{"id":6367,"date":"2026-08-13T21:42:25","date_gmt":"2026-08-13T21:42:25","guid":{"rendered":"https:\/\/renegraeber.de\/blog\/?p=6367"},"modified":"2026-08-14T07:39:13","modified_gmt":"2026-08-14T07:39:13","slug":"corona-studie-uebersterblichkeit-zurueckgezogen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renegraeber.de\/blog\/corona-studie-uebersterblichkeit-zurueckgezogen\/","title":{"rendered":"Corona-Studie zur\u00fcckgezogen: obwohl die Zahlen stimmen"},"content":{"rendered":"<h1>Corona: Die Zahlen bleiben. Die Studie muss weg.<\/h1>\n<p><strong>Wie eine Arbeit zur \u00dcbersterblichkeit erst ver\u00f6ffentlicht, dann unter Druck gesetzt und schlie\u00dflich wegen \u201eMisinformation\u201c zur\u00fcckgezogen wurde.<\/strong><\/p>\n<p>Wissenschaftliche Selbstkontrolle ist eine feine Sache. Fehler werden gesucht, Daten gepr\u00fcft, Schlussfolgerungen hinterfragt. So zumindest die Theorie.<\/p>\n<p>In der Praxis scheint noch eine weitere Regel zu gelten: Je unangenehmer das Thema, desto gr\u00fcndlicher die Fehlersuche. F\u00fcr mich nichts Neues.<\/p>\n<p>Das Fachblatt <em>BMJ Public Health<\/em> hat eine Studie zur \u00dcbersterblichkeit in westlichen L\u00e4ndern zur\u00fcckgezogen. Die Arbeit war 2024 erschienen und hatte f\u00fcr erhebliche Unruhe gesorgt. Ihre Autoren hatten festgestellt, dass die \u00dcbersterblichkeit von 2020 bis 2022 auffallend hoch blieb. Insgesamt errechneten sie f\u00fcr 47 westliche L\u00e4nder rund 3,1 Millionen zus\u00e4tzliche Todesf\u00e4lle.<\/p>\n<p>Das war zun\u00e4chst keine Sensation. Die Daten stammten aus \u00f6ffentlich zug\u00e4nglichen Quellen. Bemerkenswert war etwas anderes: Die Autoren forderten, die m\u00f6glichen Ursachen dieser anhaltenden \u00dcbersterblichkeit gr\u00fcndlich zu untersuchen. Neben den Infektionen erw\u00e4hnten sie die Folgen der Corona-Ma\u00dfnahmen und m\u00f6gliche Impfnebenwirkungen der Gentechnik-Spritzen.<\/p>\n<p>Damit begann das Problem.<\/p>\n<h2>Die falschen Fragen<\/h2>\n<p>Die Studie zeigte zwar nicht, dass die &#8222;Corona-Impfungen&#8220; die \u00dcbersterblichkeit verursacht h\u00e4tten. Dazu war sie methodisch \u00fcberhaupt nicht geeignet. Sie untersuchte zeitliche Entwicklungen, aber keine Kausalit\u00e4t.<\/p>\n<p>Allerdings bewies die Arbeit ebenso wenig, dass Corona-Infektionen f\u00fcr s\u00e4mtliche zus\u00e4tzlichen Todesf\u00e4lle verantwortlich waren. Auch diese Behauptung l\u00e4sst sich aus einer blo\u00dfen Betrachtung der Gesamtsterblichkeit nicht ableiten.<\/p>\n<p>Man h\u00e4tte die Ergebnisse folgenderma\u00dfen zusammenfassen k\u00f6nnen:<\/p>\n<blockquote><p>Die \u00dcbersterblichkeit ist real. Ihre Ursachen sind wahrscheinlich vielf\u00e4ltig. Infektionen, verschobene Behandlungen, \u00fcberlastete Krankenh\u00e4user, psychische und soziale Folgen der Ma\u00dfnahmen, ver\u00e4nderte Lebensgewohnheiten und m\u00f6gliche unerw\u00fcnschte Arzneimittelwirkungen m\u00fcssen differenziert untersucht werden.<\/p><\/blockquote>\n<p>Stattdessen wurde offenbar schon die Frage verd\u00e4chtig, ob au\u00dfer dem Virus noch etwas anderes beteiligt gewesen sein k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Und wir m\u00fcssen hier auch mal festhalten, dass wir 2020 keine \u00dcbersterblichkeit hatten, siehe <a href=\"https:\/\/www.yamedo.de\/blog\/uebersterblichkeit-herbeigerechnet\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00dcbersterblichkeit 2020 herbei gerechnet<\/a> und <a href=\"https:\/\/renegraeber.de\/blog\/uebersterblichkeiten-2021-sterbealter\/\">\u00dcbersterblichkeiten 2020, Sterbealter &amp; Selbstmorde<\/a><\/p>\n<h2>Keine Datenf\u00e4lschung &#8211; trotzdem R\u00fcckzug?