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Oder: Pharmastudien: Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing

Das es ein Geschäft mit wertlosen und gekauften Medizinstudien gibt, ist bereits länger bekannt. Langzeitbeobachtungen von verschiedenen Medizinstudien zeigen jetzt (wieder einmal), was die Lektüre einzelner klinischer Pharmastudien in medizinischen Fachzeitschriften nicht vermag: Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing.

324 Studien: Ergebnisse differieren je nach Auftraggeber

Die amerikanischen Wissenschaftler Paul M. Ridker und Jose Torres von der Harvard Medical School in Bosten fanden anhand von 324 Studien, die zwischen 2000 und 2005 in den Zeitschriften „Jama“, „The Lancet“ und „New England Journal of Medicine“ erschienen sind, Verblüffendes heraus…

Die ausgewählten Studien bewerteten neue Therapieformen für Herz-Kreislaufpatienten, wobei die Ergebnisse je nach Auftraggeber differierten.

Studien, die von kommerziellen Organisationen beauftragt worden waren, favorisierten eindeutig das neue Medikament oder die neuen Behandlungsmöglichkeiten. 67,2% dieser Studien sprachen sich für die neue Therapie aus.

Pharmastudien hingegen, die von nicht kommerziellen Auftraggebern geordert wurden beurteilten das neue Produkt weniger positiv. Hier wurden die neuen Behandlungen zu 49% positiv beurteilt und 51% negativ. Nachzulesen sind die detaillierten Ergebnisse der Bostoner Wissenschaftler in „Reported Outcomes in Major Cardiovascular Clinical Trials Funded by For-Profit and Not-for-Profit Organizations: 2000-2005“ im „Journal of the American Medical Association“ (Bd. 295, S. 2270-2274).

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Alle halten die Hand auf

Aber nicht nur die Forschungsinstitute bekommen ein Honorar von der Pharma-Industrie. Auch die Prüf-Ärzte machen ihre „Anwendungsbeobachtungen“ (AWB) am Patienten nicht umsonst.

Der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (VFA) nennt die Finanzierung dieser Studien eine „unerlässliche“ „Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Unternehmen“ (vfa.de/de/presse/pressemitteilungen/pg-002-2016-forschende-pharma-unternehmen-setzen-transparenzkodex-um.html).

In Deutschland beteiligten sich 2015 etwa 13.000 Praxis-Ärzte und 4.100 Krankenhaus-Ärzte an 600 AWBs und 150 neue wurden initiiert.

Das Gesamt-Volumen der Honorare wurde bisher immer so auf 50 bis 100 Millionen Euro geschätzt. Im Juni 2018 vermeldete dann das die „Freiwillige Selbstkontrolle der Arzneimittelindustrie (FSA) die Zahlen für 2017: 605 Millionen Euro im Jahr. 2016 waren es „nur“ 562 Millionen Euro. Und die Bereitschaft der Ärzte und Kliniken dass deren Namen veröffentlicht werden sinkt immer weiter.

Wie viele nicht-interventionellen Studien (NIS) es waren, unter die auch die AWBs fallen, kann nicht genau beziffert werden. Novartis zahlte 2015 die höchste Summe für derartige Pseudo-Studien an Ärzte: 6 Millionen Euro blätterte die Marketing-Abteilung des Unternehmens dafür hin. 2017 waren es 12 AWBs, die Novartis durchführen ließ, darunter war eine Datenerhebung über die Wirksamkeit des Präparates Gilenya. Das Medikament ist bei Multipler Sklerose indiziert. Und mal nebenbei: Die MS kann geheilt werden — nach meiner Meinung. Gedanken dazu liefere ich im Beitrag dazu: www.naturheilt.com/Inhalt/MS.htm

Zurück zu den AWB: Ziel der AWB ist ein Nachweis, dass bei Patienten, die zu Gilenya wechseln, eine deutliche Besserung der Beschwerden eintritt. Für jeden der 1.500 Patienten, die die AWB erfasst, zahlt Novartis 2965 Euro an den behandelnden Arzt. Pfizer ist an diesem Punkt regelrecht geizig. Nur 650 Euro bekommt ein Prüf-Arzt pro Patient, dem er das Antirheumatikum Enbrel verschreibt.

Nicht nur der Umsatz mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln soll auf diese Art gefördert werden. Auch frei verkäufliche Medikamente werden über den Umweg von NISn beworben. So betreibt STADA eine NIS zum Schlafmittel “Hoggar Night“ und Omega Pharma bezahlt Ärzte für die Empfehlung von GRANU FINK femina, nicht ohne offiziell Daten zu sammeln und dem Konzern zu übermitteln.

Die Taktik des „Verschleiern und Vermarkten“

Den effektivsten Kontakt zu Ärzten bauen die Pharma-Referenten aus. Die „Klinkenputzer“ werden von den Produzenten bekanntermaßen fürstlich bezahlt und können daher Zweifel an ihrem Tun gut verdrängen. Mit dem Koffer voller Werbegeschenke, worunter auch auch luxuriöse Weekend-Freizeiten für Mediziner sind, klappern die Pillenvertreter Praxen und Kliniken ab.

Sie sind es, die die Mediziner auch mit Geldgeschenken ködern und die Präparate in höchsten Tönen loben. Neben- und Wechselwirkungen werden kaum erwähnt, wenn überhaupt kleingeredet oder ganz unter den Teppich gekehrt.

Geständnisse eines „Medikamenten-Dealers“

Nur selten werden Phamrareferenten von Skrupeln gepackt und schmeißen den Job deswegen hin. Noch seltener gehen sie mit ihrem Insider-Wissen an die Öffentlichkeit. Eine davon ist die ehemalige Pharma-Referentin Gwen Olsen. In ihrem 2009 veröffentlichten Buch „Confessions of an Rx Drug Pusher“ beschreibt sie die Verkaufs-Praktiken der Pharma-Branche und ihre Motivation den Job aufzugeben und statt dessen aufzuklären.

Das autobiografische Werk schildert detailliert auch den Leidensweg einer Nichte der Autorin. Es ist das Schicksal einer jungen Frau, die durch falsche Medikationen in den Tod getrieben wurde. Was mit einem opioiden Schmerzmittel nach einem Unfall begann, endete in einer Sucht nach anderen Pharmaka.

Die Psychiater behandelten Olsens Nichte allerdings wegen einer angeblichen bipolaren Störung und dies „natürlich“ mit: Medikamenten. Immer tiefer geriet die Studentin in den Strudel von Nebenwirkungen und Wechselwirkungen der Psychopharmaka (über die ich ja bereits auch ausführlich berichtete!).

Schließlich bekam sie Depressionen und beging Selbstmord. Und das war Gwen Olsens Schlüsselerlebnis, das sie zu ihrem radikalen Neubeginn motivierte.

Gwen Olsen zog aus der Tragödie in ihrer Familie den entscheidenden Schluss: wie nämlich die Pharma-Branche Ärzte dazu verleitet, falsche Diagnosen zu produzieren, um ihre Produkte zu verkaufen. Gerade im psychiatrischen Bereich sind die einzelnen Krankheitsbilder nur selten labortechnisch oder bildgebend klar herauszuarbeiten.

Diese Grauzone ist das ideale Terrain für Manipulationen. Lohnt sich für den Psychiater die Verschreibung eines Präparates, kann er dies ohne Not mit einer klangvollen Diagnose rechtfertigen. Dadurch konnten die Anwendungen von Psychopharmaka bei Kindern in den letzten Jahren rasant zunehmen, wie Gwen Olsen beklagt.

