{"id":5868,"date":"2026-07-03T16:08:50","date_gmt":"2026-07-03T16:08:50","guid":{"rendered":"https:\/\/renegraeber.de\/blog\/?p=5868"},"modified":"2026-07-03T16:08:50","modified_gmt":"2026-07-03T16:08:50","slug":"homoeopathie-studien-reporting-bias","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renegraeber.de\/blog\/homoeopathie-studien-reporting-bias\/","title":{"rendered":"Hom\u00f6opathie-Studien verzerrt? Eine neue Untersuchung stellt zentrale Vorw\u00fcrfe infrage"},"content":{"rendered":"<p>Wer sich mit Hom\u00f6opathie besch\u00e4ftigt, begegnet fr\u00fcher oder sp\u00e4ter folgendem Argument: &#8222;Die positiven Studien k\u00f6nne man nicht ernst nehmen, weil die gesamte Forschung durch einen sogenannten Reporting Bias verzerrt sei.&#8220;<\/p>\n<p>Das klingt wissenschaftlich. Und f\u00fcr viele Leser vermutlich auch ausreichend kompliziert, um die Diskussion an dieser Stelle zu beenden.<\/p>\n<p><strong>Aber was bedeutet \u201eBias\u201c \u00fcberhaupt?<\/strong><\/p>\n<p>Bias hei\u00dft zun\u00e4chst nichts anderes als systematische Verzerrung. Ein Beispiel: zehn Studien untersuchen eine Behandlung; drei zeigen einen positiven Effekt, sieben keinen Effekt. Werden nur die drei positiven Studien ver\u00f6ffentlicht, entsteht in der Fachliteratur der Eindruck, die Behandlung wirke ausgesprochen gut.<\/p>\n<p>Die sieben negativen Studien verschwinden dagegen in der Schublade. Man spricht deshalb auch vom Schubladenproblem oder \u201eFile-Drawer-Effekt\u201c.<\/p>\n<p>Eine weitere Verzerrung kann entstehen, wenn Forscher w\u00e4hrend oder nach einer Studie den urspr\u00fcnglich festgelegten Hauptendpunkt ver\u00e4ndern. Man misst also zun\u00e4chst A, erh\u00e4lt dort kein \u00fcberzeugendes Ergebnis und berichtet anschlie\u00dfend vor allem \u00fcber B, weil es g\u00fcnstiger aussieht.<\/p>\n<p>Genau deshalb sollen klinische Studien vor Beginn registriert werden. Im Studienregister wird festgehalten:<\/p>\n<p>\ud83d\udc49 Was wird untersucht?<br \/>\n\ud83d\udc49 Welche Patienten nehmen teil?<br \/>\n\ud83d\udc49 Was ist der prim\u00e4re Endpunkt?<br \/>\n\ud83d\udc49 Wie soll die Auswertung erfolgen?<\/p>\n<p>Das Register ist gewisserma\u00dfen der wissenschaftliche Beipackzettel der Studie. Es soll verhindern, dass hinterher nur das pr\u00e4sentiert wird, was gerade gut aussieht.<\/p>\n<h2>Der schwere Vorwurf aus dem Jahr 2022<\/h2>\n<p>Eine 2022 im Fachjournal BMJ Evidence-Based Medicine erschienene Arbeit hatte behauptet, die Hom\u00f6opathieforschung sei in erheblichem Umfang durch solche Verzerrungen belastet. Danach seien nur 62 Prozent der registrierten Hom\u00f6opathiestudien ver\u00f6ffentlicht worden. Anders ausgedr\u00fcckt: Fast 38 Prozent seien unver\u00f6ffentlicht geblieben.<\/p>\n<p>Nur 50 Prozent der ver\u00f6ffentlichten Studien seien \u00fcberhaupt registriert gewesen. Lediglich 48 Prozent seien rechtzeitig, also vor Abschluss der Studie, registriert worden. Bei 25 Prozent der prospektiv registrierten und sp\u00e4ter ver\u00f6ffentlichten Studien sei au\u00dferdem der prim\u00e4re Endpunkt ver\u00e4ndert worden.<\/p>\n<p>Die Schlussfolgerung war entsprechend vernichtend: Die publizierte Forschung zur Hom\u00f6opathie k\u00f6nne die tats\u00e4chlichen Behandlungseffekte erheblich \u00fcbersch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich wurde genau diese Botschaft anschlie\u00dfend weitergetragen: Seht her, die Hom\u00f6opathieforschung ist wissenschaftlich nicht vertrauensw\u00fcrdig!<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen kostenlosen Praxis-Newsletter dazu an:<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pDg4U\"><\/script><br \/>\n<strong>Vor allem wenn Sie f\u00fcr den Erhalt der Hom\u00f6opathie sind, sollten Sie sich unbedingt dazu eintragen, denn die &#8222;Politik&#8220; und etablierte Medizinerschaft ist bestrebt die Hom\u00f6opathie zu verbieten und \/ oder abzuschaffen!