{"id":5088,"date":"2024-06-14T16:20:50","date_gmt":"2024-06-14T15:20:50","guid":{"rendered":"https:\/\/renegraeber.de\/blog\/?p=5088"},"modified":"2024-06-14T16:20:50","modified_gmt":"2024-06-14T15:20:50","slug":"pfas-eu-verbot","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renegraeber.de\/blog\/pfas-eu-verbot\/","title":{"rendered":"PFAS: Wird das EU-Verbot etwas bewirken?"},"content":{"rendered":"<p>Per- und polyfluorierte Alkyl-Substanzen (PFAS) stellen ein erhebliches Risiko f\u00fcr Mensch und Umwelt dar. Ein Verbot der Verbindungen k\u00f6nnte in der EU 2025 kommen. Doch wann verschwinden die \u201eEwigkeits-Chemikalien\u201c endg\u00fcltig aus der Nahrungskette?<\/p>\n<p>PFASs sind Kunststoffe, die Fluor enthalten. Rund 10.000 dieser Polymere (Ketten-Molek\u00fcle) hat der Mensch bisher \u201eerfunden\u201c und in die Umwelt freigesetzt. Als wasser- und fettabweisende Beschichtungen in Kleidung und Kochgeschirr, To-Go-Bechern und Pommesschalen sowie Kosmetik-Produkten \u201ebereichern\u201c sie unseren Alltag.<\/p>\n<p>Unverzichtbar scheinen PFASs bei vielen weiteren technischen Anwendungen in Autos, Flugzeugen, Akkus und Pflanzenschutzmitteln. Dem Nutzen steht offensichtlich ein enormes Risiko-Potenzial gegen\u00fcber (<a href=\"https:\/\/link.springer.com\/article\/10.1007\/s11356-024-32082-x\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">PFAS: Erforschung der Neurotoxizit\u00e4t und Umweltauswirkungen<\/a>).<\/p>\n<p>Die Verschmutzung der Umwelt mit PFASs hat horrende Ausma\u00dfe erreicht. Selbst in entlegenen Weltmeeren wie dem arktischen Ozean sind sie zu finden, wo die Chemikalien in die Nahrungskette geraten (<a href=\"https:\/\/www.chemie.de\/news\/1182475\/pfas-fliessen-gleichmaessig-zwischen-arktischem-und-atlantischem-ozean.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">PFAS flie\u00dfen gleichm\u00e4\u00dfig zwischen Arktischem und Atlantischem Ozean<\/a>).<\/p>\n<p>Die Plastik-Verbindungen kursieren in einem Kreislauf, aus dem sie, wenn \u00fcberhaupt in historischen Zeitr\u00e4umen, kaum wieder verschwinden. Denn Fluor geht sehr feste Bindungen ein, weswegen PFASs die stabilsten Kunststoffe von allen sind.<\/p>\n<p>Daher widerstehen sie auch starker Hitze und eignen sich\u00a0 in Gestalt des Teflons f\u00fcr Pfannenbeschichtungen. Die Resistenz gegen Zersetzung hat den fluoridierten Kunststoffen den Begriff \u201eEwigkeits-Chemikalie\u201c eingebracht.<\/p>\n<h2>Wissenschaftler warnen vor der Ewigkeits-Chemikalie<\/h2>\n<p>Schon lange haben Toxikologen Alarm geschlagen. PFASs beeintr\u00e4chtigen die Immun- und Schilddr\u00fcsen-Funktion, sch\u00e4digen die Leber, bringen den Fettstoffwechsel durcheinander, und f\u00f6rdern Krebs, Diabetes sowie Nierenerkrankungen.<\/p>\n<p>Auch die Fruchtbarkeit leidet unter der Kontamination mit den Fluor-Verbindungen und sogar den Fetus erreichen die Chemikalien. PFASs \u00fcberwinden die Plazenta-Barriere und behindern eine einwandfreie Entwicklung des Nervensystems beim werdenden Baby.<\/p>\n<p>Inzwischen sind wir wohl alle mit den krankmachenden Toxinen kontaminiert (<a href=\"https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/pii\/S0147651323011673\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Environmental impacts, exposure pathways, and health effects of PFOA and PFOS<\/a>). Wie hoch die Belastung bereits vor Jahren war, zeigt eine Studie \u00fcber entsprechende Blutwerte bei Kindern und Teenagern: <a href=\"https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/pii\/S1438463920300584\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Per- and polyfluoroalkyl substances in blood plasma \u2013 Results of the German Environmental Survey for children and adolescents 2014\u20132017 (GerES V)<\/a><\/p>\n<p>In einer Zusammenschau \u00fcber die