Freilich beschäftigt sich die Autorin mit dem Ende der ökonomischen Nahrungskette in der Pharma-Branche. Doch sie macht sich auch Gedanken um den Entwicklungsweg, den ein Arzneimittel bis zur Marktreife nimmt.

Sie kritisiert, dass bei einem neuen Medikament nur etwa die Hälfte aller Nebenwirkungen bekannt seien. Das ist nur eine der Tatsachen, die gegenüber Ärzten bewusst verschleiert werden soll. Gwen Olsen ist mittlerweile nicht mehr alleine, wenn sie die Praktiken der Medikamenten-Hersteller anprangert.

Nicht nur Aussteiger wie sie beklagen den Missstand. International wächst die Kritik an der Kumpanei zwischen Pharma-Branche und Medizinern. Im offiziellen Wortlaut ist die raffinierte Vermarktung nur eine Kooperation zwischen Medizinern und Herstellern, die letztlich dem Patienten-Wohl dienen soll.

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SPD-Experte: „… legale Form der Korruption“

Der SPD-Gesundheitspolitiker Dr. med. Karl Lauterbach findet für die “unerlässliche Zusammenarbeit“ von Ärzten und Pharma-Industrie andere Worte: Nach seiner Meinung seien die AWBs eine „legale Form der Korruption“. Denn für jeden Probanden kassiert der Arzt Geld und wird so eher geneigt sein, ein Medikament zu verschreiben.

Lauterbach sieht in den vorgetäuschten wissenschaftlichen Absichten eine Schädigung der Patienten, die nicht sachgerecht versorgt werden. Zudem entstünden den Krankenversicherungen ungerechtfertigte Kosten.

Der Sozialdemokrat fordert daher schon länger eine Beschränkung der AWBs und eine Deckelung der Honorare. Seit 2017 kommen ähnliche Forderungen auch aus der Union. Die CDU-Gesundheitspolitikerin Maria Michalk beklagt, dass die freiwilligen Bestrebungen der Pharma-Industrie nach mehr Transparenz bisher nicht zufriedenstellend fruchteten.

Gesetzliche Beschränkungen seien unerlässlich. Wolf-Dieter Ludwig, Vorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, möchte die AWBs vollends verbieten lassen. Eine Forderung der ich mich nur anschliessen kann!

Einladung zum Essen steigert den Pharma-Umsatz

Doch noch viel simpler kann die Einflussnahme der Marketing-Strategen sein: Schon eine Einladung zum Essen steigert die gewünschte Verschreibungs-Quote. Das zeigt eine Untersuchung aus den USA an fast 300.000 Ärzten (sueddeutsche.de/wissen/gesundheitswesen-wes-brot-ich-ess-1.3042404). Sogar die Qualität des verzehrten Menüs korreliert mit dem Umsatz, der mit den beworbenen Medikamenten gemacht wird.

Den Image-Schaden wollen die Pharma-Unternehmen jetzt begrenzen. Die 54 VFA-Unternehmen haben sich zu einem „Transparenzkodex“ durchgerungen und am 20. Juni 2016 erstmals Zahlen veröffentlicht. Demnach sind 2015 von allen 54 Produzenten gemeinsam 575 Mio. Euro an „Ärzte, Fachkreisangehörige sowie medizinische Organisationen und Einrichtungen“ geflossen.

Wie viel davon auf die umstrittenen AWBs entfielen kann nur geschätzt werden. Wahrscheinlich sind es – wie oben bereits erwähnt – zwischen 50 und 100 Millionen Euro. Alle Studien gemeinsam, die unter der Bezeichnung “nicht-interventionellen Studien“ (NIS) zusammengefasst werden ließen sich die Pharma-Konzerne 366 Mio. Euro kosten.

Übrigens: Es gibt ein Bündnis von Ärzten, die sich dem kategorisch verweigern und ganz klar sagen: „Mein Essen zahl ich selbst!„. Sprechen Sie ihren Arzt einmal darauf an!

119 Millionen Euro für „Fortbildungen“

119 Mio. Euro spendierte die Arzneimittel-Industrie für „Fortbildungen“ und 90 Mio. Euro gaben die Pharma-Firmen für „Veranstaltungen, Spenden und Stiftungen“ aus. Zwischen dem 20. und 30. Juni 2016 veröffentlichen die einzelnen Arzneimittelhersteller noch eine genaue Aufschlüsselung ihrer Zahlungen für gute „Zusammenarbeit“.

Das zumindest hat der VFA angekündigt. Erst an diesen Zahlen soll der Finanzfluss an „einzelne Ärzte individuell nachvollziehbar“ sein. Eine Einschränkung wurde aber gleich hinzugefügt: Die Erklärungen müssen mit dem Datenschutz vereinbar sein (vfa.de/de/presse/pressemitteilungen/pg-002-2016-forschende-pharma-unternehmen-setzen-transparenzkodex-um.html).

Konkret heißt das wohl jetzt: Der profitierende Arzt muss die Zustimmung zur Namensnennung geben. So bleiben extrem hohe Honorare wohl geheim, die den wahren Grund der Daten-Übermittlungen erkennbar machen könnten. Die Erfahrungen zeigten spätestens 2018, dass nur wenige Ärzte der Weitergabe ihrer Vertrags-Daten zustimmen. Das zeigt. wie man sich hier „Transparenz“ vorzustellen hat!

Ein Skandal ganz anderer Dimension wurde Anfang 2018 bekannt. Die griechische Justiz ermittelte schon seit einigen Jahren gegen Novartis wegen Korruption. Der Konzern soll Politiker und Ärzte insgesamt mit einer dreistelligen Millionensumme bestochen haben, um Medikamenten-Preise zu erhöhen und Zulassungsverfahren für neue Präparate zu vereinfachen.

Die Korruptions-Vorwürfe beziehen sich auf die Jahre vor 2015 unter der konservativen Regierung von Premierminister Samaras. Der freilich hat alles sofort in Abrede gestellt und von Verleumdung gesprochen. Wenn das Parlament die Immunität der involvierten Abgeordneten aufhebt, können die Tatbestände hoffentlich vollständig aufgeklärt werden.

Wahrscheinlich wird sich der Ruf der ganzen Pharma-Branche dann nochmals verschlechtern (http://www.tagesschau.de/ausland/griechenland-novartis-korruption-103.html).

Und wenn ihnen das noch nicht reicht, hier ein paar weitere Pharmaskandal-Leckerlis zum Thema:

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Dieser Beitrag wurde erstmalig am 8. Januar 2010 erstellt und letztmalig bearbeitet und erweitert am 25.7. 2018.

 

Es ist in aller Munde: Eine Studie, die angeblich von der Investmentbank Goldman Sachs durchgeführt und für die Pharmaindustrie bereitgestellt wurde.

Naturgemäß sind die Nachrichten, die hier von der Investmentbank verbreitet werden, erst einmal hoch inoffiziell und zweitens primär in englischsprachigen Medien nachzulesen. Die deutsche Ausgabe der „Huffington Post“ bringt eine interessante Zusammenfassung: huffingtonpost.de/entry/goldman-sachs-bank-investment-gesundheit-studie_de_5acf9309e4b0edca2cb79917

Wie es aussieht ist diese Studie nicht für die Öffentlichkeit gedacht. Wie und wo dieser „Marktreport“ an die Medien und damit die Öffentlichkeit gelangte, wird nicht näher erklärt. Die Webseite von Goldman Sachs jedenfalls erwähnt diesen Report (nach meinen Recherchen) mit keinem einzigen Wort. Eine Stellungnahme dazu konnte ich auch nicht finden.

