{"id":521,"date":"2021-04-03T08:07:58","date_gmt":"2021-04-03T07:07:58","guid":{"rendered":"https:\/\/renegraeber.de\/blog\/?p=521"},"modified":"2021-04-03T08:07:58","modified_gmt":"2021-04-03T07:07:58","slug":"kokopelli-ueberlassen-saatgut-nicht-konzernen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renegraeber.de\/blog\/kokopelli-ueberlassen-saatgut-nicht-konzernen\/","title":{"rendered":"Wir d\u00fcrfen das Saatgut nicht den Konzernen \u00fcberlassen!"},"content":{"rendered":"<p>Die genetische Vielfalt der Pflanzen ist das Erbe der gesamten Menschheit, die zu ihrem Nutzen eingesetzt werden sollte und nicht zum Vorteil einiger weniger Konzerne wie z.B. Monsanto verkommen darf.<\/p>\n<p>Seit der Erfindung der Landwirtschaft haben Menschen dieses Geschenk der Natur mit Dankbarkeit angenommen und es mit Respekt behandelt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Warum die Vielfalt so wichtig ist<\/h2>\n<p>Die Z\u00fcchtung von Kultur-Sorten ist ein Jahrtausende alter Prozess. \u00dcberall, wo sich der Ackerbau entwickelte, z\u00fcchteten die Menschen regionale Variationen von Obst, Gem\u00fcse, N\u00fcssen und Getreide.<\/p>\n<p>Jede Variation war den jeweiligen \u00f6kologischen Herausforderungen angepasst und konnte optimal zu reichen Ernten beitragen. Die Pflanzen waren gegen Sch\u00e4dlinge besser gewappnet und kamen mit den klimatischen Verh\u00e4ltnissen an ihrem Standort gut zurecht. \u00c4nderten sich die \u00f6kologischen Bedingungen, konnten die Menschen Saatgut aus anderen Regionen durch Tausch erwerben und so Missernten vermeiden.<\/p>\n<p>Dabei reichten die Handelswege der &#8222;neolithischen Globalisierung&#8220; sogar \u00fcber Klimazonen hinweg. Doch nicht nur der Genpool jeder einzelnen Kulturpflanzenart war fr\u00fcher gr\u00f6\u00dfer als heute, sondern auch das Arten-Spektrum der verwendeten Feldfr\u00fcchte. Wenn sich das Klima ver\u00e4nderte, konnten die Menschen schnell zu Sorten wechseln, die dann besser geeignet waren.<\/p>\n<p>Heute haben Vielfalt und Abwechslung noch einen ern\u00e4hrungsphysiologischen Aspekt. Je gr\u00f6\u00dfer die &#8222;Lebensmittel-Biodiversit\u00e4t&#8220; ist, um besser ist es um unsere Versorgung mit Vitalstoffen und pflanzlichen Wirkstoffen bestellt.<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen kostenlosen Praxis-Newsletter dazu an:<\/strong><br \/>\n<script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pDDkW\"><\/script><\/p>\n<h2>Eine Stiftung bewahrt das Welterbe &#8222;Saatgut&#8220;<\/h2>\n<p>Dieses f\u00fcr unser \u00dcberleben wichtige Welterbe muss erhalten bleiben. Der <a href=\"https:\/\/www.croptrust.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Welttreuhandfonds f\u00fcr Kulturpflanzenvielfalt<\/a> hat auf Spitzbergen einen &#8222;globalen Saatgut-Tresor&#8220; (Svalbard Global Seed Vault) eingerichtet. Das Lager gleicht einer Festung, die im Permafrost eingegraben ist.<\/p>\n<p>Der in Deutschland ans\u00e4ssige Welttreuhandfond wird mit finanziert von Agrar-Untermehmen wie Syngenta, Dypont, KWS Saat und \u2013 mal wieder \u2013 der Bill- und Melinda-Gates-Stiftung. Unverkennbar ist das mit wirtschaftlichen Interessen verbunden. Sicher steht dahinter der Versuch, sich die Genotypen patentieren zu lassen, um sie teuer an die Bauern zu verkaufen, von denen das Saatgut einst gespendet wurde.