Nanotube Produktionsanlage von Bayer – Paradebeispiel für Umgehung behördlicher Auflagen?

Carbon Nanotubes (CNTs) sind winzige Röhrchen aus Kohlenstoff. Sie kommen in Lacken, Rotorblättern und Sportartikeln zur Anwendung. Die Firma Bayer hat jetzt eine Produktionsanlage in Leverkusen in Betrieb genommen, die diese CNTs herstellt. Sie stellt im Augenblick die weltweit größte Anlage dieser Art dar.

Aber trotz dieser Größe wurde die Anlage bei der behördlichen Genehmigung nur als „Versuchsanlage“ eingestuft. Dies ist für die Firma Bayer besonders günstig, da Versuchsanlagen und –betriebe von den Vorschriften des Bundesimmissionsschutzgesetzes befreit sind. Es erfolgte lediglich eine Baugenehmigung seitens des Leverkusener Bauamts, eine Institution, die keinerlei Kompetenz in Sachen Beurteilung neuartiger Stoffe und deren Gefährlichkeit hat.

Verschiedene Organisationen, wie der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), die Coordination gegen BAYER-Gefahren und die Bürgerinitiative Umweltschutz bemühen sich, den Sachverhalt an die Öffentlichkeit zu bringen. Die Tatsachen, dass die Anlage jetzt schon eine Produktionskapazität von 200 Tonnen besitzt und dass die Nanotubes unter dem Namen Baytubes vermarktet werden, lassen auf eine regelgerechte kommerzielle Produktion schließen und nicht auf eine Versuchsanlage.

Ferner fordern die Umweltverbände, dass die Firma Bayer darlegt, von welcher Art und Größe die zu erwartenden Immissionen und Emissionen sein werden und wie hoch deren Gefährdungspotential in einem Störfall sein wird.

Die Gegner dieser Anlage sind sich einig, dass die Baugenehmigung rechtswidrig erfolgt ist. Da gegen die Auflagen des Bundesimmisionsschutzgesetzes verstoßen worden ist, kann jeder Anwohner gegen die Inbetriebnahme Einspruch erheben. Dies ist umso dringlicher, da bislang niemand das Gefährdungspotential von CNTs einzuschätzen weiß.

Tierversuche zeigten einen asbestfaserartigen Effekt, der Lungenkrebs fördert. Es wurden DNS-Schäden in der Aorta beobachtet und Beeinträchtigungen der Lungenfunktion. Aufgrund ihrer mikroskopischen Größe werden CNTs durch Inhalieren und über die Poren der Haut aufgenommen.

René Gräber

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