Damit kann man natürlich die Frage stellen, wie zuverlässig sind diese Informationen?

Das Nachrichtenmagazin „CNBC“ bespricht ebenfalls diesen Report und geht sogar in einige Details: Goldman asks: ‚Is curing patients a sustainable business model?‘. Damit halte ich es eher für unwahrscheinlich, dass diese Nachrichten (beziehungsweise Studie) eine reine Erfindungssache sind.

Und wenn man sich die inhaltlichen Aussagen anschaut, dann treffen wir auf „alte Bekannte“, was die Wahrscheinlichkeit für die Richtigkeit der Angaben von CNBC und anderen Webseiten signifikant erhöht.

Neue Studie mit alten Aussagen

CNBC zitiert in ihrer Ausgabe eine „Analystin“, Salveen Richter, die laut Angaben von „Bloomberg“ ein „Vice President, Research Division“ bei Goldman Sachs ist. In der Studie haben Frau Richter und ihre Finanz-Kollegen entdeckt, dass zum Beispiel Gilead Sciences, ein Pharma- und Biotechnologie-Unternehmen aus den USA, mit ihren Medikamenten zur Behandlung von Hepatitis C eine Heilungsrate von mehr als 90 Prozent in Anspruch nehmen dürften.

Diese guten Nachrichten sind leider keine guten Nachrichten. Denn der Umsatz für diese Medikamente erreichte einen Spitzenumsatz von 12,5 Milliarden USD im Jahr 2015. Da die Patienten aber „unglücklicherweise“ geheilt werden, befindet sich der Umsatz seit 2015 im freien Fall. Für das Jahr 2018 ist ein Umsatz von „nur“ 4 Milliarden USD prognostiziert, ebenfalls ein Ergebnis dieser Studie von Goldman Sachs.

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Der Kommentar von Vizepräsident Richter dazu ist, dass der Behandlungserfolg der Medikamente dafür verantwortlich zu machen ist, dass der Pool an behandlungsbedürftigen Patienten schrumpft.

Dazu kommt noch ein weiterer negativer Effekt. Und das ist die Tatsache, dass es weniger Infizierte und damit Überträger der Infektion auf gesunde Zeitgenossen gibt, was den „Nachschub“ an neu Erkrankten bremst und so den Pool weiter schrumpfen lässt.

Bei Krebs anscheinend, so Frau Richter, sieht die Angelegenheit deutlich günstiger aus. Hier gibt es einen stabilen Pool, der von einer Schrumpfung weniger bedroht zu sein scheint.

Der letzte Kommentar ist mehr oder weniger das (mehr oder weniger) direkte Eingeständnis, dass die Behandlung von Krebserkrankungen heute so herrlich unzuverlässig ist, dass man das Unheil einer Heilung der Patienten nicht zu befürchten braucht. Und das, obwohl Krebs nicht ansteckend ist im Gegensatz zu Hepatitis C!

CNBC bat die Goldmänin um einen Kommentar, wozu diese laut CNBC wohl nicht bereit war. Kein Wunder!

Die Studie kommt aber nicht nur mit einer Analyse, sondern auch mit einem Lösungsvorschlag, der drei Lösungen für die Pharmaindustrie parat hält.

Der Einfachheit halber zitiere ich die Übersetzung in der „Huffington Post“:

  1. “Sucht euch große Märkte” – das heißt, Krankheiten, die sich mehr und mehr ausbreiten. “
  2. “Schafft Produkte für Krankheiten, die bereits häufig auftreten” – vorgeschlagen werden vor allem solche, die schlimme und ständige Beschwerden auslösen. 
  3. “Konstante Innovation und Erweiterung des Portfolios” – es gebe hunderte Genkrankheiten, aus denen sich noch Profit schlagen lasse. 

Mit anderen Worten: Medikamente und deren Einsatz sind nur dann sinnvoll, wenn mit ihnen ordentlich Umsatz gemacht werden kann. Und die Basis dafür ist das Leid der Patienten. Denn je schlimmer die Erkrankung, desto besser ist das Geschäft.

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Die neue „Qualität“ der Goldman Sachs Studie

Inhaltlich sind die Aussagen alles andere als neu.

Was hier neu ist, das ist der öffentlich zur Schau getragene Zynismus der Finanzmenschen, die Krankheit und Leid als Geschäftsmodell betrachten und hier und diesbezüglich ihre kompetenten Ratschläge in Form einer Studie an ihre verehrte Kundschaft (Pharmabranche) verteilen.

Während man auf der Pharmaseite ganz offiziell das hohe Lied von Heilung, Hilfe, Zuwendung an den Patienten und wissenschaftsbasierter Produktpalette singt, unter Zuhilfenahme des Evidenzbasierten-Chors, haben die Finanzmenschen sich entschieden, diesmal ohne dieses Feigenblatt die menschenverachtende Realität ihres Treibens zu zeigen. Denn deutlicher als in dieser Studie kann man nicht sagen, worum es bei der Herstellung und Vertrieb von Arzneimitteln geht bzw. gehen soll.

Unter diesem Gesichtspunkt wird auch klar, warum die Pharmaindustrie versucht, „alternativmedizinische“ Heilmethoden zu verdrängen, von der Politik verbieten zu lassen etc.

In diesem Zusammenhang bekommt „Alternativmedizin“ und Naturheilkunde eine ganz neue Bedeutung. Denn das Interesse der Alternativmedizin und der Naturheilkunde, ihre Patienten heilen zu wollen, ist geschäftsschädigend.

Die Begründung hierfür hat die Goldman Sachs Studie geliefert. Dies ist auch ein Grund, warum die Pharmaindustrie sich selten an ihre eigenen Forderungen hält.

Für alternativmedizinische Behandlungsmethoden werden nämlich evidenzbasierte Studien verlangt, doppelblind, randomisiert, placebokontrolliert etc., während die Pharmaindustrie sich weitestgehend auf irgendwelche Metaanalysen stützt, um ihre Aussagen zu verifizieren.

Klinische Studien werden zudem so aufgestellt, manipuliert, verzerrt, dass die gewünschten Ergebnisse (die bereits vor Beginn der Studie feststehen), zum schlechten Schluss auch herauskommen. Hier eine kleine Auswahl an Beiträgen, die ich zu diesem Thema gebracht hatte:

Lästige Konkurrenz? Verbieten!

Und wenn man sich gar nicht mehr zu helfen weiß, dann bittet man die Politik, die lästige naturheilkundliche Konkurrenz einfach zu verbieten. Das geht schneller, und man braucht hierfür dann auch keine Argumente mehr. Denn es ist einfacher zu sagen: „Das ist illegal“, als die entsprechenden Argumente zu bringen, warum eine Behandlungsmethode oder eine natürliche Substanz mit Heilkräften nicht wirksam oder sogar schädlich sind.

Das Ganze geht dann auch soweit, dass ein Verbot für Heilpraktiker gefordert wird, wenn in Jahrzehnten (!) mal ein Fall bekannt wird, wo es zu einem Todesfall in einer Heilpraktiker-Praxis kommt, wie im Jahr 2016 bei einem Heilpraktiker in Brüggen-Bracht.

