{"id":769,"date":"2012-11-05T10:00:56","date_gmt":"2012-11-05T09:00:56","guid":{"rendered":"https:\/\/renegraeber.de\/blog\/?p=769"},"modified":"2012-11-05T10:00:56","modified_gmt":"2012-11-05T09:00:56","slug":"ein-gentechnik-konzern-und-die-indischen-selbstmoerder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renegraeber.de\/blog\/ein-gentechnik-konzern-und-die-indischen-selbstmoerder\/","title":{"rendered":"Ein Gentechnik-Konzern und die indischen Selbstm\u00f6rder"},"content":{"rendered":"<p>Es scheint wie ein B\u00fchnenst\u00fcck der \u00fcbelsten Art: Ein Gentechnik-Konzern und der Tod scheinen in Indien einen Pakt geschlossen zu haben. Denn wenn man Berichten glauben darf, erfolgt seit geraumer Zeit \u201edie gr\u00f6\u00dfte Selbstmordwelle in der indischen Geschichte\u201c unter den Baumwollfarmern, die einen Pakt mit dem Gentechnik-Konzern Monsanto geschlossen hatten.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Grund f\u00fcr diese Trag\u00f6die ist der Verlust von Haus und Hof der Farmer, der f\u00fcr sie nicht nur eine Einkommensquelle darstellt, sondern Teil der eigenen Identit\u00e4t ist. So erfolgten \u00fcber die letzten 16 Jahre mehr als 250.000 Selbstmorde von Farmern, die in die sogenannte \u201eVertrags-Falle\u201c geraten waren.<\/p>\n<p>Da man solche Zahlen nicht einfach \u00fcbersehen kann, entbrennt nat\u00fcrlich jetzt die Frage: Wer ist f\u00fcr dieses Desaster verantwortlich? Und die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: Die Selbstm\u00f6rder nat\u00fcrlich! Klar, Monsanto hat niemanden zum Selbstmord aufgefordert und hat somit, nach eigenem Ermessen, nichts mit diesem Ph\u00e4nomen zu tun. So einfach kann man es sich machen&#8230;<\/p>\n<h2>Die Bauernf\u00e4nger aus Amerika<\/h2>\n<p>Monsanto, <a href=\"https:\/\/renegraeber.de\/blog\/die-unterwasserfabriken-von-monsanto-und-cargill\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Cargill<\/a>, Syngenta etc. versuchen in der ganzen Welt ihr genetisch manipuliertes Saatgut loszuwerden &#8211; und das oft mit sehr fragw\u00fcrdigen Mitteln. W\u00e4hrend Europa sich noch quer stellt, ist in Indien die Rechnung voll aufgegangen.<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen kostenlosen Praxis-Newsletter &#8222;Unabh\u00e4ngig. Nat\u00fcrlich. Klare Kante.&#8220; dazu an:<\/strong><br \/>\n<script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pL1KE\"><\/script><\/p>\n<p>Hier hatte das genetisch manipulierte Marketing der Firmen 100-prozentigen Erfolg mit der Verbreitung von \u2013 naja, nennen wir es mal \u201ekreative Wahrheiten\u201c. Denn mit Hilfe von Funk und Fernsehen und Pers\u00f6nlichkeiten des \u00f6ffentlichen indischen Lebens wurde massiv f\u00fcr die Einf\u00fchrung von genetisch manipulierter Baumwolle z.B. geworben.<\/p>\n<p>Den Farmern wurde vorgeschw\u00e4rmt, dass die genetische Baumwolle viel, viel, viel ertragreicher w\u00e4re, dass der Farmer auf der anderen Seite des Bergs schon seit 2 Jahren Million\u00e4r ist (das ist nat\u00fcrlich eine absolute \u00dcbertreibung von mir) und dass alles viel einfacher w\u00e4re mit der Bt-Baumwolle usw.<\/p>\n<p>Legoland in Indien? Nat\u00fcrlich wei\u00df jeder Marketingfachmann, dass die einfachen Bauern in Indien so etwas glauben. Sie glaubten einfach dem Legoland-Gew\u00e4sch und fielen prompt drauf rein. Denn was ihnen nicht erz\u00e4hlt wurde, bevor sie den Vertrag mit Monsanto und Co. unterzeichneten, scheint zu sein, dass sie f\u00fcr teures Geld j\u00e4hrlich neues Saatgut kaufen mussten.