<\/h2>\n<p>Die Untersuchung des beteiligten Princess M\u00e1xima Centers fand bei den gepr\u00fcften Autoren laut den ver\u00f6ffentlichten Unterlagen:<\/p>\n<ul>\n<li>keine Datenf\u00e4lschung,<\/li>\n<li>keine Fabrikation,<\/li>\n<li>kein Plagiat,<\/li>\n<li>keine b\u00f6swillige T\u00e4uschung<\/li>\n<\/ul>\n<p>Beanstandet wurden unter anderem Nachl\u00e4ssigkeit, eine einseitige Literaturauswahl und eine \u00fcberproportionale Besch\u00e4ftigung mit m\u00f6glichen Sch\u00e4den der Ma\u00dfnahmen und sogenannten &#8222;Impfungen&#8220;. Aha.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte eine \u00dcberarbeitung verlangen, einen Gegenkommentar ver\u00f6ffentlichen oder die Grenzen der Aussagekraft wesentlich deutlicher herausstellen. Doch das Journal zog die gesamte Arbeit zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Als Gr\u00fcnde nennt es \u201eMisinformation\u201c in der Diskussion \u00fcber m\u00f6gliche Ursachen der \u00dcbersterblichkeit und den geringen Umfang der eigenen wissenschaftlichen Leistung. Mit anderen Worten: Die \u00f6ffentlich zug\u00e4nglichen Sterbezahlen verschwinden nicht&#8230; Zur\u00fcckgezogen wird die gesamte Publikation, weil ihre Diskussion als unausgewogen und m\u00f6glicherweise gef\u00e4hrlich bewertet wird.<\/p>\n<p>Na Toll! <strong>Seit wann entscheidet die m\u00f6gliche Wirkung einer wissenschaftlichen Arbeit dar\u00fcber, ob sie im Archiv verbleiben darf? Seit wann ist eine unbequeme Interpretation ein Fall f\u00fcr die wissenschaftliche M\u00fcllabfuhr?<\/strong><\/p>\n<p>Und vor allem: W\u00fcrde mit einer Publikation, die m\u00f6gliche Impfsch\u00e4den vollst\u00e4ndig ausblendet, ebenso streng verfahren?<\/p>\n<p>Man ahnt die Antwort&#8230;<\/p>\n<h2>Ein erstaunlich &#8222;f\u00fcrsorgliches&#8220; Institut<\/h2>\n<p>Schon wenige Tage nach der Ver\u00f6ffentlichung distanzierte sich das Princess M\u00e1xima Center \u00f6ffentlich von der Arbeit. Das Institut betonte, es unterst\u00fctze Impfungen nachdr\u00fccklich. Es folgten eine Untersuchung, eine Warnkennzeichnung des Artikels und Forderungen nach dessen R\u00fcckzug.<\/p>\n<p>Die Hauptautorin Saskia Mostert verlie\u00df sp\u00e4ter das Institut. Sie erkl\u00e4rte, institutionelle Verfahren w\u00fcrden zunehmend genutzt, um Wissenschaftler einzusch\u00fcchtern und unerw\u00fcnschte Fragen zum Schweigen zu bringen.<\/p>\n<p>Ob das in diesem Fall genau so war, k\u00f6nnen Au\u00dfenstehende nicht abschlie\u00dfend beurteilen.<\/p>\n<p>Man darf allerdings fragen:<\/p>\n<ul>\n<li>Warum hielt ein Forschungsinstitut es f\u00fcr n\u00f6tig, seine &#8222;Impftreue&#8220; \u00f6ffentlich zu versichern?<\/li>\n<li>Warum wurde keine grundlegend \u00fcberarbeitete Fassung verlangt?<\/li>\n<li>Warum gen\u00fcgte kein ausf\u00fchrlicher kritischer Kommentar?<\/li>\n<li>Warum brauchte das Journal mehr als zwei Jahre, um festzustellen, dass eine zuvor begutachtete und ver\u00f6ffentlichte Arbeit angeblich &#8222;Misinformation&#8220; enth\u00e4lt?