{"id":5873,"date":"2026-07-05T19:02:57","date_gmt":"2026-07-05T19:02:57","guid":{"rendered":"https:\/\/renegraeber.de\/blog\/?p=5873"},"modified":"2026-07-05T19:02:57","modified_gmt":"2026-07-05T19:02:57","slug":"retatrutid-abnehmspritze-wirkung-nebenwirkungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renegraeber.de\/blog\/retatrutid-abnehmspritze-wirkung-nebenwirkungen\/","title":{"rendered":"Retatrutid: 30 Prozent weniger Gewicht \u2013 aber zu welchem Preis?"},"content":{"rendered":"<p>Ozempic war offenbar nur das Vorspiel.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Semaglutid und Tirzepatid noch die Schlagzeilen beherrschen, steht bereits die n\u00e4chste Generation der sogenannten Abnehmspritzen bereit. Ihr Name: Retatrutid. In den USA hat sich daf\u00fcr bereits der griffige Ausdruck \u201eTriple-G\u201c eingeb\u00fcrgert.<\/p>\n<p><strong>Die ersten gro\u00dfen Zahlen klingen tats\u00e4chlich spektakul\u00e4r:<\/strong> In einer Phase-3-Studie verloren Teilnehmer unter der h\u00f6chsten Dosierung innerhalb von 80 Wochen durchschnittlich 28,3 Prozent ihres Ausgangsgewichts. Fast jeder zweite Teilnehmer erreichte sogar eine Gewichtsabnahme von mindestens 30 Prozent. Das sind Gr\u00f6\u00dfenordnungen, die bislang eher nach einer Magenverkleinerung, als nach einer w\u00f6chentlichen Spritze klangen&#8230;<\/p>\n<p><strong>Und damit ist das mediale Drehbuch praktisch geschrieben:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Die neue Superspritze kommt<\/li>\n<li>Sie wirkt st\u00e4rker als Ozempic<\/li>\n<li>Sie macht Magenoperationen m\u00f6glicherweise \u00fcberfl\u00fcssig<\/li>\n<li>Und nebenbei erledigt sie auch noch Diabetes, Fettleber und Gelenkschmerzen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ich bin gespannt&#8230;<\/p>\n<p>Schauen wir mal n\u00e4her hin.<\/p>\n<h2>Was ist Retatrutid?<\/h2>\n<p>Retatrutid ist ein sogenannter Dreifach-Agonist. Der Wirkstoff aktiviert gleichzeitig drei hormonelle Signalwege:<\/p>\n<ul>\n<li>GLP-1<\/li>\n<li>GIP<\/li>\n<li>Glukagon<\/li>\n<\/ul>\n<p>Semaglutid, bekannt unter den Handelsnamen Ozempic und Wegovy, wirkt haupts\u00e4chlich \u00fcber den GLP-1-Rezeptor. Tirzepatid, vermarktet als Mounjaro oder Zepbound, kombiniert GLP-1 und GIP.<\/p>\n<p>Retatrutid f\u00fcgt als dritten Signalweg den Glukagonrezeptor hinzu.<\/p>\n<p>Und damit werden dann alle drei Signalwege &#8222;bedient&#8220;.<\/p>\n<p>GLP-1 und GIP beeinflussen unter anderem die Insulinfreisetzung, das S\u00e4ttigungsgef\u00fchl und die Nahrungsaufnahme. Das zus\u00e4tzliche Glukagonsignal soll den Energieverbrauch und die Fettverbrennung verst\u00e4rken. Vereinfacht gesagt: Der Mensch soll weniger essen und zugleich mehr Energie verbrauchen.<\/p>\n<p>Das erkl\u00e4rt, warum Retatrutid m\u00f6glicherweise noch st\u00e4rkere Gewichtsverluste hervorruft als bisherige GLP-1-Medikamente. Bereits in einer Phase-2-Studie verloren Teilnehmer mit der h\u00f6chsten Dosis nach 48 Wochen durchschnittlich 24,2 Prozent ihres Ausgangsgewichts.<\/p>\n<p>Nun best\u00e4tigen die ersten Phase-3-Daten, dass der Effekt auch in gr\u00f6\u00dferen Studien betr\u00e4chtlich ist.<\/p>\n<h2>Woher kommen die 30 Prozent?<\/h2>\n<p>Die Zahl \u201e30 Prozent Gewichtsverlust\u201c wird uns in den kommenden Monaten h\u00e4ufiger begegnen. Man sollte allerdings genauer lesen, was damit gemeint ist.