{"id":596,"date":"2011-09-22T13:55:41","date_gmt":"2011-09-22T12:55:41","guid":{"rendered":"https:\/\/renegraeber.de\/blog\/?p=596"},"modified":"2011-09-22T13:55:41","modified_gmt":"2011-09-22T12:55:41","slug":"kontrolle-wissenschaft-internet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renegraeber.de\/blog\/kontrolle-wissenschaft-internet\/","title":{"rendered":"Kontrolle wissenschaftlicher Arbeiten durch das Internet"},"content":{"rendered":"<p>Meiner Meinung nach ist das Internet wirklich eine tolle Sache: Jeder hat die Chance, an Wissen teilzuhaben und sich auf diese Weise weiterzubilden. Au\u00dferdem ist es jedem m\u00f6glich, all das zu schreiben, was er denkt.<\/p>\n<p>Dabei sind die Informationen vielf\u00e4ltig: Zu jedem Thema gibt es schmeichlerische und kritische Meinungen, so dass der Leser sich selbst eine Haltung zu diesem Thema bilden kann, ohne etwas aus nur einer einzigen Quelle glauben zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Au\u00dferdem hat man die M\u00f6glichkeit, sich dar\u00fcber auszutauschen, was man da gerade gelesen hat &#8211; entweder direkt unter diesen Informationen (wie bei mir hier unten im Kommentarfeld) oder sogar in einem mit drei Klicks erstellten eigenen Internettagebuch, genannt Weblog (Blog).<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen kostenlosen Praxis-Newsletter dazu an:<\/strong><br \/>\n<script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pDDkW\"><\/script><\/p>\n<p>Wenn man Leute nach der Bedeutung des Internets f\u00fcr die Wissenschaft befragt, dann sind es eigenartigerweise gerade die Elfenbeinturmbewohner, auch &#8222;Wissenschaftler&#8220; genannt, die mit dem Internet, au\u00dfer E-Mails verschicken, nichts anfangen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Und wenn es um die Wissenschaft geht, dann ist f\u00fcr sie das Internet mal gleich ganz au\u00dfen vor. Denn Wissenschaft wird \u00fcberhaupt nicht im Internet betrieben und schon gar nicht die Ver\u00f6ffentlichung wissenschaftlicher Ergebnisse. Wo k\u00e4men wir denn da hin! Daf\u00fcr sind die altehrw\u00fcrdigen Fachzeitschriften wie \u201eScience\u201c, \u201eHeredity\u201c, \u201eLancet\u201c usw. da.<\/p>\n<p>Denn in den Beurteilungsgremien dieser Fachzeitschriften, also wer da ver\u00f6ffentlichen darf und wie wichtig diese Ergebnisse sind, sitzen Ebenb\u00fcrtige, andere Wissenschaftler &#8211; was ja im Internet gar nicht der Fall sein kann. Diese anderen Wissenschaftler aber sind leider nicht nur ebenb\u00fcrtig, sondern zumeist auch parteiisch.<\/p>\n<p>Na klar, eine Kr\u00e4he hackt der anderen kein Auge aus, und: &#8222;wenn ich Deins ver\u00f6ffentliche, ver\u00f6ffentlichst Du meins&#8220;. Nur so ist es zu erkl\u00e4ren, dass \u201eim Moment ein Haufen Mist publiziert wird\u201c, so warnen einige Wissenschaftler.<\/p>\n<p>Grund f\u00fcr den &#8222;Mist&#8220; ist der Aberglaube der Wissenschaft, in ihrem sogenannten &#8222;Elfenbeinturm&#8220; (also weit weg von allem, was irgendwie mit dem normalen Leben zu tun hat) alles unter Ausschluss der \u00d6ffentlichkeit verhackst\u00fccken zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wo vielleicht fr\u00fcher noch idealistische Wissenschaftler vor lauter wissenschaftlichem Idealismus sogar ihren eigenen Namen manchmal verga\u00dfen, vergessen die heutigen Wissenschaftler vor lauter Karrieregier und Profitstreben gerne mal: die Wissenschaft. Dementsprechend sehen dann auch die Ver\u00f6ffentlichungen aus.