<\/p>\n<p>Hinter dicken Betonw\u00e4nden werden \u00fcber 800.000 Saatgutproben aufbewahrt, die auch ohne die Technik der modernen Zivilisation konserviert bleiben sollen. Doch dieses Bestreben von Wissenschaftlern ist inzwischen bedroht. Durch die steigenden Temperaturen infolge des Klimawandel schrumpft der Boden, der zu in allen Jahreszeiten gefroren ist. Schon 2017 drang Tauwasser durch die W\u00e4nde des Bunkers ein, sodass der Saatgut-Tresor aufwendig erneuert werden musste.<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen kostenlosen Praxis-Newsletter &#8222;Unabh\u00e4ngig. Nat\u00fcrlich. Klare Kante.&#8220; dazu an:<\/strong><br \/>\n<script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pL1KE\"><\/script><\/p>\n<h2>Monopolisten streben nach Vereinheitlichung<\/h2>\n<p>Doch viel schlimmer ist wohl die Bedrohung der Vielfalt auf unseren Anbaufl\u00e4chen\u00a0 durch wirtschaftliche Absichten. Agrar-Konzerne k\u00e4mpfen um eine marktbeherrschende Stellung, um Preise diktieren zu k\u00f6nnen und Bauern in ihre Abh\u00e4ngigkeit zu zwingen. Die Unternehmen produzieren massenhaft ein eingeschr\u00e4nktes Angebot von Saatgut, das sie sich vorher haben patentieren lassen.<\/p>\n<p>Folge der unheilvollen Machenschaften ist der R\u00fcckgang der Biodiversit\u00e4t auf Feldern und Obstplantagen. Heute sind rund 6.000 verschiedene Pflanzenarten im Anbau verbreitet, doch nur 10 Arten bestimmen rund 70 % der Anbaufl\u00e4chen. Laut einem Bericht der FAO von 1996 waren schon damals zwischen 75 und 90 Prozent des genetischen Reichtums beim Saatgut f\u00fcr Kulturpflanzen vernichtet. Das bedeutet, dass eine Verarmung der genetischen Vielfalt zu beklagen ist, die kaum mehr umkehrbar erscheint.<\/p>\n<p>Die Politik spielt den Agrar-Riesen noch in die H\u00e4nde. So gipfeln die Monopolisierungs-Tendenzen im Pflanzenbau sogar in dem Verbot, nicht zugelassenes Saatgut auszubringen.<\/p>\n<p>Federf\u00fchrend bei der Monopolisierung des \u201cMenschheitserbes Saatgut\u201c ist die Organisation \u201cConsultative Group on International Agricultural Research\u201c (CGIAR). Dort sind 15 Agrar-Forschungsinstitue zusammengeschlossen wie das International Rice Research Institute (IRRI) und das International Maize and Wheat Improvement Center (CIMMYT).<\/p>\n<p>Bill Gates hatte die Gr\u00fcndung von CGIAR initiiert und ist auch ihr gr\u00f6\u00dfter Geldgeber. 2017 pumpte der Milliard\u00e4r \u00fcber seine Stiftung \u00fcber 100 Millionen US-Dollar in die Organisation \u2013 mehr als Gro\u00dfbritannien mit 75 Millionen US-Dollar. Die Weltbank (30 Millionen US-Dollar) und die EU (knapp 20 Millionen US-Dollar) waren vergleichsweise geizig. So bleibt der Microsoft-Magnat Hauptf\u00f6rderer und kann letzten Endes die Saatgut-Versorgung der Welt kontrollieren.<\/p>\n<p>Die Seed Freedom Movement, die Monopolisierung und Patentierung von Saatgutsorten verhindern will, hat gegen solche Finanz-Kraft keine Chance. Die Organisation setzt sich f\u00fcr Biodiversit\u00e4t auf unseren Feldern ein und will den Klimawandel sowie Wasserknappheit verhindern.<\/p>\n<h2>Die Patente auf Saatgut sind umstritten<\/h2>\n<p>Die Patente auf genetisch definierte Sorten umfassen nicht nur die genmanipulierten Variationen. Auch &#8222;biologisch gez\u00fcchtetes&#8220; Saatgut kann patentiert werden, weil \u00fcber die Frage Rechtsunsicherheit herrscht. Denn was genau unter &#8222;biologisch gez\u00fcchtet&#8220; zu verstehen ist, ist gesetzlich nicht genau festgelegt.