{"id":438,"date":"2011-02-01T17:48:18","date_gmt":"2011-02-01T16:48:18","guid":{"rendered":"https:\/\/renegraeber.de\/blog\/?p=438"},"modified":"2025-08-21T18:54:34","modified_gmt":"2025-08-21T18:54:34","slug":"politiker-in-der-pharmaindustrie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renegraeber.de\/blog\/politiker-in-der-pharmaindustrie\/","title":{"rendered":"Pharma-Lobby: Wenn Politik und Medizin k\u00e4uflich werden"},"content":{"rendered":"<p><strong>Oder: Zwischen gewissenhafter Forschung und geschickter Manipulation<\/strong><\/p>\n<p>Gut erforschte <a href=\"http:\/\/www.naturheilt.com\/medikamente\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Medikamente<\/a>, die gegen Krankheiten wirklich helfen und dabei so wenige Nebenwirkungen wie m\u00f6glich haben \u2013 das w\u00fcnschen wir Verbraucher uns von den Pharmakonzernen. Die Chancen scheinen gut zu stehen, denn auf dem Markt erscheinen immer neue Arzneimittel und Patente f\u00fcr innovative Biotechnologien. Von allen Erwerbst\u00e4tigen waren im Jahr 2007 sechs Prozent im Wirtschaftszweig \u201eHerstellung von chemischen Erzeugnissen\u201c besch\u00e4ftigt. <strong>Hochqualifizierte Wissenschaftler bescheren der deutschen Pharmaindustrie Ums\u00e4tze in Milliardenh\u00f6he.<\/strong><\/p>\n<p>Doch noch weit mehr Geld als f\u00fcr die Entwicklung neuer Medikamente gibt die Pharmaindustrie f\u00fcr die Vermarktung ihrer Produkte aus. So betragen, laut den kanadischen Forschern Marc-Andr\u00e9 Gagnon und Joel Lexchin, die Kosten f\u00fcr die Herstellung von Arzneimitteln in den USA nur der H\u00e4lfte von dem Geld, das die Konzerne in Werbung, PR und Lobbyarbeit stecken. Dabei sind es nicht nur Werbespots in TV und Zeitschriften, sondern auch die kostenlosen Proben die uns Apotheker und \u00c4rzte mitgeben, um uns Patienten von der G\u00fcte eines Produkts zu \u00fcberzeugen. Pharmakonzerne richten Websites f\u00fcr Selbsthilfegruppen ein, sponsern deren Treffen und manipulieren die Organisationen, um ihre Medikamente gewinnbringend auf den Markt zu bringen.<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen kostenlosen Praxis-Newsletter &#8222;Unabh\u00e4ngig. Nat\u00fcrlich. Klare Kante.&#8220; dazu an:<\/strong><br \/>\n<script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pL1KE\"><\/script><\/p>\n<p>Aber nicht nur wir Endverbraucher werden eher durch gezielte Werbema\u00dfnahmen als durch wirkliche Erfolgsmeldungen von den Arzneistoffen \u00fcberzeugt.<strong> Auch die \u00c4rzte und Politiker hat die Pharmaindustrie gut im Griff: So werden Mediziner in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden von sympathischen und \u00fcberzeugungsstarken Pharmareferenten besucht, die ihnen die neuesten und besten Produkte ihres Unternehmens vorstellen.<\/strong><\/p>\n<p>Sie gl\u00e4nzen gleichzeitig durch Fachwissen und Verkaufstalent, sind kommunikativ und einf\u00fchlsam. Sie beraten die \u00c4rzte und stellen ihnen Neuerungen vor \u2013 immer im Sinne ihres Unternehmens, versteht sich.<\/p>\n<p>Mehrmals j\u00e4hrlich laden die Konzerne Mediziner zu Konferenzen und Fortbildungen ein, auf denen Hersteller, aber auch praktizierende \u00c4rzte und Professoren von ihren Erfahrungen mit den jeweiligen Medikamenten berichten, nat\u00fcrlich gegen eine angemessene Bezahlung durch den Hersteller.