{"id":1500,"date":"2023-12-22T20:00:26","date_gmt":"2023-12-22T19:00:26","guid":{"rendered":"https:\/\/renegraeber.de\/blog\/?p=1500"},"modified":"2023-12-22T20:00:26","modified_gmt":"2023-12-22T19:00:26","slug":"die-elektronische-gesundheitskarte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renegraeber.de\/blog\/die-elektronische-gesundheitskarte\/","title":{"rendered":"Die elektronische Gesundheitskarte und das elektronische Gesundheitskartell"},"content":{"rendered":"<p>Ja, sie ist da \u2013 die elektronische Gesundheitskarte, die fr\u00fcher ohne Elektronik \u201eKrankenkarte\u201c genannt wurde. Denn diese Karte ist f\u00fcr den Krankheitsfall gedacht, also wenn es notwendig wird, den Arzt oder das Krankenhaus aufzusuchen.<\/p>\n<p>Es gab eine Menge Leute, die nicht besonders gl\u00fccklich mit dieser eGK waren, beziehungsweise sind. Der Deutsche \u00c4rztetag stimmte im Mai 2007 gegen die elektronische Gesundheitskarte, wobei Bedenken bei der Datensicherheit und Finanzierbarkeit den Ausschlag gaben. Im Mai 2013 bekr\u00e4ftigte der Deutsche \u00c4rztetag die Ablehnung der eGK noch einmal.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Aber dennoch gibt es die elektronische Gesundheitskarte<\/h2>\n<p>Auch ein am 8. April 2014 erfolgtes Urteil vom Europ\u00e4ischen Gerichtshof, demzufolge die Richtlinien zur Vorratsdatenspeicherung ung\u00fcltig sind und einen Versto\u00df gegen die Grundrechte zur Achtung des Privatlebens und Schutz personenbezogener Daten darstellen, brachte die Bundesregierung nicht von ihrem Plan ab, diese Karte in den Verkehr zu bringen.<\/p>\n<p>Dies ist umso bemerkenswerter, da man hier wissentlich gegen europ\u00e4isches Recht verst\u00f6\u00dft: Elektronische Gesundheitskarte: Sicherheit und Hintergr\u00fcnde zur eGK<\/p>\n<p>An dieser Stelle will ich mal auf eine Merkw\u00fcrdigkeit erster Klasse hinweisen:\u00a0Die gleiche Bundesregierung\u00a0beruft sich\u00a0ausgerechnet auf europ\u00e4isches Recht, wenn es um die Verhinderung der Abschaffung der sogenannten \u201eSommer-Zeit\u201c geht. Weil ganz Europa an der Sommerzeit festh\u00e4lt, m\u00fcssen wir auch daran festhalten? \u00dcber die Sache mit dem <a href=\"https:\/\/renegraeber.de\/blog\/uhren-umstellung-sommerzeit-2018\/\">Irrsinn der Uhr-Zeitumstellung hatte ich bereits hier berichtet<\/a>.<\/p>\n<p>Bei der\u00a0elektronischen Gesundheitskarte\u00a0jedenfalls pfeift man in der Bundesregierung pl\u00f6tzlich auf den europ\u00e4ischen Konsens. Also auch hier wird wieder passend gemacht, was gerade nicht passt, und Gesetze werden nur dann zur Kenntnis genommen, wenn sie einem in den Kram passen.<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen kostenlosen Praxis-Newsletter &#8222;Unabh\u00e4ngig. Nat\u00fcrlich. Klare Kante.&#8220; dazu an:<\/strong><br \/>\n<script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pL1KE\"><\/script><\/p>\n<h2>Nat\u00fcrlich soll die neue Karte Milliarden sparen \u2013 erm\u00f6glicht aber auch den illegalen Zugriff auf Daten<\/h2>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich soll diese Karte Milliarden bei den Gesundheitskosten einsparen. Und alles ist so sicher wie Fort Knox \u2013 so die Legoland Werbung der Bundesregierung f\u00fcr ihre organisierte Datensammlung. Nat\u00fcrlich wird alles unternommen, um die Daten vollkommen abzusichern etc. etc. etc.