<\/p>\n<p>In der TRIUMPH-1-Studie verloren die Teilnehmer unter 12 Milligramm Retatrutid nach 80 Wochen durchschnittlich 28,3 Prozent ihres Ausgangsgewichts. Das entsprach im Mittel etwa 31,9 Kilogramm.<\/p>\n<p>45,3 Prozent der Teilnehmer erreichten eine Gewichtsabnahme von mindestens 30 Prozent.<\/p>\n<p>Das ist beeindruckend. Es bedeutet aber nicht, dass jeder Patient mit dieser Spritze 30 Prozent seines Gewichts verliert. Es handelt sich um einen Mittelwert, beziehungsweise um den Anteil der besonders erfolgreichen Teilnehmer.<\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass Studienergebnisse h\u00e4ufig danach berechnet werden, ob die Teilnehmer das vorgesehene Behandlungsschema durchgehalten haben. Im wirklichen Leben werden Medikamente jedoch abgesetzt, Dosen reduziert oder unregelm\u00e4\u00dfig genommen. Gr\u00fcnde: Nebenwirkungen, Kosten, mangelnde Verf\u00fcgbarkeit oder schlicht die Tatsache, dass Patienten keine jahrelange Spritzentherapie w\u00fcnschen.<\/p>\n<p>Wir werden sehen wie das dann im Alltag l\u00e4uft.<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen Praxis-Newsletter dazu an:<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pD2gv\"><\/script><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Gewichtsverlust ist nicht gleich Fettverlust<\/h2>\n<p>Jetzt kommen die entscheidenden Fragen&#8230;<\/p>\n<p>Ein Mensch verliert beim Abnehmen nicht ausschlie\u00dflich Fett. Je nach Ern\u00e4hrung, Bewegung, Alter und Geschwindigkeit der Gewichtsabnahme k\u00f6nnen auch erhebliche Mengen Muskelmasse verloren gehen. Und im Alter haben wir sowieso schon mit dem Sarkopenie-Effekt zu tun, siehe mein Beitrag: <a href=\"https:\/\/www.der-fitnessberater.de\/blog\/sarkopenie-umkehren\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sarkopenie umkehren: Wie Sie mit Leucin, Schlaf und gezielter Ern\u00e4hrung Muskelmasse zuru\u0308ckgewinnen<\/a><\/p>\n<p>Muskelgewebe ist eines unserer wichtigsten Stoffwechselorgane. Es nimmt Glukose auf, stabilisiert die Gelenke, h\u00e4lt uns beweglich, sch\u00fctzt vor St\u00fcrzen und bestimmt wesentlich mit, wie selbst\u00e4ndig ein Mensch im Alter bleibt.<\/p>\n<p><strong>Besonders Menschen \u00fcber 50 sollten deshalb nicht nur fragen:<\/strong><\/p>\n<p>Wie viel Gewicht habe ich verloren?<\/p>\n<p>Die wichtigere Frage lautet:<\/p>\n<p>Wie viel Muskelmasse ist noch vorhanden?<\/p>\n<p>Zu Retatrutid gibt es inzwischen eine kleinere Untersuchung zur K\u00f6rperzusammensetzung. Sie ergab, dass ein erheblicher Teil des Gewichtsverlustes auf die Fettmasse entfiel. Der Anteil der verlorenen fettfreien Masse erschien nicht h\u00f6her als bei anderen Methoden der Gewichtsreduktion. Allerdings handelte es sich um eine begrenzte Teilanalyse aus einem fr\u00fcheren Studienprogramm, nicht um einen endg\u00fcltigen Beweis, dass der Muskelerhalt langfristig unproblematisch ist.<\/p>\n<p>&#8222;Fettfreie Masse&#8220; ist au\u00dferdem nicht automatisch mit reiner Muskelmasse gleichzusetzen. Dazu geh\u00f6ren unter anderem Wasser, Organe, Knochen und Bindegewebe. Entwarnung w\u00e4re daher verfr\u00fcht.