<\/p>\n<p><strong>Die Frage, wie neutral oder gar kritisch diese Berichte dann wirklich sein k\u00f6nnen, er\u00fcbrigt sich von selbst. <\/strong>Aber nicht nur die Referenten auf solchen Kongressen bekommen gutes Geld f\u00fcr ihre Arbeit. Auch die Zuh\u00f6rerschaft erhielt jahrelang neben den Reisekosten auch einen mehrt\u00e4gigen Aufenthalt im Luxushotel \u2013 alle Wellnessangebote, kulinarische Leckerbissen und wertvolle Geschenke inklusive.<\/p>\n<p>Um aber den faden Beigeschmack der Bestechung loszuwerden, gibt es seit 2004 in Deutschland den Verein \u201eFreiwillige Selbstkontrolle f\u00fcr die Arzneimittelindustrie e.V. (FSA)\u201c, womit die Pharmakonzerne dem von Seiten der Politik geforderten Korruptionsbeauftragten zuvorkamen. Alle Mitglieder verpflichten sich einem Kodex und erhalten bei Nichteinhaltung Strafen bis zu 250.000 Euro.<\/p>\n<p>Dies wiederum f\u00fchrte unweigerlich zu einem drastischen Buchungsr\u00fcckgang in F\u00fcnf-Sterne-Hotels. Im Berliner InterConti beispielsweise entfallen von den 140.000 \u00dcbernachtungen 60.000 auf Kongressteilnehmer, so der Direktor des Hotels, Willy Weiland, gegen\u00fcber der Berliner Morgenpost.<\/p>\n<p>Um weiterhin die G\u00e4ste der Pharmakonzerne begr\u00fc\u00dfen zu d\u00fcrfen, haben jetzt f\u00fcnf der insgesamt 18 Berliner Luxus-H\u00e4user sogar ihre Sterne zur\u00fcckgegeben \u2013 Preise und Angebot bleiben zwar, aber die Hotels fallen nicht mehr unter die vom FSA ungeliebten Kategorien \u201eLuxusherbergen\u201c.<\/p>\n<p>Ob dadurch die Pharmakongresse und die reich beschenkten \u00c4rzte zur\u00fcckgeholt werden k\u00f6nnen, bleibt abzuwarten. Fest steht jedenfalls, dass ein Mediziner, der durch freundlich-kompetente Pharmareferenten, gute Angebote und kleine Aufrichtigkeiten manipuliert wird, Arzneimittel nicht unbedingt NUR nach dem Optimum f\u00fcr den Patienten ausw\u00e4hlt.<\/p>\n<p><strong>Genau ebenso wichtig wie das gute Verh\u00e4ltnis zu \u00c4rzten und Apothekern ist f\u00fcr die Pharmakonzerne aber die Verbindung zu Politikern und Entscheidungstr\u00e4gern. <\/strong><\/p>\n<p>Lobbyveranstaltungen, kollegiale Kontakte, aber auch undurchsichtige Verbindungen zu Gesundheitsministerien und Parteien sind immer dann von sehr gro\u00dfem Vorteil, wenn wichtige Neuerungen im Gesundheitswesen anstehen, gerade entwickelte Arzneimittel und Biotechnologien auf den Markt kommen sollen oder es darum geht, sich sonstige wirtschaftliche Vorteile zu verschaffen.<\/p>\n<p><strong>W\u00e4hrend die \u00c4rzte \u2013 zumindest teilweise \u2013 mit den Fakten der Forschungsergebnisse gewonnen werden m\u00fcssen, steht in der Politik eine gute Argumentation und \u00dcberzeugungskraft noch st\u00e4rker im Vordergrund.<\/strong><\/p>\n<p>Politiker sind nun mal nicht vom Fach, und so erkl\u00e4rt sich von selbst, dass sie sich mehr f\u00fcr eine gut vorgetragene Rede \u00fcber m\u00f6gliche zus\u00e4tzliche Arbeitspl\u00e4tze und Steuereinnahmen durch einen Pharmakonzern interessieren als f\u00fcr detaillierte Beschreibung der Arzneien selber.<\/p>\n<p><strong>Eben weil sich die Politiker auf dem Gebiet nicht auskennen, fragen sie dann auch selber bei den ihnen vertrauten Lobbyisten nach, wenn es um wichtige Entscheidungen geht. <\/strong>Und diese k\u00f6nnen dann, gut vorgetragen, die Interessen ihrer eigenen Auftraggeber leicht durchsetzen.