<\/p>\n<p>Demgegen\u00fcber steht das Argument, dass dieses System keinen \u201e<em>Nachweis der Tauglichkeit nach ISO\/IEC 15408 zur Datensicherheit und zum Datenschutz bei der \u00dcbertragung gegen\u00fcber dem BSI als Bundesoberbeh\u00f6rde<\/em>\u201c (de.wikipedia.org\/wiki\/Elektronische_Gesundheitskarte) f\u00fcr sich beanspruchen kann. Diese Informationen sind etwas \u00e4lteren Datums, sodass sich m\u00f6glicherweise hier einiges ver\u00e4ndert hat, was ich momentan nicht verifizieren kann.<\/p>\n<p>Unter Datensch\u00fctzern ist besonders die Absicht umstritten, dass die eGK k\u00fcnftig auch via Smartphone funktionieren soll. Trotz verschl\u00fcsselter Daten kann dann eine Schadsoftware auf dem mobilen Endger\u00e4t praktisch alle Daten senden. Und theoretisch jeder kann sie abrufen, also auch Versicherungen und der Arbeitgeber. Wer sich um einen Job bewirbt kann dann gefragt werden, ob er oder sie seine oder ihre Krankenakte offenlegen m\u00f6chte. Dazu ist zwar keiner gezwungen, aber es gibt Minuspunkte f\u00fcr die Auswahl.<\/p>\n<p>Der Datenklau vom Smartphone kann m\u00f6glicherweise auch mit anderen Informationen verkn\u00fcpft werden. Viele Menschen senden schon heute Details \u00fcber ihr Gesundheitsverhalten freiwillig \u00fcber eine Fitness-App an die Krankenkasse oder Gesundheitsdienstleister.<\/p>\n<p>Noch kritischer wird es, wenn wir ab 2025 \u201eendlich\u201c die <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/ratgeber\/gesundheit\/elektronische-patientenakte-digitale-epa-kranken-versicherte-faq-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">elektronische\u00a0Patientenakte (ePA) <\/a>und das elektronische Rezept (E-Rezept) bekommen. Dann sollen unsere Daten auf einem zentralen Server landen, auf den auch jeder Versicherte via Smartphone zugreifen kann. Wer das dann noch kann, ob legal oder illegal, will man sich am liebsten gar nicht vorstellen.<\/p>\n<p>Mit der eGK auf dem Smartphone ergibt sich jetzt schon ein Gesamtbild \u00fcber jeden Patienten, der mobil online ist und allzu sorglos damit umgeht. Diese Kritik \u00e4u\u00dfert beispielsweise Rena Tangens, Vorsitzende der Datenschutz-Organisation Digitalcourage in einem taz-Interview: <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/Datenschuetzerin-ueber-Patienten-Apps\/!5536235\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;Nicht mit Gesundheit spielen&#8220;<\/a><\/p>\n<h2>Warnung oder Verschw\u00f6rungstheorie?<\/h2>\n<p>Da taucht im Netz ein frischer, neuer offener Brief eines Arztes an seine Patienten und Leser auf (<a href=\"https:\/\/dieunbestechlichen.com\/2018\/03\/ein-arzt-warnt-alle-patienten-bertelsmann-arvato-und-die-gesundheitskarte\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ein Arzt warnt alle Patienten: Bertelsmann, Arvato und die Gesundheitskarte \u203a Die Unbestechlichen<\/a>).<\/p>\n<p>Hier erfahren wir, dass hinter der Datensammlung und seiner Verwirklichung die Bertelsmann-Tochter Arvato steckt. Bertelsmann ist auch bekannt daf\u00fcr, dass die Firma in zahlreichen Gesundheitseinrichtungen involviert ist, wo gro\u00dfe personenbezogene Datenmengen anfallen, auf die bei Bedarf zugegriffen werden kann.<\/p>\n<p>In dem Leserbrief beklagt Dr. L\u00f6ser, dass mit diesen Daten Gesch\u00e4fte mit Diagnosen hinter dem R\u00fccken des Patienten gemacht werden und irgendwann einmal der Hausarzt \u00fcberfl\u00fcssig sein wird. Das h\u00f6rt sich abenteuerlich und nach Verschw\u00f6rung an.<\/p>\n<p>Ein \u201eSpiegel\u201c Artikel aus dem Jahr 2015 (<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-140273569.