<\/p>\n<p>Solche Praktiken sind ja leider l\u00e4ngst bekannt aus der medizinischen Forschung: Hier schmei\u00dfen Pharmafirmen teures Geld in Forschungsprojekte rein, nur um sicherzustellen, dass die ihnen genehmen Ergebnisse auch am Ende wie gew\u00fcnscht auf dem Labortisch liegen &#8211; und nichts anderes. Es war nur eine Frage der Zeit, bis dass sich die nicht-medizinische Naturwissenschaft korrumpieren lie\u00df.<\/p>\n<p>Damit ist auch klar, warum man dem Internet keine gro\u00dfe wissenschaftliche Bedeutung beimessen will. Man wei\u00df, dass hier etwas geschieht, was innerhalb der Wissenschaftsszene so nicht abl\u00e4uft:<\/p>\n<p>Man wird beobachtet; da gibt es Leute, die den Wissenschaftlern auf die Finger schauen und das Ganze auch noch an die gro\u00dfe Glocke h\u00e4ngen, wenn die Resultate keiner wissenschaftlichen Pr\u00fcfung standhalten. Die M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Mauscheleien sind hier deutlich geringer, weil sich jeder an den Diskussionen beteiligen kann.<\/p>\n<p>Ein Versuch einer Beteiligung an der Diskussion einer Ver\u00f6ffentlichung in einem der Fachjournale dagegen wird h\u00f6chstens als schlechter Witz aufgenommen. Oder sind etwa schon einmal kritische Kommentare und Verrisse in einem der Fachjournale im Anschluss einer Ver\u00f6ffentlichung ver\u00f6ffentlicht worden? In der Regel wird die Eingabe einfach ignoriert (Papierwolf, geheime Ablage, Klopapier&#8230; ich wei\u00df nicht was die daraus machen).<\/p>\n<p>Heute sieht es allerdings so aus, dass speziell in Blogs, aber auch auf thematischen Webseiten mit interaktivem Design, Dinge diskutiert werden, die sonst nur in Fachzeitschriften zur Sprache kamen. Diese Diskussionen setzen sich dabei deutlich kritischer mit den Ergebnissen wissenschaftlicher Forschung auseinander.<\/p>\n<p>Und den konservativen Wissenschaftlern bleibt oft nichts anderes \u00fcbrig, als auf die Ehrw\u00fcrde der oben genannten traditionsreichen Journale zu verweisen und sich dahinter zu verstecken. Denn eine Auseinandersetzung im Internet, in den Blogs etc. erscheint ihnen unter ihrer \u201eW\u00fcrde\u201c.<\/p>\n<p>Aber so toll ist das mit diesen \u201ealtehrw\u00fcrdigen\u201c Fachzeitschriften ja nun auch nicht mehr. Inzwischen ist das Dilemma hinl\u00e4nglich bekannt, dass eine Reihe von finanzkr\u00e4ftigen Wirtschaftsunternehmen hier ihre Finger mit im Spiel haben und einen erheblichen Anteil dieser Zeitschriften finanziell irgendwie, irgendwo unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Dies schafft Verpflichtungen, will man es sich nicht mit den gro\u00dfz\u00fcgigen Spendern verderben. Denn kaum eine dieser \u201eehrw\u00fcrdigen\u201c Fachzeitschriften ist in der Lage, sich ausschlie\u00dflich \u00fcber die Abonnements zu finanzieren.