<\/p>\n<p><strong>Wer mit einem solchen Medikament in kurzer Zeit 25 oder 30 Kilogramm verliert, braucht aus meiner Sicht zwingend ein begleitendes Konzept f\u00fcr den Muskelerhalt:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>ausreichende Proteinzufuhr<\/li>\n<li>gezieltes Krafttraining<\/li>\n<li>Kontrolle der k\u00f6rperlichen Leistungsf\u00e4higkeit<\/li>\n<li>gegebenenfalls Messung der K\u00f6rperzusammensetzung<\/li>\n<li>besondere Aufmerksamkeit bei \u00e4lteren Patienten (Sarkopenie und weitere Risikofaktoren)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Vorstellung, man k\u00f6nne einfach weniger essen, w\u00f6chentlich spritzen und der K\u00f6rper werde schon ausschlie\u00dflich das st\u00f6rende Bauchfett entsorgen, halte ich f\u00fcr etwas naiv.<\/p>\n<h2><strong>Ein Medikament kann Appetit unterdr\u00fccken &#8211; aber keine gute Ern\u00e4hrung erzeugen<\/strong><\/h2>\n<p>Die St\u00e4rke von Retatrutid liegt gerade darin, Hunger und Nahrungsaufnahme massiv zu beeinflussen. Darin steckt zugleich ein Problem.<\/p>\n<p>Wer kaum noch Hunger versp\u00fcrt, isst m\u00f6glicherweise nicht nur weniger S\u00fc\u00dfigkeiten, Fast Food und Wei\u00dfmehl. Er nimmt unter Umst\u00e4nden auch weniger Eiwei\u00df, Mineralstoffe, Vitamine und essenzielle Fetts\u00e4uren auf.<\/p>\n<p>Bei erheblichem \u00dcbergewicht kann die verringerte Energiezufuhr zun\u00e4chst erw\u00fcnscht sein. Dennoch muss die verbleibende Nahrung eine hohe N\u00e4hrstoffdichte besitzen.<\/p>\n<p><strong>In der Praxis k\u00f6nnte es sonst zu einer merkw\u00fcrdigen Situation kommen:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Der Patient wiegt erheblich weniger, ist aber schlechter ern\u00e4hrt.<\/li>\n<li>Er verliert Bauchumfang, zugleich jedoch Kraft.<\/li>\n<li>Der Blutzucker bessert sich, w\u00e4hrend Proteinversorgung, Knochengesundheit und k\u00f6rperliche Belastbarkeit vernachl\u00e4ssigt werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Medikamente wie Retatrutid machen eine vern\u00fcnftige Ern\u00e4hrung deshalb nicht \u00fcberfl\u00fcssig. Sie machen sie sogar anspruchsvoller.<\/p>\n<p>Wenn insgesamt nur noch kleine Portionen gegessen werden, muss jede Mahlzeit umso mehr leisten.<\/p>\n<h2><strong>Die Nebenwirkungen\u00a0<\/strong><\/h2>\n<p>Wie bereits bei Semaglutid und Tirzepatid betreffen die h\u00e4ufigsten Nebenwirkungen vor allem den Magen-Darm-Trakt.<\/p>\n<p>In der TRIUMPH-1-Studie traten unter der h\u00f6chsten Retatrutid-Dosis unter anderem auf:<\/p>\n<ul>\n<li>\u00dcbelkeit bei 42,4 Prozent<\/li>\n<li>Durchfall bei 32 Prozent<\/li>\n<li>Verstopfung bei 26,1 Prozent<\/li>\n<li>Erbrechen bei 25,3 Prozent<\/li>\n<li>Missempfindungen beziehungsweise Dys\u00e4sthesien bei 12,5 Prozent<\/li>\n<\/ul>\n<p>11,3 Prozent der Teilnehmer unter 12 Milligramm brachen die Behandlung wegen unerw\u00fcnschter Ereignisse ab. In der Placebogruppe waren es 4,9 Prozent.<\/p>\n<p>Das h\u00f6rt sich nicht gut an.<\/p>\n<p>Die meisten Beschwerden wurden als leicht bis mittelschwer eingestuft. Das klingt beruhigend, ist aber eine jener Formulierungen, die im medizinischen Sprachgebrauch mitunter eine bemerkenswerte Elastizit\u00e4t besitzen.<\/p>\n<p>Wer regelm\u00e4\u00dfig unter \u00dcbelkeit, Durchfall oder Erbrechen leidet, empfindet das m\u00f6glicherweise weniger gelassen als eine Studientabelle.