OHNE dass die Ergebnisse der Ermittlungen (oder gar ein Urteil) abgewartet wird, wird die Brandmarkung eines ganzen Berufsstandes ausgerufen! Wenn man die Machenschaften der klassischen Medizin zum Anlass nehmen würde, dürfte (bei gleichem Maß), nicht ein Arzt mehr mit einer Zulassung in Deutschland zu finden sein. Und manch einer wird dann vielleicht sogar sagen, dass das kein Verlust sei, weil es sowieso sehr interessante Untersuchung gibt, die belegen, dass ein Ärztestreik WENIGER Tote bedeutet.

An dieser Stelle muss ich aber auch (mal wieder) eine Lanze für die Ärzte brechen, die wirklich an der Heilung ihrer Patienten interessiert sind. Nach meiner Definition sind das auch wirklich Ärzte, die anderen sind „Mediziner“.

Wie dem auch sei: Ich empfinde die Goldman-Sachs-Studie als ein erfrischendes Eingeständnis zu den Vorwürfen der alternativen Medizin, dass Schulmedizin und Pharmaindustrie viel zu oft auf ihren eigenen Vorteil achten als auf den ihrer Kundschaft, den Patienten.

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Was muss noch passieren, damit diese Kundschaft endlich aufwacht und sich nicht bereitwillig zur Schlachtbank führen lässt?

So werden wir und unsere Gesundheit verkauft, zum einen durch entsprechend katastrophale Nahrungsmittel von der Lebensmittelindustrie. Und wenn die Gesundheit ruiniert ist und man von medizinischer Seite Hilfe braucht, dann müssen wir uns mit einer Medizin zufrieden geben, die in erster Linie den Wohlstand von Pharmaindustrie und Finanzinvestoren absichert.

In der Schulmedizin und bei der Pharmaindustrie werden Hypothesen blitzschnell als bewährte Dogmen gehandelt. Leuchtende Beispiele hierfür sind zum Beispiel die Impfungen, bei denen es keine beziehungsweise bislang kaum vergleichende Untersuchungen zwischen geimpften und nicht geimpften Probanden gibt.

Aber trotzdem behauptet man hier, dass Impfungen wirksam sind und außerdem keine Nebenwirkungen haben. Verfälschte Studien dazu, wie die deStefano-Studie von der CDC über Masernimpfung und Autismus, werden unter den Teppich geschwiegen: MMR-Impfung und Autismus – Also doch!

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Sie leiden an einer chronischen Erkrankung mit den entsprechenden Beschwerden?

Und darum wollen Sie sich jetzt auch einmal Rat im Internet holen? Denn es besteht die Möglichkeit, sich über Blogs und Foren mit Leidensgenossen auszutauschen und hier die eine oder andere Idee zu bekommen, was man selber tun könnte.

Oder aber man sucht nach entsprechenden „Experten-Ratgebern“, die möglicherweise eine gute Ergänzung zum eigenen Arzt abgeben.

Als Leser erwartet man auf jeden Fall Hilfe und Ratschläge, deren Absicht es ist, dem Leser weiterzuhelfen. Wie es heute aussieht, schleicht sich in diese Experten-Seiten eine Kultur von Ratgebertum ein, deren Interessenlage nicht von vornherein offensichtlich ist…

Beispiel gefällig?

Der Focus im Fokus

Ein Beispiel bringt Focus-online und sein hilfreicher Beitrag, wenn es um Arthrose geht (focus.de/gesundheit/ratgeber/gelenkschmerzen/physiotherapie-lindert-arthrose-tipps-wie-sie-den-richtigen-therapeuten-finden_id_7617846.html): Physiotherapie lindert Arthrose: Tipps, wie sie den richtigen Therapeuten finden.

Ein hilfreicher Beitrag? Ja, aber für wen?

Bei diesem Beitrag springt als erstes das Firmenemblem der Firma Sanofi ins Auge. Und der sich sofort einstellende Gedanke, dass es bei der folgenden Diskussion in erster Linie um die Belange dieser Firma geht, wird in der Folge dann auch bestätigt. Klar: Ganz oben sehen wir ja auch: „gesponsert“.

Im Artikel wird der hilfesuchende Leser mit einer Reihe von Tipps versorgt, die vordergründig nicht uninteressant sind:

  • Wie finde ich den richtigen Therapeuten?
  • Woran erkennt man eine gute Therapie?
  • Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Spätestens hier hat man bei der Beantwortung der letzten Frage den Leser im firmeneigenen Boot. Denn Sanofi bietet eine Möglichkeit an, Arthrose zu therapieren, und zwar mit hochmolekularer Hyaluronsäure.

Ich hatte zum Einsatz von Hyaluronsäure diesem Beitrag gebracht: Hyaluronsäure | Wirkung – Anwendung und Nutzen.

Wenn Sie meinen Hyaluronsäure-Artikel gelesen haben, dann werden Sie zwei Dinge feststellen. Erstens finden Sie auf meiner Seite kein Firmenemblem und entsprechende Links und Verweise auf entsprechende Produkte – höchstens den Platz für die Google-Anzeige, auf die ich aber keinen Einfluss habe…

Zweitens empfehle ich die Behandlung mit Hyaluronsäure nur unter bestimmten Voraussetzungen, auf keinen Fall aber als eine allein seligmachende Therapieform. Ich erwähne in diesem Beitrag darüber hinaus, dass es Therapieformen gibt, die besser wirken als Hyaluronsäure, gleichgültig ob es sich hier um niedermolekulare oder hochmolekulare Varianten handelt.

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Endlich kommt die Pharmafirma „ordentlich“ zu Wort

Nachdem also der Focus-Beitrag der Vollständigkeit halber (und zu Beginn des Beitrags von Sanofi unabhängige Therapiemöglichkeiten aufgezählt hat), kommt in der zweiten Hälfte des Beitrags die Firma endlich deutlich und ausschließlich zu Wort. Es hagelt an Links zu weiterführenden Webseiten.

Es handelt sich hier um weitere Beiträge von Focus über das Thema Arthrose. Sollte Ihr Internet Browser über keinen Ad-Blocker (blockiert Werbung auf Webseiten) verfügen (oder selbiger abgeschaltet sein), dann sehen Sie über und neben dem eigentlichen Artikel Werbung der Firma Sanofi für deren Hyaluronsäure-Produkt.

Es gibt sogar Videoclips von Sanofi, die in den Artikeln eingebettet sind, die die alternativlosen Vorteile der Behandlung mit Sanofi-Produkten demonstrieren (focus.de/gesundheit/ratgeber/gelenkschmerzen/hyaluronsaeure-therapie-diagnose-arthrose-mit-diesem-langfristigen-ansatz-bekaempfen-sie-den-schmerz_id_6756889.html). Und damit nicht genug: damit kein Leser ungeschoren nach Hause gehen kann, gibt es auch noch einige Links, die auf die Sanofi Webseite in Sachen Hyaluronsäure verweisen.

Auf diesen Seiten werden wir von Personen angestrahlt, die aufgrund ihres jungen Alters und der augenscheinlichen körperlichen Verfassung überhaupt keine Arthrose-Patienten sein können. Macht es wirklich so viel Spaß, an Arthrose zu leiden? Die Legoland-Webseiten (fit-und-mobil.info und synvisc.de) von Sanofi jedenfalls geben Grund zu dieser Vermutung!