<\/p>\n<p>Daher erstaunt es auch nicht, dass es sich bei den Interessenvertretern oft um sehr gute Rhetoriker handelt. <strong>W\u00e4hrend Pharmareferenten n\u00e4mlich normalerweise ein abgeschlossenes Studium im Bereich Medizin, Pharmazie, Tiermedizin, Biologie oder Chemie vorweisen, haben Lobbyisten ihre Karriere nicht selten selber als Politiker begonnen, um dann irgendwann die Seite zu wechseln<\/strong>.<\/p>\n<p>Denn wer Politiker \u00fcberzeugen m\u00f6chte, der muss sich in dem Metier auskennen, muss Hintergr\u00fcnde und Verflechtungen der Ministerien durchschauen und auf Augenh\u00f6he mit den Parlamentariern debattieren.<\/p>\n<p>Doch wie kann man sich besser zu Vertrauten der Politiker machen, als sich mit den Leitern der Ministerien und Bundestagsabgeordneten in einer gem\u00fctlichen und vertraulichen Runde zu treffen.<\/p>\n<p><strong>Dem ZDF-Magazin Frontal21 wurden die Dreharbeiten einer luxuri\u00f6sen Bootsfahrt polizeilich untersagt, zu der der Verband forschender Arzneimittelhersteller e. V. (vfa) die h\u00f6chsten Vertreter unseres Landes in Berlin eingeladen hatte.<\/strong><\/p>\n<p>Denn man will unter sich sein, ohne dabei den Verdacht der Bestechlichkeit, Vetternwirtschaft und Korruption zu erwecken, aber wohl noch dringlicher, um die geheimen Abmachungen und Verstrickungen nicht an die \u00d6ffentlichkeit kommen zu lassen (vgl. die Sendung Frontal21: Pharmamafia \u2013 Selbstmord durch Antidepressiva. Wenn Sie das in einer Videosuchmaschine eingeben,\u00a0werden sie den Beitrag sicher finden)<\/p>\n<p>Cornelia Yser, die zu diesem Treffen einlud, war vormals angesehene CDU-Abgeordnete und Mitglied des Deutschen Bundestages. Sie war Parlamentarische Staatssekret\u00e4rin im Bundesministerium f\u00fcr Frauen und Jugend, sp\u00e4ter im Bundesministerium f\u00fcr Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie. Aus diesem Amt verabschiedete sie sich 1997, um Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrerin des vfa zu werden.<\/p>\n<p>Sie gilt heute als m\u00e4chtigste Pharmalobbyistin Deutschlands. Sie ist kein Einzelfall. <strong>Erschreckend hoch ist die Anzahl der ehemaligen hohen Politiker, die heute als Interessenvertreter der Pharmaindustrie in Erscheinung treten.<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Die fr\u00fchere Gr\u00fcnen-Politikerin Andrea Fischer beispielsweise, die selbst drei Jahre lang Bundesministerin f\u00fcr Gesundheit war und sich damals immer wieder mit den Gr\u00f6\u00dfen der Pharmaindustrie anlegte, ist heute ebenfalls Publizistin und Lobbyistin der Pharmagiganten: Eine 180-Grad-Drehung von der \u00d6koaktivistin zur profitgierigen Gegenseite. F\u00fcr Geld wirft man gerne einmal kurzerhand seine lang gehegten Ideale \u00fcber Bord!<\/li>\n<li>Der CDU-Politiker Horst Teltschik war Vize-Kanzleramtschef, heute ist er Mitglied im Verwaltungsrat des Pharmariesen Roche. Als Lobbyist bezeichnet er sich selber nicht sehr gerne, zu schlecht ist das Image dieses Berufsstandes. Wie gerne und gedankenlos Politiker die Seiten wechseln, zeigte er schon 2003 eindrucksvoll. Damals war er nicht nur Leiter der M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz, sondern gleichzeitig \u201ePresident Boeing Deutschland\u201c bei dem amerikanischen R\u00fcstungs- und Luftfahrtkonzern. Interessenkonflikte sah Teltschik, im Gegensatz zur breiten \u00d6ffentlichkeit, darin \u00fcberhaupt nicht.