Glyphosat – sicher unsicher?

Die Gen-Industrie wollte uns damals gentechnisch veränderte Nutzpflanzen „schmackhaft“ machen mit der Begründung, dass diese weitaus weniger Herbizide benötigen als die natürlichen Counterparts. Monsanto, der Kopf und Marktführer in diesem Segment, versprach dies und noch andere Dinge. Danach ging man nach Hause und erweiterte als erstes die Produktionskapazitäten für die hauseigenen Herbizide, wie zum Beispiel Glyphosat. Heute weiß man, warum hier so unlogisch gehandelt wurde: Monsanto wusste damals anscheinend schon, dass der Herbizidumsatz steigen würde, da die herbizidresistenten GMOs (gentechnisch manipulierte Organismen) deutlich mehr Herbizid vertragen können als die „Unkräuter“ und die eben zitierten natürlichen Nutzpflanzen. Was die weiteren Hintergründe für dieses scheinbare Paradoxon sind, das habe ich in Die Gen-Technik und ihre Lobby beschrieben.

Während Firmen wie Monsanto alle ihre Produkte als sicher und gut erforscht einstufen (die Marketingabteilung hat sich da vielleicht einiges einfallen lassen, aus einem X ein U zu machen), gibt es in der weniger industrieabhängigen Forschung vehementen Gegenwind zu den „wissenschaftlichen“ Behauptungen von Monsanto. Auch zu diesem speziellen Thema hatte ich einen Beitrag verfasst: Politiker entdecken: Herbizide sind doch gesund.

Aber dabei ließen es die unabhängigen Wissenschaftler nicht bewenden. Sie nahmen sich das Herbizid noch genauer unter die Lupe. Was dabei heraus kam, ist alles andere als ein Grund zur Freude – oder für eine Entwarnung.

Krank durch Glyphosat?

Die beiden amerikanischen Wissenschaftler Samsel und Seneff veröffentlichten letztes Jahr einen Beitrag, der sich mit Wirkungen von Glyphosat auseinandersetzte, die bislang kaum Beachtung gefunden hatten (Glyphosate’s Suppression of Cytochrome P450 Enzymes and Amino Acid Biosynthesis by the Gut Microbiome: Pathways to Modern Diseases).

Sie hatten herausgefunden, dass Rückstände von Glyphosat in nahezu allen gängigen Nahrungsmitteln der westlichen Welt nachgewiesen werden können. Besonders betroffen sind hier Zucker, Mais, Soja und Weizen. Diese Rückstände sind immer noch ausreichend konzentriert, um im Laufe der Zeit das Cytochrom P450 zu hemmen. Das Cytochrom P450 ist ein Protein (Hämprotein) mit enzymatischer Aktivität, das vorwiegend in der Leber vorkommt. Dieses Enzym ist unerlässlich, um wasserunlösliche Substanzen zu verstoffwechseln. Durch die Umwandlung in ein wasserlösliches Substrat lässt sich die Substanz dann leichter und schneller über die Nieren ausscheiden. Das Enzym macht dabei keinen Unterschied zwischen körpereigenen oder körperfremden Substanzen. Von daher werden eine Reihe von Medikamenten über das Enzym „verarbeitet“. Dabei deaktiviert das Enzym direkt die Substanzen oder aber beschleunigt deren Ausscheidung, was die Akkumulation und somit gefährlich hohe Konzentrationen von zum Beispiel Medikamenten verhindert.

Wenn Glyphosat hier eine hemmende Wirkung auf das Cytochrom P450 ausübt, dann handelt es sich zwar nicht um eine krebsauslösende, zellschädigende oder sonstwie direkt schädigende Wirkung auf den Organismus. Vielmehr besteht der Schaden in der Lahmlegung der Verstoffwechslung von gefährlichen Substanzen, Noxen, Toxinen vor Ort, die nach Lust und Laune ihr Unwesen treiben können, ohne von einem „Eliminator“ gestört zu werden. Diese schädlichen Substanzen wiederum finden ihren Weg in den Organismus ebenfalls über die Nahrung oder als Umweltgifte über die Atemwege, Haut und so weiter. Der schädigende Einfluss auf den Organismus ist schleichend und baut sich über lange Zeit hinweg langsam und sicher auf. Er induziert vor allem entzündliche Prozesse, die direkt Zellen im gesamten Körper und ihre Bestandteile zerstören. Bislang hatte jedoch niemand in diese Richtung geforscht, was den Eindruck vermittelte, dass Glyphosat vielleicht doch keine Langzeiteffekte mit sich bringen würde.