Korrektur

Ich sprach in der Überschrift von „versteckter Werbung“ im Internet. Ich vermute seit sehr langer Zeit, dass Pharmafirmen Patientenblogs und Foren infiltrieren, um die Diskussionen auf Therapieformen zu lenken, bei denen sie ihre Produkte unterbringen können. Oder von Firmen lancierte patientenorientierte Webseiten, deren einziges Bestreben es ist, Patienten von bestimmten Produkten zu überzeugen unter dem Vorwand, diese Produkte und keine anderen würden dem Patienten helfen können.

In meinem Beitrag zur Multiplen Sklerose gehe ich auf einige Webseiten ein, die vordergründig ebenfalls als „Ratgeber“ daherkommen, hinter denen aber jeweils eine Pharmafirma steckt.

Der Focus-Beitrag zeigt eine neue Dimension dieses Vorgehens auf. Das Wort „versteckte“ Werbung ist hier überhaupt nicht berechtigt. Vielmehr trifft der Begriff „offensichtliche“ Werbung offensichtlich zu. Denn dieser Beitrag, und andere Arthrose-Beiträge von Focus, sind die reinste Werbeveranstaltung für Sanofi.

Sogar mein Ad-Blocker blockierte die im Text enthaltenen Links zu den Sanofi-Webseiten, weil er sie als Werbung erkannt hatte. Es wird unverhohlen Werbung per Anzeige für Sanofi-Produkte (und kein anderes) gezeigt. Das Sanofi-Firmenlogo prangt stolz auf der Kopfseite der Webseite, als wenn die Seite dem Leser von Beginn an zeigen wollte, dass dies hier eine Sanofi-Veranstaltung ist.

Keine Frage: Werbung ist legitim, wenn Sie als solche klar ersichtlich ist. Bei zahlreichen Webseiten die im Netz herumgereicht werden habe ich da gravierende Bedenken: Keiner weiß so recht, wer da eigentlich schreibt und mit welcher Interessenlage. Übrigens aus diesem Grund prangt ja auch über allen meinen Webseiten mein Gesicht und mein Name, damit die Leser sofort wissen, von wem das kommt.

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In eigener Sache – Teil 2

Aus diesem Beispiel können „wir“ zwei Sachen lernen:

Erstens: Die sogenannten Experten-Webseiten sind nicht immer hilfreich für den Leser, der um Rat sucht, sondern meist für den Schreiber, der durch Interessen beeinflusste Ratschläge verbreitet, für die er dann gut bezahlt wird. Bei mir finden Sie ausser den erwähnten Google-Anzeigen keine gesponsorten Artikel und keine versteckte Werbung für irgendwas.

Zweitens: Genau dies ist der Grund, warum Sie bei mir nur in Ausnahmefällen Empfehlungen für Produkte bekommen. Und diese seltenen Empfehlungen mache ich nicht, weil der/die Hersteller mich dafür fürstlich entlohnt hat/haben, sondern weil ich durch eigene Erfahrungen zu diesem Ergebnis gekommen bin.

Wenn ich bestimmte Produkte empfehle, dann tue ich dies, weil ich persönlich damit gut Erfahrungen gemacht habe und diese auch meinen Patienten in der Praxis empfehle. Meine Unabhängigkeit und das von Ihnen in mich gesetzte Vertrauen in meine Ratschläge und Beiträge sind ungleich mehr Wert. An dieser Stelle mal ein ganz dickes DANKE an sie alle!

Fazit

Es ist erschreckend zu sehen, wie schamlos inzwischen angeblich renommierte Magazine eine Berufsgruppe als Vorwand (hier die Physiotherapeuten), sowie die Not von Patienten nutzen, um damit ihren Schnitt zu machen.

Wo früher alles noch wenig offensichtlich über anscheinend ernstzunehmende Diskussionen und Ratschläge verlief, die dann von hinten durch die Brust ins Auge zum eigentlichen Thema vordrangen – das zu bewerbende Produkt der Pharmaindustrie – hat der Focus (und andere auch schon?) sich entschlossen, das Feigenblatt zu entfernen und gleich eine offensichtliche Werbeveranstaltung für eine Pharmafirma ins Netz zustellen.

Fazit vom Fazit: Bleiben Sie gesund, sonst geht es Ihnen schlecht… und den Ärzten, der Pharmaindustrie und den Werbeblättchen gut.

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Unglaublich, aber dennoch wahr, was der Bayerische Rundfunk und die ARD im Wonnemonat Mai dieses Jahres zu berichten haben.

Es geht wieder einmal um das leidige Thema antibiotikaresistente Keime, deren Entstehung und den eingeschränkten Therapiemöglichkeiten der von ihnen hervorgerufenen Infektionen.

 

Ich berichtete bereits zuvor in einigen Beiträgen zu diesem Problem:

Resistenzen – Ein hausgemachtes Problem

Die Resistenzentwicklungen erklären sich heute im Wesentlichen über zwei Faktoren.

Zum Einen werden Antibiotika in der Schulmedizin regelrecht „unfachmännisch“ eingesetzt. Das heißt, dass sie entweder prophylaktisch gegeben werden, oder bei Indikationen, bei denen Antibiotika nicht wirksam sind. Denn nicht selten werden Antibiotika bei viral verursachten Infektionen verschrieben. Aber hier wirken Antibiotika nicht, da sie nur gegen Bakterien wirksam sind.

Und auch nicht alle Antibiotika sind gegen alle Bakterien wirksam. Deswegen greifen Ärzte nur zu gerne auf sogenannte Breitband-Antibiotika zurück, um sicher zu gehen, durch die Therapie den richtigen Erreger zu erwischen, ohne zuvor eine Laboranalyse machen zu müssen.

Warum die Prophylaxe mit Antibiotika keine Prophylaxe ist, sondern ein Schuss ins eigene Knie, das habe ich im bereits oben zitierten Beitrag „mehr Antibiotika für mehr Infektionen“ erklärt. Zusätzlich muss betont werden, dass im Beipackzettel der Antibiotika unter der Rubrik „Indikationen“ bislang bei keinem Antibiotikum das Wort „Prophylaxe“ steht.

Das heißt, dass selbst von Seiten der offiziellen Schulmedizin (Zulassung) und der Pharmaindustrie die Prophylaxe nicht als Indikation zugelassen, beziehungsweise vorgesehen ist. Die evidenzbasierte Praxis der Schulmedizin dagegen praktiziert das komplette Gegenteil.

Der zweite Faktor ist der Einsatz von Antibiotika bei der groß angelegten Massentierzucht, sei es Hühner, Schweine, Rinder etc. Hier werden Antibiotika prophylaktisch gegeben, um Infektionen zu vermeiden, da die Tiere auf engstem Raum gepfercht vegetieren müssen und eine Infektion von nur einem Tier sich in Windeseile auf den ganzen Bestand ausdehnt.

Zeitweise wurden Antibiotika in subtherapeutischen Dosen verabreicht, weil sich gezeigt hatte, dass bei diesen Dosierungen das Wachstum der Tiere viel schneller erfolgte. Diese Praxis ist heute verboten. Das hat aber am Einsatz von Antibiotika in diesem Bereich kaum etwas verändern können, da eine solche Tierzucht ohne Antibiotika unmöglich ist.