<\/p>\n<p>Sie gingen davon aus, dass sie nach alter Tradition einen Teil der Ernte als Saatgut f\u00fcr das n\u00e4chste Jahr aufheben und verwenden konnten. Aber das war vertraglich nicht erlaubt! Also mussten sie in den sauren Apfel bei\u00dfen und das Saatgut j\u00e4hrlich zu einem Preis kaufen, der zwischen 4 und 10 mal h\u00f6her war als der von traditioneller Baumwolle. Dazu gesellte sich noch der Umstand, dass die Bt-Baumwolle deutlich mehr Pestizide verlangte, bis zu 13 mal mehr als bis dahin \u00fcblich, um nicht zu erkranken. Die Rechnung lautet daher:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Mehr Pestizid = mehr Unkosten = geringere Einnahmen unter dem Strich<\/strong><\/p>\n<p>Das gleiche gilt auch f\u00fcr den D\u00fcnger, der gro\u00dfz\u00fcgiger bei der Bt-Baumwolle eingesetzt werden muss als bei normaler Baumwolle. Und zu schlechter Letzt &#8211; der Todessto\u00df sozusagen im wahrsten Sinne des Wortes &#8211; waren die Ertr\u00e4ge der Bt-Baumwolle, die nicht ann\u00e4hernd so hoch waren wie die der traditionellen Baumwolle.<\/p>\n<p>Hatte Monsanto noch versprochen, dass j\u00e4hrlich mit einer Ernte von 1500 Kilogramm zu rechnen ist, malte die Realit\u00e4t ein gr\u00fcndlich anderes Bild: Die Farmer ernteten durchschnittlich gerade einmal 300, maximal 400 Kilogramm. Grund daf\u00fcr ist die fast zwingende Voraussetzung einer k\u00fcnstlichen Bew\u00e4sserung, denn Bt-Baumwolle braucht sehr viel mehr Wasser als die normale Baumwolle.<\/p>\n<p>Da aber die \u00fcberwiegende Zahl der Baumwollfarmen keine Bew\u00e4sserung aufweist und sich nur auf Regenf\u00e4lle verl\u00e4sst, war es nur logisch, dass die Ertr\u00e4ge schrumpften \u2013 ein weiterer Aderlass in der Bilanz.<\/p>\n<p>Zu guter Letzt mussten die Farmer Kredite aufnehmen, um das teure Saatgut und die nicht billigen Pestizide von Monsanto zu beziehen. Pestizide aus anderen Quellen k\u00f6nnen bei der Bt-Baumwolle nicht eingesetzt werden, da die genetische Manipulation seitens Monsanto so ausgelegt ist, dass die Bt-Pflanze nur das Monsanto-Pestizid \u00fcberleben kann, und kein anderes.<\/p>\n<p><strong>Prima Falle! <\/strong><\/p>\n<p><strong>Mehr Pestizide als unter normalen Bedingungen und dann auch nur das eine!<\/strong><\/p>\n<p>Unter diesen Voraussetzungen l\u00e4sst sich leicht ausrechnen, wann ein Farmer so weit verschuldet ist, dass er vollkommen mittellos ist und damit nicht mehr in der Lage sein wird, neues Saatgut usw. zu erwerben. Er kann dann seine Schulden nur noch mit der Abtretung seines einzigen Besitzes begleichen, sein Land und alles, was dazu geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Danach hat er dann vielleicht keine Schulden mehr, aber er ist vollkommen \u201enackt\u201c, ohne Einkommen, ohne Bleibe, nichts, rein gar nichts. Sein Land und Haus, das seit Generationen seine Heimat f\u00fcr ihn und seine Familie gewesen ist und Teil seiner Identit\u00e4t ausmachte, geh\u00f6ren ihm pl\u00f6tzlich nicht mehr.<\/p>\n<p>Alles, wof\u00fcr Generationen gearbeitet haben, verpufft lautlos in der Luft. Was kann ein indischer Baumwollfarmer wohl in dieser Situation noch machen? Hartz-4 beantragen? Sich umschulen lassen auf Traktor- oder Gabelstaplerfahrer? Nichts kann er machen. F\u00fcr ihn gibt es keine Zukunft. Also geht er den letzten Schritt&#8230;<\/p>\n<h2>Indiens genetische Revolution<\/h2>\n<p>Bei solch monstr\u00f6sen Selbstmordraten taucht sofort der Gedanke auf, dass hier auch ebenso monstr\u00f6se Verh\u00e4ltnisse f\u00fcr diesen Umstand verantwortlich sind. Dies ist in der Tat der Fall. Die sogenannte \u201egr\u00fcne Revolution\u201c in den 1960er und 1970er Jahren war verbunden mit einer \u00f6konomischen Bevorzugung der Mittelschichten, was Unterst\u00fctzungsgelder f\u00fcr die Landwirtschaft signifikant k\u00fcrzte. Gleichzeitig erfolgte eine stetige Preissteigerung bei Saatgut, D\u00fcnger, Pestiziden und anderen Notwendigkeiten f\u00fcr den Farmbetrieb.