{"id":767,"date":"2026-01-19T07:54:27","date_gmt":"2026-01-19T07:54:27","guid":{"rendered":"https:\/\/renegraeber.de\/blog\/?p=767"},"modified":"2026-01-19T15:19:36","modified_gmt":"2026-01-19T15:19:36","slug":"glyphosat-im-broetchen-unser-taegliches-gift-gib-uns-heute","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renegraeber.de\/blog\/glyphosat-im-broetchen-unser-taegliches-gift-gib-uns-heute\/","title":{"rendered":"Unser t\u00e4gliches Gift: Glyphosat in Brot und Getreide"},"content":{"rendered":"<p>R\u00fcckst\u00e4nde von Glyphosat in Lebensmitteln? Ach was. Und wenn schon: Das Zeug ist doch \u201eunscha\u0308dlich\u201c, oder?<\/p>\n<p>Das ist ungef\u00e4hr die Standardreaktion. Und sie funktioniert erstaunlich gut, solange man das Thema nicht zu genau anschaut. Denn Glyphosat im Essen ist keine neue \u201eErkenntnis\u201c. R\u00fcckst\u00e4nde wurden schon vor Jahrzehnten nachgewiesen. Bereits Anfang der 1980er Jahre gibt es Arbeiten, die R\u00fcckst\u00e4nde von Herbiziden wie Glyphosat in Pflanzen und Umweltproben dokumentieren: <em>Triclopyr, glyphosate und phenoxyherbicide residues in cowberries, bilberries und lichen.<\/em> &#8211; <a href=\"https:\/\/ncbi.nlm.nih.gov\/pubmed\/7326493\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/ncbi.nlm.nih.gov\/pubmed\/7326493<\/a>; leider ohne Zusammenfassung.<\/p>\n<p>Damals gab es noch keine Bio Welle, keine \u201eClean Eating\u201c Bewegung, keine Social Media Emp\u00f6rung. Das Bewusstsein war eher: Wird schon passen.<\/p>\n<p>Heute wissen wir: Es passt eben nicht automatisch.<\/p>\n<p>Denn das Problem bei R\u00fcckst\u00e4nden ist nicht nur die einzelne Messung. Das Problem ist die Routine. Brot, Br\u00f6tchen, Mehl, Flocken. Dinge, die viele Menschen t\u00e4glich essen. Und wenn dort Spuren drin sind, dann ist das kein \u201eEinzelfall\u201c, sondern ein Dauerabo.<\/p>\n<h2>\u00d6KO TEST: Getreideprodukte h\u00e4ufig belastet<\/h2>\n<p>Das Verbrauchermagazin \u00d6KO TEST berichtete in einer Ausgabe im Mai 2013 bereits, dass ein gro\u00dfer Teil getesteter Getreideprodukte mit Glyphosat belastet war. Untersucht wurden Proben aus dem t\u00e4glichen Verzehr, darunter Mehle, K\u00f6rnerbr\u00f6tchen und Getreideflocken. Ein erheblicher Anteil zeigte R\u00fcckst\u00e4nde.<\/p>\n<p>Nun kommt regelm\u00e4\u00dfig der Satz, der alles beruhigen soll: \u201eAlles unterhalb der Grenzwerte.\u201c<\/p>\n<p>Ich halte das f\u00fcr eine der gef\u00e4hrlichsten Beruhigungsformeln unserer Zeit.<\/p>\n<p>Denn Grenzwert bedeutet nicht \u201eharmlos\u201c. Grenzwert bedeutet: juristisch noch zul\u00e4ssig. Und diese Grenze wird nicht nach dem Prinzip festgelegt: \u201eWas ist optimal f\u00fcr Ihre Gesundheit?\u201c, sondern nach dem Prinzip: \u201eWas ist gerade noch vermarktbar?\u201c<\/p>\n<p>Wenn ein Stoff in Lebensmitteln auftaucht, die zur Ern\u00e4hrungsgrundlage geh\u00f6ren, dann ist nicht die Frage, ob die Menge pro Portion klein ist. Die Frage ist: <strong>Wie oft essen Sie das?<\/strong> Und \u00fcber wie viele Jahre?<\/p>\n<h2>Brot: Backen neutralisiert nicht alles<\/h2>\n<p>Ein weiterer Punkt, der gerne \u00fcbersehen wird: Brot wird gebacken. Viele Menschen glauben instinktiv, Hitze w\u00fcrde \u201eschon alles erledigen\u201c. Tut sie aber nicht.