.
Wissenschaft ist vollkommen unnötig, um die Gunst der Industrie zu erlangen. Hier muss man nur das gleiche Lied im gleichen Takt wie die da oben singen können, was man mit dieser Aktion unter Beweis gestellt hat.
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Vor allem wenn Sie für den Erhalt der Homöopathie sind, sollten Sie sich unbedingt dazu eintragen, denn die „Politik“ und etablierte Medizinerschaft ist bestrebt die Homöopathie zu verbieten und / oder abzuschaffen!
Gesundheit statt Globuli!
So lautet die Überschrift des Kongressbeschlusses vom 52. Bundeskongress[5] in Leipzig, der vom 5. bis zum 7. April 2019 stattfand.
Was sagt dieser Beschluss? Antwort:
Ein Papagei könnte nicht besser alle Vorurteile gegen Homöopathie und Alternativmedizin zitieren.
Es sind die alten Vorbehalte, Halbwahrheiten und vollkommene Unwahrheiten beziehungsweise erfundene Geschichten, die die Grundlage für die Beurteilung der Homöopathie und Alternativmedizin abgeben und den damit verbundenen praktischen Konsequenzen.
Eine ganz alte Geschichte ist der angebliche Placeboeffekt, da ja homöopathische Präparate so verdünnt seien, dass kein Molekül der Wirksubstanz übrig bleibe. Und wo es keine Moleküle gibt, da kann es angeblich auch keine Wirkung geben.
Diese bornierte Sichtweise erinnert mich an das Weltbild im Mittelalter, wo die Leute die Erde als Scheibe wahrnahmen und sie deshalb für eine Scheibe hielten. Denn wenn sie eine Kugel gewesen wäre, dann würden die Leute links und rechts runterfallen. Also ist sie eine Scheibe, weil keiner runter fällt.
Diese sich ewig wiederholende Kritik an der Homöopathie bezieht sich immer nur auf den quantitativen Aspekt (wie viel Moleküle Wirksubstanz gibt es?) und niemals auf den qualitativen Aspekt (was für Moleküle wirken hier im welchem Zusammenhang?).
Und selbstverständlich finden die Grünen auch keine wissenschaftlichen Arbeiten, die die Wirksamkeit der Homöopathie belegt haben. Oder sollte ich schreiben: sie wollen keine Arbeiten finden?
Dafür hat aber die Wissenschaft angeblich festgestellt, dass es sich „aus wissenschaftlicher Sicht bei den meisten Homöopathika beziehungsweise Globuli um Zuckerkügelchen oder Tropfen ohne jeglichen Wirkstoffgehalt handelt“.
Das nenne ich doch mal vorurteilsfreie Wissenschaft!
Einen solch ausgewachsenen Unfug kann auch nur jemand schreiben, der Politiker und jung gleichzeitig ist. Macht nichts, Hauptsache man setzt die richtigen Signale für die Freunde in der Industrie. Schließlich will man ja im Leben weiterkommen.
Meine Sicht der Dinge dagegen habe ich ebenfalls kundgetan, allerdings nicht auf einen Kongress für Grüne, sondern in einigen Beiträgen:
In diesen Beiträgen finden die Skeptiker auch zahlreiche Belege und verweise zu Arbeiten die die Homöopathie stützen.
Laut wird auch der Vorwurf an die Homöopathie, schwer kranken Patienten eine wirksame Behandlung vorzuenthalten, wenn sie mit Homöopathie behandelt würden.
Da bin ich versucht zu sagen: Ach was? Mit Verlaub, da lache ich mich aber tot. Bei mir in der Praxis sitzen reihenweise Patienten, die der Homöopathie ihre Gesundheit zu verdanken haben. Und diese Patienten (zum Teil schwer chronisch krank!) waren schon bei den Herren und Damen der Tabletten-Verschreib-Liga (inklusive Uni-Kliniken).
Auch hier scheint den Grünschnäbeln entgangen zu sein, dass es sogar wissenschaftliche Studien gibt, die eine bessere Wirksamkeit einer homöopathischen Behandlung im Vergleich zur schulmedizinischen Behandlung zeigen konnten.