<\/p>\n<p>Und wenn da ein gro\u00dfz\u00fcgiger M\u00e4zen mal eine an sich skurrile Entdeckung ver\u00f6ffentlicht haben will, sei es nur, dass sein Impfstoff auch ausgezeichnet gegen abstehende Ohren wirkt, dann werden alle Ehre und W\u00fcrde von der ehrw\u00fcrdigen Zeitschrift \u00fcber Bord geworfen.<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen kostenlosen Praxis-Newsletter &#8222;Unabh\u00e4ngig. Nat\u00fcrlich. Klare Kante.&#8220; dazu an:<\/strong><br \/>\n<script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pL1KE\"><\/script><\/p>\n<h2>Gemeinsam gegen falsche Erkenntnisse &#8211; mit Erfolg<\/h2>\n<p>Im Netz allerdings gibt es inzwischen Seiten, die es sich sogar gerade zur Aufgabe gemacht haben, solche Praktiken zu entlarven und ihnen den Schleier der Ehrw\u00fcrdigkeit und Glaubw\u00fcrdigkeit zu entrei\u00dfen (Retraction Watch). Hier ist der Diskussionsprozess f\u00fcr jeden zug\u00e4nglich und einsehbar &#8211; ein Unding f\u00fcr Fachzeitschriften!<\/p>\n<p>Wie gro\u00df inzwischen die Bedeutung der Wissenschaftsdiskussion in Internetforen ist, wie z.B. <a href=\"http:\/\/retractionwatch.wordpress.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Retraction Watch<\/a>, zeigt sich in Aktionen, die Autoren zweifelhafter Ver\u00f6ffentlichungen zum R\u00fcckzug gezwungen haben. Eine Nobelpreistr\u00e4gerin (Linda Buck) musste zwei \u201ehochrangige\u201c Ver\u00f6ffentlichungen zur\u00fcckziehen.<\/p>\n<p>Es hatte sich herausgestellt, dass einer ihrer Mitarbeiter gepfuscht hatte. Aber dies ist beileibe kein Einzelfall. Ein Genexperte und ein deutscher An\u00e4sthesie-Professor fielen der Kontrolle der Blogger zum Opfer und mussten ebenfalls letztendlich klein beigeben.<\/p>\n<p>Es ist zu \u00fcberdenken, ob die traditionelle Form der Print-Publikation im Internetzeitalter nicht schon l\u00e4ngst \u00fcberholt ist. Denn es ist schon merkw\u00fcrdig, dass trotz des Anspruchs auf eine hochwissenschaftliche Auslese der eingereichten Arbeiten zur Ver\u00f6ffentlichung immer wieder, immer mehr schlechtes Material zur Ver\u00f6ffentlichung kommt.<\/p>\n<p>In den letzten 30 Jahren hat sich die Zahl der Ver\u00f6ffentlichungen vervierfacht, die der zur\u00fcckgezogenen Arbeiten aber ver-550-facht. Dies zeigt, mit welchem Z\u00fcndstoff in dieser Branche gearbeitet wird. Publikationen auf Teufel komm raus, egal, ob es etwas zu publizieren gibt oder nicht.<\/p>\n<p>Denn wer nicht publiziert, ist au\u00dfen vor. Wer au\u00dfen vor ist, der ist f\u00fcr die gro\u00dfen Br\u00f6tchenverteiler, wie die Pharmaindustrie, nicht sonderlich interessant. Genau hier sind die Internet-Blogs von hohem Wert, legen sie doch den Finger in diese Wunde der unwissenschaftlichen Vorgehensweise.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich wird man von der konservativen Wissenschaftsseite aus zu h\u00f6ren bekommen, dass das alte System durchaus selbstkontrollierend ist. In einem gewissen Sinn kann man dies sogar best\u00e4tigen.<\/p>\n<p>Aber die Selbstkontrolle erfolgt erst, nachdem die Arbeiten ver\u00f6ffentlicht worden sind, die ver\u00f6ffentlicht werden mussten. Das kann dann schon mal 12 Jahre dauern, bevor man eine \u201eExpression of concern\u201c abfeuert. Selbst danach kann es wieder dauern, bevor eine entscheidende Korrektur vorgenommen wird, wenn sie vorgenommen wird.