Risiken (<a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC7906952\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Per- and Polyfluoroalkyl Substance Toxicity and Human Health Review: Current State of Knowledge and Strategies for Informing Future Research<\/a>) beklagen Wissenschaftler jedoch, dass solche Nachweise \u00fcber die Gefahren durch PAFSs stets nur einzelne Verbindungen betreffen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die besonders stark gesundheitsgef\u00e4hrdenden PFASs scheinen allerdings Perfluoroctanos\u00e4ure und Perfluoroctan-Sulfonat zu sein. Aber auch der \u201eRest\u201c der Stoffklasse ist ganz sicher nicht harmlos.<\/p>\n<p>Deshalb stehen schon lange Forderungen im Raum, PFASs zu verbieten. Dabei soll ein Trick der chemischen Industrie endlich ausgehebelt werden: Wird ein bestimmter Stoff verboten, wird\u00a0 einfach eine \u00e4hnlich wirkende und \u00e4hnlich sch\u00e4dliche Verbindung synthetisiert, die dessen Platz einnimmt.<\/p>\n<h2>In der EU k\u00f6nnte eine ganze Stoffklasse verboten werden<\/h2>\n<p>Einzelne Hersteller von Textilien werben inzwischen mit dem Label \u201ePFAS-frei\u201c. Diese Angebote sind aber derzeit fast nur in Westeuropa in den Regalen, w\u00e4hrend in Osteuropa und anderen Kontinenten weiter kr\u00e4ftig fluoriert wird. Die Initiative der Produzenten von Outdoor-Kleidung zeigt aber, dass es durchaus alternative Hilfsstoffe gibt. Dazu z\u00e4hlen die bisher als gesundheitlich unbedenklich geltenden Polypropylene und Polyurethane.<\/p>\n<p>Deutschland, die Niederlande, D\u00e4nemark, Schweden und Norwegen reichten 2023 einen\u00a0 Antrag bei der Europ\u00e4ischen Chemikalienagentur ein, die Verwendung der PFASs erheblich einzud\u00e4mmen. Dabei soll es erstmalig eine komplette Substanz-Klasse \u201eerwischen\u201c, um\u00a0 Ausweich-Strategien der Industrie zu blocken.<\/p>\n<p>Doch es sind teils sehr gro\u00dfz\u00fcgige \u00dcbergangsfristen von anderthalb bis 12 Jahren vorgesehen. Das soll der Industrie Zeit geben, Alternativen zu entwickeln. Sehr schwierig gestaltet sich der Ersatz von PFAS wohl in der Medizintechnik, wo die Fluor-Kunststoffe in Implantaten, Dialyse-Apparaten und Inkubatoren eingesetzt werden.<\/p>\n<p>Daher sind f\u00fcr solche Bereiche \u201efristfreie\u201c, quasi ewige \u201e\u00dcbergangsfristen\u201c f\u00fcr die Ewigkeits-Chemikalie vorgesehen.<\/p>\n<h2>Nicht ewig, aber auch viel Zeit braucht die EU f\u00fcr Entscheidungen<\/h2>\n<p>Ob die Initiative der f\u00fcnf EU-Nationen die PFAS-Belastung von Mensch und Umwelt reduzieren kann, bleibt offen. Wenn das der Fall sein sollte, dann wohl fr\u00fchestens 2025. So viel Zeit muss man der EU-B\u00fcrokratie wohl geben.<\/p>\n<p>Und auch, wenn PFASs nur noch sehr begrenzt zur Anwendung kommen, d\u00fcrften wir das erst sehr viel sp\u00e4ter merken. Denn im \u00f6kologischen Kreislauf h\u00e4lt sich die Ewigkeits-Chemikalie noch lange. Ob wir es noch erleben, dass die Gefahrstoffe praktisch verschwinden? Wie sagt man so \u201esch\u00f6n\u201c. \u201eDie Hoffnung stirbt zuletzt.\u201c<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen kostenlosen Praxis-Newsletter &#8222;Unabh\u00e4ngig. Nat\u00fcrlich. Klare Kante.&#8220; dazu an:<\/strong><br \/>\n<script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pL1KE\"><\/script><\/p>\n<p>Beitragsbild: 123rf.com &#8211; Andrea Obzerova<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Per- und polyfluorierte Alkyl-Substanzen (PFAS) stellen ein erhebliches Risiko f\u00fcr Mensch und Umwelt dar. Ein Verbot der Verbindungen k\u00f6nnte in der EU 2025 kommen. Doch wann verschwinden die \u201eEwigkeits-Chemikalien\u201c endg\u00fcltig aus der Nahrungskette? PFASs sind Kunststoffe, die Fluor enthalten. 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