<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Neue Analyse mit v\u00f6llig andere Zahlen<\/h2>\n<p>Eine 2026 im <a href=\"https:\/\/www.hri-research.org\/2026\/05\/new-hri-study-provides-critical-re-assessment-of-reporting-bias-in-homeopathy-trials\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Journal of Evaluation in Clinical Practice<\/a> erschienene Neuauswertung hat nun die Datengrundlage dieser Arbeit \u00fcberpr\u00fcft.<\/p>\n<p>Die Autoren berichten von erheblichen Fehlern und Inkonsistenzen bei der Auswahl und Zuordnung der Studien. Nach Bereinigung der Daten wurden 181 randomisierte kontrollierte Studien neu ausgewertet.<\/p>\n<p><strong>Das Ergebnis sieht demnach deutlich anders aus:<\/strong><\/p>\n<p>\ud83d\udc49 93 Prozent der registrierten Hom\u00f6opathiestudien waren ver\u00f6ffentlicht &#8211; nicht nur 62 Prozent.<\/p>\n<p>\ud83d\udc49 60 Prozent der ver\u00f6ffentlichten Studien waren registriert &#8211; nicht nur 50 Prozent.<\/p>\n<p>\ud83d\udc49 64 Prozent der registrierten Studien waren bereits vor Abschluss der Untersuchung registriert &#8211; nicht nur 48 Prozent.<\/p>\n<p>\ud83d\udc49 Nur bei 11 Prozent der prospektiv registrierten und ver\u00f6ffentlichten Studien wurde der prim\u00e4re Endpunkt ver\u00e4ndert &#8211; nicht bei 25 Prozent.<\/p>\n<p><strong>Auch zu den wissenschaftlichen Standards fanden sich bemerkenswerte Zahlen:<\/strong><\/p>\n<p>88 Prozent der untersuchten Hom\u00f6opathiestudien erw\u00e4hnten eine Zustimmung durch eine Ethikkommission. Zudem erschienen 70 Prozent der Studien in Zeitschriften, die sich an den Empfehlungen des International Committee of Medical Journal Editors orientieren.<\/p>\n<p>Das bedeutet nicht, dass jede Hom\u00f6opathiestudie hervorragend ist. Es bedeutet auch nicht, dass mit dieser Arbeit die Wirksamkeit der Hom\u00f6opathie insgesamt bewiesen w\u00e4re. Aber es bedeutet etwas anderes, n\u00e4mlich, dass der pauschale Vorwurf, die Hom\u00f6opathieforschung sei besonders stark durch selektive Ver\u00f6ffentlichung und nachtr\u00e4glich ver\u00e4nderte Endpunkte verzerrt, nach dieser Neuauswertung kaum noch haltbar ist.<\/p>\n<p>Die Autoren kommen sogar zu dem Ergebnis, dass das Ausma\u00df des Reporting Bias mindestens mit dem der \u00fcbrigen medizinischen Forschung vergleichbar sei. In der allgemeinen medizinischen Literatur bleibe ungef\u00e4hr die H\u00e4lfte registrierter Studien unver\u00f6ffentlicht; Ver\u00e4nderungen prim\u00e4rer Endpunkte tr\u00e4ten dort bei etwa 30 Prozent auf.<\/p>\n<p>Mit anderen Worten:<\/p>\n<p>Ausgerechnet die Hom\u00f6opathie, der man besonders schlechte wissenschaftliche Standards vorwarf, k\u00f6nnte bei Registrierung und Ver\u00f6ffentlichung zumindest teilweise besser dastehen als gro\u00dfe Bereiche der konventionellen Medizin!<\/p>\n<p><strong>Aber auch diese Studie muss kritisch gelesen werden<\/strong><\/p>\n<p>Die neue Arbeit stammt aus dem Umfeld des Homeopathy Research Institute, das die Untersuchung auch finanzierte. Beide Autorinnen sind beruflich mit dem HRI verbunden. Das muss man nat\u00fcrlich erw\u00e4hnen, weil die Skeptiker und Kritiker der Hom\u00f6opathie genau das erw\u00e4hnen werden. Ein Interessenkonflikt beweist allerdings nicht, dass eine Studie falsch ist. Er bedeutet, dass die Daten, Ein- und Ausschlusskriterien und Zuordnungen besonders sorgf\u00e4ltig und m\u00f6glichst unabh\u00e4ngig gepr\u00fcft werden sollten. Genau das w\u00e4re jetzt der n\u00e4chste sinnvolle Schritt: eine unabh\u00e4ngige Replikation.<\/p>\n<p>Bemerkenswert bleibt dennoch, dass die neue Arbeit nicht einfach eine andere Meinung pr\u00e4sentiert. Sie behauptet, konkrete Fehler in der urspr\u00fcnglichen Datengrundlage gefunden und korrigiert zu haben.<\/p>\n<p>Und Zahlen sind &#8222;Meinung&#8220; oder Erfahrung. Entweder war eine Studie registriert oder sie war es nicht. Entweder wurde sie ver\u00f6ffentlicht oder sie wurde nicht ver\u00f6ffentlicht, usw.\u00a0Was lernen wir daraus?