<\/p>\n<p>Rechtliche Auseinandersetzungen hatten dazu gef\u00fchrt, dass konventionell gez\u00fcchtetes Saatgut nicht mehr patentiert werden darf. Damit h\u00e4tte es keine &#8222;Monopole auf dem Feld&#8220; mehr geben d\u00fcrfen, zumindest nicht in Form von konventionellen Z\u00fcchtungen.<\/p>\n<p>Die Beschwerdekammer des Europ\u00e4ischen Patentamtes (EPA) hatte die Patentierungen bis zum 19. April 2020 blockieren k\u00f6nnen. Die Mitarbeiter dort verstanden unter &#8222;biologisch gez\u00fcchtet&#8220;, dass Saatgut mit den althergebrachten Methoden von Auswahl und R\u00fcckkreuzungen erzeugt wurde.<\/p>\n<p>Doch Ant\u00f3nio Campinos machte die Entscheidung des Gremiums zunichte. Als Pr\u00e4sident des EPA verf\u00fcgte er eine andere Rechtsauslegung, der zufolge auch Saatgut aus traditionellen Zucht doch unter Patentschutz gestellt werden kann. So kann beispielsweise der Konzern Rijk Zwaan Zaadteelt sich ein Patent auf eine Salatsorte sichern, die dem Klimawandel besser standh\u00e4lt. Im Juli 2020 waren noch 300 \u00e4hnlicher Antr\u00e4ge im offenen Verfahren begriffen.<\/p>\n<h2>K\u00f6nnen sich Umweltgruppen durchsetzen?<\/h2>\n<p>Gegen diese Patentierungs-Manie im Interesse von Gro\u00dfkonzernen haben mehrere Non-Profit-Organisationen protestiert. Darunter sind die\u00a0 Zukunftsstiftung Landwirtschaft (ZSL) und die\u00a0 Arbeitsgemeinschaft b\u00e4uerliche Landwirtschaft (AbL), die sich auch f\u00fcr den Erhalt einer m\u00f6glichst breiten Agrar-Biodiversit\u00e4t einsetzen.<\/p>\n<p>Die gemeinsame Initiative richtete sich an Christine Lambrecht. Die Bundesjustizministerin sollte laut den 40 unabh\u00e4ngigen Organisationen im Verwaltungsrat der EPA durchsetzen, dass der Terminus &#8222;biologische Verfahren&#8220; pr\u00e4zise definiert ist und Patente auf konventionell gez\u00fcchtete Kultur-Sorten ausgeschlossen sind. Damit sollte auch eine Vereinbarung des Koalitionsvertrages zur Geltung kommen.<\/p>\n<h2>Ein Streit wie die &#8222;endlose Geschichte&#8220;<\/h2>\n<p>Wie lange der Konflikt zwischen Wirtschaft und Umwelt-Initiativen schon schwelt, zeigen die Bestrebungen eines franz\u00f6sischen Vereins. Die Geschichte dokumentiert auch, mit welchen Methoden Konzerne bereit sind, unabh\u00e4ngige Gruppierungen nachhaltig zu sch\u00e4digen, um sie m\u00f6glichst einzusch\u00fcchtern und zu zerschlagen.<\/p>\n<p>Der Verband <a href=\"https:\/\/kokopelli-semences.fr\/fr\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ASSOCIATION Kokopelli<\/a> setzt sich f\u00fcr den Erhalt alter Obst- und Gem\u00fcsesorten ein. Daf\u00fcr werden regelm\u00e4\u00dfig in verschiedenen Teilen der Welt sogenannte &#8222;Saatgutb\u00f6rsen&#8220; veranstaltet, auf denen interessierte G\u00e4rtner ihr Saatgut erwerben oder tauschen k\u00f6nnen. In Indien existiert sogar eine Samen-Genbank namens Annadana, die von einem Garten umgeben ist, in dem nach \u00f6kologischen Kriterien Saatgut gewonnen wird. Ihr Ziel ist die Erhaltung, dieVermehrung und die Verteilung von alten Gem\u00fcsesorten.<\/p>\n<h2>Das klingt doch gut! Und wo ist das Problem?<\/h2>\n<p>Die europ\u00e4ische Saatgutverordnung, die Europ\u00e4ische Direktive 98\/95, deren Inhalt die Modalit\u00e4ten f\u00fcr den Samenhandel in Europa festlegt hatte, war von Frankreich ratifiziert worden. Auf Antrag der deutschen gr\u00fcnen Abgeordneten wurde der Artikel 17 hinzugef\u00fcgt, der besagte, dass die Erhaltung und Verbreitung von Saatgut beg\u00fcnstigt werden soll, das die Kriterien der sogenannten &#8222;conservation varieties&#8220; erf\u00fcllt. Damit war die Erhaltung und Verbreitung von Saatgutvielfalt gemeint. Doch der Artikel 17 von Frankreich bis heute nicht in franz\u00f6sisches Recht \u00fcbertragen.