Lachsfieber – Wie der WWF das Sterben der Meere unterstützt

Lachsfieber. Nein, das ist keine Krankheit und auch keine neuartige Form der Schweinigrippe.

Lachsfieber ist eine Reportage des WDR. Eigentlich ist es eher ein Thriller von Wilfried Huismann und Arno Schumann.

Bei Lachsfieber geht es um das Geschäft mit Lachsen. Vermutlich deswegen auch die Analogie zum Goldfieber, bzw. Goldrausch des 19. Jahrhunderts in Amerika.

Lachs: früher eine Delikatesse, heute in jedem Supermarktregal zu finden – selbst bei Aldi. Und natürlich ist der Preis „ganz unten“. Und natürlich geht das anscheinend nur mit Massentierhaltung.

Jede Form der Massentierhaltung oder –zucht steht in einem fundamentalen Widerspruch zu ökologischen und natürlichen Prinzipien. Dementsprechend viele Probleme treten unter diesen Umständen auf. Die kommerziell betriebene Lachszucht ist da keine Ausnahme.

Marine Harvest – ein Lachszucht-Imperium

John Frediksen ist der Chef einer norwegischen Firma, die neben einem Tankerimperium eine industrielle Fischzucht betreibt: die Marine Harvest. Seine Firma züchtet weit über 100 Millionen Zuchtlachse pro Jahr, in Norwegen und besonders in Chile.

Sein Absatzmarkt ist die ganze Welt. Das besondere Augenmerk in Sachen Produktion liegt dabei auf Chile. Hier gibt es wenig Umweltgesetze die man zu befolgen hat. Lachsfarmen können auf relativ engem Raum nebeneinander platziert werden. Die Fisch-Käfige können mit doppelt so vielen Lachsen bestückt werden. Und Tonnen von Antibiotika können unkontrolliert ins Meerwasser gekippt werden.

Ohne Antibiotika geht es nicht

Ohne die Antibiotika geht es anscheinend gar nicht – ohne der sich massenhaft vermehrenden Keime Herr zu werden. Natürlich werden die Antibiotika auch von den Fischen nebst anderen Chemikalien und Farbstoffen aufgenommen. Nach 18 Monaten Mast sind die Fische so belastet mit Chemie und Antibiotika, dass von Lachs als „gesunder Meereskost“ (neben „gesunden“ Omega Fettsäuren) eigentlich nicht mehr die Rede sein kann.

Die Verdauungsprodukte und das „Futter“ für die Fische fallen großzügig auf den Meeresboden und machen diesen für andere Meeresbewohner unbewohnbar.

Nicht selten kommt es vor, dass benachbarte Muschelfarmer aufgrund der Kontamination durch Antibiotika, Krankheitserreger der Fische und Fischkot ihre eigene Existenz ruiniert sehen.

Wenn dann schließlich die marine Umwelt auch für die Lachszucht zu verpestet ist, dann zieht man einfach weiter auf der Suche nach intakten Biotopen und saubereren Gewässern.

Sind die erst einmal gefunden, dann wiederholt sich der ganze Reigen. Auf diese Art und Weise ist sichergestellt, das Stück für Stück, Zug um Zug das ökologische Gleichgewicht einer ganzen Region nachhaltig gestört wird.

5 Kilo Fisch für einen Kilo Lachs

Dass dann noch für 1 kg Zuchtlachs 5 kg Frischfisch gefangen und verfüttert werden müssen (was der Überfischung in die Hände spielt), ist so nur noch das Tüpfelchen auf dem i.

Lachse wohnen nicht in Chile…

Bedenklich für das Ökosystem in den Gewässern Chiles: Lachse sind Raubfische, die in diesen Breitengraden gar nicht zuhause sind. Entkommene Lachse können so das biologische Gleichgewicht der einheimischen Fischarten zerstören.

Das Lachsfieber und der WWF

Kommen wir endlich mal zum Hauptthema. Nämlich: der Rolle der WWF bei diesem „Treiben“ der Lachsfarmer.

Nachdem man also so viel „Schmutz“ im chilenischen Meerwasser finden kann, sollte man meinen, dass ökologisch verantwortungsbewusste Organisationen mit Nachdruck die Finger in diese Wunde legen.

Die WWF hat dann auch in veröffentlichten Unterlagen auf die „bedrohliche Situation“ des Zuchtlachses aus Chile hingewiesen. Sie weisen auch darauf hin, dass die Gesetze für den Naturschutz verbessert werden sollten und deren Einhaltung stärker durchgesetzt werden muss. Auch der tonnenweise Einsatz von Chemikalien und Antibiotika kommt zur Sprache. Sie sprechen sich dafür aus, mit den „fortschrittlichen Produzenten, NGOs und Regierungsvertretern den ´Salmon Aquaculture Dialogue´“ zu initiieren, wo „internationale Standards für ökologische, sozial gerechte und ökonomische Lachszucht entwickelt“ wird.