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Digitalisierung: Der gl\u00e4serne Patient \u2013 DER SPIEGEL 50\/2015<\/a>) scheint diese Annahme jedoch zu best\u00e4tigen. Denn hier erfahren wir, dass Google eine Kooperation mit Sanofi aufgebaut hat, die die Analyse von Blutzuckerwerten von Diabetespatienten erm\u00f6glicht, \u201e<em>um Insulin besser verabreichen zu k\u00f6nnen<\/em>\u201c.<\/p>\n<p><strong>Ich sch\u00e4tze, dass jetzt die Katze aus dem Sack ist. Denn nichts w\u00e4re sch\u00f6ner f\u00fcr die Pharmaindustrie, wenn dieser l\u00e4stige Mittelmann, der Arzt, bei der Verordnung von Medikamenten umgangen werden kann. Hier w\u00fcrden sich auch Milliarden einsparen lassen. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Denn die Industrie braucht dann keine Bestechungsgelder, teure Reisen, teure Essen etc. zu investieren, um den Arzt als Entscheidungstr\u00e4ger in Sachen Verordnungen zu hofieren.<\/strong><\/p>\n<p>Auffallend ist auch in diesem \u201eSpiegel\u201c-Beitrag die Zahl der Firmen, die mit Gesundheit beziehungsweise Krankheit eigentlich nichts zu tun haben, und sich bereits trotzdem auf diesem Gebiet tummeln.<\/p>\n<p>Apple, Samsung, Facebook und so weiter bieten Gesundheits-Apps an, die flei\u00dfig Daten von den jeweiligen Besitzern abfragen und sammeln und als Leistung diesem Besitzer bestimmte statistische Auswertungen \u00fcber seine Aktivit\u00e4ten, sein Gesundheitszustand etc. bieten.<\/p>\n<p>Gleichzeitig werden diese Daten in eine \u201eCloud\u201c hochgeladen, um dort jederzeit verf\u00fcgbar zu sein, vorausgesetzt der Benutzer hat Zugang zum Internet. Wer dar\u00fcber hinaus noch Zugang zu diesen Daten hat, dar\u00fcber herrscht weitestgehend Ungewissheit.<\/p>\n<p>Das Beispiel Google und Sanofi zeigt jedoch, in welche Richtung die Reise zu gehen gedenkt. Und wenn Internet-Firmen mit gro\u00dfen pharmazeutischen Unternehmen zusammenarbeiten, dann geht es ums Gesch\u00e4ft, auch ums Gesch\u00e4ft mit Daten. Und das hei\u00dft aus Erfahrung, dass hier wenig Gutes auf die Betroffenen einstr\u00f6men wird.<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen kostenlosen Praxis-Newsletter dazu an:<\/strong><br \/>\n<script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pDDkW\"><\/script><\/p>\n<h2>Was hat dies mit der\u00a0elektronischen Gesundheitskarte zu tun?<\/h2>\n<p>Hier werden (organisiert und umfassend) gewaltige Mengen an krankheitsbezogenen Daten gesammelt und verwaltet, f\u00fcr die es bislang anscheinend kein ISO-Sicherheitszertifikat gibt und von denen wir nicht wissen, wer hier m\u00f6glicherweise Zugriff haben wird.<\/p>\n<p>Es ist jetzt schon als sicher anzunehmen, dass die Lobby der Pharmaindustrie hier bereits Pl\u00e4ne schmiedet, um Zugriff auf solche Daten zu bekommen. Die Sache mit Google und Sanofi darf man hier als eine Art Trainingseinheit verstehen, patientenbezogene Daten abzufragen und auszuwerten.<\/p>\n<p>Alle diese Gedanken m\u00f6gen noch ein wenig nach Verschw\u00f6rungstheorie duften. Aber der offene Leserbrief des Arztes offenbart eine weitere Tatsache, die passt, wie die Faust aufs Auge. Und das ist die Tatsache, dass die Firma Arvato ma\u00dfgebend mit von der Partie ist.<\/p>\n<p>Auf der deutschen Ausgabe von Wikipedia \u00fcber diese Firma (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Arvato\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Arvato \u2013 Wikipedia<\/a>) gibt es eine \u00fcberraschend herbe Kritik an deren Gesch\u00e4ftsgebaren. Dem Beitrag zufolge nimmt die Firma es mit dem Datenschutz nicht so genau.