<\/p>\n<p><strong>Bei ausgepr\u00e4gten Magen-Darm-Beschwerden kommen au\u00dferdem weitere Risiken hinzu:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Fl\u00fcssigkeitsmangel<\/li>\n<li>Elektrolytverschiebungen<\/li>\n<li>Kreislaufprobleme<\/li>\n<li>Verschlechterung der Nierenfunktion<\/li>\n<li>mangelhafte Nahrungsaufnahme<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bereits in der Phase-2-Studie zeigte sich zudem ein dosisabh\u00e4ngiger Anstieg der Herzfrequenz, der zun\u00e4chst zunahm und sp\u00e4ter wieder zur\u00fcckging.<\/p>\n<p>Das bedeutet nicht, dass Retatrutid grunds\u00e4tzlich gef\u00e4hrlich w\u00e4re. Es bedeutet lediglich: Ein hochwirksames Medikament besitzt auch eine hochwirksame Nebenwirkungsseite.<\/p>\n<h2>Und was passiert nach dem Absetzen?<\/h2>\n<p>Das ist vielleicht die wichtigste Frage \u00fcberhaupt. Retatrutid greift in hormonelle Regelkreise ein, die Hunger, S\u00e4ttigung, Insulinwirkung und Energieverbrauch beeinflussen. Solange das Medikament wirkt, ver\u00e4ndert sich das Essverhalten h\u00e4ufig erheblich.<\/p>\n<p>Aber was geschieht, wenn es abgesetzt wird?<\/p>\n<p>F\u00fcr Retatrutid liegen dazu bislang keine belastbaren Langzeitdaten vor. Erfahrungen mit Semaglutid geben jedoch Anlass zur Vorsicht.<\/p>\n<p>In einer Nachbeobachtung der STEP-1-Studie nahmen die Teilnehmer innerhalb eines Jahres nach dem Absetzen von Semaglutid rund zwei Drittel des zuvor verlorenen Gewichts wieder zu. Auch viele verbesserte Stoffwechselwerte bewegten sich wieder in Richtung Ausgangsniveau.<\/p>\n<p>Retatrutid ist nicht Semaglutid. Man sollte die Ergebnisse daher nicht einfach \u00fcbertragen. Trotzdem liegt die Vermutung nahe, dass auch bei Retatrutid ein erheblicher Teil der Wirkung an die fortgesetzte Einnahme gebunden sein wird. Eine eigene Studie untersucht bereits ausdr\u00fccklich, wie gut der Gewichtsverlust unter Retatrutid langfristig erhalten bleibt.<\/p>\n<h2><strong>Retatrutid und Fasten<\/strong><\/h2>\n<p>Als Fastentherapeut sehe ich einen weiteren Punkt, der bislang kaum diskutiert wird. Menschen, die Retatrutid oder \u00e4hnliche Medikamente verwenden, d\u00fcrfen nicht einfach so fasten, als w\u00e4ren Hungerregulation und Verdauung unbeeinflusst.<\/p>\n<p>Wenn der Appetit bereits stark unterdr\u00fcckt ist und zus\u00e4tzlich gefastet wird, k\u00f6nnen Energie- und Eiwei\u00dfzufuhr zu stark absinken. Bei \u00dcbelkeit, Erbrechen oder Durchfall steigen zugleich die Risiken f\u00fcr Fl\u00fcssigkeits- und Elektrolytverluste.<\/p>\n<p><strong>Besonders vorsichtig w\u00e4re ich bei:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>\u00e4lteren Menschen<\/li>\n<li>geringer Muskelmasse<\/li>\n<li>Nierenerkrankungen<\/li>\n<li>niedrigem Blutdruck<\/li>\n<li>Einnahme von Diabetesmedikamenten<\/li>\n<li>l\u00e4ngeren Fastenperioden<\/li>\n<li>bereits bestehender Mangelern\u00e4hrung<\/li>\n<\/ul>\n<p>Fasten kann ein starkes therapeutisches Verfahren sein. Aber es ist kein Wettbewerb darum, m\u00f6glichst wenig zu essen.<\/p>\n<p>Unter einer potenten Abnehmspritze muss das Ziel nicht eine noch drastischere Gewichtsabnahme sein. Entscheidend sind Stoffwechselstabilit\u00e4t, Muskelerhalt und eine Ern\u00e4hrung, die nach Ende der Therapie \u00fcberhaupt tragf\u00e4hig ist.