Ein weiterer Punkt ist die spezifische Wirkung von Glyphosat. Laut Monsanto ist die Substanz schon deshalb als sicher anzusehen, da die herbizide = giftige Wirkung auf der Beeinflussung des Shikimisäurewegs beruht. Dieser Weg ist ein biochemischer Stoffwechselweg in Pflanzen und vielen Mikroorganismen, der eine Reihe von Aminosäuren als Endprodukt hat, wie zum Beispiel Phenylalanin, Tyrosin und Tryptophan. Phenylalanin und Tryptophan sind essentielle Aminosäuren für den Menschen, da für deren Synthese Enzymsysteme benötigt werden, die im menschlichen Organismus nicht vorkommen. Der Einsatz von Glyphosat blockiert gezielt diese pflanzlichen Enzyme und hat keinen Einfluss auf die Enzyme des menschlichen Körpers. Wie gerade gesehen und diskutiert, scheint das auch nicht zu stimmen, denn zumindest für das Cytochrom P450 gibt es jetzt neue, gegenläufige Erkenntnisse.

Aber wie sieht es mit den Mikroorganismen im Gastrointestinaltrakt aus? Diese Rückstände sind mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Lage, im Magen-Darm-Trakt genau so zu wirken wie auf den Feldern, wo die Substanz ausgebracht wird. Dort wie hier wird die Synthese von notwendigen Aminosäuren für die Mikroorganismen blockiert, was zu einem Effekt führt, der schon von den Antibiotika bekannt ist. Wenn auch der bakterizide Wirkmechanismus bei den Antibiotika ein anderer ist, so ist das Ergebnis in beiden Fällen das Gleiche: Absterben der Mikroorganismen im Gastrointestinaltrakt und damit eine Verschiebung des natürlichen Gleichgewichts mit all seinen bekannten Folgen. Wenn dann noch Antibiotika-Rückstände im Hähnchenfleisch, Schweinefleisch, Kalbfleisch und anderen Fleischsorten dazu kommen (was mehr als wahrscheinlich ist), dann ist das „Trio Infernal“ perfekt.

Da ist es nicht mehr verwunderlich, dass mit der modernen „Diät“ ein Anstieg an Erkrankungen verbunden ist, die nicht nur den Gastrointestinaltrakt, sondern auch Übergewicht, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Depressionen, Autismus, Unfruchtbarkeit, Krebserkrankungen und Alzheimer/Demenz betreffen. Die Autoren nennen in ihrer Veröffentlichung das Glyphosat ein „Bilderbuch-Beispiel“ einer körperfremden Substanz, die ins System eindringt und hier die natürliche Balance zerstört. Und Glyphosat schafft dies, wie es scheint, über zwei voneinander unabhängige Wege: Störung des Cytochroms P450 und Eliminierung beziehungsweise Reduzierung der Darmflora.

Politik zum Krankwerden

In den USA sind dann auch sofort Maßnahmen seitens der Regierung, vor allem von der EPA (Environmental Protection Agency – Umweltschutzamt der Amerikaner), ergriffen worden: Sie haben die Grenzwerte für Glyphosat und seine Rückstände in Nahrungsmitteln und Futtermitteln erhöht! Als Grund gibt die Behörde an, dass sie ausreichend Datenmaterial zur Sicherheit von Glyphosat vorliegen hat, um solche Schritte verantworten zu können. Kontrollierte Fütterungsstudien hätten ergeben, dass es weder bei Hunden, noch bei Mäusen zu Tumorbildungen gekommen sei. Wie diese Studien zustande gekommen sind und wer sie wann, wo durchgeführt hatte, das konnte ich aus der Quelle nicht entnehmen. Wir müssen also alle gläubig glauben, dass das alles auch so stimmt, wie die EPA uns das gerne weiß machen möchte…. Wer die Arbeiten von zum Beispiel Prof. Séralini dazu kennt, der kann sich mit dieser Darstellung der Unbedenklichkeit von Glyphosat kaum anfreunden (Pesticide toxicity vastly understated, claims new Séralini study). Seine Ergebnisse bezüglich Glyphosat und gentechnisch modifizierte Nutzpflanzen als Futtermittel waren derart desaströs für Monsanto, dass das Elsevier, wo die Arbeit veröffentlicht wurde, nach einem Jahr „den Schwanz einzog“ und die Veröffentlichung zurücknahm. Frühere Arbeiten, die zeigen, dass Glyphosat nicht als sicher gelten kann, habe ich hier diskutiert: Soja – Warum ich das lieber nicht essen würde.

