Der einsame Konsument

Immer häufiger glauben die Menschen in der westlicher Zivilisation, durch Bedürfnisbefriedigung, Luxus und Konsum Zufriedenheit zu erlangen. Darüber geht ihnen jedoch das innere Gleichgewicht verloren, da sie Befriedigung in den äußeren Bedingungen suchen. Dabei nehmen sie an, in einer Gesellschaft nur das sein zu müssen, was andere wahrnehmen, was viele weitere in den Konsum zwingt. So nach dem Motto: „Ich bin, was ich trage. Ich bin, was ich besitze.“

Dies sind typische Merkmale unserer modernen Gesellschaft, in der der Mensch zum Produkt und Baustein wird. Wer darin nicht die gleiche Rolle spielt und keinen Nutzen erfüllt, wird ausgestoßen, an den Rand geschwemmt und nicht mehr für voll genommen.

Die moderne Gesellschaft definiert scheinbar „Glück“ als eine Befriedigung durch Konsum. Der Mensch reduziert sich auf seine Hülle, lediglich das äußere Erscheinungsbild ist das, was zählt und ihn aufrecht erhält. Verschiedene Ängste, die Sorge um Familie und besonders die eigene Identität führen dazu, dass der Mensch glaubt, er müsse sich durch das, was er erreicht, durch Geschäft, Job und Status hervortun und könnte so eine attraktivere Identität erlangen. Das Leben wird hinter Arbeit und Einkauf zurückgestellt, der Konsum zur Notwendigkeit, ohne die der Mensch nicht mehr weiß, wer er ist.

Zygmunt Bauman, polnisch-britischer Soziologe und Philosoph, wirft den Unternehmen vor, den Konsumenten zu locken, ihm also etwas zu verkaufen, was er gar nicht benötige. Es ginge dabei nicht mehr um konkrete Bedürfnisse, sondern um eine gute Vermarktung, in der Produkte erst künstlich entwertet und dann durch verbesserte Varianten ersetzt werden. Durch die unterschiedlichen Moderichtungen kann ein Produkt durch gute Vermarktung bereits eine Saison später als peinlich empfunden werden, was den Konsumenten zwingt, sich neu zu orientieren und sich die verbesserte Variante zuzulegen.

Das Shopping, so Bauman, wird so zu einem ständigen Bedürfnis und kann zur Sucht geraten. Der Trick, sagt Bauman, sei es, eine Sehnsucht zu wecken, die sich fortwährend nach neuen Sehnsüchten sehnt.

So werde dem Konsumenten der freie Wille genommen, sich zu entscheiden, was er wirklich benötigt. Stattdessen wird ihm der ständige Wechsel neuer Moderichtungen aufgedrängt, hinter dem meistens doch nur Gewinnerzielung und Vermarktung liegen. Der Kopf des Konsumenten wird regelmäßig neu zurechtgerückt, er wird auf Probleme aufmerksam gemacht, die vorher gar nicht existierten, und auf Produkte verwiesen, die von da an notwendig erscheinen.

Gerade in der Kosmetik und im Schönheitswahn moderner Zeiten wird dem Konsumenten eingeredet, wie fehlerhaft sein Aussehen ist und durch welche Möglichkeiten und Produkte er dieses verbessern kann.

Der Mensch als Konsument, geprägt durch die Werbung, empfindet sich selbst als flüchtige Identität, so Bauman. Die Identität bedürfe der ständigen Aufmerksamkeit, wodurch das eigene Selbstwertgefühl schnell verloren gehe, wenn die Bedingungen der gesellschaftlichen Präsenz nicht erfüllt sind. Schuldgefühle entstehen, die erst mit neuem Konsum wieder vergehen. Das sei eine neue Selbstsicherheit, die nicht aus der inneren Einstellung, sondern durch äußere Einflüsse entsteht.

Der Markt, so Bauman, offenbart selbst Lösungen für fehlende Freundschaft oder sogar fehlende Liebe. Der Akt des Bezahlens ersetze seiner Meinung nach das Verantwortungsgefühl, was gerade zu Festtagen sichtbar würde und von Unternehmen für ihre Werbezwecke genutzt wird, in dem sie dem Menschen suggerieren, er würde seine Familie nicht genügend lieben, wenn er keine Geschenke mache. Sich dem ganzen Rummel zu entziehen, ist für den modernen Gesellschaftsmenschen fast unmöglich geworden.

Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf. Was tun Sie, um diesem Teufelskreis zu entgehen?

René Gräber

René Gräber

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4 Kommentare Kommentar hinzufügen

  1. Avatar
    Katrin aus Frankfurt (Oder)

    10. März 2011 um 17:19

    Ich habe ein wunderbares Hobby. Ich lese gern Bücher. Das ist noch das einzige Medium, wo nicht massenhaft Werbung veröffentlicht wird. Es wird höchstens auf ein anderes Buch verwiesen. Der Fernseher ist selten eingeschaltet und wenn doch, dann sehe ich nur öffentlich rechtliche Sender mit interessanten Dokus. Werbeversprechen sehe ich grundsätzlich skeptisch, so dass ich mich da auch nicht unter Druck gesetzt fühle alles was neu ist, kaufen zu müssen.

  2. Avatar

    Ich schalte seit 3 Jahren keinen Fernseher mehr an. Wenn ich zufällig bei Bekannten da rein schauen muß, wird mir klar, wie die Menschheit durch Fernsehen verdummt wird. Es ist die reinste Hypnose zu gunsten der Machthaber. Ich habe es mir zur Lebensaufgabe gemacht, für die Befreiung der Menschen aus dieser Versklavung, mich einzusetzen und meinen Beitrag dazu zu leisten.

  3. Avatar

    Solche Artikel zu lesen, das hilft schon und sensibilisiert! Weniger shoppen gehen und sich von Werbung beeinflussen lassen, sich lieber an anderen Dingen erfreuen ! Zum Beispiel Musik hören, vor allem Freunde treffen, im Cafe sitzen, Inliner fahren oder Sport treiben !
    Das löst viel mehr und vor allem auch länger Glücksgefühle aus!

  4. Avatar

    Danke für den Bericht und das sensibilieren. Ich lebe gerne BUNT und INTENSIV, aber ich brauche meine Oasen die da sind ruhige Bewegungen, bewusstes Atmen und mich auf den Prozess der Begegnung mit mir selber einzulassen….meine Verabredung mit dem Leben im Hier und Jetzt. Daraus wächst Verständnis und Vertrauen. Dank der Meditation wird mir immer wieder das närrische Treiben bewusst und nur ich kann mit meiner eigenen Haltung dazu etwas daran ändern….und ich KANN MEIN Leben GLÜCKLICH leben!

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