Wir haben es also in der schulmedizinischen Behandlung und in der Tierzucht mit einem erweiterten Einsatz von Antibiotika zu tun, der für die betroffenen Bakterien ein mehr oder weniger dauerhaftes Milieu erzeugt, indem durch Mutation resistent gewordene Exemplare überleben können, ihre genetischen Informationen zur Resistenz an ihre Nachkommen weitergeben können und auch über einen horizontalen Transfer Resistenzgene an andere Bakterien weiterreichen können. Und je dauerhafter und ergiebiger dieses Milieu durch Antibiotika aufrecht erhalten wird, desto besser sind die Bedingungen für Resistenzentwicklungen.

Da könnte man meinen, dass diese Entwicklung ein Segen für die Pharmaindustrie ist, da sie mit ihren Produkten Infektionen bekämpft, aber durch die Hintertür resistente Infektionen produziert.

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Resistenz im Pharma-Hinterhof

Die Beiträge, auf den ich weiter oben verwiesen hatte (Supererreger aus Pharmafabriken und der ARD-Beitrag auf Youtube: Der unsichtbare Feind – Tödliche Supererreger aus Pharmafabriken | Die Story im Ersten) berichten über eine selten diskutierte Quelle der Resistenzentwicklung, die Pharmaindustrie selbst, was diese natürlich schamhaft zu verschweigen weiß. Und diese Resistenzentwicklung setzt bereits ein, ohne dass ein Patient oder ein Tier auch nur eine Kapsel Antibiotikum hat schlucken müssen.

Wir wissen inzwischen, dass eine große Zahl an Medikamenten überhaupt nicht mehr in Deutschland oder Europa hergestellt werden. Die klassischen Herstellerländer heute sind China und Indien. Sogar Zulassungsstudien werden in Indien „geschnitzt“ :

Pharmaskandal – Gefälschte Arzneimittelstudien durch GVK Bio? Und wie es aussieht, werden in Hyderabad die Antibiotika ebenso verantwortungslos hergestellt wie die in dem Artikel angesprochenen Arzneimittelstudien.

Ein Facharzt für Infektionskrankheiten und ein Reporter-Team des NDR reisten nach Hyderabad und inspizierten dort Flüsse, Seen und Kanalisation. Der durch Hyderabad fließende Fluss Musi war als Fluss kaum noch zu erkennen, da auf seiner Oberfläche ein dichter Schaumteppich schwamm, der auf große Mengen an Chemikalien schließen ließ.

Der dazugehörige abstoßende Geruch zeigte, dass es sich hier nicht um einen natürlichen Prozess handeln kann. Das alles sagt natürlich noch nichts über eine Belastung mit Antibiotika und resistenten Bakterien aus. Es sagt aber viel aus über die Sorglosigkeit, mit der Industrieabfälle in diesem Teil der Welt in die Natur gekippt werden.

Abfälle (inklusive Antibiotika) werden in den Fluss gekippt

Damit war anzunehmen, dass die Pharmafirmen, die Antibiotika herstellen, ihre Abfälle ebenfalls „sorgenfrei“ und ungefiltert in die Umwelt abgeben, ohne auch nur einen Gedanken an mögliche Konsequenzen zu verschwenden. Ein weiteres Indiz für diese mögliche Vorgehensweise gibt uns eine der führenden indischen Pharmafirmen, die in ihrer Werbung für sich selbst betonen, dass bei ihrem Unternehmen „minimale Kontrolle – maximale Förderung“ im Vordergrund stehen.

Ich verstehe hier unter „minimaler Kontrolle“ ein Signal der Firma an europäische und amerikanische Kunden, dass hier billig produziert wird, weil es keine Kontrollen gibt, wie zum Beispiel Umweltauflagen, die eine teure Entsorgung des chemischen Abfalls notwendig machen. Und wer billig produziert, der kann auch interessante Preise anbieten.

Kundschaft: Das Who-is-Who der Pharmaelite

Da ist es kein Wunder, wenn man hier das Who-is-Who der Pharmaelite als Kundschaft wieder trifft. Für die Pharmafirmen ist die Produktion in Indien ein Segen. Denn man braucht selber keine Produktionsstätten aufzubauen. Da hat man einiges gespart. Man braucht keine Angestellten zu bezahlen. Da hat man wieder einiges gespart.

Und man hat keine Sorgen mit Umweltauflagen und anderen kostentreibenden Notwendigkeiten. Also, Indien wird immer interessanter. Und wenn man mal eine leicht geschönte Zulassungsstudie braucht, dann ist Indien auch nicht weit weg. Es lebe Indien!

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Antibiotikarückstände und resistente Keime aus dem Wasserhahn

Dieses verantwortungslose, billige und rücksichtslose Konzept ist natürlich nicht ohne Konsequenzen. Die Konsequenzen tragen weniger die Pharmafirmen oder die verehrte Kundschaft in Europa. Die Konsequenzen tragen erst einmal die Leute vor Ort.

Denn das Team von Reportern und Infektionsmediziner konnte durch Probeentnahmen in verschiedenen Teilen rund um die Produktionsstätten nachweisen, dass hohe Mengen an Antibiotikarückständen im Wasser und dem Boden zu finden sind, und damit verbunden auch extrem hohe Mengen an bereits resistenten Bakterien.

Damit war hier in der freien Natur das erreicht worden, was ich weiter oben bereits beschrieben hatte: Durch die langanhaltende und nachhaltige Freisetzung von Antibiotika-Abfällen wurde in der Umwelt ein Milieu geschaffen, das, verbunden mit der lokal bedingten Hitze, beste Bedingungen bereitstellt, um Resistenzen zu erzeugen. Selbst das Wasser aus dem Wasserhahn eines Restaurants war bereits mit Beiden (Antibiotikarückständen und resistenten Keimen) „gut versorgt“.

Tod durch nicht mehr behandelbare Infektionen

Der Film zeigt auch die ersten Opfer, die in den Krankenhäusern in Hyderabad aufgrund nicht behandelbarer Infektionen sterben müssen. Der Film zeigt auch die ersten Opfer in Deutschland, die in Krankenhäusern aufgrund von resistenten Infektionen behandelt werden müssen. Man fragt sich natürlich, wie kommen diese resistenten Keime zu uns?

Oder handelt es sich hier um andere resistente Keime, die vor Ort entstanden sind? Ich schätze beides ist möglich. Denn der verantwortungslose Umgang mit Antibiotika vor Ort ist durchaus in der Lage, solche Resistenzen zu erzeugen. Aber die resistenten Erreger aus Hyderabad sind durchaus in der Lage, über verschiedene Wege in Europa und anderen Teilen der Welt eingeführt zu werden.

Der Film verrät uns, dass Untersuchungen von Touristen, die ihren Urlaub in Indien gemacht hatten, gezeigt hatten, dass diese bereits resistente Keime im Darm aus der Region nach Deutschland eingeschleppt hatten. Selbst die Antibiotikalieferungen aus Hyderabad an die deutschen Pharmafirmen oder Verteiler sind alles andere als keimfrei.

Nur wenige resistente Keime müssen überleben, um in ihrem neuen „Heimatort“ neue Kolonien zu gründen und Menschen und Tiere zu infizieren. Importierte Lebensmittel bieten ebenfalls ausreichend Gelegenheit für einen erfolgreichen Transport nach Europa (Gemüse und Obst – Mit Silikon, Hormonen und Gift aufgespritzt). Und sogar Zugvögel können multiresistente Keime bei uns einschleppen und über den Kot in der Umwelt verbreiten.

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Die Schuldlosigkeit der heiligen Pharmaindustrie

Ein weiterer Vorteil, seine Produkte in Indien produzieren zu lassen, ist die Tatsache, dass unbequeme Fragen bezüglich Produktion und Industriestandard auf die Inder abgewälzt werden können. Die deutsche Kundschaft = Pharmaindustrie wird die Verantwortung für das, „was da unten in Indien passiert“, nicht übernehmen wollen.