<\/p>\n<p>Wenn ein Stoff hitzestabil ist, bleibt er drin. Und damit wird aus einem landwirtschaftlichen Problem ein K\u00fcchenproblem. Ein Fr\u00fchst\u00fccksproblem. Ein Kinderproblem. Ein Alltagsproblem.<\/p>\n<h2>Wie kommt Glyphosat ins Getreide?<\/h2>\n<p>Glyphosat wird eingesetzt, um unerw\u00fcnschte Pflanzen zu beseitigen. Es ist ein Breitbandherbizid, also ein Mittel, das nicht selektiv \u201eein bisschen Unkraut\u201c entfernt, sondern grunds\u00e4tzlich Pflanzenwachstum st\u00f6rt.<\/p>\n<p>Und jetzt kommt der entscheidende Teil, den viele nicht wissen wollen, weil er zu gut erkl\u00e4rt, warum R\u00fcckst\u00e4nde \u00fcberhaupt entstehen:<\/p>\n<p>Glyphosat wird nicht nur irgendwann im Fr\u00fchjahr auf irgendeinem Feld verspr\u00fcht. Es kann auch kurz vor der Ernte eingesetzt werden, um Pflanzen gleichm\u00e4\u00dfig absterben zu lassen und die Ernte zu erleichtern. Das ist technisch praktisch, besonders bei schwierigen Wetterbedingungen. Aber es bedeutet eben auch: <strong>Das Getreide bekommt seine Portion direkt ab, kurz bevor es auf dem Teller landet.<\/strong><\/p>\n<p>Nicht irgendwann. Nicht theoretisch. Sondern zeitlich sehr nah am Endprodukt.<\/p>\n<p>Und das betrifft nicht nur Getreide. Auch andere Kulturen wie Kartoffeln, \u00d6lsaaten oder H\u00fclsenfr\u00fcchte k\u00f6nnen auf diese Weise behandelt werden.<\/p>\n<h2>\u201eBaut sich schnell ab\u201c ist ein Satz &#8211; mehr nicht&#8230;<\/h2>\n<p>Offiziell hei\u00dft es gerne: Glyphosat baue sich schnell ab. Das klingt beruhigend, also alles \u201ehalb so wild\u201c? Nur ist die Realit\u00e4t in der Praxis oft eine andere. Denn selbst wenn ein Stoff abgebaut wird, hei\u00dft das nicht, dass keine R\u00fcckst\u00e4nde \u00fcbrig bleiben. Und es hei\u00dft schon gar nicht, dass wir die tats\u00e4chliche Belastung im Alltag sauber erfassen.<\/p>\n<p>Das Problem ist nicht nur Glyphosat. Das Problem ist die Denkweise: Man erlaubt etwas gro\u00dffl\u00e4chig, produziert erst wenig unabh\u00e4ngige Daten, und wenn dann Jahre sp\u00e4ter Fragen auftauchen, ist das Mittel l\u00e4ngst in der Routine angekommen. Dann h\u00e4ngt eine ganze Landwirtschaft daran, eine ganze Industrie, ein ganzer Markt.<\/p>\n<p>Und pl\u00f6tzlich wird aus einer Gesundheitsfrage eine Wirtschaftsfrage.<\/p>\n<h2>Wenn die Wissenschaft unabh\u00e4ngig wird, wird es unangenehm<\/h2>\n<p>Glyphosat steht seit Jahren in der Kritik. Es gibt Bewertungen, die es als unproblematisch einstufen, und es gibt Bewertungen, die deutlich kritischer ausfallen. Auff\u00e4llig ist: Je unabh\u00e4ngiger die Perspektive, desto weniger klingt es nach Entwarnung.<\/p>\n<p>Die Internationale Agentur f\u00fcr Krebsforschung (IARC) der WHO stufte Glyphosat als \u201ewahrscheinlich krebserregend\u201c ein. Andere Institutionen kommen zu anderen Schlussfolgerungen. Das kann man als Laie kaum im Detail auseinanderklam\u00fcsern.<\/p>\n<p>Was man aber sehr wohl erkennen kann, ist das Muster: Solange ein Stoff profitabel ist, wird er verteidigt. Und sobald er unbequem wird, hei\u00dft es: \u201eDie Datenlage ist unklar.\u201c Ist klar.