<\/p>\n<p>Bias ist ein reales und ernstes Problem. Allerdings nicht nur bei der Hom\u00f6opathie, sondern in der gesamten medizinischen Forschung, einschlie\u00dflich der Arzneimittel-, Impfstoff- und Medizinprodukteforschung. Ich hatte dazu in den letzten 20 Jahren einiges ver\u00f6ffentlicht, u.a.:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/haelfte-der-nebenwirkungen-wird-verschwiegen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Medikamente-Studien: Die H\u00e4lfte der Nebenwirkungen wird verschwiegen!<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/geschaeft-mit-wertlosen-studien\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Manipulierte Medizinstudien &#8211; Bis zu 90% gef\u00e4lscht!<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/ueber-1-milliarde-doller-fuer-wissenschaftliche-gutachter-bei-pharmastudien\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00dcber 1 Milliarde Dollar f\u00fcr &#8222;wissenschaftliche Gutachter&#8220; bei Pharmastudien<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.naturheilt.com\/medikamentenskandal\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Medikamentenskandale: Wie wir als Patienten belogen werden&#8230;<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/pfizer-verweigert-studienergebnisse\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Pfizer verweigert Studienergebnisse<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.naturheilt.com\/erfundene-arzneimittelstudien\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Man glaubt es kaum: Erfundene Arzneimittelstudien<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/arzneimittel-zulassungsbehoerden-gekauft\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sind die Arzneimittel-Zulassungsbeh\u00f6rden gekauft? Ein Beitrag mit Brisanz.<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Dies ist \u00fcbrigens nur eine kleine Auswahl meiner Beitr\u00e4ge zu diesem Thema &#8211; aber diese sollen gen\u00fcgen.<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Bereits Hahnemann wurde zu seiner Zeit angegriffen, verspottet und bek\u00e4mpft. Nicht nur, weil seine Lehre ungew\u00f6hnlich war, sondern auch, weil sie bestehende medizinische Gewissheiten, wirtschaftliche Interessen und berufliche Zust\u00e4ndigkeiten infrage stellte. Wer die Ordnung st\u00f6rt, darf selten mit einer ruhigen Sachdebatte rechnen.<\/p>\n<p>Daran hat sich erstaunlich wenig ge\u00e4ndert. Heute tr\u00e4gt der Angriff nur ein moderneres Kost\u00fcm. Man spricht nicht mehr von Ketzerei, sondern von fehlender Evidenz, schlechter Methodik oder angeblich verzerrter Forschung. Solche Einw\u00e4nde k\u00f6nnen berechtigt sein. Sie m\u00fcssen aber f\u00fcr alle gelten \u2013 nicht nur f\u00fcr jene Verfahren, die man ohnehin ablehnt.<\/p>\n<p>Genau hier wird es interessant: Wenn sich nun zeigt, dass zentrale Vorw\u00fcrfe gegen die Hom\u00f6opathieforschung auf fehlerhaften Zuordnungen und deutlich ung\u00fcnstigeren Zahlen beruhten, dann m\u00fcsste eine redliche Wissenschaftskultur reagieren. Nicht mit Ausfl\u00fcchten, sondern mit Korrektur.<\/p>\n<p>Hahnemann h\u00e4tte diese Mechanik vermutlich wiedererkannt: Erst wird ein Verfahren pauschal abgewertet, dann werden die passenden Belege herumgereicht, und wenn diese ins Wanken geraten, beginnt pl\u00f6tzlich die Suche nach neuen Gr\u00fcnden, warum das Ergebnis trotzdem nicht z\u00e4hlen soll.<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen kostenlosen Praxis-Newsletter dazu an:<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pDg4U\"><\/script><br \/>\n<strong>Vor allem wenn Sie f\u00fcr den Erhalt der Hom\u00f6opathie sind, sollten Sie sich unbedingt dazu eintragen, denn die &#8222;Politik&#8220; und etablierte Medizinerschaft ist bestrebt die Hom\u00f6opathie zu verbieten und \/ oder abzuschaffen!<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer sich mit Hom\u00f6opathie besch\u00e4ftigt, begegnet fr\u00fcher oder sp\u00e4ter folgendem Argument: &#8222;Die positiven Studien k\u00f6nne man nicht ernst nehmen, weil die gesamte Forschung durch einen sogenannten Reporting Bias verzerrt sei.&#8220; Das klingt wissenschaftlich. 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