Und die indische Pharmaindustrie reagiert wie die Pharmaindustrie immer reagiert: Sie weiß von nichts, macht alles zum Wohle der Menschheit, hält die Umwelt in höchsten Ehren und ist auch sonst immer toll drauf, wenn es um Selbstbeweihräucherung und Hochglanzmarketing geht.

Hier in Deutschland reden sich nicht nur die Pharmafirmen heraus, sondern mit ihnen Arm in Arm auch die Politik. Denn die sendet ihre Prüfer und Inspektoren nach Indien, um die Produktionsstätten von innen zu begutachten. Was im Hinterhof der Firmen vor sich geht, dass dürfen sie angeblich aus rechtlichen Gründen nicht mit in die Prüfung eingehen lassen.

Das zeigt also, dass das Recht so geschnitzt zu sein scheint, dass den indischen Pharmafirmen die Verantwortung für die massive Umweltvernichtung (Umweltverschmutzung wäre angesichts der Situation dort vor Ort eine unzulässige Verharmlosung) nicht angelastet werden kann/darf.

Und das ist natürlich ein netter Beitrag zur Kostensenkung für die Produktion von Antibiotika. Keine Frage, dass so ein Recht den Industriestandort Hyderabad enorm stärkt.

Wenn man den Beteuerungen von hiesigen und indischen Pharmafirmen glauben darf, dann gibt es keine Ableitung von Industrieabfällen in Hyderabad in die Umwelt. Dann stinkt auch der Fluss Muri nicht. Dann haben die Wasser- und Bodenproben des NDR-Teams keine Antibiotikarückstände in hohen Mengen und entsprechend hohe Mengen an resistenten Keimen gezeigt.

Dann gibt es auch keine Infektionskrankheiten auf den Intensivstationen. Dann haben wir das alles nur geträumt. Oder welcher Schlingel hat dann die bösen Keime und die Chemie in der Gegend verstreut, wenn nicht die, die täglich diese Substanzen erzeugen? Komisch…

Fazit

Nicht nur unsachgemäßer Einsatz von Antibiotika durch Schulmedizin und Massentierzucht ist verantwortlich für die Entstehung von multiresistenten Krankheitserregern.

Die Pharmaindustrie leistet dazu einen weiteren signifikanten Beitrag, indem sie Produktionsbedingungen so gestaltet, dass Kosten gespart werden, indem die Entsorgung der Natur und Umwelt überlassen wird. Unter der Sonne Indiens ist hier ein Brutofen für Keime entstanden, die unter hohen Konzentrationen von Antibiotika im Boden und im Wasser optimale Bedingungen für Resistenzentwicklungen gefunden haben.

Das Groteske an der Situation ist, dass mit der Auslieferung der Antibiotika nach Deutschland zum Beispiel auch gleichzeitig multiresistente Keime mit Teil der Lieferung sind. Und es wird noch grotesker, wenn man die Stellungnahmen der Pharmaindustrie dazu vernimmt, die wieder einmal von nichts weiß und alles abstreitet, obwohl der tote Gaul stinkend vor ihrer Haustür liegt.

Stattdessen lenkt man lieber ab und schürt die Angst zum Beispiel vor Kinder-Infektionskrankheiten. So kann man uns geschickt eine Impfpflicht aufdrücken, mit Argumenten und Zahlen, die (ebenfalls) mehr als fragwürdig sind. Aber mit Kindern und deren Krankheiten kann man ja schön polarisieren. Millionen von Menschen glauben aber lieber einem Industriekomplex der mehrfach bewiesen hat, das Fälschungen, Leid, Tod und Lüge…

Ich schreibe hier mal lieber nicht weiter…

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Hurra, Hurra! Die neue Arzneimittelreform ist da!

Eine Pressemitteilung (bundestag.de/presse/hib/2017_03/-/496516) des Deutschen Bundestages hat uns über die Neuerungen informiert. Und wenn man sich die Fragestunde des Bundestags an die Regierung am 8.3.2017 angesehen hat, dann scheinen selbst zahlreiche Abgeordnete nicht mehr zu wissen, als in dieser Erklärung des Gesundheitsausschusses steht.

Und dabei soll diese Reform noch dieses Jahr, ganz ohne die Zustimmung des Bundesrates, in Kraft treten. Was also wurde da in der Vorlage beschlossen?

 

Als erstes erfahren wir, dass es sich bei der Arzneimittelreform 2017 um eine „Stärkung der Arzneimittelversorgung in der GKV“ handelt, wogegen man ja nichts einwenden kann. Denn Stärkung ist immer gut, richtig? Dann erfahren wir weiter, dass die Gesetzesvorlage unter anderem „auf den Ergebnissen eines Pharmadialogs fußt“.

Und dieser Dialog hat etwas ganz Fantastisches hervorgebracht: Kostendämpfung und gleichzeitig das komplette Gegenteil, nämlich „Anreize für die rasche Bereitstellung innovativer Medikamente“.

„Kostendämpfung“ – hört sich gut an. aber was wird da denn gedämpft?

Kostendämpfung, das hört sich immer gut an. Was eine „rasche Bereitstellung innovativer Medikamente“ sein soll, darüber gibt es keine weiteren Erläuterungen. Vor allem das Wort „innovativ“ halte ich für ein Alibi, um „Anreize“ für die Pharmaindustrie anzubieten, deren Charakter keiner weiteren Definition bedarf.

Der Kontext dieser Passage hört sich so an, als wenn die arme Pharmaindustrie unter einem eklatanten Mangel an Anreizen leidet, der mit dieser Reform behoben werden soll. Außerdem werden die vielen „me-too“ Präparate auf dem Markt, die mehr als drei Viertel aller Präparate ausmachen, als Resultat von mangelnden Anreizen hingestellt.

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Innovation – von wegen…

Wenn es dann mit den Anreizen klappt, dann dürfte dies das Aus für die Nachahmerpräparate sein, oder? Und was heißt „innovativ“? Viele dieser sogenannten „innovativen“, neuen Substanzen sind biochemische Aufgüsse alter Substanzen, die mit minimalen Veränderungen in ihrer biochemischen Struktur zu patentierbare Medikamente mutierten.

Mehr zu diesem Phänomen hatte ich bereits hier geschrieben:

Nachdem der Leser seine Leckerbissen (Kostensenkung und innovative Medikamente) erhalten hat, geht es ans Eingemachte.

Denn einer dieser Anreize scheint zu sein, dass bei neuen (steht das jetzt für „innovativ“?) Medikamenten die ursprünglich beabsichtigten Preisregulierungen doch nicht zum Tragen kommen. Die sahen nämlich vor, dass „die freie Preisbildung im ersten Jahr nach Markteinführung nur noch bis zu einem Schwellenwert in Höhe von 250 Millionen € gelten. Bei Umsätzen über diesen Wert wären Rabatte fällig geworden“. Demnach gibt es jetzt kein „erstes Jahr“ und keine „Rabatte“ mehr zu befürchten.

Ein Lacher…

Als Ausgleich für dieses massive Entgegenkommen in Richtung Pharmaindustrie sollen die Erstattungsbeträge für diese „innovativen“ und andere Medikamente öffentlich gelistet werden, was zwar nicht die Kosten senkt, aber das Gefühl von Kontrolle vorgaukelt. Oder hat die Pharmaindustrie noch nie bei den von ihr produzierten Daten gelogen und die Verbraucher hinters Licht geführt? Trau, schau wem: Die Pharmaindustrie – schlimmer als die Mafia?