<\/p>\n<p>Die Firma gibt gesammelte Daten relativ bedenkenlos und unkritisch an Dritte weiter. Sie gibt diese Informationen auch ohne Wissen der betroffenen Personen weiter an Dritte, was einen deutlichen Versto\u00df gegen das Datenschutzgesetz darstellt.<\/p>\n<p>Da bleibt wirklich die Frage offen, wie weit die gesammelten Krankendaten aufgrund der eGK an solche Firmen weiter gereicht werden, hinter dem R\u00fccken der betroffenen Patienten und zum Wohle der Industrie? Es bleibt auch offen zu fragen, ob die Einf\u00fchrung dieser Karte aus genau diesem Grunde erfolgt ist?<\/p>\n<p>Denn die bislang ge\u00e4u\u00dferten Begr\u00fcndungen der Bundesregierung f\u00fcr diese Karte sind mehr oder weniger Behauptungen, Spekulationen und Wunschgedanken, f\u00fcr die bislang jede evidenzbasierte Verifizierung fehlt. Fangen wir einfach mal mit dem ISO-Sicherheitszertifikat an.<\/p>\n<h2>Nachtrag: Ihre Karte ist jetzt mit NFC ausgestattet<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/renegraeber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/IKK-Gesundheitskarte.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-3487\" src=\"https:\/\/renegraeber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/IKK-Gesundheitskarte.jpg\" alt=\"\" width=\"960\" height=\"1280\" srcset=\"https:\/\/renegraeber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/IKK-Gesundheitskarte.jpg 960w, https:\/\/renegraeber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/IKK-Gesundheitskarte-225x300.jpg 225w, https:\/\/renegraeber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/IKK-Gesundheitskarte-773x1030.jpg 773w, https:\/\/renegraeber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/IKK-Gesundheitskarte-768x1024.jpg 768w, https:\/\/renegraeber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/IKK-Gesundheitskarte-529x705.jpg 529w\" sizes=\"(max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Hier sehen Sie ein Merkblatt der IKK zur Krankenkassenkarte. Alles klar?<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Wenn es um die Durchsetzung von politischen und \u00f6konomischen Zielen geht, dann sind sich die Verantwortlichen keiner Kuriosit\u00e4t zu schade, um selbiges durchzusetzen. Sogar Gerichtsbeschl\u00fcsse, in diesem Fall vom Europ\u00e4ischen Gerichtshof, werden ignoriert. Datenschutz gilt nur f\u00fcr die, gegen die der Datenschutz durchgesetzt wird. Firmen mit fragw\u00fcrdigem Hintergrund in Sachen Datenschutz etc. werden mit der Durchf\u00fchrung von Projekten wie der elektronischen Gesundheitskarte beauftragt. Da hat man doch glatt den Bock zum G\u00e4rtner gemacht!<\/p>\n<p>Wie es aussieht, ist diese Karte dazu da, das letzte Bisschen Gesundheit der Patienten und solche, die es noch werden, an die Industrie zu verkaufen.<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen Praxis-Newsletter mit den &#8222;5 Wundermitteln&#8220; an:<\/strong><br \/>\n<script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pD2TS\"><\/script><\/p>\n<p>Kleine Anmerkung: Die Sache mit den &#8222;5 Wundermitteln&#8220; ist mit Abstand der beliebteste Newsletter, den meine Patienten gerne lesen&#8230;<\/p>\n<p>Den Beitrag habe ich im Mai 2018 erstmals erstellt und am 5.11.2018 mit den Informationen von Rena Tangens erweitert und am 22.12.aktualisiert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ja, sie ist da \u2013 die elektronische Gesundheitskarte, die fr\u00fcher ohne Elektronik \u201eKrankenkarte\u201c genannt wurde. 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