<\/p>\n<h2>Der eigentliche Skandal: Es ist Teil der Ern\u00e4hrungsgrundlage<\/h2>\n<p>Wenn Glyphosat in irgendeinem exotischen Spezialprodukt auftauchen w\u00fcrde, w\u00e4re es ein Randthema. Aber Getreideprodukte sind bei uns keine Randnotiz. Sie sind Basis: Br\u00f6tchen am Morgen. Brot am Abend. Mehl in Kuchen. Flocken im M\u00fcsli. Nudeln. Snacks. Backwaren. Das ist nicht \u201eab und zu\u201c. Das ist f\u00fcr viele: t\u00e4glich.<\/p>\n<p>Und genau deshalb ist der Satz \u201eunter Grenzwert\u201c so tr\u00fcgerisch. Denn er ignoriert den Alltag.<\/p>\n<h2>Was ich daraus ableite<\/h2>\n<p>Ich bin kein Freund von Panik, aber Naivit\u00e4t ist fast noch schlimmer. Die Corona-Jahre haben da &#8222;einiges&#8220; offenbart! Aber das ist ein anderes Thema. Bleiben wir beim Brot \/ Br\u00f6tchen: Wer die Belastung reduzieren will, muss nicht alles \u201eglutenfrei\u201c kaufen und sich auch nicht in Ersatzprodukte fl\u00fcchten. Er muss nur anfangen, wieder wie ein normaler Mensch zu denken:<\/p>\n<p>Weniger Billigware.<br \/>\nMehr Qualit\u00e4t.<br \/>\nWeniger Masse.<br \/>\nMehr echtes Brot.<\/p>\n<p>Bio ist dabei keine Religion, sondern oft schlicht die pragmatischste Entscheidung, wenn man Pestizide und R\u00fcckst\u00e4nde reduzieren will. Und wer Brot liebt, sollte es nicht abschaffen, sondern zur\u00fcckholen: handwerklich, fermentiert, mit langer Teigf\u00fchrung, aus nachvollziehbaren Rohstoffen.<\/p>\n<p>Denn Brot war einmal etwas anderes als eine billige Tr\u00e4gerfl\u00e4che f\u00fcr Belag. Ich habe dazu hier mehr geschrieben: <a href=\"https:\/\/www.gesund-heilfasten.de\/brot-und-getreideprodukte\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Brot gut vertragen &amp; Warum modernes Brot oft krank macht<\/a><\/p>\n<h2>Update (Stand 2026): Warum Glyphosat im Brot weiter ein Thema ist<\/h2>\n<p>Auch wenn viele Messungen unterhalb offizieller Grenzwerte liegen, bleibt die entscheidende Frage: Was passiert bei t\u00e4glichem Konsum \u00fcber Jahre? Getreideprodukte sind Grundnahrungsmittel, R\u00fcckst\u00e4nde daher keine Randnotiz. Dazu kommen Mischbelastungen aus Landwirtschaft und Verarbeitung sowie die Tatsache, dass Verbraucher die Herkunft der Rohstoffe in Backwaren oft nicht erkennen k\u00f6nnen. Wer Belastungen reduzieren will, f\u00e4hrt meist besser mit Bio Getreide, handwerklicher Teigf\u00fchrung und weniger Billig Backwaren.<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Glyphosat ist unbedenklich, wenn man fest daran glaubt, weil man es nicht wissen will. Das Problem ist nicht, dass es keine Hinweise gibt. Das Problem ist, dass Hinweise unbequem sind. Sie st\u00f6ren den Profitfrieden. Und sie st\u00f6ren das M\u00e4rchen von der modernen Landwirtschaft, die alles im Griff hat und dabei selbstverst\u00e4ndlich nur unser Bestes will.<\/p>\n<p>Wissen ist Macht.<br \/>\nIch wei\u00df nix, macht nix.<br \/>\nSo l\u00e4uft das Spiel.<\/p>\n<p>Nur leider essen wir das mit.<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen Praxis-Newsletter dazu an:<\/strong><br \/>\n<script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pD2gv\"><\/script><\/p>\n<p>Dieser Beitrag wurde im Oktober 2012 erstellt und am 19.1.2026 aktualisiert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>R\u00fcckst\u00e4nde von Glyphosat in Lebensmitteln? Ach was. Und wenn schon: Das Zeug ist doch \u201eunscha\u0308dlich\u201c, oder? 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