Kneipp im Schnellverfahren: Das kalte Armbad mit Eiswürfel

Ein kleiner Tipp für zwischendurch, gerade jetzt…

Geeignet auch bei innerer Unruhe, schwerem Kopf, müden Augen oder wenn man merkt: Der Kreislauf hängt durch.

Das klassische kalte Armbad nach Pfarrer Kneipp geht so: Kaltes Wasser ins Waschbecken laufen lassen. Beide Unterarme ins kalte Wasser, bis es einem an den Armen zu kalt ODER bis man genug hat. Danach die Unterarme nicht abtrocknen, sondern nur das Wasser abstreifen. Hände abtrocknen ist ok.

Wer es noch schneller möchte: Nimm einen Eiswürfel und reibe damit im Wechsel beide Unterarme ab. Von der Hand Richtung Ellenbogen und wieder zurück. Ein Eiswürfel reicht völlig. Danach das Wasser wieder nur mit der Hand abstreifen. Hände können abgetrocknet werden.

Warum?

Weil der Kältereiz weiterwirken soll. Das war bei Kneip vor 120 Jahren schon so. Der kurze Kältereiz zieht die Gefäße zunächst zusammen. Danach folgt eine reaktive Durchblutung. Der Körper antwortet. Er reguliert. Und genau darum geht es bei Kneipp: nicht unterdrücken, sondern Reaktionsfähigkeit trainieren.

Besonders spannend ist hier das alte naturheilkundliche Prinzip der Ableitung.

Wer einen „vollen Kopf“ hat, Druckgefühl, geistige Überhitzung, innere Anspannung oder beginnende Kopfschwere, kennt dieses Phänomen: Alles sitzt oben. Gedanken, Spannung, Hitzegefühl, Unruhe. Der kalte Reiz an den Unterarmen kann helfen, die Aufmerksamkeit und die Durchblutung aus dem Kopfbereich mehr in die Peripherie zu lenken.

Geeignet ist das vor allem für Menschen, die tagsüber viel sitzen, viel denken, viel Bildschirmarbeit leisten oder abends schlecht „runterkommen“. Auch bei warmen Händen, innerer Unruhe, leichter Kreislaufträgheit oder nach geistiger Überlastung ist das immer einen Versuch wert.

Man kann das mehrmals täglich wiederholen.

Ach ja… Das Eisbaden nach Wim Hof ist ja modern geworden. Für die meisten ist das völlig illusorisch und auch (zunächst) schädlich. Das ist so als sage man einem Untrainierten er solle einen Marathon laufen. Kneipp sagte auch sinngemäß: Fliegen fange ich ja auch mit Honig – und den Patienten mit zunächst abgeschrecktem Wasser…
Damit meinte Kneipp lauwarmes Wasser.

Ergo: der Reiz muss zum Patienten passen und nicht umgekehrt.

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Foto von Dr Hans Nieper

Warum ich 1998 ein Praktikum bei ihm machen wollte – und was davon bis heute geblieben ist

Manche Texte schreiben sich nicht, sie tauchen auf. Während ich an meinem aktuellen Beitrag über Lithiumorotat arbeitete, kam mir plötzlich wieder jener Moment aus dem Jahr 1998 in den Sinn: Mein geplanter Antritt eines Praktikums bei einem Arzt, der die Medizinlandschaft tief geprägt – und zugleich polarisiert hat. Die Rede ist von Dr. Hans A. Nieper.

Nieper war Internist, Kardiologe, Zellforscher, ein medizinischer Nonkonformist. Er leitete in Hannover eine Privatklinik, forschte zur gezielten Mikronährstoffversorgung der Zellen und war seiner Zeit in vielen Bereichen Jahrzehnte voraus. Sein Ansatz: Krankheiten entstehen dort, wo Zellmembranen geschwächt, Transportprozesse gestört und Regulationssysteme überfordert sind. Statt nur Symptome zu bekämpfen, wollte er die physiologische Ordnung wiederherstellen – mit Substanzen, die wirken, ohne zu schaden.