<\/p>\n<p>Das kann nat\u00fcrlich f\u00fcr Betroffene im Gesundheitswesen von nicht zu untersch\u00e4tzender Bedeutung sein. Eine dumme Ver\u00f6ffentlichung zu einem Pr\u00e4parat, das in den Markt geboxt werden muss, wie z.B. <a href=\"http:\/\/naturheilt.com\/blog\/vioxx-skandal-merck\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Vioxx<\/a> oder <a href=\"http:\/\/www.yamedo.de\/blog\/avandia-evidenzbasiertes-desaster-2011\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Avandia<\/a>, und schon werden f\u00fcr die n\u00e4chsten 10 Jahre Millionen Patienten einem gesundheitlichen Risiko ausgesetzt, nur weil die altehrw\u00fcrdige Wissenschaft in altehrw\u00fcrdigen Journalen zu \u00fcberzeugenden Ergebnissen gekommen ist, die mit der Realit\u00e4t nichts zu tun haben.<\/p>\n<p>Der britische Arzt Andrew Wakefield sah vor etlichen Jahren einen Zusammenhang zwischen Impfungen gegen Mumps, Masern und R\u00f6teln mit Autismus bei Kleinkindern. Dies hielt gl\u00fccklicherweise eine Reihe von Eltern davon ab, ihre Kinder diesem Risiko auszusetzen. Die Arbeit, die diese Impfungen f\u00fcr kleine Kinder als notwendig propagiert hatte, wurde dann jetzt erst (nach 12 Jahren!) von der Zeitschrift &#8222;Lancet&#8220; zur\u00fcckgezogen.<\/p>\n<p>Doch was passiert mit denen, die solche Dinge publiziert haben? Die zeigen ihren alten und m\u00f6glichen neuen Herren (also denen mit dem Geld), dass sie in der Lage sind, sich artgerecht zu verhalten und Wissenschaft in Wei\u00dfkittel-Marketing zu verwandeln. Daher klettern sie die Karriereleiter hinauf.<\/p>\n<p>Dies sind die rechten Charaktere, um innerhalb dieser 12 oder wie viel Jahre den M\u00fcll, den sie produziert haben, hinter sich zu lassen und in \u201everantwortungsvollere\u201c Positionen zu entschweben. Noch ein Grund, sich gegenseitig nicht in den R\u00fccken zu fallen, denn wer wei\u00df, welche Position der Kritisierte in in ein paar Jahren inne hat und wie er seinem Kritiker dann schaden k\u00f6nnte?<\/p>\n<p>Wie man sieht: Es wird nicht besser, eher schlechter. Und ohne das Internet und seine Blogs wird meiner Meinung nach eine Kontrolle fast unm\u00f6glich werden. Dann k\u00f6nnen \u201eF\u00e4lscher und Pfuscher\u201c angst- und sorgenfrei ihre Runden ziehen, egal, wieviele Menschenleben m\u00f6glicherweise auf dem Spiel stehen. Ich hoffe ja auf ein Umdenken, aber bis dass die etablierten \u201eEhrw\u00fcrdigen\u201c mit am &#8222;Blogstrang&#8220; ziehen werden, werden wohl wieder mal 12 Jahre vergehen.<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen kostenlosen Praxis-Newsletter &#8222;Unabh\u00e4ngig. Nat\u00fcrlich. Klare Kante.&#8220; dazu an:<\/strong><br \/>\n<script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pL1KE\"><\/script><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meiner Meinung nach ist das Internet wirklich eine tolle Sache: Jeder hat die Chance, an Wissen teilzuhaben und sich auf diese Weise weiterzubilden. Au\u00dferdem ist es jedem m\u00f6glich, all das zu schreiben, was er denkt. 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