Selbstverständlich wird es einem Homöopathen schwer fallen, einen akuten offenen Knochenbruch oder einen Sehnenabriss nur mit Homöopathie behandeln zu können oder gar zu wollen. Es hat aber auch noch niemand ernsthaft ein solches Unterfangen in Erwägung gezogen.
Die Jungen Grünen unterstellen anscheinend unreflektiert, dass alles, was aus der Big-Pharmaindustrie kommt, der Heilige Gral der Heilkunde ist oder zu sein hat.
Alles, was da herkommt, wirkt; alles, was nicht da herkommt, ist unwirksam. Ich bewundere den wissenschaftlichen Tiefgang dieser Gedankenführung.
Was soll’s, man will ja im Leben weiterkommen.
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Wie wenig die Produkte der Pharmaindustrie taugen, das können Sie übrigens hier nachlesen:
Bei einer solchen eklatanten Fehlbeurteilung dessen, was real in der Schulmedizin und in der Alternativmedizin inklusive Homöopathie passiert, könnte man glatt auf den Gedanken verfallen, dass die Jungen Grünen nicht von diesem Planeten stammen, sondern dass es sich hier um grüne Männchen von einem anderen Planeten handelt.
Es wird noch absurder…
Es gibt noch weitere Angriffspunkte in diesem Beschluss, die an Irrationalität und Lächerlichkeit kaum zu überbieten sind.
Einer davon ist, dass die Homöopathie deswegen schlecht ist, weil sie die Schulmedizin diskreditiert. Und es gibt niemanden, der die Homöopathie diskreditiert? Ach so ist das.
Wozu haben wir in der Schule eigentlich Kant gelesen?
„Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! Wir denken selten bei dem Licht an Finsternis, beim Glück an Elend; bei der Zufriedenheit an Schmerz; aber umgekehrt jederzeit. Der ziellose Mensch erleidet sein Schicksal, der zielbewusste gestaltet es.“
Sind die Jungen Grünen deswegen schlecht, weil sie genau das mit der Homöopathie betreiben, was sie ihr vorwerfen?
Nächster Punkt: der unglaubliche Umsatz!
Noch so ein „lustiger“ Kritikpunkt ist der angeblich maßlose Umsatz, der mit der Homöopathie erzielt wird: Jährlich über 100 Millionen EUR!
Tja, und wie viel Umsatz erzielen die Freunde von der Hardcore-Pharmaindustrie? Dort sind 100 Millionen EUR gerade einmal die Portokasse, mit der man seine Geldstrafen aufgrund von Verstößen gegen gesetzliche Auflagen bezahlt: Die „bösen Buben“ der Pharmaindustrie beim Schummeln erwischt. Glaxo bezahlte 2012 3 Milliarden USD aufgrund von kriminellem Fehlverhalten und zivilrechtlichen Vergehen in Bezug auf verschreibungspflichtige Medikamente der Firma, unter anderem Avandia. Vor diesem Hintergrund machen die Jungen Grünen den Umsatz von 100 Millionen zu einem Politikum?
Dies zeigt, wie grün die Grünen Jungen hinter den Ohren sind, dass man hier überhaupt keinen Blick für die Verhältnismäßigkeit hat. Und Umsatz machen und verkaufen, das ist eine Eigenschaft/Tätigkeit, die ausnahmslos von jedem betrieben wird. Nur die Homöopathie soll davon ausgeschlossen sein? Ja, so wird Politik im Jahr 2019 betrieben…
Der Katalog der Forderungen
Und das fordern die Jungen Grünen:
Keine Erstattung nicht-evidenzbasierter Behandlungsmethoden durch Krankenkassen. Meine Anmerkung: Damit müsste fast die gesamte Chirurgie ebenfalls abgeschafft werden, denn ca. 85% aller chrirurgischen Verfahren sind NICHT-evidenzbasiert!