<\/p>\n<p>Doch damit nicht genug: Die Preise f\u00fcr landwirtschaftliche Produkte verfielen in dem selben Ma\u00dfe, wie die Ausgaben sich erh\u00f6hten. So erhielt der Baumwollfarmer 1994 noch 1,10 Dollar pro Pfund roher Baumwolle. Im Jahr 2006, also 4 Jahre nach Einf\u00fchrung der Bt-Baumwolle im indischen Markt, erzielte das gleiche Pfund nur noch einen Betrag von mageren 54 Cent, also weniger als die H\u00e4lfte.<\/p>\n<p>Insgesamt verlieren die indischen Farmer j\u00e4hrlich 26 Milliarden Dollar aufgrund von fallenden Preisen. Dies ist der Grund, warum vielerorts die Farmer schon damals gezwungen waren, f\u00fcr Wucherzinsen Darlehen aufzunehmen und sich zu verkaufen.<\/p>\n<p>Ein weiterer Nagel im Sarg des Farmbetriebs war der Trend, weg von der Mischkultur und hin zur Monokultur zu gehen. Letztere ist mit verantwortlich f\u00fcr die Auslaugung des Bodens und damit f\u00fcr immer schlechter werdende Ertr\u00e4ge. Kein Wunder also, warum deswegen immer mehr D\u00fcnger zum Einsatz kam.<\/p>\n<p>Aber mehr D\u00fcnger hei\u00dft mehr Kosten. Monokulturen sind auch bekannt f\u00fcr ihre signifikant erh\u00f6hte Anf\u00e4lligkeit f\u00fcr Erkrankungen. L\u00f6sung dieses Problems: Mehr Chemie gegen m\u00f6gliche Erreger, wie z.B. Pestizide. Auch hier wieder ein fetter Unkostenbeitrag f\u00fcr den Farmer.<\/p>\n<p>Die Abh\u00e4ngigkeit von der Natur und die eingeschr\u00e4nkten Wasserreserven, auftretende D\u00fcrren (bzw. keine ausreichende Regenf\u00e4lle) und daraus resultierende fehlende bzw. mangelhafte Bew\u00e4sserung sorgen f\u00fcr einen ebenso mangelhaften Ertrag f\u00fcr die Farmer. Grund f\u00fcr die Tendenz zu weniger Niederschlag sind die klimatischen Ver\u00e4nderungen. Nur etwa 10 Prozent der Baumwollbetriebe haben eine effiziente Bew\u00e4sserung.<\/p>\n<p>Die indische Regierung hatte wenig Interesse, wenigstens diesen Umstand zu verbessern helfen. Die dazu notwendigen Gelder wurden f\u00fcr die Entwicklung der indischen Mittelschicht (und den Bau von Atombomben) ausgegeben. Vor diesem Hintergrund kamen nat\u00fcrlich die Heilsbotschaften \u00e0 l\u00e0 Monsanto (s.o.) besonders gut an. So hatten die Geier, die \u00fcber die dahin siechende indische Landwirtschaft kreisten, leichtes Spiel, diese von der rosa-roten Gentechnik zu \u00fcberzeugen.<\/p>\n<p>Heute wissen wir, dass f\u00fcr die indische Landwirtschaft das Hantieren mit der genetischen Bombe den &#8222;Monsantod&#8220; bedeutet, den bisher bereits mehr als 250.000 Menschen gestorben sind.<\/p>\n<p><strong>Weitere Informationen zum Thema<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/renegraeber.de\/blog\/gentechnikkonzern-monsanto-patent-auf-wassermelonen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gentechnikkonzern Monsanto erh\u00e4lt Patent auf Wassermelonen<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/renegraeber.de\/blog\/politiker-entdecken-herbizide-sind-doch-gesund\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Politiker entdecken: Herbizide sind doch gesund<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen kostenlosen Praxis-Newsletter &#8222;Unabh\u00e4ngig. Nat\u00fcrlich. Klare Kante.&#8220; dazu an:<\/strong><br \/>\n<script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pL1KE\"><\/script><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es scheint wie ein B\u00fchnenst\u00fcck der \u00fcbelsten Art: Ein Gentechnik-Konzern und der Tod scheinen in Indien einen Pakt geschlossen zu haben. 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