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wissenschaftliche Einrichtungen sollten Daten pr\u00fcfen. Glaubensbekenntnisse geh\u00f6ren eigentlich in andere Geb\u00e4ude. Also entweder hat das Peer Review bei der Ver\u00f6ffentlichung versagt oder der Ma\u00dfstab \u00e4nderte sich, nachdem die \u00f6ffentliche Wirkung sichtbar wurde.<\/p>\n<p>Beides schafft (sagen wir mal) wenig Vertrauen.<\/p>\n<h2>Irgendetwas findet sich immer<\/h2>\n<p>Nat\u00fcrlich lassen sich in fast jeder wissenschaftlichen Arbeit M\u00e4ngel finden:<\/p>\n<ul>\n<li>zu kleine Stichprobe,<\/li>\n<li>ungeeignete Vergleichsgruppe,<\/li>\n<li>unzureichend ber\u00fccksichtigte St\u00f6rfaktoren,<\/li>\n<li>selektive Literaturauswahl,<\/li>\n<li>zu weitreichende Schlussfolgerungen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die medizinische Literatur ist voll davon.<\/p>\n<p>Erstaunlicherweise f\u00fchrt das nur selten zu einer zweij\u00e4hrigen Untersuchung mit \u00f6ffentlicher Distanzierung, Warnhinweis und endg\u00fcltigem R\u00fcckzug. Viele fragw\u00fcrdige Arzneimittelstudien bleiben jahrelang unangetastet, flie\u00dfen in Leitlinien ein und werden tausendfach zitiert.<\/p>\n<p><strong>Die wissenschaftliche Reinlichkeit scheint gelegentlich davon abzuh\u00e4ngen, in welche Richtung der Schmutz f\u00e4llt.<\/strong><\/p>\n<h2>Was Peter G\u00f8tzsche \u00fcber das System berichtete<\/h2>\n<p>Peter G\u00f8tzsche, Arzt, Forscher und Mitbegr\u00fcnder der Cochrane Collaboration, hat ausf\u00fchrlich beschrieben, wie wirtschaftliche Interessen medizinische Forschung beeinflussen k\u00f6nnen. Studien werden finanziert, Experten aufgebaut, Lehrst\u00fchle unterst\u00fctzt, Beh\u00f6rden beraten und Leitlinienkommissionen besetzt. Daf\u00fcr muss niemand nachts einen Geldkoffer unter dem Tisch durchreichen.<\/p>\n<p>F\u00fcr diese Ver\u00f6ffentlichungen und Aussagen, hat man G\u00f8tzsche auch quasi medial hingerichtet: <a href=\"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/fuehrender-medizin-wissenschaftler-wird-mundtot-gemacht\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Prof. Dr. Goetsche &#8211; Medizin-Wissenschaftler wird mundtot gemacht<\/a>. Nestbeschmutzer sind nicht erw\u00fcnscht. Diese st\u00f6ren nur den &#8222;geschmierten&#8220; Betrieb.<\/p>\n<p>Das &#8222;System&#8220; arbeitet \u00fcbrigens jetzt auch erheblich eleganter! Eine 2024 in <em>JAMA<\/em> ver\u00f6ffentlichte Untersuchung analysierte Zahlungen an US-amerikanische \u00e4rztliche Gutachter der Fachzeitschriften <em>BMJ<\/em>, <em>JAMA<\/em>, <em>The Lancet<\/em> und <em>New England Journal of Medicine<\/em>.<\/p>\n<p>Das Ergebnis: <strong>58,9 Prozent der untersuchten Peer Reviewer hatten zwischen 2020 und 2022 mindestens eine Zahlung von Pharma- oder Medizinprodukteunternehmen erhalten.<\/strong><\/p>\n<p>Insgesamt erfassten die Forscher Zahlungen in einer Gr\u00f6\u00dfenordnung von \u00fcber einer Milliarde Dollar. Darin waren allgemeine Zahlungen und Forschungsgelder enthalten.<\/p>\n<p>Interessenkonflikte beginnen nicht erst dort, wo ein Umschlag mit Bargeld \u00fcbergeben wird. Sie entstehen durch Forschungsauftr\u00e4ge, Karriereaussichten, Zugeh\u00f6rigkeiten, Netzwerke und die stille Kenntnis dar\u00fcber, welche Fragen T\u00fcren \u00f6ffnen und welche sie schlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Zu diesen &#8222;Spielchen&#8220; hatte ich auch hier berichtet: <a href=\"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/ueber-1-milliarde-doller-fuer-wissenschaftliche-gutachter-bei-pharmastudien\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00dcber 1 Milliarde Dollar f\u00fcr &#8222;wissenschaftliche Gutachter&#8220; bei Pharmastudien<\/a><\/p>\n<h2>Wissenschaft oder betreutes Denken?<\/h2>\n<p>Der R\u00fcckzug widerlegt keine Impfursache der \u00dcbersterblichkeit, denn diese Studie hatte eine solche Ursache nicht nachgewiesen. Er widerlegt ebenso wenig die M\u00f6glichkeit, dass Impfnebenwirkungen, Behandlungsverschiebungen oder Ma\u00dfnahmenfolgen zu einem Teil der zus\u00e4tzlichen Todesf\u00e4lle beigetragen haben k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Die entscheidende Frage bleibt damit bestehen:<\/p>\n<blockquote><p><strong>Warum wird die \u00dcbersterblichkeit nicht mit derselben Entschlossenheit untersucht, mit der man Ver\u00f6ffentlichungen verfolgt, die eine solche Untersuchung verlangen?<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p>Vielleicht war die Diskussion der Studie tats\u00e4chlich zu einseitig. Dann h\u00e4tte man sie korrigieren m\u00fcssen. Vielleicht war ihre wissenschaftliche Eigenleistung gering. Dann h\u00e4tte sie gar nicht erst als Originalarbeit durch das Peer Review gelangen d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Vielleicht wurde ihre Schw\u00e4che aber auch erst zum unertr\u00e4glichen Problem, nachdem andere aus der Arbeit politisch unerw\u00fcnschte Schl\u00fcsse zogen.<\/p>\n<p>Wer wei\u00df?<\/p>\n<p>Auff\u00e4llig bleibt die Asymmetrie: Bei unbequemen Studien wird wissenschaftliche Reinheit bis zur letzten Fu\u00dfnote verlangt. Bei politisch n\u00fctzlichen Behauptungen gen\u00fcgt h\u00e4ufig das Pr\u00e4dikat \u201eKonsens\u201c.<\/p>\n<p>Und wer diesen Unterschied bemerkt, verbreitet vermutlich schon wieder Desinformation. Ist klar.<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen kostenlosen Praxis-Newsletter &#8222;Unabh\u00e4ngig. Nat\u00fcrlich. Klare Kante.&#8220; dazu an:<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pL1KE\"><\/script><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Quellen und weiterf\u00fchrende Hinweise<\/h2>\n<ul>\n<li>R\u00fcckzugsmitteilung in <em>BMJ Public Health<\/em>: <a href=\"https:\/\/bmjpublichealth.bmj.com\/content\/4\/3\/e000282ret\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/bmjpublichealth.bmj.com\/content\/4\/3\/e000282ret<br \/>\n<\/a><\/li>\n<li>Urspr\u00fcngliche Studie von Mostert und Kollegen: <a href=\"https:\/\/bmjpublichealth.bmj.com\/content\/2\/1\/e000282\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/bmjpublichealth.bmj.com\/content\/2\/1\/e000282<br \/>\n<\/a><\/li>\n<li>Bericht von Retraction Watch: <a href=\"https:\/\/retractionwatch.com\/2026\/08\/11\/bmj-public-health-retraction-covid-19-vaccines-death-senate-hearing\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/retractionwatch.com\/2026\/08\/11\/bmj-public-health-retraction-covid-19-vaccines-death-senate-hearing\/<br \/>\n<\/a><\/li>\n<li>Untersuchung zu Industriezahlungen an Peer Reviewer in <em>JAMA<\/em>: <a href=\"https:\/\/jamanetwork.com\/journals\/jama\/fullarticle\/2824834\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/jamanetwork.com\/journals\/jama\/fullarticle\/2824834<br \/>\n<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Corona: Die Zahlen bleiben. 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