Ich werde mir die Daten jedenfalls genau anschauen.

Warum das alles?

Endlich sprudelt es dann aus den Volksvertretern heraus: es geht um den Pharmastandort Deutschland und dessen Stärkung. Prima! Applaus!

Und damit das durchgesetzt werden kann, braucht man (wer ist man?) einen Spielraum (im Kindergarten gibt es deren viele) für Preisvereinbarungen. Was die Volksvertreter uns damit unterjubeln wollen, ist, dass der Spielraum für die Pharmaindustrie immer noch zu klein ist, und dass eine Stärkung des Pharmastandorts Deutschland keinen Platz für Spielräume hat, sondern dass die Pharmaindustrie selbst und ohne begrenzenden Spielraum die Preise diktieren soll.

Ursprünglich war jedenfalls vorgesehen, durch die Geheimhaltung der Erstattungsbeträge diesen besagten Spielraum zu schaffen. Das hört sich für mich so an, dass die Geheimhaltung selbst der Spielraum für allerlei standortstärkende Mauscheleien werden sollte, worauf man aber jetzt großzügig verzichtet.

Brandbrief an die Abgeordneten wegen Arbeitsplätzen in der Pharmaindustrie?

Bezeichnend war in der Fragestunde des Bundestags an die Regierung vom 8.3.2017 auch, dass eine Abgeordnete danach fragte, was es mit einem „Brandbrief“ zahlreicher Mitarbeiter aus der pharmazeutischen Industrie auf sich habe, die sich Sorgen um den Standort Deutschland und Ihren Arbeitsplatz machen?

Ich bin mir nicht mehr sicher wie die Frage genau lautete, aber es war von einem „Brandbrief“ die Rede. Ich nehme an, dass da zahlreiche Organisationen der pharmazeutischen Industrie aufgerufen waren, an die Abgeordneten zu schreiben und ordentlich Druck zu machen wegen Ihres Arbeitsplatzes. So kann man das Spiel natürlich auch spielen…

Das Preismoratorium für Arzneimittel

Eine weitere Maßnahme um den Standort zu stärken, ist die Einigung in Bezug auf ein Preismoratorium von 2010, demzufolge im Jahr 2018 eine Preisanpassung (= Preiserhöhung) für Medikamente ohne Festbetrag erfolgt, um die Inflationsrate zu antagonisieren.

Wie dies zur Kostensenkung passt, dazu muss man einfach Politiker sein, um das zu verstehen?

Danach geht es nahtlos weiter mit „Arzneimitteln“.

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Antibiotika

Antibiotika und deren Resistenzentwicklung sollen in die „Nutzenbewertung“ mit einbezogen werden. Und falls neue Resistenzen auftreten, dann soll die „Wartefrist für eine erneute Bewertung des Zusatznutzens verkürzt“ werden, was die Vermutung nahelegt, dass Antibiotikaresistenzen das Ergebnis zu langer Wartefristen sind.

Ist das jetzt ein Eingeständnis, dass man in der Politik in dieser Angelegenheit zu lange geschlafen hat? Aber das ist ja nichts Neues, wie ich bereits im meinem Beitrag zu den Antibiotika zeigte.

Aber es geht ja um die Stärkung des Pharmastandorts Deutschland, für den eine Einschränkung von Medikamenten aufgrund von Nebenwirkungen kontraproduktiv ist. Wie lange ist die Wartefrist bisher? Keine Ahnung. Vielleicht sechs Monate? Wie lang ist die verkürzte Wartefrist? Keine Ahnung. Ich schätze nur noch ein halbes Jahr.

Zytostatika: Die Krebsmittel

Dann kommen in der Arzneimittelreform 2017 auch noch die Zytostatika an die Reihe. Diese Medikamente sind standortgerecht super teuer, sodass die Krankenkassen die Möglichkeit hatten, über eine Ausschreibung den preisgünstigsten Anbieter auszusuchen. Das wird ab sofort nicht mehr möglich sein.

Der Grund, der hier angegeben wird, ist wieder einer, dem nur ein Politiker verstehen kann: die Versorgungssicherheit soll hiermit erhöht werden. Also hatte es Versorgungsengpässe gegeben – aber das war bekannt. Denn: das Zeug muss vor Ort in Apotheken hergestellt werden und immer weniger Apotheken waren bereit dazu.

Mit der Aufhebung der Ausschreibungen haben wir jetzt wieder die Verhältnisse, wie wir sie schon einmal hatten und die ich im Beitrag Betrug bei Krebsmitteln für Chemotherapie beschrieben hatte: Bestechlichkeit, Korruption, Schmiergelder und Preisdiktate, inklusive Mondpreise.

Ich weiß nur, dass das mit Kostensenkung absolut nichts zu tun hat.

Das Gleiche gilt auch für Impfstoffe, die damit kostensenkend zu Höchstpreisen die Kassen der Hersteller füllen werden!

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Rabattverträge – wir sind gespannt…

Damit aber niemand auf den Gedanken kommt, dass hier keine Kostensenkung, sondern eher etwas ähnliches wie Kosten-Detonation betrieben wird, schiebt die Erklärung noch einen weiteren Leckerbissen mit ein, nämlich den von Rabattverträgen. Die werden nämlich zwischen Krankenkassen und Pharmafirmen „ermöglicht“. Ermöglicht jedoch heißt, dass es von bestimmten Bedingungen abhängig gemacht wird, ob man Rabatte verhandelt oder nicht, ob man sie bekommt oder nicht usw. Für mich heißt das, dass Pharmafirmen, die diese Möglichkeit nicht mögen, auch keinen Rabatt geben müssen.

Und damit man sieht, dass die armen Pharmafirmen es auch nicht einfach haben, werden sie per Reform dazu verdonnert, „den zuständigen Bundesoberbehörden (toller Ausdruck) Informationen über die Absatzmenge und das Verschreibungsvolumen“ auf Anfrage zu übergeben.

Damit dies allen klar ist: Es darf niemand anders als die heilige „Bundesoberbehörde“ solche Informationen anfordern. Falls sie von diesem neu entstandenen Recht keinen Gebrauch macht, dann kann man diese Reform als vollen Erfolg bezeichnen. Zu viele diesbezügliche Anfragen würden ja auch den Pharmastandort Deutschland in Mitleidenschaft ziehen.

Fazit zur Arzneimittelreform

Die Kostensenkung ist da. Und wer nicht an sie glaubt, der hat hier einiges missverstanden. Es geht nicht um die Kostensenkung im sogenannten „Gesundheitssystem“. Denn dann sähe die Reform ganz anders aus. Es geht um eine „Kostensenkung“ für die Pharmaindustrie, deren Standort dadurch gestärkt werden soll. Dazu eignet sich diese Reform bestens.

Fazit vom Fazit: Kein Wort von einer Stärkung des „Patientenstandorts Deutschland“. Es geht wieder einmal nur um die Gesundheit der Pharmaindustrie. Das ist die wirkliche Bedeutung des Wortes „Kostensenkung im Gesundheitswesen“.

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Kleine Anmerkung: Die Sache mit den „5 Wundermitteln“ ist mit Abstand der beliebteste Newsletter, den meine Patienten gerne lesen…