Zu diesen Substanzen gehörte Lithiumorotat. Was heute in Studien neu bestätigt wird, hatte Nieper bereits in den 1990er-Jahren klar formuliert:

„5 mg Lithium aus Lithium-Orotat sind klinisch etwa so wirksam wie 100 mg Lithium aus Lithiumcarbonat.“

Nieper war überzeugt, dass Lithium (richtig dosiert und in organischer Form) bei Depressionen, Migräne, Alkoholismus, Schilddrüsenstörungen und sogar bei Leukopenie helfen könne. Und vor allem: ohne die Nebenwirkungen, die bei der Hochdosis-Therapie mit Lithiumcarbonat üblich sind.

Dass ich 1998 bei ihm lernen wollte, war kein Zufall. Sein Buch „Revolution in Medizin und Gesundheit“ war für mich mehr als eine Lektüre – es war eine Einladung, Medizin anders zu denken. Das habe habe ich mehrfach gelesen. Es ist auch heute noch ein großartiges Buch des Wissens. Leider verstarb Dr. Nieper kurz vor Beginn meines geplanten Praktikums. Auch hierzu könnte ich einige Geschichten erzählen – aber das mache ich sicher nicht öffentlich.

Ein Mann mit prominenter Patientenschaft – und großem Schweigen

Um Nieper rankten sich einige „Geschichten“. Manche wurden belächelt, andere bewundert. So sollen unter seinen Patienten Persönlichkeiten wie Ronald Reagan, Anthony Quinn, Yul Brynner, John Wayne, Nancy Sinatra und sogar Prinzessin Caroline von Monaco gewesen sein.

Belegen lässt sich das nur schwer. Die Reagan Library erklärte auf Anfrage, dass „President Reagan’s private medical records […] unavailable“ seien. Es heißt, Nieper sei 1985 nach Amerika geflogen, um Reagan in seinem Krankenhauszimmer zu behandeln. Offiziell bestätigt – aber eben auch nicht dementiert.

Und doch: Wer mit ehemaligen Mitarbeitern spricht, wer in alten Interviews stöbert, der spürt, dass an diesen Geschichten mehr ist als nur Mythos – ich kann das bestätigen. Dass manche Dinge damals eben nicht öffentlich gesagt werden durften – sei es aus politischer Rücksicht oder wirtschaftlichem Kalkül.

Nieper jedenfalls äußerte sich ziemlich deutlich zum Lithiumorortat:

„Die Schule ignoriert diese Form – aus Prinzip.“
Und sinngemäß galt das auch für Laetrile, Calcium-AEP, Selen, bestimmte Enzyme und unzählige weitere Bausteine, mit denen er arbeitete.

Was bleibt von Niepers Werk?

Sehr viel mehr, als man denkt. Viele seiner Empfehlungen (etwa zur orthomolekularen Unterstützung bei Krebs, zur Zellmembranstabilisierung, zur gezielten Entgiftung) finden heute Einzug in funktionelle Medizin, Integrativmedizin oder moderne Neuroimmunologie. Zwar selten unter seinem Namen, aber inhaltlich oft deckungsgleich. Alles nichts Neues.

Und Lithiumorotat? Wird heute wieder diskutiert. Studien zeigen: hohe Bioverfügbarkeit, geringe Nebenwirkungen, Wirkung auf Neuroprotektion und Autophagie. Genau das, was Nieper schon vor 30 Jahren sagte – damals als Außenseiter.

Ich habe meinen Beitrag über Lithiumorotat überarbeitet – auch im Andenken an diesen Mediziner, der sich nicht beugen wollte. Ein Praktikum bei ihm war mir nicht mehr vergönnt. Aber viele seiner Gedanken begleiten mich bis heute. Und vielleicht ist es genau jetzt an der Zeit, seine Ideen wieder ins Licht zu holen – nicht als dogmatisches Erbe, sondern als Erinnerung daran, wie Medizin auch gedacht werden kann: ganzheitlich, mutig, zukunftsgewandt.

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Beitragsbild: Wikimedia Commons / health soulutions inc, Lizenz: CC BY-SA 4.0,

 

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