<\/p>\n<p>Diese Faktoren er\u00f6ffneten sich schon damals den multinationalen Konzernen alle M\u00f6glichkeiten, ihr unsauberes Spiel fortzusetzen. <strong>So klagten die Gro\u00dfkonzerne Kokopelli an, illegale Pflanzensorten zu verbreiten, da diese nicht im franz\u00f6sischen Katalog eingeschrieben seien.<\/strong><\/p>\n<p>Der Argumentation der Anw\u00e4lte Kokopellis, die sich auf den Artikel 17 der Direktive berufen, schloss sich die Justiz in der ersten Instanz an. In der Berufungsverhandlung nahmen die Richter den Hinweis auf diesen Artikel jedoch nicht zur Kenntnis und verurteilten Kokopelli zu einer Bu\u00dfgeldzahlung in H\u00f6he von 20.000 Euro sowie zur \u00dcbernahme der Gerichtskosten.<\/p>\n<p>Ein gro\u00dfer Teil des Saatgutes von Kokopelli wurde somit per Definition der Justiz als illegal erkl\u00e4rt, und dies, obwohl der franz\u00f6sische Staat regelm\u00e4\u00dfig wegen der Nichtbeachtung gemeinschaftlicher Entscheidungen von Europa ermahnt wurde.<\/p>\n<p>2012 erstritt Kokopelli einen Teilerfolg im Saatgut-Konflikt. Graines Baumax klagte auf 50.000 Euro Schadensersatz, weil die Sortenh\u00fcter Samen von uralten Sorten verkauft hatte. Doch der Europ\u00e4ische Gerichtshof (EuGH) urteilte, dass\u00a0 das Verbot von nicht zugelassenem Saatgut in dem vorliegenden Fall nicht greift. F\u00fcr die alten Saaten gilt die Zulassungspflicht nicht, demnach d\u00fcrfte wohl auch die Patentierung schwer m\u00f6glich sein.<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen Praxis-Newsletter mit den &#8222;5 Wundermitteln&#8220; an:<\/strong><br \/>\n<script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pD2TS\"><\/script><\/p>\n<p>Kleine Anmerkung: Die Sache mit den &#8222;5 Wundermitteln&#8220; ist mit Abstand der beliebteste Newsletter, den meine Patienten gerne lesen&#8230;<\/p>\n<p><strong>Lesen Sie mehr zum Thema &#8222;Gr\u00fcne Gentechnik&#8220;:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/renegraeber.de\/blog\/die-gruene-gentechnik-luege\/\">Die gr\u00fcne Gentechnik-L\u00fcge<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/renegraeber.de\/blog\/monsanto-der-konzern-mit-der-lizenz-zum-herrschen\/\">Monsanto &#8211; ein Konzern mit der Lizenz zum Herrschen<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"https:\/\/renegraeber.de\/gentechnik-report.pdf\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-88\" src=\"https:\/\/renegraeber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/Genetchnik_470px.jpg\" alt=\"\" width=\"610\" height=\"257\" srcset=\"https:\/\/renegraeber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/Genetchnik_470px.jpg 470w, https:\/\/renegraeber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/Genetchnik_470px-300x126.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 610px) 100vw, 610px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Beitragsbild 123rf.com &#8211; Alexander Raths<\/p>\n<p>Der Beitrag wurde am 18.05.2011 erstellt und wurde am 03.04.2021 letztmalig erg\u00e4nzt und \u00fcberarbeitet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die genetische Vielfalt der Pflanzen ist das Erbe der gesamten Menschheit, die zu ihrem Nutzen eingesetzt werden sollte und nicht zum Vorteil einiger weniger Konzerne wie z.B. 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