Fazit

Wer Macht und Geld genug hat, der kann beides vermehren, indem er Gift auf den Markt bringt, es teuer verkauft und seine Kunden von sich abhängig macht. Wissenschaft dient hier nur als Feigenblatt, um die Giftigkeit des Produkts nicht sofort augenmerklich werden zu lassen. Und die bekannten „Firmen“ / Hersteller, scheinen da auch bei renommierten Professoren keine Ausnahme zu machen. Wer nicht spurt, der wird entfernt – heute noch in den Publikationsmedien, morgen werden wir sehen…

Datum: Freitag, 21. Februar 2014 12:37
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7 Kommentare

  1. 1

    Das ist ein sehr guter Beitrag und sehr informativ. Wir wissen so wenig über uns und über alles was in uns passiert.

  2. 2

    Guter Beitrag.Weiter so!!!!!

  3. 3

    […] GMOs „erfunden“ wurden, um Nutzpflanzen zu erzeugen, die gegen dieses Herbizid resistent sind (Glyphosat – sicher unsicher?). Und dann gibt es da noch die GMOs, die ihr eigenes Herbizid […]

  4. 4

    […] Untermauert wird diese Aussage von einer Studie aus Spanien, deren Veröffentlichung im Elsevier-Verlag erschien (Nutritional and physicochemical characteristic of commercial Spanish citrus juices.). Elsevier? Genau, dieser Verlag war es doch, der die bei ihm veröffentlichte Arbeit von Prof. Séralini über die schädlichen Effekte von GMOs bei Mäusen ohne nähere Angabe von Gründen zurückgezogen hatte: Journal retraction of Séralini study is illicit, unscientific, and unethical (siehe auch Glyphosat – sicher unsicher?). […]

  5. 5

    Ein sehr guter Beitrag, herzlichen Dank.
    Ich befasse mich als Lebensmittelfachkraft sehr intensiv mit der Gentechnik und der „Schwester“ Glyphosat.
    Meine Versuche die informationen an Menschen heranzutragen sind bereits schwer genug.
    Leider muss ich zu 99,9% feststellen, dass die Menschen viell. verstehen, dass es sich um giftige Substanzen handelt aber geistig nicht in der Lage sind, ihr Einkaufsverhalten zu ändern.
    Das soll nicht arrogant klingen, sondern ich möchte klar stellen, dass das Gewohnheitstier MENSCH endlich umdenken muss! Denn nahezu jeder Einkauf unterstützt die herstellenden Unternehmen wie Monsanto, Bayer, Syngenta usw. usw…. Bitte lasst euch beraten!!!

  6. 6

    […] Das Unternehmen hat seinen negativen Ruf damit erneut gesteigert, nachdem sogar amerikanische Rancher dem Agrar-Riesen kritisch gegenüber stehen: Es scheint mittlerweile ein offenes Geheimnis zu sein, dass die die Verfütterung von Gen-Mais bei vielen Rindern zu Unfruchtbarkeit führen könnte… Weitere unerfreuliche Nachrichten zum Glyphosat finden Sie in meinem Beitrag: „Glyphosat – Sicher Unsicher?„. […]

  7. 7

    […] belasten. Dazu zählt die Ernährung, aber auch Umweltgifte (ich nenne hier nur mal das Glyphosat als ein Beispiel), die unseren Darm belasten und angreifen. Über all diese Dinge hatte ich […]

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