So weit, so gut…

Wieso unterstützt die WWF dann das Sterben der Meere?

Seit 2008 steht nun allerdings die Wasserwelt auf dem Kopf – zumindest teilweise. Die WWF und der weltweit größte Produzent von Zuchtlachs, Marine Harvest (der für einen Großteil dieses ökologischen Disaster verantwortlich zeichnet), haben sich vermählt.

Diese „Heirat“ wird nach außen dokumentiert mit dem WWF Gütesiegel, dem Panda-Bären, auf den Harvest Produkten.

Dafür hat Marine Harvest großzügigerweise 100.000 Euro an Spenden pro Jahr an die WWF fließen lassen.

Es ist aber anscheinend keine Rede von verbindlichen Verbesserungen von Marine Harvests Seite aus. Statt der 100.000 Euro hätte die WWF ihren Panda-Aufkleber für realistische ökologische Verbesserungen in diesem Bereich vergeben können. Aber aufgrund der momentanen Regelungen wird sich an der Situation in der Lachszucht nichts ändern. Der einzige Gewinner in diesem Szenario ist der Großunternehmer, der nach wie vor für den Profit die Umwelt zerstören darf, unbehelligt und jetzt auch noch mit Billigung und Aufklebern von hoch geachteten Umweltschützern.

Hat die WWF für eine lächerliche Summe ihren Ruf (oder das was davon übrig geblieben ist), an die Raubfische verfüttert?

Die betroffenen chilenischen Fischer und Muschelzüchter fühlen sich jedenfalls von der WWF verkauft. Und der Endverbraucher in Europa und den Staaten zahlt ein Heidengeld für einen Lachs, der rezept- und kostenfrei nebenbei noch eine Antibiotikatherapie für den vermeintlichen Feinschmecker bereithält.

Aber vielleicht waren wir ja wegen der bereits aufgenommen Antibiotika so lecker gegen die Schweinegrippe im letzten Sommer gewappnet?

Ach – Antibiotika helfen ja gar nicht gegen Viren. Hätte ich ja fast vergessen…

Datum: Freitag, 25. Juni 2010 16:45
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6 Kommentare

  1. 1

    Das ist doch die Höhe!
    Und ich wunderte mich schon, wieso ich seit mehreren Jahren den sogenannten Zuchtlachs nicht mehr vertrage, wieso mir davon regelrecht schlecht wird, allein der Geruch nach totem Fisch, der diesen Produkten entströmt, ist widerwärtig!
    Am ekelhaftesten finde ich dei Tatsache, daß sogar eine doch eigentlich renomierte öffentliche Stimme wie der WWF sich für sowas hergibt… Wieso schaltet sich da eigentlich Greenpeace nicht ein? Die wären doch da genau richtig, oder?

  2. 2

    Warum wird auf Ihrer Website der WWF noch als unterstützenswert genannt?
    Das passt doch dann nicht mehr wirklich!

  3. 3

    […] Die Doku hieß Lachsfieber. Und die Lachsindustrie Marine Harvest. […]

  4. 4

    […] Bei den Fischfarmen kommen noch ein paar “gesunde” Faktoren dazu: Losgelöste Schwermetalle von Käfiganstrichen sowie Antibiotikabehandlungen tonnenweise für die Fische, die unter unnatürlich engen Bedingungen dahin vegetieren und sich oft gegenseitig mit allen Arten von Erkrankungen anstecken. Die Fütterung basiert auf dem Prinzip: Mist rein und hoffentlich Gold raus. Es werden genetisch veränderte Soja verfüttert, weil´s billig ist, oder hydrolysierte Hühnerfedern oder Hühnerabfall oder… genug, mir ist schon schlecht. Wer mehr möchte liest meinen Beitrag zur Dokumentation: Lachsfieber, wie der WWF das Sterben der Meere unterstützt. […]

  5. 5

    […] Wie so eine Fischzucht aussieht und was dort betrieben wird, können Sie in meinem Artikel “Lachsfieber – Wie der WWF das Sterben der Meere unterstützt” nachlesen. Die gelösten Schwermetalle von den Käfiganstrichen, die die Fische permanent […]

  6. 6

    Weil ich gerade wieder einmal dabei bin, mich mehr für Fisch in meiner Alltagskost zu interessieren, bin ich froh dass ich im langen Artikel von RG zu Bluthochdruck den Link zu Zuchtlachs angeklickt hab und die obige Info lesen konnte.
    So ist es leicht für mich aufzupassen, dass ich keinen Zuchtlachs kaufe, egal wo.
    Was den WWF betrifft, werde ich mir jetzt auch noch ansehen. Bin zwar etwas hinten dran mit diesem Kommentar, jedoch besser spät als nie.

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