<\/li>\n<li>Hermann Hofmann, ehemaliger Sprecher der CSU-Landtagsfraktion, leitet nun die Kommunikation von Sandoz, einem Hersteller von Medikamenten und Nahrungserg\u00e4nzungsmitteln. Peter Schmidt war gesundheitspolitischer Referent f\u00fcr die SPD-Bundestagsfraktion und Abteilungsleiter im \u201ePr\u00fcfdienst Krankenversicherung\u201c. Jetzt ist er Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Arzneimittelverbands Pro Generika e.V..<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Liste der in die Industrie gewechselten Politiker ist beliebig weiterzuf\u00fchren \u2013 in Deutschland ebenso wie in den USA, Gro\u00dfbritannien und anderen marktf\u00fchrenden Staaten. <strong>Alleine aus der Schr\u00f6der-Regierung wechselten mindestens zw\u00f6lf Parlamentarier zu den Lobbyisten, allerdings nicht allein in die Pharmaindustrie, sondern auch in andere profitable Branchen.<\/strong><\/p>\n<p>Ebenso wechseln auch immer wieder Gr\u00f6\u00dfen der Pharmaindustrie in politische Bereiche, um die Interessen der Industrie noch besser durchsetzen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Amerikanische und britische Experten sch\u00e4tzen, laut der linksliberalen Wochenzeitung &#8222;der Freitag&#8220;, dass im Gesundheitssektor zwischen drei und zehn Prozent der Ausgaben f\u00fcr Betrug, Missbrauch und Korruption draufgehen.<\/strong><\/p>\n<p>Wundert es da, dass immer mehr Kritiker von Mafia-\u00e4hnlichen Methoden reden? M\u00fcssen wir nicht jedes neue Medikament kritisch betrachten, wenn wir wissen, dass die Zulassung m\u00f6glicherweise auf Korruption, Redegewandtheit und alte Parteifreundschaften zur\u00fcckzuf\u00fchren ist? K\u00f6nnen wir Politikern Glauben schenken, die uns beispielsweise suggerieren, die Schweinegrippe-Epidemie werde sich zum Herbst hin noch einmal drastisch verschlimmern \u2013 und f\u00fcr diese Panikmache m\u00f6glicherweise von den Konzernen kleine Aufmerksamkeiten erhalten?<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Parlamentarier uns auf der einen Seite erz\u00e4hlen, wie sicher und frei von Nebenwirkungen die Impfung sei, bekommen sie selber einen besser vertr\u00e4glichen Impfstoff. Und nicht nur das: Wenn neue Produkte auf den Markt kommen, werden sie durch Zulassungsstellen gepr\u00fcft.<\/p>\n<p><strong>Die international t\u00e4tige US-Arzneimittelbeh\u00f6rde FDA wird aber zur H\u00e4lfte von der Pharmaindustrie finanziert, die europ\u00e4ische Zulassungsbeh\u00f6rde EMEA sogar zu zwei Dritteln<\/strong> (vgl. Weiss H.: Korrupte Medizin: \u00c4rzte als Komplizen der Konzerne; 2008; Kiepenheuer &amp; Witsch). Auf dieser Basis ist ein neutrales Gutachten kaum zu erwarten. Denn wenn es um wirtschaftlichen Erfolg und Macht geht, bleiben die Sicherheit und das Wohl der Patienten oft auf der Strecke.<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen kostenlosen Praxis-Newsletter &#8222;Unabh\u00e4ngig. Nat\u00fcrlich. Klare Kante.&#8220; dazu an:<\/strong><br \/>\n<script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pL1KE\"><\/script><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oder: Zwischen gewissenhafter Forschung und geschickter Manipulation Gut erforschte Medikamente, die gegen Krankheiten wirklich helfen und dabei so wenige Nebenwirkungen wie m\u00f6glich haben \u2013 das w\u00fcnschen wir Verbraucher uns von den Pharmakonzernen. Die Chancen scheinen gut zu stehen, denn auf dem Markt erscheinen immer neue Arzneimittel und Patente f\u00fcr innovative Biotechnologien. 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