<\/p>\n<h2>Noch ist Retatrutid nicht zugelassen<\/h2>\n<p>Retatrutid ist derzeit ein &#8222;Pr\u00fcfmedikament&#8220;. Es befindet sich im klinischen Entwicklungsprogramm und ist bislang weder in den USA noch in Europa regul\u00e4r als Arzneimittel zugelassen.<\/p>\n<p>Der Hersteller warnt ausdr\u00fccklich vor Produkten, die im Internet bereits als Retatrutid angeboten werden. Bei solchen sogenannten Forschungspeptiden ist nicht zuverl\u00e4ssig bekannt, ob sie tats\u00e4chlich den angegebenen Wirkstoff enthalten, wie rein sie sind und ob die Dosierung stimmt.<\/p>\n<p>Wer sich ein experimentelles Peptid aus irgendeinem Online-Shop bestellt, betreibt keine innovative Medizin. Er nimmt an einem unkontrollierten Selbstversuch teil \u2013 nur ohne Studienarzt, Labor\u00fcberwachung und Notfallplan.<\/p>\n<p>Der Schwarzmarkt wird dennoch wachsen. Denn \u00fcberall dort, wo ein Medikament spektakul\u00e4re Ergebnisse verspricht, bildet sich zuverl\u00e4ssig eine Branche, die schon vor der Zulassung liefern m\u00f6chte.<\/p>\n<h2>Mein Fazit<\/h2>\n<p>Retatrutid d\u00fcrfte die n\u00e4chste gro\u00dfe Welle der Abnehmspritzen ausl\u00f6sen. Die bisher ver\u00f6ffentlichten Gewichtsverluste sind bemerkenswert und f\u00fcr Menschen mit schwerer Adipositas m\u00f6glicherweise von erheblicher therapeutischer Bedeutung.<\/p>\n<p>Ein Mensch ist nicht automatisch ges\u00fcnder, nur weil die Waage 30 Kilogramm weniger anzeigt. Entscheidend ist, was verloren wurde: Fett oder Muskelmasse? Wie entwickeln sich Kraft, Knochen, N\u00e4hrstoffversorgung und k\u00f6rperliche Belastbarkeit? Was bleibt von der Wirkung \u00fcbrig, wenn das Medikament abgesetzt wird? Und wie viele Patienten werden die Behandlung \u00fcberhaupt dauerhaft vertragen und bezahlen k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Retatrutid kann offenbar den Appetit massiv d\u00e4mpfen und den Stoffwechsel so beeinflussen, dass erhebliche Gewichtsverluste m\u00f6glich werden. Es kann aber keine vern\u00fcnftige Ern\u00e4hrung erzeugen, keine Muskeln aufbauen und keine tragf\u00e4higen Lebensgewohnheiten ein\u00fcben. Eine Spritze ersetzt weder Krafttraining noch Eiwei\u00dfversorgung, Schlaf, Bewegung und eine ehrliche Auseinandersetzung mit den Ursachen des \u00dcbergewichts.<\/p>\n<p>Das eigentliche Risiko liegt deshalb nicht nur in m\u00f6glichen Nebenwirkungen. Es liegt auch in der Vorstellung, man k\u00f6nne ein komplexes Stoffwechselproblem vollst\u00e4ndig an ein Medikament delegieren.<\/p>\n<p>F\u00fcr ausgew\u00e4hlte Patienten kann Retatrutid eine Hilfe sein. Aber nur dann, wenn es in ein Gesamtkonzept eingebettet wird, das Muskelerhalt, N\u00e4hrstoffversorgung und langfristige &#8230; \u00e4h wie nennt man das heute&#8230; Eigenversorgung \/ Eigenverantwortung ernst nimmt.<\/p>\n<p>Sonst endet die Geschichte wom\u00f6glich mit einem leichteren K\u00f6rper, aber nicht zwingend mit einem ges\u00fcnderen Menschen.<\/p>\n<p>Aber genau das sind ja Sachen \u00fcber die ich immer wieder berichte&#8230;<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen kostenlosen Praxis-Newsletter dazu an:<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pDDkW\"><\/script><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ozempic war offenbar nur das Vorspiel. 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