Keine Sonderstellung für Homöopathika: Zulassung neuer Medikamente nur auf wissenschaftlicher Basis (Pharmaprodukten müsste dann die Zulassung verweigert werden, da die wissenschaftliche Begutachtung fast ausschließlich von den Firmen selbst beigebracht wird, was wissenschaftlich nicht vertretbar ist)
Behauptungen zur Wirksamkeit von Medikamenten müssen wissenschaftlichen Standards entsprechen und überprüft werden (Da gibt es Heulen und Zähneknirschen bei einer Unmenge an pharmazeutischen Präparaten)
Klare Deklaration der Inhaltsstoffe homöopathischer Mittel und ihrer Konzentration (Mir ist nicht klar, was an der Deklaration mangelhaft sein sollte. Sowohl der Ausgangsstoff, sowie die Potenz ist auf jedem Mittel angegeben. Dazu gibt es genau Vorschriften, die u.a. im HAB geregelt sind.)
Kein Verkauf und keine Verschreibung homöopathischer Mittel ohne Aufklärung der Patient*innen über die nicht-nachweisbare Wirksamkeit (Ein uraltes Argument. Es gibt keine Beweise zu Unwirksamkeit der Homöopathie)
Erhöhte Aufklärung über Grundlagen medizinischer Forschung und pseudowissenschaftlicher Behandlungen (Weite Teile Schulmedizin beruhen auf Thesen zur Wirksamkeit der eingesetzten Medikamente, die nicht letztlich wirklich „gesichert“ sind – jedenfalls nicht so, wie sich das manche vorstellen oder wünschen. Beispiel: Statine, Antidepressiva, Alzheimer-Medikamente, sowie zahlreiche weitere Medikamente. Über 85% der Operationsverfahren sind nicht evidenzbasiert gesichert, siehe auch mein Beitrag: unnötige Operationen.)
Bessere Vergütung sprechender Medizin in der (haus-)ärztlichen Versorgung sowie eine verbesserte Weiterbildung der Ärzt*innen in diesem Bereich. (Ich wusste nicht, dass Medizin auch sprechen kann. Handelt es sich hier um eine evidenzbasierte Aussage? Oder gibt es Fälle auf dem Planeten der grünen Männchen, wo dies der Fall ist?)
Förderung der Forschung über einen ethischen Einsatz von Placebos in der medizinischen Praxis (Es gibt keinen Grund, Placebos in der Medizin einzusetzen, außer bei entsprechend strukturierten klinischen Studien. Leider gibt es nur zu viele schulmedizinische Medikamente, die über eine Placebowirkung nicht hinauskommen, sei es Impfungen, eine Reihe von Chemotherapeutika, Antidepressiva und einige mehr – aber die werden schön weiter erstattet und vor allem verordnet…)
Fazit
Resigniert könnte man jetzt feststellen: Was soll’s? Man will ja im Leben weiterkommen…
Aber wir wollen nicht resignieren, sondern wir müssen jetzt alle dringend agieren!
Am wirkungsvollsten ist es, wenn wir unsere Stimme erheben. Hierzu erscheint es mir derzeit folgende Petition am erfolgreichsten zu sein:
Das ist zumindest mal ein „Zeichen“. Denn wenn Sie Ihre Ansichten und Überzeugungen nicht kundtun, dann werden die Kräfte der Hardcore-Anti-Naturmedizin die Oberhand gewinnen.
Noch „beeindruckender“ ist es, wenn Sie an Abgeordnete direkt schreiben. Eine Liste der Bundestagsabgeordneten finden Sie hier:
Sie können dort zum Beispiel die Fraktion der Grünen auswählen und den einzelnen Abgeordneten eine E-Mail senden.
Wenn Sie auf dem Laufenden in Sachen Homöopathie und Naturheilkunde bleiben wollen, fordern Sie auch unbedingt meinen kostenlosen Newsletter zur Homöopathie an:
Vor allem wenn Sie für den Erhalt der Homöopathie sind, sollten Sie sich unbedingt dazu eintragen, denn die „Politik“ und etablierte Medizinerschaft ist bestrebt die Homöopathie zu verbieten und / oder abzuschaffen!
Quellen: