Kortison rettet Leben. Und es ruiniert sie – wenn es aus dem Ruder läuft.

Als Medikament unterdrückt es Entzündungen, stoppt allergische Reaktionen und wird in Notfällen nahezu reflexhaft eingesetzt. Doch das körpereigene Kortison – also das Stresshormon der Nebennieren – kann bei chronischer Überproduktion genau jene Systeme destabilisieren, die es eigentlich schützen soll.

Gewichtszunahme am Bauch, Muskelschwäche, Bluthochdruck, Schlafstörungen, ein aufgedunsenes Gesicht – vieles davon wird isoliert betrachtet. Hier ein paar Kilo mehr. Dort schlechter Schlaf. Ein wenig erhöhter Blutdruck.

Was aber, wenn all diese Symptome Ausdruck eines dauerhaft übersteuerten Stresssystems sind?

Die amerikanische Zeitschrift Prevention hat jüngst fünf Warnzeichen für erhöhte Kortisonspiegel zusammengetragen. Die spannende Frage ist jedoch nicht nur, woran man zu viel Kortison erkennt – sondern warum es in unserer Zeit so häufig chronisch erhöht bleibt.

Denn eines ist klar:

Ein Hormon, das evolutionär für akute Gefahr gedacht war, ist nicht dafür gemacht, dauerhaft im „Alarmmodus“ zu laufen.

Beginnen wir mit der Frage:

Was macht das Kotison eigentlich?

Kortison gilt als das klassische Stresshormon, welches unter anderem die Wirksamkeit des Immunsystems beeinträchtigt. Aus diesem Grund wird es gegen Allergien und Entzündungen eingesetzt. Das klingt erst einmal harmlos, ist aber bei einer Daueranwendung alles andere als das. [1] [2]

Im Januar 2026 veröffentlichte die amerikanische Medizinzeitschrift „Prevention“ einen interessanten Beitrag, der die fünf Anzeichen von erhöhtem Kortison beschreibt, die man im Auge behalten sollte. Hier spielt Stress als Ursache eine bedeutsame Rolle, ist aber nicht alleine verantwortlich. [3]

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Die Rolle der Hormone

Hormone steuern viele lebenswichtige Systeme und Prozesse. Eines der wichtigsten ist Kortison, dessen Spiegel, wenn er den Normalbereich überschreitet, eine Reihe von Problemen verursachen kann. Einige Symptome sind bekannt, doch Ärzte weisen auf überraschende Anzeichen eines erhöhten Kortisonspiegels hin, die Beachtung verdienen.

Kortison ist ein komplexes Molekül, das von den Nebennieren produziert wird und zahlreiche Stoffwechselfunktionen im Körper erfüllt. Es ist essenziell für die Steuerung unseres Wachstums, der Organentwicklung, der Immunfunktionen, der Entzündungsreaktion und vieler anderer zellulärer Aktivitäten. Dennoch ist Kortison vielen als „Stresshormon“ bekannt, dessen Spiegel in Stresssituationen ansteigt, damit wir wachsam bleiben und potenziellen Gefahren begegnen können.

Anzeichen für einen erhöhten Kortisonspiegel

Der vorübergehende Anstieg oder Abfall des Kortisonspiegels ist normal und findet täglich statt, da der Kortisonspiegel beim Aufwachen seinen Höhepunkt und kurz nach dem Zubettgehen wieder seinen Tiefpunkt erreicht. Der Kortisonspiegel kann jedoch dauerhaft erhöht bleiben, z.B. weil zu viel und zu lange stressige Situationen vorliegen, was zu einer Reihe von gesundheitlichen Problemen führen kann.

Gewichtszunahme

Stoffwechselstörungen aufgrund chronisch erhöhter Kortisonwerte stehen in direktem Zusammenhang mit Fetteinlagerung und Gewichtszunahme, insbesondere mit viszeralem Fett, also dem Fett, das sich im Bauchraum ansammelt. Ein hoher Kortisonspiegel beeinträchtigt auch die Insulinsensitivität.

Und so wird die Wahrscheinlichkeit einer Gewichtszunahme weiter erhöht. Bei erhöhten Kortisonwerten beginnt der Körper auf natürliche Weise, Fett im Bauchraum einzulagern. Dies ist ein Überlebensinstinkt, der die inneren Organe, insbesondere Leber, Nieren und Darm, vor einer Belastung, also dem wahrgenommenen Stress, schützen soll. Diese Gewichtszunahme tritt häufig auch ohne erkennbare Veränderungen der Ernährung oder des Bewegungsverhaltens auf.

Muskelschwäche

Kortison spielt eine Schlüsselrolle beim Abbau von Proteinen und Fetten zu energieverwertbaren Formen. Ein erhöhter Kortisonspiegel kann jedoch die Muskeln schädigen, da diese vom Abbau nicht notwendigerweise verschont bleiben. Chronisch erhöhte Kortisonwerte beschleunigen den Proteinabbau im Körper, was zu Muskelschwäche, dünner werdender Haut und verstärkter Neigung zu Blutergüssen führen kann.

Bluthochdruck

Eine übermäßige Kortisonproduktion führt typischerweise zu Bluthochdruck. Obwohl der genaue Zusammenhang zwischen Kortison und Blutdruck noch nicht vollständig geklärt ist, ergab eine Studie in der Fachzeitschrift „Hypertension“, dass Menschen mit hohen Kortison- und anderen Stresshormonwerten häufiger Bluthochdruck entwickeln und Herz-Kreislauf-Erkrankungen erleiden als Menschen mit niedrigeren Stresshormonwerten. [4]

Schlechter Schlaf

Der Kortisonspiegel sollte nachts im Schlaf am niedrigsten sein. Ist er chronisch erhöht, stört dies die natürliche Ausschüttung der Hormone, die für das Ein- und Durchschlafen verantwortlich sind. Schlafstörungen können zu einer Reihe weiterer Probleme führen, von Müdigkeit und Antriebslosigkeit bis hin zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Schwellungen im Gesicht

Es ist wichtig zu wissen, dass chronisch erhöhte Kortisonwerte nicht nur durch Stress verursacht werden. Das Cushing-Syndrom ist eine Erkrankung, bei der die Kortisonwerte erhöht sind und die eine ärztliche Behandlung zur Regulierung erfordert. Es ist auch die wahrscheinlichste Ursache für Schwellungen im Gesicht (auch bekannt als Kortisongesicht oder Mondgesicht), insbesondere im Bereich der Wangen und des Kiefers sowie unter den Augen. Dies sind weitere mögliche Anzeichen für einen erhöhten Kortisonspiegel.

Was verursacht einen hohen Kortisonspiegel?

Chronischer Stress und Erkrankungen wie das Cushing-Syndrom können zwar zu erhöhten Kortisonwerten führen, sind aber nicht die einzigen möglichen Ursachen. Auch körperliche Erkrankungen, Fieber, Schlafmangel, Entzündungen, Schwangerschaft und emotionale Faktoren können den Kortisonspiegel beeinflussen.

Neben diesen inneren Faktoren können auch äußere Faktoren wie Ernährung, Alkohol, Koffein, Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel den Kortisonspiegel beeinflussen. Der Beitrag weist außerdem darauf hin, dass die genannten Symptome auch andere Ursachen als ein Kortisonungleichgewicht haben können, insbesondere da der Bereich des „normalen“ Kortisonspiegels sehr breit ist.

Wann Sie einen Arzt aufsuchen sollten

Letztendlich, so die Autoren, „kann die Diagnose von Kortison-Anomalien schwierig und manchmal fehlerhaft sein. Die Werte können auffällig erscheinen, obwohl keine Erkrankung vorliegt. Und subtile Symptome können sich als Folge von Kortison-Anomalien herausstellen, nachdem häufigere Ursachen ausgeschlossen wurden.“ Wenn Sie eines der oben genannten Symptome zusammen mit größeren Veränderungen in Ihrem Alltag oder Ihrem Gesundheitszustand bemerken, sollten Sie Ihren Arzt nach Ihren Kortisonwerten fragen.

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Quellen:

Cholesterin gilt seit Jahrzehnten als stiller Killer. LDL runter, Risiko runter – so lautet die einfache Formel. Je niedriger, desto besser.

Doch was, wenn diese Gleichung in der Realität nicht aufgeht?

Trotz millionenfacher Verordnungen von Statinen und immer neuer Wirkstoffe bleibt ein Befund erstaunlich konstant: In der Primärprävention ist der absolute Nutzen oft gering, die Mortalität bleibt unbeeinflusst. Gleichzeitig kommen neue Medikamente wie Inclisiran auf den Markt – eine RNA-basierte Therapie, die gleich für ein halbes Jahr wirkt. Technologisch beeindruckend. Klinisch überzeugend?

Während Leitlinien immer niedrigere LDL-Zielwerte definieren, stellt selbst das traditionsreiche „Arznei-Telegramm“ unbequeme Fragen: Wo sind die belastbaren Belege für eine generelle Senkung? Wer profitiert wirklich? Und wer trägt das Risiko?

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Es geht nicht nur um Zahlen auf einem Laborzettel. Es geht um Nutzen, Nebenwirkungen – und um ein milliardenschweres Geschäftsfeld.

Im „Arzneitelegramm“ las ich vor Kurzem: Cholesterin senken und was gibt es da Neues zu berichten. [1]

Zunächst jedoch etwas „Altes“ zu diesem Thema. Und das nicht vom „Telegramm“, sondern aus meiner Feder: [2]

Worum es hier eigentlich geht, ist wieder mal das Geschäft mit der Gesundheit. Oder Krankheit…

Wie gesagt: das Thema ist ein Dauerbrenner.

Denn Cholesterin soll angeblich „böse“ Elemente enthalten, das LDL-Cholesterin, welches Arteriosklerose und kardiovaskuläre Erkrankungen verursacht. Und daran sind ja schon viele gestorben. Also muss man was tun, um dieses Elend zu verhindern: Cholesterin senken mit z.B. Statinen, die bereits seit den 1980er Jahren zum Kassenschlager geworden sind.

Und wie das ausgesehen hat und heute noch aussieht, habe ich in etlichen Beiträgen beschrieben: [3] [4] [5] [6] [7] [8]

Je niedriger, desto besser

„Je niedriger, desto besser“ – dieser Leitspruch bei der Behandlung von Cholesterinwerten ist mit Sicherheit die Zauberformel für die Statinhersteller. Denn diese Formel gilt (fast) immer, gleichgültig, wie tief der Wert liegt (nur bei Null dürfte Schluss sein, oder?).

Und da haben wir schon das „Neue“ in der neuen Diskussion. Laut „Arzneitelegramm“ gibt es jetzt einen neuen Wirkstoff, der sich „Inclisiran“ nennt und in Fortbildungen propagiert wird.

Es handelt sich hier um eine kleine aktive RNA, die alle 6 Monate injiziert wird (zu Beginn nach 3 Monaten). Der Patient wird also genetisch verändert, und zwar insofern, dass diese RNA jetzt über eine Reihe von Zwischenschritten dazu führt, dass viel weniger LDL-Rezeptoren abgebaut werden können. Und die erhöhte Menge an Rezeptoren wiederum bewirkt dann eine erhöhte Clearance von LDL aus dem Blut und führt damit zu den Spiegeln und Umsätzen, von denen Pharma und Schulmedizin träumen.

Nach dieser frohen Botschaft zeigt jedoch Drugs.com, dass es hier einiges an Nebenwirkungen zu „bejubeln“ gibt. [9]

Die Erhöhung von Leber-Transaminasen ist die Auffälligste, wenn auch entwarnt wird, dass diese Erhöhung klinisch nicht relevant und asymptomatisch sei.

Weniger asymptomatisch und unbedenklich ist diese Nebenwirkung: Diabetes mellitus in 11,6 % der Fälle. Das wiederum ist ausgezeichnet, da der Hersteller Novartis auch eine ausgedehnte Palette an Diabetes-Medikamenten anzubieten hat. Da lässt sich wieder mal doppelt Kasse machen.

Andere häufige Nebenwirkungen sind Muskelschmerzen, Rückenschmerzen, Schmerzen in den Extremitäten, Blaseninfektionen, Durchfall, Bronchitis, Atemnot, Kopfschmerzen, Schwindel, Angina pectoris etc.

Die Überraschung

Wer jetzt glaubt, dass das „Arzneitelegramm“ in die gleiche Kerbe schlägt, der dürfte sich getäuscht sehen, sehr zu meiner (positiven) Überraschung.

Es beginnt damit, Behandlungsempfehlungen in Primär- und Sekundärprävention zu unterscheiden. Laut „Arzneitelegramm“ ist es sinnvoll, „ Patienten mit dokumentierten atherosklerotischen kardiovaskulären Erkrankungen medikamentös“ zu behandeln. Das sind also die Leute, die bereits geschädigt = krank sind, also an manifesten Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder peripherer arterieller Verschlusskrankheit leiden.

Jetzt kommen aber noch andere Diagnosekriterien dazu. Wenn nämlich beim Ultraschall auch noch Plaques in den Femoralarterien gesichtet werden können (bislang waren es nur 50 %ige Stenosen in mindestens zwei großen Koronargefäßen) und ein erhöhter koronarer Kalzium-Gehalt im CT beobachtet werden kann, dann „muss“ was getan werden. So die Europäische Gesellschaft für Kardiologie im neuen Update ihrer Leitlinien.

Das „Arzneitelegramm“ bringt dazu folgenden vernichtenden Kommentar:

„Randomisierte Studien, die den klinischen Nutzen einer medikamentösen Therapie belegen, wenn eine atherosklerotische Erkrankung allein durch Bildgebung dokumentiert ist, kann die Leitlinie weiterhin nicht bieten. So wenig wie Karotis-Plaques Personen pauschal zu „Hochrisikopatienten“ werden lassen, rechtfertigen unseres Erachtens weder Plaques der Femoralarterien noch erhöhte koronare Kalzium-Scores die Zuordnung zur Sekundärprävention.“

Also der Nutzen der Statine und anderer Cholesterinsenker, wenn es ihn gibt, scheint es nur in einer relativ kleinen Nische in der Sekundärprävention zu geben. Bei der Primärprävention, wo Pharma und Schulmedizin den meisten Umsatz erwarten, sieht es völlig anders aus. Und da wären wir wieder bei meinen Beiträgen weiter oben.

Sieht man das beim „Arzneitelegramm“ auch so?

Primärprävention mit Cholesterinsenkern

Das „Arzneitelegramm“ macht hier schnell Nägel mit Köpfen, indem es in dem Beitrag auf einen älteren „Arzneitelegramm“-Beitrag verweist, der schon im Juni 2023 veröffentlicht wurde. [10]

Hier bekommt der Leser zu lesen, dass aufgrund der Studienlage (teilweise sogar mit plazebokontrollierten Arbeiten) der absolute Nutzen der Cholesterinsenker gering war. Schlimmer noch: Ein derartiger Aufwand sollte ja eigentlich die Patienten vor tödlichen Plaques und Arteriosklerose schützen. Zumindest ist das der Anspruch der Befürworter. Das „Arzneitelegramm“ stellt jedoch fest, dass die Studienlage keinen Beleg für einen mortalitätssenkenden Effekt der prophylaktischen Gabe abliefern konnte.

Oder mit anderen Worten: Prophylaktisch Statine etc. einnehmen, weil man ein gewisses Alter oder bestimmte erhöhte Marker aufweist, bringt dem Patienten so gut wie nichts, aber den Herstellern guten Umsatz und dem Mediziner abrechnungsfähige Behandlungskosten.

Die neuen Leitlinien, die im neuen „Arzneitelegramm“ diskutiert werden, sehen jetzt vor, dass bei einem 10-Jahresrisiko von 20 % und einem LDL-Wert von 70 mg/dl eine prophylaktische Gabe von Cholesterinsenkern durchgeführt werden soll. Wie die Berechnung der 20 % ausgesehen haben, kann man nur vermuten. Denn sie basierte auf „Schätzungen anhand epidemiologischer Daten“. Toll, schätze ich!

Das „Arzneitelegramm“ selbst spricht hier von einer „Risikoabschätzung“, die die Kardiologen in ihrem unermesslichen Glauben an die eigene Schätzkraft durchgeführt hatten.

Aber es geht weiter: Bei 10 bis 19 % Risiko und einem LDL von 100 mg/dl muss auch zur Tablette gegriffen werden. Schön auch, dass die „Verordnungsfähigkeit“ von Lipidsenkern zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen von 20 auf 10 % Risiko herabgesetzt wurde. Da kann der Onkel Doktor viel mehr Patienten auf Statine und Co. einstellen, ohne dass es bei der Finanzierung Probleme gibt. Denn die Kassen zahlen den Unsinn.

Die Zielwertstrategie

Hier geht es darum, bei der Primärprävention und Sekundärprävention „gesunde“ Zielwerte für das LDL zu bestimmen. Laut „Arzneitelegramm“ hat sich hier wohl auch nichts geändert.

Bei der Sekundärprävention soll das LDL um mindestens 50 % des Ausgangswerts gesenkt werden oder unter 55 mg/dl. Bei der Primärprävention fast das Gleiche: mindestens 50%ige Reduktion des Ausgangswerts und unter 70 mg/dl.

Kommentar vom „Arzneitelegramm“:

„Zum Erreichen der Zielwerte scheinen ohne Rücksicht auf Zulassungsstatus und Datenlage alle Mittel recht, soweit sie in irgendeiner Studie die Reduktion vaskulärer Ereignisse gezeigt haben. Wir sehen weiterhin keine Belege für den Nutzen der Zielwertstrategie.“

Aber es geht noch bunter zu. Beim akuten Koronarsyndrom soll so richtig losgeballert werden. „the sooner, the lower, the better“ heißt es bei den Kardiologen im perfekten Medizindeutsch. Stationär soll die LDL-Senkung intensiviert werden durch die Gabe von hochdosierten Statinen (damit endlich die Patienten unter der Last der Nebenwirkungen zusammenbrechen?). Belege für dieses Vorgehen? Null! Laut „Arzneitelegramm“ gibt es keine Belege aus randomisierten Studien für diesen Unsinn.

Zudem wollen die Kardiologen auch nicht die HIV-Patienten vergessen. Ab dem Alter von 40 Jahren und höher wird therapiert, gleichgültig ob ein vaskuläres Risiko vorliegt oder nicht. Auch hier muss das LDL versenkt werden, koste es was es wolle. Die dazu erkorene Studie zeigte eine absolute Senkung der vaskulären Endpunkte (bestehend aus acht Komponenten) von 0,25 %. Super Ergebnis, gell?

Auch blieb die Mortalität unbeeinflusst. Wieder mal. Dafür nahmen die Diabeteserkrankungen unter der Therapie absolut um 0,3% zu. Toll!

Also: Therapieerfolg = 0,25 % — neue Diabetespatienten = 0,3 %. Aber das ist noch nicht alles. Muskelprobleme stiegen um 0,2 % pro Jahr.

Das „Arzneitelegramm“ dazu:

„Auf Basis dieser Daten bei HIV-Patienten unabhängig von vaskulärem Risiko und LDL eine IB-Empfehlung für Statine zur Primärprävention auszusprechen, erscheint uns nicht vertretbar.“

Fazit

Die neue Ausgabe des „Arzneitelegramm“ bestätigt fast wort- und ideengleich meine kritische Haltung gegenüber den Cholesterinsenkern, besonders wenn es darum geht, diese Art der Medikamente wie Bonbons im Kölner Karneval unter die Leute zu schmeißen.

Wie zu niedrige Cholesterinwerte die Mortalität erhöhen können, wovon niemand sprechen möchte, das habe ich hier diskutiert: [11]

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Quellen: 

Rückstände von Glyphosat in Lebensmitteln? Ach was. Und wenn schon: Das Zeug ist doch „unschädlich“, oder?

Das ist ungefähr die Standardreaktion. Und sie funktioniert erstaunlich gut, solange man das Thema nicht zu genau anschaut. Denn Glyphosat im Essen ist keine neue „Erkenntnis“. Rückstände wurden schon vor Jahrzehnten nachgewiesen. Bereits Anfang der 1980er Jahre gibt es Arbeiten, die Rückstände von Herbiziden wie Glyphosat in Pflanzen und Umweltproben dokumentieren: Triclopyr, glyphosate und phenoxyherbicide residues in cowberries, bilberries und lichen.https://ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/7326493; leider ohne Zusammenfassung.

Damals gab es noch keine Bio Welle, keine „Clean Eating“ Bewegung, keine Social Media Empörung. Das Bewusstsein war eher: Wird schon passen.

Heute wissen wir: Es passt eben nicht automatisch.

Denn das Problem bei Rückständen ist nicht nur die einzelne Messung. Das Problem ist die Routine. Brot, Brötchen, Mehl, Flocken. Dinge, die viele Menschen täglich essen. Und wenn dort Spuren drin sind, dann ist das kein „Einzelfall“, sondern ein Dauerabo.

ÖKO TEST: Getreideprodukte häufig belastet

Das Verbrauchermagazin ÖKO TEST berichtete in einer Ausgabe im Mai 2013 bereits, dass ein großer Teil getesteter Getreideprodukte mit Glyphosat belastet war. Untersucht wurden Proben aus dem täglichen Verzehr, darunter Mehle, Körnerbrötchen und Getreideflocken. Ein erheblicher Anteil zeigte Rückstände.

Nun kommt regelmäßig der Satz, der alles beruhigen soll: „Alles unterhalb der Grenzwerte.“

Ich halte das für eine der gefährlichsten Beruhigungsformeln unserer Zeit.

Denn Grenzwert bedeutet nicht „harmlos“. Grenzwert bedeutet: juristisch noch zulässig. Und diese Grenze wird nicht nach dem Prinzip festgelegt: „Was ist optimal für Ihre Gesundheit?“, sondern nach dem Prinzip: „Was ist gerade noch vermarktbar?“

Wenn ein Stoff in Lebensmitteln auftaucht, die zur Ernährungsgrundlage gehören, dann ist nicht die Frage, ob die Menge pro Portion klein ist. Die Frage ist: Wie oft essen Sie das? Und über wie viele Jahre?

Brot: Backen neutralisiert nicht alles

Ein weiterer Punkt, der gerne übersehen wird: Brot wird gebacken. Viele Menschen glauben instinktiv, Hitze würde „schon alles erledigen“. Tut sie aber nicht.

Wenn ein Stoff hitzestabil ist, bleibt er drin. Und damit wird aus einem landwirtschaftlichen Problem ein Küchenproblem. Ein Frühstücksproblem. Ein Kinderproblem. Ein Alltagsproblem.

Wie kommt Glyphosat ins Getreide?

Glyphosat wird eingesetzt, um unerwünschte Pflanzen zu beseitigen. Es ist ein Breitbandherbizid, also ein Mittel, das nicht selektiv „ein bisschen Unkraut“ entfernt, sondern grundsätzlich Pflanzenwachstum stört.

Und jetzt kommt der entscheidende Teil, den viele nicht wissen wollen, weil er zu gut erklärt, warum Rückstände überhaupt entstehen:

Glyphosat wird nicht nur irgendwann im Frühjahr auf irgendeinem Feld versprüht. Es kann auch kurz vor der Ernte eingesetzt werden, um Pflanzen gleichmäßig absterben zu lassen und die Ernte zu erleichtern. Das ist technisch praktisch, besonders bei schwierigen Wetterbedingungen. Aber es bedeutet eben auch: Das Getreide bekommt seine Portion direkt ab, kurz bevor es auf dem Teller landet.

Nicht irgendwann. Nicht theoretisch. Sondern zeitlich sehr nah am Endprodukt.

Und das betrifft nicht nur Getreide. Auch andere Kulturen wie Kartoffeln, Ölsaaten oder Hülsenfrüchte können auf diese Weise behandelt werden.

„Baut sich schnell ab“ ist ein Satz – mehr nicht…

Offiziell heißt es gerne: Glyphosat baue sich schnell ab. Das klingt beruhigend, also alles „halb so wild“? Nur ist die Realität in der Praxis oft eine andere. Denn selbst wenn ein Stoff abgebaut wird, heißt das nicht, dass keine Rückstände übrig bleiben. Und es heißt schon gar nicht, dass wir die tatsächliche Belastung im Alltag sauber erfassen.

Das Problem ist nicht nur Glyphosat. Das Problem ist die Denkweise: Man erlaubt etwas großflächig, produziert erst wenig unabhängige Daten, und wenn dann Jahre später Fragen auftauchen, ist das Mittel längst in der Routine angekommen. Dann hängt eine ganze Landwirtschaft daran, eine ganze Industrie, ein ganzer Markt.

Und plötzlich wird aus einer Gesundheitsfrage eine Wirtschaftsfrage.

Wenn die Wissenschaft unabhängig wird, wird es unangenehm

Glyphosat steht seit Jahren in der Kritik. Es gibt Bewertungen, die es als unproblematisch einstufen, und es gibt Bewertungen, die deutlich kritischer ausfallen. Auffällig ist: Je unabhängiger die Perspektive, desto weniger klingt es nach Entwarnung.

Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der WHO stufte Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ ein. Andere Institutionen kommen zu anderen Schlussfolgerungen. Das kann man als Laie kaum im Detail auseinanderklamüsern.

Was man aber sehr wohl erkennen kann, ist das Muster: Solange ein Stoff profitabel ist, wird er verteidigt. Und sobald er unbequem wird, heißt es: „Die Datenlage ist unklar.“ Ist klar.

Der eigentliche Skandal: Es ist Teil der Ernährungsgrundlage

Wenn Glyphosat in irgendeinem exotischen Spezialprodukt auftauchen würde, wäre es ein Randthema. Aber Getreideprodukte sind bei uns keine Randnotiz. Sie sind Basis: Brötchen am Morgen. Brot am Abend. Mehl in Kuchen. Flocken im Müsli. Nudeln. Snacks. Backwaren. Das ist nicht „ab und zu“. Das ist für viele: täglich.

Und genau deshalb ist der Satz „unter Grenzwert“ so trügerisch. Denn er ignoriert den Alltag.

Was ich daraus ableite

Ich bin kein Freund von Panik, aber Naivität ist fast noch schlimmer. Die Corona-Jahre haben da „einiges“ offenbart! Aber das ist ein anderes Thema. Bleiben wir beim Brot / Brötchen: Wer die Belastung reduzieren will, muss nicht alles „glutenfrei“ kaufen und sich auch nicht in Ersatzprodukte flüchten. Er muss nur anfangen, wieder wie ein normaler Mensch zu denken:

Weniger Billigware.
Mehr Qualität.
Weniger Masse.
Mehr echtes Brot.

Bio ist dabei keine Religion, sondern oft schlicht die pragmatischste Entscheidung, wenn man Pestizide und Rückstände reduzieren will. Und wer Brot liebt, sollte es nicht abschaffen, sondern zurückholen: handwerklich, fermentiert, mit langer Teigführung, aus nachvollziehbaren Rohstoffen.

Denn Brot war einmal etwas anderes als eine billige Trägerfläche für Belag. Ich habe dazu hier mehr geschrieben: Brot gut vertragen & Warum modernes Brot oft krank macht

Update (Stand 2026): Warum Glyphosat im Brot weiter ein Thema ist

Auch wenn viele Messungen unterhalb offizieller Grenzwerte liegen, bleibt die entscheidende Frage: Was passiert bei täglichem Konsum über Jahre? Getreideprodukte sind Grundnahrungsmittel, Rückstände daher keine Randnotiz. Dazu kommen Mischbelastungen aus Landwirtschaft und Verarbeitung sowie die Tatsache, dass Verbraucher die Herkunft der Rohstoffe in Backwaren oft nicht erkennen können. Wer Belastungen reduzieren will, fährt meist besser mit Bio Getreide, handwerklicher Teigführung und weniger Billig Backwaren.

Fazit

Glyphosat ist unbedenklich, wenn man fest daran glaubt, weil man es nicht wissen will. Das Problem ist nicht, dass es keine Hinweise gibt. Das Problem ist, dass Hinweise unbequem sind. Sie stören den Profitfrieden. Und sie stören das Märchen von der modernen Landwirtschaft, die alles im Griff hat und dabei selbstverständlich nur unser Bestes will.

Wissen ist Macht.
Ich weiß nix, macht nix.
So läuft das Spiel.

Nur leider essen wir das mit.

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Dieser Beitrag wurde im Oktober 2012 erstellt und am 19.1.2026 aktualisiert.

Infografik zu Vitamin D bezgl des Testberichts der Stiftung Warentest

Man muss der Stiftung Warentest eines lassen: Konstanz beherrschen sie. Jahr für Jahr dieselbe „Choreografie“. Die gleichen Grenzwerte, Warnungen usw. Jetzt mal wieder das Vitamin D.

Das Prinzip ist simpel: Man nehme behördlich abgesegnete Referenzwerte, erkläre sie zur unantastbaren Wahrheit und warne vor allem, was auch nur einen Milligramm darüber hinausgeht. Fertig ist der Beitrag, der sich als Verbraucherschutz tarnt. Erkenntnisgewinn: null. Denken? Nicht vorgesehen.

Dass diese Grenzwerte selbst hochumstritten und in der wissenschaftlichen Literatur längst widerlegt sind – geschenkt. Dass sie aus einer Zeit stammen, in der man Vitamin D primär als Rachitis-Verhinderer betrachtete – Schwamm drüber. Hauptsache, der Warnhinweis sitzt.

Und die Qualitäts-Presse? Labert unkritisch alles nach. Kennen wir ja… Der Beitrag der tz-Münschen dazu ist so dünn, dass man sich fragt wer da eigentlich an den Tasten saß? Hauptsache: Alarm! Gefahr! Risiko! Der Leser soll sich bitte fürchten. Vor Vitamin D. Aus dem Regal. Frei verkäuflich.

Was hingegen nicht erwähnt wird: Medikamente. Polypharmazie. Fehlbehandlungen. Nebenwirkungen. Krankenhausinfektionen. Iatrogene Schäden. All das zusammengenommen seit Jahren eine der TOP-Todesursachen (wenn nicht sogar mittlerweile die Nummer 1!) in westlichen Gesundheitssystemen… Verzeihung: Krankenwesen… oder besser Krakenwesen? Na, auf jeden Fall: KRANK.

Stattdessen der moralische Zeigefinger beim Nahrungsergänzungsmittel. Beim Bürger, der sich selbst kümmert. Der Verantwortung übernimmt. Da sind sie da die Oberwarner mit dem Gütestempel.

Man stelle sich nur einen Moment vor, man würde mit derselben Inbrunst durch den Supermarkt gehen.
Warnhinweis auf Frühstücksflocken: Zuckeranteil über der täglichen Empfehlung.
Auf Softdrinks: Erhöhtes Risiko für Fettleber und Diabetes.
Auf Fertiggerichten: Geschmacksverstärker mit möglicher neurobiologischer Wirkung.
Auf Palmölprodukten: Zusammenhang mit Entzündungsprozessen diskutiert.

Aber was erlauben! Das könnte „Systemfragen“ aufwerfen. Vitamin D hingegen ist dankbar. Es hat keine Lobby. Und es passt perfekt ins Bild: Der mündige Bürger ist gefährlich – nicht das System.

Da habt ihr nur mal wieder „uns“ vergessen… die, die sich damit beschäftigt haben und auch sehen was ordentliche Vitamin D Spiegel bei Patienten bewirken.
So bleibt am Ende wieder nur die bekannte Pointe, die spätestens seit 2020 sehr bekannt sein sollte:

Nicht die Substanz ist das Problem.
Nicht einmal die Dosierung.
Das Problem ist die Denkverweigerung.

Und die wird – leider – regelmäßig getestet.
Mit Bestnote.
Danke. Keine weiteren Fragen.

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Kleine Anmerkung: Die Sache mit den „5 Wundermitteln“ ist mit Abstand der beliebteste Newsletter, den meine Patienten gerne lesen…

Hebamme im geteilten Kreißsaal zwischen persönlicher Betreuung mit Akupunktur und klinischer Geburtshilfe mit Arzt und Monitoren

Was derzeit unter dem nüchternen Begriff Hebammenhilfevertrag verhandelt und umgesetzt wird, ist alles andere als eine technische Anpassung.

Es ist ein Eingriff in ein sensibles Versorgungssystem – mit absehbaren Folgen. Offiziell geht es um die Vergütung der freiberuflichen Hebammen, Abrechnung und Zuständigkeiten. In der Praxis geht es um Autonomie, Verantwortung und Kontrolle.

Was gerade passiert

Zum 1. November 2025 tritt ein neuer Hebammenhilfevertrag in Kraft. Beschlossen wurde er nicht im Konsens, sondern im Schiedsstellenverfahren – gegen den erklärten Widerstand vieler freiberuflicher Hebammen. Vertragspartner ist unter anderem der GKV-Spitzenverband.

Die Kernelemente dieses Vertrags bedeuten für freiberufliche Dienstbeleghebammen (soweit ich es übersehe):

Einkommenseinbußen von bis zu 30 Prozent, eine Kürzung des effektiven Stundenlohns auf 80 Prozent, drastisch reduzierte Vergütung bei paralleler Betreuung mehrerer Gebärender, geringere Nacht und Wochenendzuschläge und weiterhin unbezahlte Bereitschaftszeiten. All das bei gleichbleibender oder steigender Verantwortung und Haftung.

Betroffen ist kein Randbereich. Rund ein Viertel aller Geburten in Deutschland wird über Dienstbelegsysteme betreut. Diese Systeme stehen für bessere Betreuungsschlüssel, mehr Kontinuität und weniger Interventionen. Genau dieses Modell wird nun wirtschaftlich unattraktiv gemacht.

Behandlungshoheit – der wunde Punkt

Hebammen haben bei Schwangerschaften und Geburten eine eigenständige Behandlungshoheit – und die ist ziemlich weitgehend. Sie entscheiden selbst über Vorgehen, Methoden und Maßnahmen – ohne ärztliche Weisung. Ärzte sind Partner, nicht „Vorgesetzte“, solange der Verlauf normal ist.

Freiberuflichkeit als Voraussetzung für Therapiefreiheit

Freiberufliche Hebammen arbeiten pragmatisch – zumindest viele der Älteren. Sie greifen häufig auf Homöopathie und Akupunktur zurück – nicht aus Ideologie, sondern aus Erfahrung. Schwangerschaft und Stillzeit sind sensible Phasen. Viele Medikamente sind hier problematisch oder gar kontraindiziert.

Homöopathie und Akupunktur bieten in diesem Kontext risikoarme Optionen: bei Angst, Wehenregulation, Übelkeit, Schmerz, Stillproblemen. Sie lassen sich individuell einsetzen, benötigen keine ärztliche Anordnung und stehen nicht im Widerspruch zu einer verantwortungsvollen Geburtshilfe. Und ich habe sehr oft erlebt, was Hebammen mittels Homöopathie und Akupunktur für die Schwangeren und während des Geburtsvorgangs erreichen können! Von Steißlagen, über Öffnung des Muttermunds, bis zu Rückenschmerzen der Schwangeren.

Bemerkenswert ist übrigens der Kontrast zur „Corona Zeit“. Dort wurde der sonst übliche Schutzanspruch von Schwangeren und Stillenden bei diesen neuartigen gentechnischen Substanzen erstaunlich großzügig relativiert. Was jahrzehntelang als Vorsichtsprinzip galt, wurde plötzlich zur Nebensache. Auch das haben viele Hebammen nicht vergessen – zumindest, die, die es sehen wollten.

Die mögliche zweite Agenda

Ich habe da noch eine ganz andere Vermutung…

Aus meiner Sicht greift der neue Vertrag tiefer als es die Zahlen vermuten lassen. Wenn das Dienstbelegsystem wirtschaftlich kollabiert, bleibt vielen Hebammen nur der Wechsel ins Angestelltenverhältnis.

Und damit ändert sich Entscheidendes.

Angestellte Hebammen unterliegen der Weisungsbefugnis. Die ärztliche Hierarchie gewinnt an Einfluss. Behandlungshoheit wird zur formalen Restgröße. Abweichende, nicht pharmazentrierte Verfahren verschwinden nicht durch Verbot, sondern durch Struktur / Anweisung. Was nicht erwünscht ist, wird nicht mehr vorgesehen. Was nicht abrechenbar ist, wird nicht mehr praktiziert. Also das AUS für Homöopathie und Akupunktur.

Das ist kein Zufall, sondern ein bekanntes Muster im Gesundheitssystem: Zentralisierung, Standardisierung, Kontrolle. Vielfalt wird zur Störung, Autonomie zum Risiko.

Medikalisiert, weil steuerbar

Seit Jahren wird Geburtshilfe zunehmend medikalisiert – obwohl die Datenlage zeigt, dass bei normalen Verläufen weniger Interventionen bessere Ergebnisse bringen. Trotzdem wächst der Druck in Richtung Protokollmedizin. Sie ist leichter zu kontrollieren, juristisch besser absicherbar und ökonomisch kalkulierbarer.

Freiberufliche Hebammen mit eigener Behandlungshoheit passen schlecht in dieses Raster.

Fazit

Was hier als Vertragsreform verkauft wird, ist für mich inn Wahrheit eine Machtverschiebung. Weg von eigenverantwortlicher Geburtshilfe, hin zu hierarchisch gesteuerter Versorgung.

Wer Hebammen wirtschaftlich in die Knie zwingt, greift nicht nur ihre Existenz an. Er beschneidet therapeutische Freiheit, schwächt bewährte Versorgungsmodelle und reduziert Geburt auf einen medizinisch verwalteten Vorgang.

Das betrifft nicht nur Hebammen. Es betrifft Frauen, Familien – und die Frage, wie selbstbestimmt Geburt in diesem Land künftig noch sein darf.